Warum es das KoopTech-Blog ohne RSS-Feed nicht mehr gäbe

Da in den letzten Tagen wieder einmal die Debatte um die Länge von RSS-Feeds entbrannt ist, möchte ich kurz meine Erfahrungen hier mit KoopTech schildern – und sie lassen sich eigentlich auf eine einzige Erkenntnis reduzieren: Ohne den RSS-Feed gäbe es das KoopTech-Blog nicht mehr.

Hier muss ich etwas ausholen, wie ich überhaupt zum Bloggen gekommen bin. Denn es war Lorenz Lorenz-Meyer, der mich für das KoopTech-Projekt quasi zum Bloggen verpflichtet hatte.  Und ich habe das Blog dann zögerlich, aber immer öfter für kleine Projektnotizen verwendet.

Warum konnte ich mit dem Bloggen zunächst nichts anfangen?

Zum einen konnte ich als Journalistin mit dem Bloggen lange nichts anfangen, denn was ich veröffentlichen wollte, konnte ich ja veröffentlichen. Es gab nichts, was ich irgendwie in einem Blog noch hätte schreiben wollen. Hätte es tatsächlich etwas gegeben, hätte ich es aber irgendwie auch als Zeitverschwendung betrachtet. Die Zeit hätte ich dann nämlich lieber in eine ordentliche Recherche investiert.

Zum anderen war ich ein “gebranntes Kind”, was das Thema “Online-Tagebuch” anging: Hatte ich doch 1996 das Gruppen-Blog “Cyber-Tagebuch” gegründet (ohne Blog-Software) und bis 2000 betreut. Das war recht spannend, aber oftmals eine etwas mühsame Kärnerarbeit. Die Art von Log-Einträgen, die ich mir erhofft hatte, gab es recht selten. Und das Verhältnis Arbeit / Freude war daher eher unverhältnismäßig. Zumal ich das Projekt ab 1999 ehrenamtlich weiterführen musste, da die Finanzierung unter anderem durch die “Stiftung Lesen” ausgelaufen war.

Schließlich verschenkte ich es leichten Herzens 2000 an die “Aktion Mensch”, die ihm ein, damals noch teures, Content-Management-System spendierte. Wir entschieden uns übrigens auch, das System nach außen für Nicht-Schreiber zu schließen. Denn gerade unsere “Problemfälle” hatten zu viele Medienanfragen bekommen: Die wenigen Autorinnen und Autoren, die mit Krankheiten wie Magersucht oder Schizophrenie kämpften, wurden regelmäßig von Talkshow-Redaktionen oder großen Magazinen kontaktiert – und wussten dann nicht so recht, wie sie mit solchen Anfragen umgehen sollten. Man kann sich vorstellen, dass ich nicht sehr begeistert war, wenn ich unsere minderjährigen Autorinnen im SPIEGEL oder anderen Magazinen entdeckte.

Die Entscheidung, Nicht-Schreibende von den Leserechten auszuschließen, führte jedoch dazu, dass das Projekt damit komplett vom Medienradar verschwand. Denn es gab ja nichts mehr zu googeln. Das war zwar gut für die Autoren, die nunmehr in einem geschützten Raum unter sich sein konnten. Andererseits war es auch weniger  gut für das Projekt an sich. In der späteren Blog-Hochphase war es nämlich ein No-Name. Es spielte einfach keine Rolle mehr. (Und ich sehe jetzt gerade erst, dass es wohl seit einigen Monaten gar nicht mehr online ist. Immerhin:  Es hat als eines der ersten WWW-Projekte in deutschen Jugendarbeit über zehn Jahre überlebt.)

Diese Entscheidung, eine bestimmte Öffentlichkeit auszuschließen, hat nun auch etwas mit der Überlegung zu tun, den eigenen RSS-Feed eben nicht zu kappen. Man würde so nämlich auf eine ganz bestimmte Öffentlichkeit verzichten, nämlich auf seine treuesten Leser.

Zurück als zum Thema RSS-Feed und warum es ohne ihn KoopTech  nicht mehr gäbe:

Das Blog habe ich mehr oder weniger regelmäßig geführt, bis die KoopTech-Studie im letzten August veröffentlicht wurde. Danach war ich mir unschlüssig: Sollte ich das Blog schließen und ein neues Blog gründen? Monatelang konnte ich mich nicht entscheiden – und schließlich überzeugte mich der Blick auf meinen Feedburner-Account: Meine rund 1000 Feed-Leser hatten den Feed trotz monatelanger Inaktivität nicht gekündigt, sondern waren geblieben. Sie setzen darauf, dass irgendwann irgendwas wieder kommen würde. Und es würde sie irgendwie interessieren. Diese Treue fand ich überzeugend.

Seit Ende Dezember dokumentiere ich hier wieder all das, was mich interessiert. Und das mit den vielen Lese-Empfehlungen viel intensiver als früher . Ich glaube nämlich, dass ein einfacher Link per Twitter immer noch zu dürr ist, dass Google Buzz schön für Diskussionen ist, aber längst nicht diesen Dokumentationscharakter hat, den ein Blog haben kann und dass das Bloggen daher nach wie vor einfach die schönste Art ist, seine Gedankengänge, seine Arbeitsweise mitzuteilen.

KoopTech öffnet sich jetzt thematisch stärker – immerhin ist das Motto “Kooperative Technologien in der sozial-medialen Revolution” offen genug, um die brennendsten Internetthemen zu behandeln. Ich hoffe, dass sich hier immer mehr Autoren einfinden, die Lust haben, mit den Lesern hier ihre Gedanken und Eindrücke zu teilen – wie zuletzt Thomas WanhoffSilke HelfrichNikolas HussThomas HartVera BunseClaudia Klinger und Josef Dietl. Die Kategorie “Gastbeitrag” wird daher nicht mehr bedient – alle Beiträge werden “richtig” kategorisiert. Und in Bälde werde ich die regelmäßigen Autorinnen und Autoren auf einer eigenen Seite ausführlicher vorstellen.

Ich setze auch darauf, dass sich über kurz oder lang auch wieder Sponsoren für KoopTech begeistern und es unterstützen. Denn ich möchte es mittelfristig zu einer richtigen Autorenplattform ausbauen, die Beiträge auch honorieren kann. Die Google-Adsense-Anzeigen sorgen übrigens dafür, dass die Server-Kosten bezahlt werden könnten.

Meine Entscheidung KoopTech weiterzuführen ist also nichts weniger als ein großes Dankeschön an meine Leserinnen und Leser! Und ich hoffe, dass es bald mehr sein kann als ein einfaches Blog!

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
This entry was posted in Beobachtungen and tagged , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Warum es das KoopTech-Blog ohne RSS-Feed nicht mehr gäbe

  1. Pingback: Über Wertschätzung, Dankbarkeit und gekürzte RSS-Feeds

  2. Ludwig says:

    Ich für meinen Fall lösche RSS-Feeds nur wenn ich mir sicher bin dass mich die Quelle nicht mehr interessiert. Oder, falls die Quelle wenig interessant ist, nach einiger Zeit Inaktivität. Doch wenn eine Quelle wie Kooptech immer wieder spannende Inhalte liefert, welchen Grund soll es geben den Feed zu löschen? Gerade wenn die Quelle inaktiv ist stört er nicht. Außerdem finde ich dass RSS gerade in solchen Fällen eine Stärke ausspielt: es ist unwichtig wann wieder Inhalte kommen. Wenn sie kommen bin ich auf dem Laufenden. In diesem Sinne: bitte weitermachen :-) Gruß aus München

Comments are closed.