Dirk von Gehlen vermisst einen “Allgemeinen Daten-Autobahn-Club”

Die Debatte hier hat etwas angeregt: Nämlich einen neuen Beitrag von Dirk von Gehlen in der SZ, der sich nicht mehr nur theoretisch, sondern eingehend mit der Frage der Netzneutralität beschäftigt. Auch er kommt nicht ohne die Metapher der Datenautobahn aus – dafür ist der Beitrag auch gut zu verstehen. Mit Blick auf die DSL-Geschwindigkeiten schreibt von Gehlen:

Nehmen wir das Beispiel Geschwindigkeit: Kein Autohersteller könnte es sich erlauben, einen Pkw auf den Markt zu bringen, der statt der versprochenen 120 PS nur die Hälfte der Leistung bringt. Einer der zahlreichen Lobby-Verbände würde ihn öffentlich vor sich hertreiben, bis der “Betrug am Bürger” behoben ist.

Gehlens Vorschlag lautet daher:

Eine Nutzer-Vereinigung im digitalen Raum könnte auch bedeutsamen politischen Debatten zu einer größeren Öffentlichkeit verhelfen.

Gehlen denkt dabei an einen “Allgemeinen Daten-Autobahn-Club“. Guter Vorschlag! Eine solche verbraucher- bzw. nutzerorientierte Vereinigung wäre überfällig. Denn der – auch nur unter Mühen vor einem Jahrzehnt gegründete – Branchenverband Bitkom ist ja alles andere als das.

Sich vorwiegend für Datenschutz einzusetzen, genügt leider angesichts der Fülle von brennenden Themen und politischen Baustellen längst nicht mehr. Zumal die Protagonisten, der seit Jahrzehnten verdiente FoeBud, die gelehrte Informatikervereinigung FIfF, der etwas elitäre CCC oder der basisdemokratische AK Vorrat in der Tat immer noch zu klein sind – obwohl sie durchaus zu mobilisieren wissen.

Doch wie bringt man die Menschen dazu, sich zu engagieren und Mitgliedsbeiträge für solche Organisationen zu zahlen, damit diese richtig arbeiten können? Nur über permanente Aufklärung. Über Kontrollversuche wie Zensursula, über den Jugendmedienstaatsvertrag, aber auch über noch positiv besetzte Themen wie “Open Data” und “Augmented Reality”, über Cloud Computing und Datenhoheiten. Und hier sind wieder auch die Medien gefragt, die die Nutzer immer wieder aufs Neue dafür sensibilisieren müssen. Daher: Danke für diesen Beitrag!


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About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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2 Responses to Dirk von Gehlen vermisst einen “Allgemeinen Daten-Autobahn-Club”

  1. vera says:

    JA. Aber wie stellst Du Dir einen Verband vor, der Verbraucherinteressen vertritt, von denen die meisten nicht einmal wissen, daß sie sie haben?

  2. Genau, das ist es ja. Die Medien müssen hier einfach ihre Arbeit machen.

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