Die Washington Post über das “streng geheime Amerika”

Die Washington Post hat in einem großartigen Open-Data-Dossier namens “Top Secret America” den amerikanischen Militär-Industrie-Komplex untersucht. Sie zeigt, wie dieser sich im letzten Jahrzehnt im Zuge des Anti-Terror-Kampfs in derartige Dimensionen aufgebläht hat, dass von Effizienzkontrolle schon lange keine Rede mehr sein kann. “Effizienz” ist in diesem Zusammenhang bürgerrechtlich relevant, da die “Angemessenheit” der Mittel ein Kennzeichen eines funktionierenden Rechtsstaats ist. Mehr über das Projekt habe ich im ZEIT-Online-Blog geschrieben.

Der Aufwand, den die Post betrieben hat, ist beträchtlich: Zwei Jahre lang haben zwei Reporter an der Sache gearbeitet, um die sich ein großes Team reiht, das wohl für die visuelle Entwicklung und Umsetzung der Daten verantwortlich war. Das zeigt, dass ein solches Projekt einer mutigen Entscheidung bedarf: Ja, wir investieren Zeit und Geld in eine Sache, von der wir am Ende nicht genau wissen, was dabei herumkommen wird. Solche Enscheidungen fallen leichter, wenn eine Redaktion schon Strukturen etabliert hat, die solche Recherchen unterstützen. Die Post hat seit dem Wategate-Skandal ein eigenes Team, das sich ausschließlich investigativen Recherchen widmet. Im deutschsprachigen Raum ist mir keine einzige Tageszeitung bekannt, die so etwas aufgebaut hat. Dabei wäre dies im Zeitalter von Arbeitsteilung (Stichwort: “Newsdesk”) überfällig.


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About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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