iPhone oder Android: Welche Plattform ist innovativer?

Findet Innovation aufgrund genialer Erfindungen einzelner Personen oder charismatischer Führungspersönlichkeiten statt – oder ist sie nicht vornehmlich das Ergebnis der Kooperation vieler Einzelner?

Gerade findet auf dem Smartphone-Markt wieder eine Auseinandersetzung zwischen beiden Prinzipien statt. Die Frage ist, ob sich das iPhone langfristig gegen Android durchsetzen kann. Während beim iPhone Apple die einzige und letzte Kontrollinstanz ist – und die Geiselnahme der Entwickler bei seinen Nutzern eine Art Stockholm-Syndrom auslöst , ist Android wesentlich offener und daher für die Entwickler wesentlich attraktiver. Android könnte daher die Plattform mit den spannenderen Anwendungen werden.

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Android Developer Phone 1 und iPhone 3 G / Bild: closari, CC-Lizenz: BY

Kooperation spielte in der Entwickungsgeschichte des Internet eine entscheidende Rolle. ARPANET-Entwickler Licklider etwa ist davon überzeugt, dass ohne eine umfassende Kooperation der Aufbau des visionären Intergalactic Network nicht erfolgreich gewesen wäre. So schrieb er:

“Um Fortschritte zu machen, benötigt jede Forschung Software und Hardware, die komplexer und umfangreicher sind, als sie eine Einrichtung je allein in nachvollziehbarer Zeit erschaffen könnte”.

Open-Software-Apologet Eric S. Raymond griff diese Vorstellung wieder in seinem Gleichnis vom Basar auf, der von den Tätigkeiten vieler Menschen legt – und stellte es dem einer zentral geplanten Kathedrale gegenüber. Während die Kathedrale für eine zentral gelenkte Software-Entwicklung steht, die von einem hierarchisch strukturierten Team mit einer Führungspersönlichkeit an der Spitze nach einem festen Arbeitsplan durchgeführt wird, bieten auf dem Basar zahlreiche Entwickler ihre Produkte an und entwickeln sie in einer auf Ko-Orientierung basierten Zusammenarbeit mit anderen weiter.

Auch in unserer Studie “Kooperative Technologien” gehe ich davon aus, dass Menschen vornehmlich zusammenarbeiten, kooperieren, um etwas gemeinsam zu kreiieren. Dabei finde ich spieltheoretische Ansätze überzeugend, die das Zusammenwirken vieler Einzelner beschreiben.

Zurück zum Wettlauf zwischen iPhone und Android: Interessanterweise gibt es einen Personenkult um Apple-Chef Steve Jobs – während bei Google eine derartige Aufmerksamkeitskonzentration auf die Gründer nicht zu erkennen ist. Diese interessante Korelation erlaubt – mit Blick auf das iPhone-Entwicklerdebakel – folgende Thesen:

  • Charismatische Führungspersönlichkeiten können in komplexen Umgebungen Innovationen eher behindern, da sie zur Übersteuerung neigen.
  • Unternehmen, die wie Google den einzelnen Mitarbeitern aber auch externen Entwicklern mehr Spielräume gewähren, können Innovationen nachhaltiger befördern.

Es sind auch gegenlaufende Hypothesen möglich. Der norwegische Ökonom Hans Hvide von der Business School der University of Aberdeen, so berichtete das Handelsblatt, ging der Hypothese nach, die erst jüngst in den Spekulationen um Steve Jobs Krankheit Hochkonjunktur hatte:

  • Wenn der Erfolg der Firma stark von der Person des Gründers abhängt, dann müssten die Geschäfte nach dessen Tod spürbar schlechter laufen.

Als Kontrollgruppe verwendete er ähnliche Start-ups mit noch aktiven Gründern. Das Ergebnis:

Die meisten Firmen haben des Ableben ihres Gründers mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Deutliche Unterschiede gegenüber Firmen mit – bis auf den Tod des Gründers – ähnlichen Charakteristika existieren nicht. So liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen sechs Jahre nach seinem Start noch existiert, bei Firmen mit verstorbenen Gründern bei 60 Prozent. In der Kontrollgruppe sind es 61 Prozent. Auch Umsatz, Gewinn und Mitarbeiterzahl beider Gruppen entwickeln sich weitgehend synchron.

An meine Leser daher die Frage: Was ist Ihrer Ansicht nach die treibende Kraft hinter Innovationen heute? Sind es immer noch die genialen Erfinder und Unternehmerpersönlichkeiten oder ist es ein guter Mix kompetenter Einzelner?


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About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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8 Responses to iPhone oder Android: Welche Plattform ist innovativer?

  1. Jens says:

    Man kann ja ber Apple meckern wie man will (und viele der Kritikpunkte sind ja auch berechtigt!), aber man muss Apple zu gute halten, dass sie bestimmte Prozesse sowas von einfach gestaltet haben, dass andere Anbieter sich da mehrfach was von abgucken knnen.

    Beispielsweise der AppStore:
    Wenn ich mobil unterwegs bin und ein Programm herunterladen will, dann gehe ich in den AppStore, suche das Programm, “klicke” drauf, gebe mein Passwort an und kurze Zeit spter ist es da. Im Vergleich dazu luft es auf anderen Plattformen deutlich schlechter: Als ich unlngst fr mein “Ersatzhandy” von Nokia fr die Symbian-Plattform mir einen kostenpflichtigen Twitter-Client herunterladen wollte, hat das ganze mal eben knapp eine dreiviertel Stunde gedauert. Erst einmal musste ich die Seite aufrufen, wo es das Programm gab. Dann kam ich auf die Shop-Seite, wo ich schlauerweise mit einer Freemail-Adresse mich nicht anmelden durfte. Also erstmal eine Alternativ-Adresse genutzt (die, haha, ber Google Apps for your domain lief…), mit der dann weitergemacht und dann kam ich zu der Seite mit den Bezahlangaben. Dort gab ich dann mhselig die entsprechenden Angaben an, um das ganze dann kurze Zeit spter wieder alles wiederholen zu mssen, da bei Aufruf eines Formularfeldes mit Dropdown-Feld nach Selektion der neuen Angabe alle bisher gemachten Angaben nicht mehr gespeichert waren.
    Dann endlich kam ich dazu das Programm herunterzuladen, was jedoch nicht klappte und dieser Prozess dauerte mit am lngsten, denn es lag daran, dass man anscheinend nur mit dem Original-Handy-Browser die Installationsdatei herunterladen konnte und nicht mit dem eigentlich genutzten Opera Mini.

    Okay, das ist jetzt natrlich ein anderes Beispiel – denn Nokia/Symbian ist nicht Google/Android, aber wenn man sich dieses Beispiel anschaut, kann man verstehen, warum pltzlich die ganze Welt vom AppStore entzckt ist, obwohl das grundlegende Konzept (neue – ggf. kostenpflichtige – Programme knnen installiert werden) nicht wirklich neu ist. Apple hat es geschafft bestimmte Dinge wirklich einfach zu gestalten.

    Die bisherigen Experimente, die ich mit Android gemacht habe, zeigen jetzt nicht wirklich, dass die Interaktion von Hard- und Software seitens Google + Hardware-Hersteller so gut luft wie bei Apple. Vielleicht ndert sich das ja mit dem Nexus One…

  2. @Jens, Die Usability ist natrlich das A und O. Ist die Frage denn wirklich: Will man lieber ein hbsches, kleines, schn berschaubares, gut bedienbares Gefngnis oder schlgt man sich lieber durch den unangenehmen Dschungel? Ich glaube, ich wrde eher auf Android setzen (kann jetzt aber nichts aus eigener Erfahrung beisteuern – demnchst vielleicht), da mir das Apple-Gefngnis im Vergleich zum Google-Panoptikum noch etwas unsympatischer erscheint. Letztlich wird das wohl immer eine Art Gefhlsentscheidung werden.

  3. Jens says:

    Ist halt die Frage was einem lieber ist:
    Ein System welches – einem goldenen Kfig gleich – einiges an Einschrnkungen hat, dafr aber bei den Kernfunktionen nahezu perfekt arbeitet. Oder aber ein System, wo man – um die vernnftige Produktivitt zu erreichen – alles an Google weitergeben muss. Ich kenne Leute, die sich weigern Android zu nutzen, damit nicht persnliche Daten (z.B. Adressen/Telefonnummern aus dem Bekanntenkreis) bei Google landen.

  4. @Jens, naja – fr die Leute, die GoogleApps eh jeden Tag verwenden, wird das Android Handy attraktiver sein – macht ja auch keinen Sinn, beim iPhone unpraktische Krcken zu verwenden.

  5. Stefan says:

    Apple wird weiterhin ein Nischendasein fhren, wie mit seiner Hardware generell, Apple stellt Lifestyle Produkte her, dort existieren keine Menschen die hinterfragen woran sie gebunden sind, sie sind glcklick mit dem Appstore und verwechseln oft Mobilitt und Freiheit.

    Googles Android ist wesentlich komplexer zu beurteilen, weil es Systeme wie Symbian, Palm oder Windows CE/mobile viele Marktanteile nehmen wird. Wer hat ein Interesse daran ein OS zu lizensieren, wenn es eine freie kostenneutrale oder vielleicht sogar eine gewinnbringende Alternative gibt? Das haben wir die vergangenen Jahre im Embedded-Bereich z.B. Consumer-Zugangshardware erlebt, die luft auf Linux, ob sie nun von AVM oder Siemens oder Cisco kommt.

    Das sich Google damit den mobilen Markt hnlich umfangreich erschliessen wird, wie das Web, um Werbung zu verkaufen ist nur die Spitze des Eisbergs im Hinblick auf den Verlusts an Privatsphre, der auf uns zukommt.

    Um deine Frage zu beantworten, sie wird ber den Preis, Verfgbarkeit und Komfort des Produkts entschieden, und zwar in vielerlei Hinsicht, wie verfgbarkeit von Spielen, Applikationen, Vertriebsmodellen fr unabhngige Entwickler, vielleicht auch vom Vorhandensein quelloffener Software.

  6. Icke says:

    Mit einem iphone war es mir zum ersten Mal mglich innerhalb krzester Zeit und ohne Bastelei und Konfiguration ein modernes Mobiltelefon so zu benutzen, wie man es sich vorstellt. Ich wrde diesem Gert gar das Prdikat “barrierearm” verleihen.

  7. Pingback: Links: Genie gegen Gemeinsamkeit – Hartmut Ulrich - Randbetrachtungen

  8. Ofelia says:

    Ich habe nur iPhone, kenne eigentlich nicht die Funktionen von dem Android. Bin aber von meinem iPhone begeistert. Danke fr diesen Beitrag, gut zu wissen.

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