So, da hat also Don Alphonso, das enfant terrible des Web 2.0, mal wieder losgeschlagen. In der FAZ beschreibt er das merkwürdige Verhalten von Webexperten in der Großstadt bei der Paarung mit Unternehmen – und was dabei (nicht) herauskommt.
Viel gehört nicht dazu, ein „Experte“ zu werden; im Prinzip reicht ein Blog und die Behauptung, Experte zu sein, und schon kann man loslegen. Bei „deutsche-startups.de“ werden genehme Erfolgsmeldungen der digitalen Wirtschaft durchgereicht, im Blog „Netzwertig“ erzählt der Marketingarbeiter Martin Weigert, was die Zukunft im Netz bringt, mit „Spreeblick“ führt Johnny Haeusler ein Blog, dessen Bekanntheit die digitale Visitenkarte für seine Beratertätigkeit ist, und auf „Carta.info“ versuchen Journalisten und Berater den deutschen Medien zu erklären, wie sie sich für die Veränderungen fit machen müssen.
Das hat eingeschlagen: Von Johnny Haeusler bis Nicole Simon, von Nico Lumma bis deutsche-startups.de kriegt jeder sein Fett weg. Tenor: Kein Mensch braucht die Berater und das einzige Geld, das sie verdienen ist ihr eigenes. Unternehmen haben wenig davon. Und: Beratern aka Experten ist es wichtiger Recht zu haben als dem Unternehmen wirklich zu helfen.
Ja, Don Alphonso hat Recht. Braucht es ein Buch, um zu twittern? Muss ein Stahlträgerhersteller eine Facebookpage haben? Nein. 90 Prozent der Unternehmen brauchen so was erst mal nicht.Ehrlich gesagt braucht die Eisdiele um die Ecke eher eine Facebookpage, weil ich dann weiss, wann es wieder eine Eat-as-much-as-you-can-Party (oder so) gibt.
Die Moden des Netzes kommen und gehen, soziale Netzwerke gelten als heiß und werden wieder abgestoßen, aber es ist der ewig gleiche Zirkel von Leuten, die am neuesten Hype mitwirken.
Und alle haben dazu etwas zu sagen. Das ist auch gut so, wir brauchen in der Tat mehr Kommunikation. Und sicherlich sind auch manche Vorschläge in den Unternehmen richtig und wichtig; und sicher gibt es manchmal keine Erfolge, weil eben das Unternehmen den Ratschlag nicht angenommen oder fehlerhaft umgesetzt hat.
Wie wird man nun zum Experten? Um die genannten Berater ein wenig in Schutz zu nehmen: Die wenigstens haben sich selbst so genannt, Schuld sind die Medien. Die haben mich einst zum Podcastexperten gemacht. Warum?Weil ich wohl der einzige von damals vielleicht zehn Leuten war, der ans Telefon gegangen ist. Und weil ich jemanden bei AP kannte, dem ich eigentlich nur mal sagen wollte, was es da Neues gibt (der Sache wegen).
So bin ich auch zum Wissenschaftsjournalisten geworden: Ich bin Journalist und mache auch noch einen Wissenschaftspodcast.
Wenn man in Deutschland etwas macht, was Journalisten nicht verstehen, wird man zum Experten. Die sind wichtig für Medien, denn hinter denen kann man sich verstecken, wenn man selbst keine Ahnung hat oder zu faul ist zum recherchieren. Und man kann mit ihnen immer einen Beitrag aufhübschen. Ohne die Wahrnehmung durch die Medien gäbe es diese Experten nicht.
Die andere Frage ist, warum Unternehmen eigentlich nicht genauer hinschauen, wen sie denn da als Experten holen. Was taugt eigentlich die PR-Abteilung, wenn die keine Ahnung von Social Media hat? Experten dienen in Unternehmen gerne als Feigenblatt für entscheidungsunfreudige Geschäftsführer. Die können – wenn es schiefgeht – immer auf den Experten verweisen.
Es ist also nicht ganz so einfach wie Don Alphonso schreibt. Aber es ist eben auch eine Menge Wahrheit drinnen. Ich habe mal einen der Hyperexperten in Sachen PR auf einem Kongress erlebt. Da hat er eine “Case Study” vorgestellt für Web-2.0-Kommunikation in einem sehr großen deutschen Unternehmen. Gezeigt hat er ein Bulletin Board mit zwei Beiträgen. Einer war, glaube ich, ein Fahrradverkauf. Ich habe dann gefragt, ob das seine Beratung gewesen sei, und er hat sinngemäß geantwortet: “Da muss mal halt ganz unten anfangen.”
Das ist Unsinn. So was passiert, wenn man nicht zuhört. Ich verkaufe nicht Technik als Berater (also Facebook oder Twitter), sondern ich bin Experte, weil ich die Tools kenne und einschätzen kann, ob diese die richtigen sind. Dazu muss ich aber erst einmal verstehen, was der Kunde denn gerade macht und was er überhaupt will. Ich habe die Second-Life-Zeitung bei Springer miterlebt und mich gefragt, wer das zu verantworten hatte. Das war völlig an den Menschen, die in Second Life waren, vorbei. Besser wäre da wahrscheinlich eine virtuelle “Bild” gewesen, die es in den Casinos und Strip Clubs umsonst gegeben hätte.
Don Alphonsos Beitrag könnte ein Anfang für eine notwendige Diskussion sein über Beratung und Berater.
Disclosure: Ich berate selbst, setze diese Projekte dann aber auch mit um und stehe für den Erfolg oder Misserfolg gerade.



Ja, man merkt, dass du Web2.0 Experte bist:
Erstmal ein paar bekannte Namen in den Text einbauen, dann ordentlich in alle Richtungen Schläge austeilen und am Ende etwas vollkommen offensichtliches lange auswälzen und als eigene ganz neue Erkenntnis verkaufen.
Genau so arbeitet man im Web2.0 und bekommt viel Aufmerksamkeit für wenig Arbeit.
(Alternativ kann man natürlich inhaltslos einen Artikel kommentieren, der vermutlich Aufmerksamkeit bekommen wird; am besten schön dran rumnörgeln)
Noch besser ist nur, auch noch eine Meta-Ebene einzubringen.
Mal eine blöde Frage: Wenn Don Alphonso ach so recht hat, wer hatte je unrecht? Ich hab den Artikel angefangen zu lesen und habe schnell wieder weggeklickt. Wer hat je behauptet, dass unbedingt jeder unterschiedslos auf Friendster sein müsse. Und haben wir nicht damals schon über die par gelacht, die das meinten?
Netzhaeuter, vielleicht ist Dir aufgefallen, dass ich versucht habe das, was Don Alphonso sagt, zu relativieren? Er hat im übrigen die Namen genannt, ich fasse das zusammen. Wo ist das Problem, zu diesem Artikel Stellung zu nehmen in einem Blog das sich mit diesen Themen beschäftigt? Gab es da ein Diskussionsverbot?
Ich bin gespannt darauf, wie Du die SACHE siehst und welche neuen Erkenntnisse Du hast.
Ich bin im übrigen IT-Consultant, kein Web-2.0-Berater, um das noch klarzustellen. Ich setze IT-Projekte um, nach Massgaben von Unternehmen. Da ist selten Web 2.0 drinnen.