KoopTech
Kooperative Technologien in der sozial-medialen Revolution

Behördendaten für Google

Von Christiane Schulzki-Haddouti • 24.November 2009 • Kategorie: Anwendungen

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Behörden erheben Zahlen, um das Staatswesen besser lenken zu können. Schon in der Antike wurden Volkszählungen vorgenommen. Heute wird fast alles gezählt, was volkswirtschaftlich, wissenschaftlich oder gesellschaftlich relevant ist. Wer über die Zahlen verfügt, verfügt über Entscheidungsgrundlagen. Die Frage, wie frei verfügbar und auswertbar diese Zahlen sind, ist daher eine gesellschaftliche Frage.

Eines der Projekte, die mich in den letzten Jahren in diesem Zusammenhang am meisten beeindruckt und inspiriert hat, ist Gapminder. Es visualisiert Zahlen der Weltgesundheitsorganisation auf eine neue, sehr erkenntnisreiche Weise, in dem es verschiedene Kennzahlen wie Lebenserwartung, Bildung oder Bruttoinlandsprodukt länderbezogen auf einer Zeitschiene miteinander vergleichbar machte. Bekannt wurde Gapminder über einen großartigen Vortrag von Hans Rosling auf der TED2006 Konferenz.

Ich halte diese Art von Visualisierung bzw. Auswertung öffentlich verfügbarer Daten für richtungsweisend, da sie komplexe Zusammenhänge auf eine einfach Weise erschließen lässt. Gerade für Journalisten ist hier auch ein wunderbares Recherchetool entstanden, das aber noch nicht wirklich genutzt wurde.

Google war offensichtlich auch begeistert – und konnte die Gründer, Vater und Sohn Rosling, vor knapp zwei Jahren davon überzeugen, die Software Trendalyzer zu verkaufen. Seither ist eine Menge geschehen: Gapminder in der ursprünglichen Version ist offen verfügbar – und lässt sich inzwischen von jedem als Visualisierungstools mit Hilfe von Google Spreadsheets verwenden. Ola Rosling stellte dies kürzlich auf dem Gov 2.0 Summit vor, wie ich dem lesenswerten OpenData-Blog entnehmen konnte:

Aus Sicht von Google ist das Projekt auf zweifache Weise großartig. Zum einen zeigt es, dass Google “gut” ist, da es sich um das Wohl der Allgemeinheit kümmert. Zum anderen bietet Google mit dem Motion Chart Gadget ein Tool an, das Nutzer motiviert, Zahlenmaterial so aufzubereiten, dass Google darauf direkt zugreifen kann. Google selbst hat dies für’s erste mit den Arbeitslosenzahlen in den USA vorgemacht, die stets über eine Schnittstelle zur amtlichen Statistik auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Gibt ein Nutzer entsprechende Suchbegriffe in die Google-Suche ein, wird er auch auf diese Grafik hingewiesen.

Der Nutzer erweitert damit Googles Datenbanken, ohne dass Google sich Gedanken darüber machen müsste, wie es die statistischen Zahlen sinnvoll such- und auswertbar machen sollte. Damit entstehen ganz neue Analysemöglichkeiten. Ich verweise hier auf die smarte Beobachtung von Tim O’Reilly:

Google’s prowess is not just in search, but in mapping, speech recognition, automated translation, and other applications driven by huge, intelligent databases that only a few providers can offer.

Dazu passt, dass Google seit kurzem die von der Weltbank über eine Programmierschnittstelle (API) frei zur Verfügung gestellten Daten zu den 17 World Development Indicators in sein Suchangebot integriert bzw. über sein neues Visualisierungstool analysierbar macht. Und damit soll nur ein erster Schritt getan sein:

We hope this new data and our new embedding feature will help facilitate quick and easy access to public statistics. There are still many other data sets and sources out there, and we’re excited about the possibilities for the future. If you’re a data publisher interested in making your data more easily discoverable in Google, please contact us.

Daniel Dietrich, Mitbegründer des OpenData Networks meint, dass es nur eine Frage der Zeit war “bis auch Google und andere große Suchmaschinen das Potential Opendata / public-data / raw-data / linked-data erkennen und mit entsprechender Macht in dieses Segment vordringen.”  Dabei verweist er auch auf den ebenfalls sehr sehenswerten Vortrag von Tim Berners-Lee  bei TED 2009: “Raw data now!”

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