Open-Source-Möbel zum Selberbauen
Von Silke Helfrich • 12.Januar 2010 • Kategorie: Innovation1,209 views • Ein Kommentar
Offenes Design von anfassbaren Dingen, von Dingen zum zusammenbauen und kaputtmachen, zum draufsetzen, rumlümmeln, anzünden (wie Lampen) und nicht nur von Software – das ist der Trend.
Was halten Sie von der Idee, Ihren Schreibtisch aus dem Internet zu laden, den persönlichen Bedürfnissen anzupassen und selbst „die Endfertigung“ vorzunehmen? (Das ist eine ernst gemeinte Frage).
Die Nutzungsmöglichkeiten der Allgemeinheit erweitern sich. Die Abhängigkeit vom Produzenten sinkt. Offenes Design beweist, dass die Prinzipien der Produktion von freien Betriebssystemen und freier Software auch auf die materielle Welt übertragbar sind. Das wird vielen Designern, die auf das Prinzip der Exklusivität gesetzt haben nicht gefallen, anderen wiederum neue Betätigungsfelder eröffnen und insgesamt die Welt des Designs und der Architektur bunter, lebendiger und vielfältiger machen. Doch open design scheint mir erst dann richtig spannend, wenn gerade auch solche Lebensbereiche erfasst werden, die bisher ein stiefmütterliches Designerdasein fristeten.

Hier und hier berichtet das ORF-Magazin Futurezone über den isrealischen Designer Ronen Kadushin, stellvertretend für den Einzug des Prinzips Offenheit in Design und Architektur.
„Open Design war für mich eine Möglichkeit als Designer, …meine Entwürfe umgesetzt zu bekommen“.
Und nicht nur das: Kadushin verdient auch Geld damit (was nicht heißt, dass diese Möglichkeit des Geldverdienens verallgemeinerbar ist.) Aber ihm zumindest hat sein Ansatz und die Veröffentlichung seiner Entwürfe einen Lehrauftrag beschert.
„Jeder kann die Entwürfe für private, nichtkommerzielle Zwecke kostenlos kopieren, verbreiten und verändern – und, was das Wichtigste ist: zu Hause nachbauen.“
Diskutiert werden diese Themen in Deutschland unter anderem in der „Everything Open“-Veranstaltungsreihe vom newthinking store. Christian Siefkes hat eine der Veranstaltungen hier dokumentiert. Und bei Thingiverse gibt es jede Menge „digitale Designvorschläge, aus denen man richtige Produkte machen kann.“ (Nur so schön wie bei Kadushin sind sie nicht.)
Was ich nun gern noch wüsste: Warum stellt Ronen Kadushin seine Website nicht unter eine Creative-Commons-Lizenz?
Illustrationen von design&people
Silke Helfrich ist freie Bildungsreferentin und Publizistin. Sie lebt und arbeitet in Jena/Thüringen. 1999-2007 Auslandsmitarbeiterin der Heinrich-Böll-Stiftung für Zentralamerika, Mexiko und Kuba. Dort Beschäftigung mit vielen Einzelthemen, Biodiversität, Energie, Wasser, freie Software, Menschenrechte, Demokratie, die in der Auseinandersetzung mit den Commons mündeten. Sie bloggt regelmäßig in ihrem CommonsBlog.
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Mit der Endfertigung ist das so eine Sache. Wenn es gut aussehen soll, ist eine Menge an handwerklicher Erfahrung und Werkzeuge gefragt – auch eine entsprechender Heimwerker-Werkstatt. Erste Hürde für Grossstadtbewohner. Die Metallobjekte von Kadushin sind ohne Profi-Equipment kaum machbar. Eher eine Chance für kleine Betriebe, zu denen der Kunde mit dem “Bauplan” kommt. Das aber ist mit der Noncommercial-Lizenz sicher schwierig. In jedem Fall wäre dann aber der Vorteil des “Design für einen kleinen Preis” wieder zunichte gemacht.
Da steckt noch eine Menge Klärungs- und Weiterentwicklungsbedarf drin.