Kulturell bedingte Verhaltensregeln für Social Media

Die BVDW-Fachgruppe Social Media hat 10 Handlungsempfehlungen vorgestellt, die vor allem Unternehmen den Umgang mit Social Media erleichtern soll  - und orientiert sich dabei weitgehend an IBM.

Die Empfehlungen lauten kurz gefasst:

1. Definieren Sie Ziele
2. Geheimnisse sind geheim und Interna bleiben intern
3. Mitarbeiter müssen authentisch sein
4. Wer veröffentlicht, übernimmt Verantwortung
5. Interne Kritik ist erlaubt, bleibt aber intern
6. Gehen Sie mit Fehlern offen um
7. Schonen Sie Ihre Geschäftsbeziehungen
8. Beachten Sie das geltende Recht
9. Schränken Sie private Nutzung von Social Media während der
Arbeitszeit ein
10. Social Media erfordert kontinuierliches Engagement

Die BVDW-Fachgruppe hat sich offenbar an den 12 relativ anspruchsvollen Verhaltensregeln orientiert, die IBM bereits 2008 erarbeitet hat – und die wohl kulturell bedingt einige wenige Unterschiede aufweisen. Zusammengefasst lauten diese nämlich (laut einer Übersetzung von Michael Gisiger) folgendermaßen:

1. Die Business Conduct Guidelines von IBM müssen bekannt sein und eingehalten werden.
2. Jeder Mitarbeiter ist persönlich verantwortlich für den Inhalt, den er auf sozialen Medien veröffentlicht.
3. Jeder Mitarbeiter soll nicht anonym bleiben: Angabe des vollen Namens und der Funktion bei IBM (wenn angebracht).
4. Wer auf externen Seiten arbeitsrelevante Informationen veröffentlicht, muss einen Disclaimer benutzen.
5. Urheberrechte, Fair Use und Financial Disclousure-Gesetze sind zu beachten.
6. Es muss immer nach der Erlaubnis der Beteiligten gefragt werden, wenn etwas veröffentlicht werden soll.
7. Kunden, Partner oder Zulieferer müssen ebenfalls um Erlaubnis gefragt werden, wenn sie zitiert werden sollen.
8. Keine verletzenden Inhalte (Religion, Politik etc.).
9. Nach Möglichkeit nach anderen Personen suchen, die über ähnliche Themen veröffentlichen und diese zitieren.
10. Wer sich auf externen Seiten als Mitarbeiter von IBM zu erkennen gibt, muss darauf achten, dass sein Profil etc. auch dem Ansehen von IBM dienlich ist.
11. Fehler eingestehen und nachträgliche Änderungen immer deutlich markieren.
12. Wer veröffentlicht, soll darauf bedacht sein, Werte zu generieren – also nur Substantielles zu Diskussionen beitragen.

Der offensichtliche Unterschied besteht vor allem in den letzten zwei BVDW-Regeln. IBM geht offenbar großzügig davon aus, dass seine Mitarbeiter sich nicht nur kurzfristig engagieren und wenn sie das tun, dass es auch ihrer Arbeit zu Gute kommt. Dabei erwartet IBM, dass “wer sich auf externen Seiten als Mitarbeiter von IBM zu erkennen gibt, darauf achten muss, dass sein Profil etc. auch dem Ansehen von IBM dienlich ist.”

Der BVDW will hingegen will das private Engagement “stärker” von der Arbeitstätigkeit abkoppeln. Eine klare Trennung, wie sie IBM fordert, scheint mir wesentlich unproblematischer zu sein. Dabei spielt weniger die Arbeitszeit, sondern das “Ansehen” eine Rolle. Auch schwingt ein wenig Skepsis gegenüber der “privaten” Verwendung mit, was hinderlich sein könnte. Denn Social-Media-Tools werden dann erst richtig effektiv, wenn sie Teil des alltäglichen Workflows werden – und dabei kann sich Privates durchaus mit Geschäftlichem vermischen, wenn etwa geschäftliche Kontakte auch zu privaten Kontakten werden – und umgekehrt. Hier scheint das Thema mir nicht weit genug gedacht zu sein.


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About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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3 Responses to Kulturell bedingte Verhaltensregeln für Social Media

  1. georg says:

    bzw. bei Yahoo! in ähnlicher Form bereits 2005 zu bewundern.
    http://jeremy.zawodny.com/blog/archives/004725.html

  2. Pingback: Bibliothekarisch.de » Blog Archive » links for 2010-03-31

  3. vera says:

    Da legst Du den Finger – pieks – in die Wunde. Solange Politiker twittern, daß sie jetzt beim Bundesparteitag sind, und Zeitungsredakteure, daß sie nun zu einer Firmeneinweihung gehen, beides aber nicht weiter verfolgen, wird das nix. Schön auch hier erlebt…

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