Dass Internetnutzer nicht gleich ihren Klarnamen, sondern auch Pseudonyme nutzen sollen, ist seit Jahren ein Mantra der Datenschützer. Der IT-Branchenverband Bitkom tut sich damit jedoch schwer - was dem sehr zwiespältigen Wording seiner aktuellen Pressemitteilung zu entnehmen ist.
Zwar zeigt BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer Verständnis und sagt: ”Wie richtigen Leben brauchen Internet-Nutzer ein gesundes Misstrauen. Gerade weil man seinem Gegenüber nicht live ins Gesicht sieht, sollte man nicht alles preisgeben und nicht alles glauben.” Doch warum verwendet die Pressemitteilung dann Formulierungen mit so negativen Konnotationen wie “Falschangaben”, “Tricksen”, “flunkern”, “manipulieren”, “verschleiern”, “vortäuschen” und nennt die datenschutzbewussten Nutzer “Schwindler”? Und dies, obwohl die präsentierten Zahlen durchaus differenzieren: So macht jeder vierter Nutzer “Falschangaben”, doch nur jeder sechste verfolgt damit eine gezielte Täuschungsabsicht bzw. hat “im Netz gelogen”, um sich “ohne negative Folgen auszulebenâ. Letzteres muss übrigens gar nicht verwerflich sein – folgt man einer noch vor zehn Jahren verbreiteten Argumentation von Soziologen und Psychologen.
Anstatt also die Nutzung von Pseudonymen ausdrücklich zu begrüßen oder auch auf entsprechende Nutzungsmöglichkeiten des kommenden digitalen Personalausweises hinzuweisen, rät der Verband lediglich: âMan muss nicht jedes weiße Feld ausfüllen.â Dabei ignoriert er, dass Anbieter auch Angaben zu Pflichtfeldern machen, die zur Abwicklung desjeweiligen Geschäftsprozesses nicht notwendig sind.


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