Neuigkeiten aus dem Schwarzen Loch

Das Modell freie bibliographische Daten macht nun auch in Deutschland Schule. Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln hat ihren Katalog freigegeben. Dadurch ergeben sich faszinierende Möglichkeiten auch für Buchhandlungen.

1997 wetteten Stephen Hawking, Kip Thorne und John Preskill über die Natur Schwarzer Löcher, genauer darüber, ob aus ihnen wieder Informationen entweichen können. Hawking gab schließlich die Wette 2004 verloren und übergab dem Gewinner eine Enzyklopädie seiner Wahl. Dass aus Schwarzen Löchern Informationen entweichen können, können Bibliothekare seit Anfang des Jahres beobachten: Die CERN-Bibliothek, nur ein paar Ereignishorizonte vom Large Hadron Collider entfernt, stellte die eigenen bibliographischen Daten unter Creative Commons CC0 (gesprochen: c-c-zero) bereit.

Zugegeben im Vergleich mit anderen CERN-Innovationen wie der Entwicklung des World Wide Web ist der Anwendungsbereich eher begrenzt, aber die Lawine ist gerade erst ins Rollen geraten und nimmt an Masse auf; das Modell freie bibliographische Daten macht nun auch in Deutschland Schule.

Unter http://www.hbz-nrw.de/projekte/linked_open_data/index_htmlund http://opendata.ub.uni-koeln.de/ finden sich noch dampfend heiss und frisch mehr als 3 Millionen Titelaufnahmen, ebenfalls unter CC0, zur denkbar freiesten Verwendung, zusammen mit der Ankündigung weiterer Daten.

Was jetzt kommt, ist von Projekten wie data.gov hinlänglich bekannt: Zuerst wird der Spieltrieb befriedigt, die Daten werden gesichtet und – man könnte es gemeinsames Kennenlernen nennen – es folgen ein paar optisch ansprechende Visualisierungen, dann kommen Mashups mit steigendem Nutzwert, Anreicherungen mit anderen frei verfügbaren Daten und letztlich baut sich eine Interessengemeinschaft von bisher nicht bibliothekarisch auffälligen Freunden der Technik auf.

Nachnutzer der Daten gibt es genug, angenfangen bei Wikipedia. Alleine in der deutschsprachigen Ausgabe der Enzyklopädie sammeln sich hunderttausende Literaturhinweise, manuell gepflegt und derzeit nur mit einer statischen Linkliste auf möglicherweise brauchbare Ziele verbunden. Es ist kein Hexenwerk, sich die Verknüpfung von Buchhandelsinventaren, Bibliotheks- und Antiquariatskatalogen und der Geolocation-Funktion moderner Browser vorzustellen, dem Leser genau die Orte in seiner Umgebung anzuzeigen, an denen er das eigentliche Werk ansehen kann.

Auffällig ist bislang das Fehlen des “nationalbibliographischen Zentrum Deutschlands (§1 DNBG), so verständlich das auch aus ihrer eigenen Sicht sein mag. Noch hält die Vorstellung, man habe ein Geschäftsmodell (hier mehr) zu retten, die Nationalbibliothek davon ab, Teil des Ökosystems freier bibliographischer Daten zu werden.

Crosspost aus buchreport.de mit freundlicher Genehmigung des Autors


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About Mathias Schindler

Projektleiter beim Verein Wikimedia Deutschland.
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2 Responses to Neuigkeiten aus dem Schwarzen Loch

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