Vom Hype zum effektiven Einsatz: Was Microblogging in Unternehmen bewegen kann

Twitter ist zumindest als Buzzword auf der Agenda von Kommunikationsverantwortlichen und Entscheidern fest verankert. Doch wie und wann vollzieht sich der Wandel vom Hypeœ zu effizienten, pragmatischen und sinnvollen Microblogging-Tools auch für die interne Kommunikation und was müssen solche Dienste leisten?

Ich möchte hier einen allgemeinen Überblick geben und den Ansatz und das Potenzial des eigenen Enterprise-Microblogging-Dienstes Communote erläutern.

Jens Osthues

Der Hype um Twitter: Was ist dran?

Werfen wir doch einen ersten Blick auf nüchterne Nutzerzahlen des Platzhirschenœ unter den Microblogging-Diensten in Deutschland, auf Twitter: Steigen die Zuwachsraten der Nutzer hier wie bisher, werden bis Mitte 2010 etwa eine Million Menschen in Deutschland twittern, so die Hochrechnungen der Marktforscher von Nielsen. Erstaunlich ist dabei momentan die Altersstruktur der Nutzer: Der Löwenanteilœ der Twitter-User, nämlich derzeit 41,7 Prozent, ist zwischen 35 und 49 Jahre alt, Teenager und junge Erwachsene (die SMS-Generation) halten sich bisher vornehm zurück. Die größte Gruppe der Twitter-Affinen ist also zahlenmäßig (noch) nicht besonders groß, steht aber bereits mitten im Berufsleben und ist mutmaßlich auch schon in der einen oder anderen Entscheiderposition. Entsprechend gibt es bereits verschiedene und erfolgreiche Ansätze, Twitter im Marketing-Mix von Unternehmen einzusetzen (ein guter Überblick über twitternde Unternehmen, Marken etc.).

Vom Gadget zum unverzichtbaren Arbeitsinstrument

Was hierzulande noch zu kurz kommt, ist jedoch Twittern als internes Kommunikations- und Kollaborationstool. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Geht es nicht um reine Kurzmitteilungenœ, sondern um komplexere Informationen aus dem Arbeitszusammenhang, greift dieses Tool einfach zu kurz. 140 Zeichen reichen selten, um einen komplexen Gedankengang oder Prozess zu beschreiben, Anhänge sollten mit verschickt werden können, und manchmal sollten Informationen eben doch nur einem begrenzten Personenkreis zugängig sein.

Das waren in etwa die Überlegungen, die uns bei Communardo dazu gebracht haben, Communote zu entwickeln einen Microblogging-Dienst, der kein nice-to-haveœ für wenige Gadget-Verliebte ist, sondern ein Medium, das sich im Arbeitsalltag als niedrigschwellig, effizient und vielseitig integrierbar beweist. Ziel ist es, einen offenen Kommunikationskanal für verschiedene Themen und Projekte zu schaffen, der breite Akzeptanz findet und entsprechend intensiv genutzt wird unabhängig davon, ob die Mitarbeiter bisher Web 2.0-affin sind oder nicht.

Die Theorie: The next big thingœ

Die Theorie spricht dafür, dass Enterprise Microblogging (den Microblogging-Services, die speziell auf den Einsatz in Unternehmen ausgerichtet sind oft auch als Social Communication oder Social Messaging bezeichnet) rosige Zeiten bevorstehen: Enterprise 2.0-Papstœ Dion Hinchcliffe sieht diese Technologie als the next big thingœ an, Gartner geht im aktuellen Hype Cycle Report davon aus, dass Microblogging in den nächsten zwei bis drei Jahren den nächsten Reifegrad erreicht hat und zu den sehr verbreiteten Technologien im Unternehmenseinsatz gehören wird. Triebfeder für diese Entwicklung ist sicherlich, dass erfolgreiche Kollaboration immer (überlebens-)wichtiger für Unternehmen und gleichzeitig, in verteilten und zunehmend projektweise organisierten Teams, immer schwieriger zu organisieren sein wird (McKinsey hat untersucht, was erfolgreiche Kommunikation und Zusammenarbeit treibt und behindert, u.a. Technologien)

Der Stresstestœ: Communote im Alltag

Und in der Praxis? Bisher gibt es wenige valide und umfassende Erfahrungsberichte zu Enterprise Microblogging aus Unternehmen. Communote z.B. ist seit Anfang diesen Jahres bei der TU Chemnitz im Einsatz, wo die Nutzer deutlich weniger E-Mails verschicken und ihre Projekte als besser dokumentiert empfinden. Bei Communardo, also im eigenen Haus, haben wir die Nutzung über ein Jahr (während er Beta-Phase) dokumentiert und ausgewertet (Details dazu hier) nur einige Erkenntnisse daraus: Unter den 68 angemeldeten Nutzern (allesamt Projektmitarbeiter) haben 24 Prozent die Software quasi nicht genutzt, während 54 Prozent als aktive und zehn Prozent gar als Power-User galten. Das stellt die 90-9-1-Regel von Jacob Nielsen zumindest in Frage und widerspricht auch dem klassischen Nutzungsschema von Twitter-Usern. Natürlich gilt der Einwand, dass hier ein Tool im entwickelnden und sicher thematisch besonders affinen Unternehmen getestet wurde aber über den Untersuchungszeitraum und im beruflichen Alltag dürften sich die internen Nasenpunkteœ des Produktes annähernd nivelliert haben. (siehe Grafik)

Generell konnten wir beobachten, dass Communote ganz anders benutzt wird als z.B. Twitter: Belangloseœ Privatnachrichten (trinke den zehnten Kaffee heuteœ) tauchen überhaupt nicht auf, stattdessen standen Themen aus dem Arbeitsbereich im Mittelpunkt.

Klassischeœ Einsatzfelder von Microblogging im Unternehmen sind (um nur die wichtigsten zu nennen):

  • Projektmanagement: E-mail-Kommunikation greift regelmäßig zu kurz irgendjemand wurde immer auf dem Verteiler vergessen oder verliert im Posteingang den Überblick. Jetzt wird die Kommunikation transparent für Alle an einem zentralen Ort dokumentiert und durchsuchbar. Ebenfalls problematisch: Später dazu stoßende Projektmitarbeiter haben große Schwierigkeiten, nicht nur Inhalte, sondern vor allem die Meta-Kommunikation im Team nachzuarbeiten und den eigenen Platz im Team zu finden . Statusinformationen werden nicht mehr nur zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern ständig von allen Projektmitgliedern einsehbar. Mehrabeit und Missverständnisse lassen sich so vermeiden.
  • Vertrieb: Außendienstler fühlen sich besonders häufig von der Kommunikation im Unternehmen abgeschnitten. Die Informationsflüsse zwischen ihnen und den Internenœ wiederum bleiben Einzelströme, sprich: ihre Kollegen profitieren nicht davon. An den technologischen Möglichkeiten hapert es eher selten, SmartPhones werden mehr und mehr zum Standard. Beispiel für Microblogging-Einsatz: Außendienstler können ihre Gesprächsergebnisse aus Kundengesprächen mobil und transparent dokumentieren und so die Schnittstelle zu anderen Abteilungen und ihrem Team herstellen. Das ermöglicht ihnen, besser auf Kundenanforderungen zu reagieren.
  • Innovationsmanagement: Gerade hier gilt: Time (to market) is moneyœ. Viele Innovationen starten im Kleinen und würden die Schwelle eines traditionell organisierten betrieblichen Vorschlagwesens nie überschreiten. Weckt eine Idee, kurz in einen Microblog getippt, Interesse, kann Innovation in Microblogs mit einiger Dynamik vorangetrieben und entwickelt werden. Die niedrige Schwelle bei dieser Form der Kommunikation fördert eine innovative Arbeitsumgebung.

Was Enterprise Microblogging nicht braucht, sind große Investitionen in Software, Installation und Schulungen. Was jedoch unbedingt notwendig ist, ist eine Unternehmenskultur, die Transparenz und flache Hierarchien befördert und auch über die Führungsebene eine gewisse Offenheit für neue Technologien und Arbeitsweisen lebt. Wird Enterprise Microblogging als fester Bestandteil des Kommunikationsprozesses eingeplant und etabliert, hat es weit mehr zu bieten als flüchtigen Charme es kann dazu beitragen, die Kommunikation dauerhaft zu verbessern und wertvolle Ressourcen effizienter zu nutzen.

About Jens Osthues

ist Teamleiter Online Services und verantwortlich für den Enterprise Microblogging Dienst Communote bei der Communardo Software GmbH, einem Anbieter von Softwarelösungen und IT-Beratung für Content & Knowledge Management, Team Collaboration und Enterprise 2.0. Communardo wurde 2001 gegründet und beschäftigt aktuell über 160 Mitarbeiter.
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2 Responses to Vom Hype zum effektiven Einsatz: Was Microblogging in Unternehmen bewegen kann

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  2. Hallo,
    was mir zum Teil noch fehlt, sind konkrete Nutzenbeispiele aus real existierenden Unternehmen. Leider gibt es da noch nicht soo viel. Wie sind denn die Erfahrungen bei anderen Communote-nutzenden Unternehmen?

    LG
    Jörg Hoewner

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