Spendercrawl – Parteispenden-Analyse Teil 3

Seit 2002 müssen Spenden an Parteien über 50.000 Euro unverzüglich vom Bundestag veröffentlicht werden. In einem dritten Schritt veröffentlichen wir nun die Spenderdaten, nachdem sie von einem Crawler analysiert wurden. Damit lässt sich zeigen, ob sich Beziehungen der Spender untereinander auch im Internet abbilden.

Der Crawler erhielt von uns knapp 250 Webadressen bzw. Links, die über die Spender am meisten aussagen. Von jeder Startseite ging er von den dort gefundenen Verlinkungen jeweils drei Verlinkungen weiter. Auf diese Weise die Vernetzung von rund 10.000 Webseiten untersucht. Die Websites, die untereinander verlinkt sind, stellte die Anwendung anschließend in einem Netzwerk dar. Websites, die keine Links zu anderen Websites des Crawls aufbauen, zeigte sie nicht an.

Das Ergebnis ist auf den ersten Blick überraschend. Die Auswertung ergab vorwiegend Websites, die institutionell miteinander eng verbunden sind wie etwa den Bundestag mit verschiedenen Ministerien oder die mit der politischen Agenda der Grünen sympathisieren. Die Grünen spielen im Bereich der Großspenden allerdings eine äußerst marginale Rolle. Die Spender aus dem bürgerlichen Lager sind auf dieser Karte nur mit der Lupe zu entdecken.

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Ein Link-Crawl ist also nicht geeignet, die realen Beziehungen der Spender untereinander abzubilden. Grund: Die meisten Unternehmen unterhalten Websites, die nicht zu anderen Unternehmen verlinken. Dagegen verlinken vor allem die Akteure untereinander, die eine ähnliche Agenda in einem öffentlichen Diskurs verfolgen.

Wesentlich aussagekräftiger hingegen wäre eine Netzwerkanalyse der Unternehmen, die nicht den Weblinks, sondern den Kapitalbeteiligungen oder Personenverflechtungen folgen würde. Lothar Krempel vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung hat den Niedergang der Deutschland AG auf Basis der Daten der Monopolkommission nachgezeichnet und zeigt über die Jahre 1996 bis 2006 die strukturellen Veränderungen der Beziehungen in der deutschen Wirtschaft. Ein Vergleich dieser Daten mit den Spendendaten ab 10.000 Euro hätte bei einer unverzüglichen Veröffentlichungspflicht die massierten Großspenden des Automobilbauers Porsche im Jahr 2006 auf einen Blick erklärt. So lange aber keine unmittelbare Transparenz der Spenden möglich ist, können solche Zusammenhänge nicht zeitnah entdeckt werden.

Managementberater Frank Behrend, der an dieser Analyse mitgewirkt hat, weiß aus Erfahrung: „Die Praxis zeigt, dass eine einzelne Einflussdimension, das heißt ein einzelnes Netzwerk, in vielen Fällen noch keine generelle Aussage über bestimmte Situationen oder gar Akteure erlaubt.“ An der Carnegie Mellon Universität wurde aus diesem Grund das so genannte Meta-Matrix-Framework entwickelt. Es verknüpft diverse relevante Einflussdimensionen wie Personen, Aufgaben, Ereignisse oder Örtlichkeiten miteinander und wertet sie aus. Im Falle der Parteispenden wären daher weitere Daten wie die Personen- oder Kapitalbeziehungen der Spender untereinander ein möglicher weiterer Ansatz.

Die tatsächlichen Machtverhältnisse bleiben offensichtlich im Netz verborgen. Vom bürgerlichen Lager ist kaum etwas zu sehen, während das grüne Lager sich gut vernetzt zeigt. Wie interpretieren Sie die Crawl-Ergebnisse? Bevorzugt das bürgerliche Lager etwa die private SMS-Kommunikation, während sich das zivilgesellschaftliche Engagement im grünen Umfeld über Websites, Blogs und Twitter zeigt? Welche frei verfügbaren Daten könnten die Machtverhältnisse besser abbilden?

Den Grafiken liegen die vom Bundestag veröffentlichten Daten über die Spenden an Parteien zu Grunde, die im Einzelfall die Höhe von 50.000 Euro übersteigen. Die Recherche und Aufbereitung der Daten erfolgte in Kooperation mit Dr. Frank Behrend, Gründer und Inhaber von ELIQOS, einer Managementberatung mit Fokus auf Innovations- und Wissensmanagement in vernetzten Organisationen.


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About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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5 Responses to Spendercrawl – Parteispenden-Analyse Teil 3

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  2. Michael says:

    Da lobe ich mir die ÖDP, die hat in Ihren Statuten ein Verbot der Annahme von Konzernspenden festgeschrieben. Diese Partei hat mittlerweile übrigens ca. 6.300 Mitglieder.

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