Open Data bringt Bundeshaushalt in neue Relationen

Die Berliner Firma Tactical Tools hat mit dem “offenen Haushalt” nun ein deutsches Pendant zu der britischen Website “Where does my money go?” auf die Beine gestellt.

Die grafische Umsetzung ist anders und einfacher – ist jedoch wesentlich einprägsamer als beim britischen Vorbild*. Allein etwa dass die Bundesregierung derartig hohe Summen in die soziale Befriedung der deutschen Gesellschaft investiert, wird erst im direkten Vergleich mit anderen Haushaltsposten deutlich.

Jeder Klick auf einen Haushaltsposten bringt eine weitere Aufschlüsselung der Gelder. Umgesetzt wurden auf diese Weise 1200 Seiten Papierinformationen mit rund 7000 Posten, die sich in weitere Unterposten gliedern. Die Zahlen werden zu jedem Posten auch auf einer Zeitleiste von 2003 bis 2010 dargestellt – einige Zahlen erst ab 2005. Für Bürger und Journalisten dürfte die Website eine prima Fundgrube sein.

Entwickler Urs Kleinert sagt dazu:

“Haushaltsposten lassen sich bis zur alleruntersten Ebene anklicken, jeder Haushaltsposten hat eine eigene Internetadresse. Dies ist besonders praktisch, um zum Beispiel in einem Artikel oder einer Online-Diskussion auf einen ganz bestimmten Bestandteil des Haushalts zu verweisen.”

Es gibt laut Tactical Tools folgende Funktionen:

  • Der Bundeshaushalt kann in einer Baumstruktur erforscht werden. Dadurch wird der Zusammenhang und das Verhältnis von Haushaltseinzelposten zu den einzelnen Ressorts verständlich.

  • Im Gesamthaushalt und in den Einzelhaushalten nach Ressorts kann man jeden einzelnen Haushaltsposten in einer Visualisierung über die Baumstruktur erreichen.

  • Jeder einzelne Haushaltsposten hat eine eigene Internetadresse (URL). Dadurch lässt er sich verlinken, als Lesezeichen speichern und so referenzieren.

  • Außerdem bietet die Plattform die Möglichkeit, einzelne Haushaltsposten zu kommentieren und in Zukunft auf einer eigenen Wikiseite gemeinsam weitere Informationen zu dem Posten zu sammeln.

Die Website für den Bundeshaushalt nutzt übrigens die Adresse http://bund.offenerhaushalt.de. Das deutet darauf hin, dass weitere Haushalte für Länder und Kommunen mit entsprechenden Subdomains folgen können.

Noch ein Hinweis: Tina Klopp hat für ZEIT online mit Daniel Dietrich und Friedrich Lindenberg über ihr Projekt gesprochen.

*Als Inspiration diente wohl auchInformationisbeautiful.net bzw. dieseUmsetzung von ZEIT online.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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5 Responses to Open Data bringt Bundeshaushalt in neue Relationen

  1. Peter says:

    Hey, das gabs schon vor einem Jahr http://metapartei.de/Budget/1 ;-)

  2. Das mit den Schiebereglern ist eine nette Idee. Aber das sind leider keine Hemmschwellen eingebaut (siehe Verfassung und andere Vorgaben). Wirklich realistisch ist das daher nicht, weil man ja nicht wirklich sehen kann, wo die Grenzen sind. Da finde ich eine Visualisierung nach Größen schon besser.

  3. Peter says:

    > Da finde ich eine Visualisierung nach Größen schon besser.

    klar, das auf jeden Fall :-) . find ich auch sehr gut!

    Das mit den Schiebereglern war als persönlicher Vorschlag gedacht. Jeder kann also seine eigene Schwerpunkte setzen (und dabei live erleben wie schwierig Geldverteilen ist)

    die vision von metapartei war die direkte demokratie zu verbessern und mit einer partei eine alternative zum volksentscheid zu bieten.

    Aber hier http://liqd.net/ gibts aktuellere und evtl. bessere Beispiele …

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