Ingo Ruhmann über Cyberwar-Rüstungskontrolle

Nach langer Zeit hat Ingo Ruhmann wieder etwas Grundlegendes zum Thema “Cyberwar” veröffentlicht.

Anlass ist eine Forderung des IT-Sicherheitsunternehmens McAfee nach einer offenen Debatte über die Gefahren von Cyberkriegen, während die USA und Russland Gespräche über Cyber-Rüstungskontrolle begonnen haben. Offenbar sind die Folgen der IT-Attacken mittlerweile nicht nur für Außenstehende, sondern auch für Insider unkontrollierbar und unabsehbar.

Zu den jüngsten Beispielen für Cyberangriffe zählen die E-Mails von Klimaforschern die pünktlich vor der Konferenz in Kopenhagen auf “anonymen Internetservern in Russland” der Presse zugespielt worden waren. McAfee will nun eine offene Debatte einläuten, da der Gegner im Netz nicht mehr nur der einsame Hacker oder einzelne Banden, sondern ganze Staaten sind. Ruhmann:

Denn in der Liga der Cyberkrieger spielen staatliche Akteure, die für Manipulationen an Computern und Netzen bei Bedarf wichtige Einsatzmittel wie Zeit, Geld, IT-Ressourcen und kriminelle Energie fast ohne Begrenzung einsetzen können. Ihre einzige echte Grenze ist die Verfügbarkeit von gut qualifiziertem Personal und dessen Einfallsreichtum.

Die offene Debatte sei aber nur der Anfang, geboten sei vielmehr eine Cyber-Rüstungskontrolle, deren konzeptionelle Basis sowie Optionen Ruhmann erörtert, und dabei gleich zu Beginn mit Blick auf die existierenden Ansätze zu der kritischen Feststellung kommt:

Aber weder die konzeptionelle Ebene, noch die der politischen Ziele und deren Priorität noch operationelle Fragen der Verifikation sind bisher in einem zufriedenstellenden Umfang untersucht.

In seinem Beitrag skizziert Ruhmann wie eine “realistische Herangehensweise”  welche “Vorbilder aus dem bereits bestehenden Rechtsrahmen” ableiten oder übertragen könnte und “welche Maßnahmen verifiziert werden” könnten. In Bezug auf das COCOM-Nachfolgeabkommen von Wassenaar, das auch für Supercomputer und etliche Kryptoprogramme gilt, schreibt er:

Die Rüstungskontrolle im Hochtechnologiesektor ist für die Erfordernisse einer Cyber-Rüstungskontrolle eindeutig nicht angemessen und differenziert genug entwickelt.

Ruhmann zeigt im weiteren Verlauf praktikable Ansätze auf – und zeigt sich angesichts des eher lauen politischen Willens hinsichtlich einer zügigen Lösung aber eher skeptisch. Er setzt daher auf die Zivilgesellschaft und die Wissenschaftler, die ähnlich wie bei der atomaren Rüstungskontrolle, Ansätze entwickeln, praktizieren und so die Politik unter Zugzwang setzen könnten.

Der Artikel ist sehr lesenswert – und in seiner Differenziertheit nicht leicht zusammenzufassen. Ich empfehle daher einfach diesen Klick. Und den Erwerb dieses gründlichen Readers zum Thema.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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