Irgendwie hat die Musikindustrie ihre Mühe mit dem Internet, zumindest der Verband der Musikindustrie hat diese. Denn heute hat er eine Serie gestartet, in der er mit den gängigen “Vorurteilen” mit einer “kritischen Bestandsaufnahme und näherer Betrachtung der Fakten” aufräumen will.
Heute hat der Verband schon einmal zwei Vorurteile präsentiert – aber seine Antworten auf diese nicht klar getrennt (wohl wegen Copy-und-Paste-Übertragung aus einem Textverarbeitungsprogramm). Wir holen eine entsprechende Formatierung nach und lassen – anders als der Verband – auch kommentieren:
Vorurteil Nr. 1:
“Die Musikindustrie hat das Internet verschlafen.”
Antwort des Verbands:
“Zugegeben, die Musikindustrie war nicht an vorderster Front, als es galt, die Möglichkeiten dieses neuen Mediums für sich zu erschließen. Bei aller berechtigten Kritik hat sich die Branche nach zögerlichen Anfängen schnell auf die veränderten Rahmenbedingungen eingestellt. So sind heute weltweit rund elf Millionen Musiktitel online verfügbar. Allein in Deutschland gibt es über 40 legale Musikangebote im Internet – vom Ŕ-la-carte-Musikshop, über das Abo-Modell bis zum Streaming-Dienst. In vielen Ländern werden Gespräche mit Internet-Service-Providern geführt, um den Zugang zum Internet gegen einen geringen Aufpreis mit dem Genuss und Erwerb von Musik zu verknüpfen. Mit einem Umsatzanteil von 30 Prozent erwirtschaftet, mit Ausnahme der Spielehersteller, keine Medienbranche einen größeren Anteil ihres Umsatzes im Internet als die Musikindustrie.”
Vorurteil Nr. 2:
“Das Internet hat die Musikfirmen überflüssig gemacht.”
Antwort des Verbands:
“Trotz mehrerer Millionen Band- und Artist-Websites auf Communities wie MySpace hat es in den 15 Jahren seit Start des World Wide Web vielleicht eine Handvoll Künstler wie beispielsweise die Arctic Monkeys geschafft, über das Netz einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu werden. Und diese haben sich dann meist schnell unter das Dach einer Musikfirma begeben. Bei anderen Beispielen erfolgreicher Selbstvermarktung – wie im Fall der Band Radiohead – handelt es sich meist um etablierte Künstler, die ihre Bekanntheit in klassischen Strukturen erworben haben. Projekte wie SellaBand – wo Fans durch ihre finanzielle Beteiligung das erste Album einer Band finanzieren können – haben Charme, wirtschaften aber immer wieder am Rande des Ruins.
Das verwundert nicht, denn mit dem Internet hat die Komplexität der Musikvermarktung und des Musikverkaufes erheblich zugenommen. Kein Künstler kann alle potenziellen physischen und digitalen Medien- und Vertriebskanäle bespielen und sich gleichzeitig noch auf das Machen von Musik konzentrieren. Vor allem aber kann die Selbstvermarktung die wichtigste Funktion der Labels nicht ersetzen. Viele junge Talente können nur dadurch gefördert und bekannt werden, weil Musikfirmen das Geld, was sie mit etablierten Künstlern verdienen, zu einem großen Teil in den Nachwuchs investieren. Dieses System hat eine einzigartige Vielfalt an qualitativ hochwertiger Musik erschaffen.”


Wenn man das “Vorurteil” nur passend formuliert, dann kann die Antwort schön vernebelnd ausfallen. “Vorurteil 2″ müsste heißen: Das Internet macht hergebrachte Verwertungsketten und Vertriebswege überflüssig. Die neuen Aufnahmetechnologien und das Internet senken auch die Kosten für die Produktionen und das Marketing ganz gewaltig. Deshalb erwächst den Labels Konkurrenz. Ihre organisatorische und finanzielle Leistung können jetzt auch andere erbringen.
Mein Lieblingssatz: “In vielen Ländern werden Gespräche mit Internet-Service-Providern geführt, um den Zugang zum Internet gegen einen geringen Aufpreis mit dem Genuss und Erwerb von Musik zu verknüpfen.”
Wenn die Verleger nicht Pickel davon kriegen würden, könnten sie sich den Satz direkt kopieren und ‘Musik’ durch ‘Zeitungen und Magazine’ ersetzen!
Die Musikindustrie besteht auch zu 80% aus einem überfetten WASSERKOPF. Der herangereift ist über die Jahre – besonders in den 80ern, als sich CDs wie geschnitten Brot verkauft haben.
Der Wasserkopf sitzt auf seinen fetten Gehältern und will weiter mehr und mehr verdienen.
Das geht aber nicht mehr wie früher, weil die Leute sparen müssen, und findig sind und sich ihre Musik sonst woher besorgen (CD vom Freund kopieren ist erlaubt).
Lösung: Wasserkopf abschneiden, Manager entlassen. Sollen die halt in den Pflegesektor gehen, dort braucht man genügend Leute ! Bleibt sowieso keine andere Lösung, ansonsten wird der Wasserkopf halt ausgetrocknet, weil die Verkäufe zurückgehen…