Kristallkugel oder Extrapolation? Was Rückblicke für die Zukunft bringen

Um einen persönlichen Jahresrückblick bat mich die geschätzte Kollegin Christiane. Spontan habe ich zugesagt. Dann habe ich mich gefragt: Was könnte ich denn überhaupt erlebt haben, das für irgendwen anders interessant ist? Hinzu kommt, dass ich eigentlich Rückblicke gar nicht so mag. Das liegt vor allem daran, dass sie sich auf die Vergangenheit beziehen.

Nun sind ja andererseits, wie ein Sprichwort sagt, Prognosen besonders schwierig, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. Daher ist es für den eigenen Erfolg, persönlich und beruflich, so ungleich wichtiger zu planen und sich gut auszurichten, statt untätig irgendwelchen Kristallkugel-Sehern zu glauben. Und da kommt dann wieder die Vergangenheit ins Spiel. Denn rückblickend und mit Distanz können wir viele Dinge oft besser beurteilen und einordnen als direkt im Moment selbst. Das hilft wiederum für den Blick auf das, was kommen wird. Aus dem Vergangenen können wir zukünftige Entwicklungen extrapolieren, also bekannte Daten und Fakten ins Unbekannte fortschreiben. Oder es zumindest versuchen. Also versuche ich das einmal für einige ganz persönliche Entwicklungen und Ereignisse.

Weit in die Vergangenheit fiel mein innerer Blick vor einigen Wochen, als Herta Müller den Literaturnobelpreis zugesprochen bekam. Rund 20 Jahre zurück fiel er, als die relativ unbekannte, aber schon damals hochgelobte Schriftstellerin aus dem Banat mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Richard Wagner, zu einer Lesung in das Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum kam. Ich war erstens Literaturstudentin. Zweitens und vor allem betrachtete ich mich in jugendlicher Selbstüberschätzung als eine der wesentlichen Stützen des ebenfalls mancherorts hochgelobten lokalen Feuilletons der Rheinischen Post. (In Wirklichkeit hatte ich einfach einen ebenso genialen wie didaktisch begabten wie gnadenlosen Feuilleton-Chef, der mit mir zusammen meine Artikel und Rezensionen so lange rauf und runter zerlegte und wieder zusammensetzte, bis jeder Buchstabe und jedes Satzzeichen saßen.)

Hätte ich schon damals extrapolieren können, was später geschehen würde, hätte ich meine Kritik der Lesung wohl aufbewahrt. Aber vor allem wäre mir der signierte Gedichtband nicht so spurlos während irgendeinem meiner Umzüge abhanden gekommen. Denn in meinem Bücherregal, wo ich letztens natürlich sofort nachschaute, steht er nicht mehr. Dafür fand ich dort, wo ich suchte, “Die letzte Welt” von Christoph Ransmayr und “Die Entdeckung der Langsamkeit” von Sten Nadolny. Das waren damals, in den 80ern, wichtige und wegweisende Werke. Wer spricht heute noch groß davon, außer in Rückblicken auf die 80er?

Zurück ins Jahr 2009. Für mich war es persönlich und beruflich ein sehr gutes Jahr. Dafür bin ich gerade in diesen Zeiten sehr dankbar. Den unternehmerischen Erfolg führe ich auf eine gute Portion Glück und auf die Unterstützung eines wirklich großartigen Netzwerkes zurück. Und auf den persönlichen Einsatz und das Wohlwollen einiger besonderer Menschen, die mich mit ihren Empfehlungen und ihrer wertschätzenden Kritik bereitwillig und selbstlos gefördert haben.

Zumindest hoffen kann ich, dass ein Teil dieses Erfolgs aber auch der Strategie zu verdanken ist, die ich seit rund zwei Jahren konsequent verfolge und weiter verfolgen werde. Dazu gehört, dass ich nahezu meine gesamte Akquisitionszeit ins Netzwerken stecke. Ich produziere Content in meinem Blog, von dem ich überzeugt bin, dass er für andere wertvoll und interessant ist. Ich sorge für eine gute und nachhaltige Vernetzung im Web, auch und vor allem mittels Social Media. Vor allem aber tue ich das, was ich ohnehin am liebsten mache: den direkten, persönlichen Kontakt zu interessanten Menschen suchen.

In Zeiten, in denen ich selbst gezweifelt oder mich gesorgt habe, wie es weitergeht, haben mich die Erfolge solcher Menschen gestärkt und inspiriert, die konsequent und mit Leidenschaft ihren Weg verfolgen. Insofern soll dies hier auch und vor allem anderen ebenfalls Mut machen.

2009 war mein bisher erfolgreichstes Geschäftsjahr. Es lässt sich also mit einigermaßen hoher Verlässlichkeit extrapolieren, dass 2010 nochmals ein besseres Jahr werden wird. Für mich ist es dabei aber immer wichtig, mich mit einer gewissen Demut daran zu erinnern, dass kein Mensch wirklich planen oder auch nur annähernd vorhersehen kann, was der nächste Tag bringt. Insofern ist, bei aller Retrospektive und Extrapolation, der einzige wirklich entscheidende Moment immer genau: Jetzt!

About Kerstin Hoffmann

Beraterin für Unternehmenskommunikation und bloggt unter PR-Doktor.
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