Wie wir uns im Wandel neu erfinden

Die Medien wandeln sich: Wandelt sich der Journalismus? Oder wandeln sich die Medien? Sind die Medien in der Krise? Und ist deshalb auch der Journalismus in der Krise? Wie weit müssen wir Journalistinnen uns wandeln? Und: Wie können wir uns im Wandel immer neu erfinden?

Der Vorstand des Journalistinnenbundes hat mich heute vor diese knifflige Frage gestellt. Eine Antwort darauf zu finden, ist alles andere als leicht. Ich beschäftige mich mit ihr seit einiger Zeit. Der Auslöser für mich war die gewaltige Reduzierung der Redaktion des „San Francisco Chronicle“ um 100 Redakteure im Jahr 2007 und die provokante These des amerikanischen Medienexperten Phil Meyer vom „Tod der Zeitung“. Ich empfand das als erschreckend. Seit etwa zwei Jahren jagen sich nun auch in Deutschland die schlechten Nachrichten.

Ich versuche eine kleine

Annäherung an den medialen Status Quo.

Wir alle sind uns einig: Journalistinnen haben immer weniger Geld – und Zeit. Den meisten Journalisten ging es finanziell noch nie besonders gut, doch die gegenwärtige Lage ist alarmierend: Die Auflagen sinken, die Anzeigenerlöse gehen zurück und wandern zunehmend ins Internet ab. Personal wird abgebaut, Honorare werden eingefroren oder gekürzt. Aufträge bleiben aus. Aufgrund der finanziellen Engpässe steht in den Redaktionen und auch bei freien Autorinnen immer weniger Zeit für Recherche und Qualitätssicherungsmaßnahmen zur Verfügung.

Journalistinnen müssen sich zudem immer häufiger mit Organisationsfragen befassen: In den letzten Jahren wurden zahlreiche Redaktionen aufgrund des erhöhten finanziellen Drucks umorganisiert. Stichwort „Newsroom“. Ob das zu mehr Qualität, führt ist unsicher.

Außerdem nimmt der Anteil der von Public-Relations-Experten beeinflussten Beiträge im redaktionellen Teil deutlich zu. Journalistische Inhalte werden immer häufiger als Umfeld für Werbekunden betrachtet.

Zahlreiche Gesetze haben in den letzten Jahren das Redaktionsgeheimnis und den Informantenschutz geschwächt. Juristische Auseinandersetzungen um Unterlassungsklagen häufen sich.

Journalistinnen nutzen in der Praxis noch zu selten das Akteneinsichtsrecht bzw. das Informationsfreiheitsgesetz. Behörden blockieren entsprechende Anfragen aber auch oftmals. Änderungen im Urheberrecht führten zu einer Schwächung der Urheber zugunsten von Sendern und Verlagen. Das im Moment diskutierte Leistungsschutzrecht für Verlage droht die Urheber noch schlechter dastehen.

Wie gravierend ist jedoch die Digitalisierung wirklich?

Sie wälzt die Medien um:

Die Medien verlieren ihre Gatekeeper-Funktionen. Nutzer können sich aus vielen Quellen informieren. Nachrichten lassen sich gleichzeitig oder kurz nach einem Ereignis abrufen. Damit ist Liveness, eine Eigenschaft des Fernsehens, auch im Internet zu erleben. Unterstützt wird das durch Microbloggingdienste wie Twitter oder Live-Videostreaming, die Nachrichten in Echtzeit übermitteln. Das bedeutet auch, dass für Journalisten eine Vorort-Präsenz oftmals nicht mehr nötig erscheint.

Außerdem können nicht nur Profis, auch Amateure im Netz Inhalte veröffentlichen. Die Reichweite des Einzelnen erweitert sich enorm. Das heißt, Unternehmen, Behörden, Organisationen veröffentlichen nun selbst. Sie sind nicht mehr unbedingt darauf angewiesen, dass die klassischen Medien ihre Pressemitteilungen aufgreifen.

In Sozialen Netzwerken organisieren sich Gleichgesinnte und tauschen Informationen aus. Auf diese Weise können immer kleinere Teilöffentlichkeiten erschlossen werden.

Für Journalistinnen bedeutet das, dass es zu einem Thema deutlich mehr Rückkanäle gibt als zu Zeiten der klassischen Massenkommunikation. Diese Kanäle lassen sich aber nur noch bedingt kontrollieren. Zudem werden sie selbst schneller als früher zur öffentlichen Person, wenn sie sich hier engagieren.

Das Finden von Inhalten ist dank Suchmaschinen deutlich leichter geworden. Weil viele Nachrichten, auch Agenturnachrichten im Netz zu finden sind, können freie Journalistinnen teure Datenbanken umgehen. Dies bedeutet eine Art Waffengleichheit mit den Redakteuren.

In der vernetzten Umgebung werden Zeit und Raum irrelevant. Leser, Zuschauer, Nutzer können von überall herkommen. Das heißt, es gibt auch keine Verbreitungsmonopole mehr. Jede Nachricht ist nur noch einen Link entfernt.

Junge Nutzer und Intensiv-Leser wenden sich verstärkt den Online-Medien zu. Dabei ignorieren sie zunehmend die Inhalte-Bündelung der Anbieter.

Das heißt für die Anbieter: Jeder einzelne Artikel, jede einzelne Webseite steht im Auge des Betrachters erst einmal für sich, ist also ein eigenes Produkt. Das ist dramatisch. Denn die herkömmmliche Bündelung wird obsolet. Die gängige Quersubventionierung von wichtigen Inhalten wie Politikberichterstattung, die wenige Anzeigenkunden finden, wird damit erschwert.

Werbeanzeigen wandern im Internet auf verlagsfremde Dienste ab. Wenn sie auf Verlagsseiten geschaltet werden, erzielen sie nur noch etwa ein Zehntel des üblichen Printpreises. Die Folge: Die Geschäftsgrundlage des klassischen Journalismus wackelt. Die Entwicklung ist also längst nicht mehr evolutionär. Sie ist disruptiv.

Hört sich das nach Wandel an?

Sind wir Journalistinnen in einer Krise?

Ich würde sagen: Ja.

Es ist nicht nur eine Krise der Medien, es ist auch eine Krise des Journalismus. Denn wichtige Ressourcen wie Zeit und Geld werden im Medienwandel immer knapper. Was steht auf dem Spiel?

Es geht darum, auch künftig unabhängig berichten zu können, obwohl die Berichterstattungsfreiheit zunehmend subtil eingeschränkt wird.

Es geht darum, den Journalismus mit seiner Hauptfunktion „Öffentlichkeit herzustellen“ zu bewahren.

Wie kann man also dem Wandel begegnen?

Werfen wir einen Blick auf die Verlagswelt – viele von uns sind ja in Verlagen angestellt. Oftmals ist es die schiere Not, die Verlage zwingt, Maßnahmen vornehmlich organisatorischer Art zu ergreifen. Der WAZ-Konzern etwa musste angesichts eines Millionendefizits Stellen abbauen und Redaktionen umorganisieren. Die wichtigste Veränderung bestand wohl darin, dass Redakteure nicht mehr alles können müssen, sondern sich spezialisieren müssen: Die einen kümmern sich um das Content-Management, während die anderen sich der Recherche widmen müssen. Eine Arbeitsteilung, die sich seit Jahrzehnten im angelsächsischen Raum bewährt hat. Wie ich von WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz vergangene Woche hören konnte, stellt eine noch nicht veröffentlichte Studie der Universität Dortmund fest, dass die Qualität der Berichterstattung der WAZ-Zeitungen seit der Umorganisation besser geworden ist.

Eine Studie der Universität Hamburg ging der Frage nach, ob es durch die Zusammenlegung von zwei Mantelredaktionen, nämlich der „Ostsee-Zeitung” in Mecklenburg-Vorpommern und den „Lübecker Nachrichten” in Schleswig-Holstein, zu einem Verlust an Vielfalt kommt. Hier prüften die Wissenschaftler unabhängig von der Innensicht der Beteiligten die Qualität der Berichterstattung von sechs Regionalzeitungen hinsichtlich der journalistischen Sorgfalt, der Einordnung und Erklärung von Geschehnissen für die Leser sowie der analytischen Tiefe. Eine erste Auswertung ergab, dass die Zusammenlegung der Redaktionen zu einem „deutlichen Verlust von Vielfalt” führt. Auch die Qualität weist „durchgehend” Defizite auf.

Umorganisationen können also, müssen aber nicht erfolgreich sein. Ein wesentlicher Faktor dabei ist, ob den Protagonisten

mehr Zeit für die journalistische Arbeit,

für Kernaufgaben wie der Recherche und der Analyse zur Verfügung steht.

Verschiedene Studien haben aber festgestellt, dass Journalistinnen in den letzten Jahren insbesondere für Recherchen immer weniger Zeit zur Verfügung steht. Unter uns ist sicherlich kaum eine, die von einem Gesprächspartner nicht schon einmal den Satz gehört hat: „Sie sind aber jetzt die erste, die bei uns anrufen.“

Ist das nun ein Zeichen für eine Krise des Mediums Zeitung, oder ist das nicht eher ein Zeichen für die Krise des Journalismus selbst? Wenn Kernaufgaben, nämlich die Recherche, ganz offenbar aus Zeitgründen vernachlässigt werden? Wenn Berichte nicht mehr hinterfragt werden? Wenn es genügt, nur einen Experten zu sprechen? Oder eine PR-Meldung ungeprüft zu übernehmen?

Schätzungen zufolge gehen bereits 70 Prozent der Medieninhalte auf Anstöße von Dritten zurück, die daran interessiert sind, für ihre Organisationen, Produkte, ihre politische Ideologie oder ihre politisch-gesellschaftlichen Ziele zu werben. Vor allem Redaktionen, die unter Zeitdruck stehen, sind anfällig für PR, insbesondere wenn diese professionell gemacht ist. Als besonders beeinflussbar gelten der Auto-, Freizeit- und Modejournalismus sowie der Bereich der Gesundheitsberichterstattung.

Der Medienwissenschaftler Michael Haller untersuchte 2005 die Lokalteile, die Wirtschaftsteile sowie die Ressorts Auto und Reise von sechs Regionalzeitungen. Im Ergebnis stellte er fest, dass der Anteil der PR-beeinflussten Beiträge im redaktionellen Teil im Untersuchungszeitraum deutlich zunahm. Für Haller war es offensichtlich, dass es hierbei einen Zusammenhang mit der in den Redaktionen immer weniger werdenden Zeit für Recherche gab.

Zeit ist für guten Journalismus also ein ganz wichtiger Faktor. Umso prekärer ist es, wenn aus Geldnot die für Qualität, für den Wandel notwendigen Maßnahmen immer weniger Zeit zur Verfügung steht. Etwas Neues zu machen, braucht allerdings Zeit. Vor allem Zeit fürs Nachdenken.

Zurück zur Ausgangsfrage: Wie können wir uns im Wandel immer neu erfinden? Wenn wir doch immer nur versuchen, die jeweils neueste technologische Entwicklung zu verstehen. Wenn wir immer schneller auf Ereignisse reagieren müssen. Wenn wir ständig Leser- und Nutzerreaktionen im Internet im Auge behalten und reagieren müssen.

Wenn wir uns neu erfinden wollen, müssen wir das Reagieren in ein Agieren verwandeln. Wir müssen wieder das Heft in die Hand nehmen. Wir müssen dafür Innovationen ermöglichen – strukturelle wie persönliche.

Wie entstehen Innovationen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Neues kann allmählich mit der Zeit entstehen. Aus Bestehendem entwickelt sich etwas Anderes, etwas Neues. Solche evolutionären Veränderungen brauchen Raum, brauchen Flexibilität.

In Unternehmen entstehen Neuerungen in der Regel dann, wenn sie das Feedback der Kunden ernst nehmen und einen systematischen Prozess für Problemlösungen etablieren. Wenn Verbesserungsvorschläge in der Produktentwicklung berücksichtigt werden.

Wirklich Neues kann auch dann entstehen, wenn Unternehmen jenseits ihrer Routine ihre Kompetenzen, ihre Technik neu analysieren und versuchen das Bestehende anders zu denken.

Innovationsprozesse basieren meist auf wissenschaftlich-technologischen Neuerungen, gleichwohl sind sie nicht ausschließlich technisch bestimmt.

Neues kann plötzlich entstehen, durch ein wirtschaftliches, gesellschaftliches oder natürliches Ereignis. Dieses zwingt, Bestehendes neu zu bewerten und Lösungen für ein Problem zu finden.

Mitunter beflügelt auch Inspiration die Entwicklung von Neuem.

Ich habe Stephan Weichert, der in einer Studie das „Verschwinden der Zeitung“ festgestellt hat, gefragt, ob er ein Innovationsmanagement in deutschen Verlagen erkennen kann. Weichert hat in Deutschland, Frankreich und den USA zahlreiche Persönlichkeiten zum Medienwandel interviewt. Er sagte: Es gibt kein Innovationsmanagement in deutschen Verlagen. Er erzählte aber von zahlreichen Plänen für das iPad.

Wie könnte das Innovationsmanagement aussehen?

Die Innovationsforschung liefert zahlreiche Ansätze für Journalistinnen, sich neu zu erfinden.

Ein erster Ansatz besteht darin, sich Freiräume zu erobern und Handlungsanreize zu setzen. Sie sind nämlich wichtige Bedingungen für Sprunginnovationen, also für Neuerungen, die nicht etwas Bestehendes allmählich weiterentwickeln, sondern etwas wirklich Neues kreieren.

Redaktionsleiter müssten ihren Redakteuren also Freiraum geben, um eigenen Ideen nachgehen zu können.

Was bedeutet das für freie Journalistinnen? Es bedeutet, dass die Journalistin sich zeitlich befreien muss. Sie braucht freie Zeit, um neue Formate, um Ideen einfach einmal auszuprobieren. Es gilt also, ab und zu, am besten regelmäßig, aus den üblichen Strukturen auszubrechen! Stress abzubauen, zu entschleunigen. Damit wieder neue Ideen wachsen können.

Diese Strategie verfolgt übrigens auch der Suchmaschinenkonzern Google: Google ermutigt seine Softwareingenieure, 20 Prozent ihrer Zeit für eigene Ideen zu verwenden. 20 Prozent sind bei einem 8-Stunden-Tag zwei Stunden, bei einer 5-Tage-Woche ein Tag. Die 20 Prozent können sie in eigene Forschungsprojekte, in soziale Projekte, in etwas völlig frei Gestelltes investieren. Sie sollen in dieser Zeit nur nicht nichts tun. Auf diese Weise sind etwa der Social-Network-Dienst Orkut und Google Earth entstanden.

Ein zweiter Ansatz, um Sprunginnovationen voranzubringen, besteht darin den Zufall zu provozieren.

Für freie Journalistinnen bedeutet das: Auch mal Aufträge annehmen, die nicht ins übliche Spektrum fallen. Etwas Neues ausprobieren.

Wie aber kommt man an neue Aufträge? Indem man seine Kompetenzen, seine Interessen, seine Themengebiete zeigt. Etwa über eine eigene Website, besser aber noch über ein regelmäßig aktualisiertes Blog. Kleine Tipps und Lesehinweise über Twitter oder Facebook können das eigene Profil abrunden.

Viele meiner Kollegen und Kolleginnen erhielten auf diesem Weg Anfragen für Podiumsdiskussionen, Jurymitgliedschaften, Buchverträge, Lehrverträge usw. Auf diese Weise konnten sie ihrem bisherigen beruflichen Standbein ein paar Spielbeine hinzufügen.

Den Zufall provozieren können Redaktionen wiederum, indem sie Räume schaffen, in denen gemeinsam zwanglos Ideen entwickelt werden können. Ein Wiki zum Beispiel, in dem man Materialien ablegen kann, Ideen notieren, in dem man auch herumspinnen darf, ohne gleich zur Ordnung gerufen zu werden.

Ein dritter Ansatz ist die Partisanenstrategie: Innovationspartisanen sollen hinter der Routineorganisation agieren können und erst dann auftauchen, wenn sie vom Erfolg ihrer Idee überzeugt sind.

Redaktionen können kleine Entwicklungsteams einrichten, die neben der Spur und mit möglichst wenig Erfolgsdruck seitens des Managements arbeiten dürfen. Wichtig könnte sein, diese Mitarbeiter mit Unabhängigkeit zu belohnen, etwa mit der Aussicht auf ein kleines, eigenes Tochterunternehmen.

Freie Journalistinnen sollen sich eigene Spielwiesen gönnen: Projekte, die ihr Themenspektrum, ihre Kompetenzen erweitern. In denen sie sich auch mal nicht unbedingt als “Journalisten” verstehen müssen.

Ein vierter Ansatz besteht darin, seine Fähigkeiten und Interessen zu überprüfen.

Jede Journalistin hegt bestimmte Erwartungen, hat über die Jahre ein gewisses Berufs- und Selbstverständnis entwickelt. Offenheit ist die Grundvoraussetzung, um sich zu entwickeln. Vielleicht sollte man sein eigenes Selbstbild öfter in Frage stellen: Wie unabhängig berichte ich wirklich? Was habe ich bisher mit meinen Geschichten bewirkt? Bin ich damit zufrieden? Wie gut recherchiere ich tatsächlich? Bin ich eine gute Moderatorin? Bin ich wirklich eine verlässliche Ansprechpartnerin für Informanten? Wie nützlich sind meine Texte für meine Leser? Was interessiert meine Leser wirklich?

Schließlich besteht der fünfte Ansatz darin, neue Marktfelder zu erschließen.

Wo sind neue Marktfelder?

Zum Beispiel im Bereich elektronischer Bücher. Journalistinnen könnten sich Zeit nehmen, neue Formate für selbst publizierte E-Books zu entwickeln. Der E-Book-Markt hebt jetzt nämlich allmählich richtig ab. Amazon etwa verkauft in den USA schon fast doppelt so viele E-Books wie Taschenbücher.

Neue Märkte ergeben sich auch im Bereich Open Data. Dabei handelt es sich um eine höchst faszinierende neue Bewegung, die im vergangenen Jahr in Großbritannien und den USA entstanden ist. Befeuert wurde sie dadurch, dass die amerikanische und britische Regierung auf einen Schlag Tausende von Datensätze frei gegeben haben. Die Briten können etwa über die Website Where does my money go? überprüfen, wie die Regierung die Steuern ausgibt. US-Bürger können feststellen, welche Abfälle in ihrem Umkreis in Gewässer eingeleitet oder deponiert wurden. Die Aufarbeitung, Einordnung und Kommentierung solcher Daten ist nicht nur Aufgabe von Programmierern, sondern berührt journalistische Kompetenzen.

Die US-Regierung hat aber nicht nur zahlreiche Umweltdaten, sondern auch Finanzdaten veröffentlicht. Unter anderem zum Konjunkturprogramm. Sie zeigen, wer wie viel Geld für bestimmte Maßnahmen erhalten hat. Eine Umsetzung bestand darin, diese Zahlen in eine Handy-Anwendung zu gießen. Spaziergänger können nun mit ihrem Smartphone in Washington D.C. herumlaufen und sich in ihrer Handy-Kamera über eine Augmented-Reality-Anwendung anzeigen lassen, wer wie viel Geld erhalten hat.

Weil Open-Data-Journalismus so viel Potenzial hat, hat die Federal Trade Commission in einem Expertenpapier zur „Zukunft des Journalismus“ den Behörden, namentlich der Börsenaufsichtsbehörde SEC, empfohlen, die journalistische Arbeit mit einer möglichst reibungslosen Bereitstellung von Daten zu unterstützen. Die Begründung: Journalisten könnten so nämlich neue Geschichten finden und effizienter untersuchen. Gleichzeitig würde damit auch die Transparenz in den Behörden unterstützt.

Google-Chef Eric Schmidt denkt übrigens im Moment in seinen freien 20 Prozent darüber nach, wie er die herkömmliche Regierungsführung auf den Kopf stellen könnte. Dabei überlegt er unter anderem, wie die frei gegebenen Regierungsdaten in neuartige Entscheidungsprozesse einfließen können.

Hierzulande gibt es auch erste Ansätze, Daten strukturiert aufzuarbeiten, obwohl das für die Datenfreigabe so wichtige Informationsfreiheitsgesetz im Vergleich zu den entsprechenden Gesetzen in Großbritannien und den USA noch viele Barrieren hat. So verarbeitet etwa dpa Regiodata Daten von Behörden, Forschungsreinrichtungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie kommerziellen Datenanbietern. Mit verschiedenen Datamining-Techniken wertet sie die Daten aus und liefert dann Themenpakete über Arbeitsmarkt- und Bevölkerungsentwicklungen, Gesundheits- oder Sozialfragen aus. Die Redaktionen erhalten zu den Themen nicht nur einen Text, Grafiken und Diagramme, sondern auch die aufbereiteten Daten in einer Excel-Tabelle. Lokalzeitungen werden gezielt mit Grafiken beliefert, die zu ihrer Region passen.

Ein innovativer Service. Nur schade, dass kaum ein Redakteur die mitgelieferten Daten selbst anfasst. Man darf vermuten, dass viele einfach noch nicht mit Excel umgehen können – oder dass ihnen dafür wieder einmal schlicht die Zeit fehlt.

Die dpa hat sich damit ein neues Marktfeld erschlossen, das sich in den nächsten Jahren insbesondere im Bereich der ortsbezogenen Daten rasant entwickeln wird. Für freie Journalistinnen stellt sich natürlich die Frage, ob ein solcher Bereich nicht eine Nummer zu groß ist, weil er so viele unterschiedliche Kompetenzen anspricht. Doch das, was man selbst noch nicht kann, lässt sich ja auch in Kooperation mit anderen realisieren.

Mich beispielsweise beschäftigt seit etwa einem Jahr die Idee, aus unstrukturierten Daten und Informationen etwas journalistisch herauszuholen. Ich suchte daher – in meiner freien Zeit – ein Beispiel, um herauszufinden, wie aufwändig ein Datenjournalismus-Projekt sein kann. Als geeignetes Versuchskaninchen erschien mir nach einiger Suche die Parteienfinanzierung. Die Parteien veröffentlichen jede Spende über 50.000 Euro auf dem Bundestagsserver. Die Daten liegen seit dem Jahr 2002 vor. Ich wollte anhand der Daten unter anderem herausfinden, welche Branchen welche Parteien regelmäßig unterstützen. Allerdings kann ich zwar mit Excel umgehen, habe aber noch nie eine Soziale Netzwerkanalyse gemacht, die zeigen würde, wer mit wem verbunden ist. Dafür fand ich einen Kooperationspartner, der mich hierbei unterstützte. Sein Interesse bestand darin, auszuprobieren, inwieweit er seine Fähigkeiten, nämlich die strukturierte Auswertung und Analyse großer Datenmengen mit dem journalistischen Arbeiten kombinieren könnte. Mit ZEIT online fanden wir dann eine Redaktion, die das Vorhaben finanziell und publizistisch unterstützte.

Kooperation ist in Zeiten des Wandels wichtig.

Ein Beispiel: Letzte Woche war ich auf einer Veranstaltung, auf der sich die Medienjournalistin Ulrike Langer eine Augmented-Reality-Anwendung wünschte, mit der sich historische Bauten und Ereignisse in Köln während eines Spaziergangs in der Stadt auf dem Smartphone anzeigen lassen. Der WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz meinte darauf hin, das wäre doch eine gute Sache für das Römisch-Germanische Museum Köln. Ulrike Langer hingegen entgegnete: Ja, in Kooperation mit dem Römisch-Germanischen Museum. Denn angesprochen sind hier nicht nur historische Kenntnisse, sondern auch journalistische Kompetenzen.

Kooperationen können aber auch im Klein-Klein des Redaktionsalltags realisiert werden. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Internet-Werkzeugen, die eine enge Zusammenarbeit unterstützen. Elektronische Kalender können gemeinsam genutzt werden. Über Wikis können Ziele und Aufgaben erarbeitet werden. Dort können To-Do-Listen gemeinsam organisiert, Themen und Ressourcen geplant werden.

In Wikis können im Sinne eines redaktionellen Wissensmanagements Informationen gesammelt werden, Links zu gemeinsamen Tools und wichtigen Websites hinterlegt werden. Insbesondere Basis- und Hintergrundinformationen zu Personen von öffentlichem Interesse könnten hier gesammelt werden. Themen-Dossiers angelegt, Recherchehypothesen zur Diskussion gestellt werden.

Social-Bookmarking-Tools können verwendet werden, um gemeinsame Links zu erstellen, die dann nur bestimmte Personen sehen dürfen. Mit demselben Prinzip können Journalisten Links nicht nur sammeln, sondern gezielt in redaktionelle Angebote einbinden. Ein Mausklick genügt, um zu einem Ereignis die relevanten Quellen abzuspeichern und als digitalen Pressespiegel zur Verfügung stellen.

Journalistinnen können zudem in eigenen Weblogs nicht nur alleine, sondern in Gruppen publizieren. MAGDA und CARTA sind jüngste Beispiele für erfolgreiche Autorenblogs. Auch ich selbst betreibe mit KoopTech ein Blog, in dem ich zu bestimmten Themen Autorinnen und Autoren einlade. Dabei handelt es sich meist um Themen, die in regulären Medien keine Chance hätten. Auf diese Weise kann eine Öffentlichkeit hergestellt werden, die weiteren Publikationen den Weg bereiten kann.

Die Kenntnis der eigenen Fähigkeiten ist sehr wichtig, wenn es darum geht, sich weiter zu entwickeln – und darüber zu entscheiden, mit wem man kooperieren möchte. „Was kann ich?“ ist also die Kernfrage.

Grundsätzlich gibt es

fünf journalistische Kernkompetenzen,

die besonders in Zeiten des Medienwandels wichtig sind.

  1. Recherche und Monitoring;
  2. Die Erschließung und einfache Darstellung komplexer Zusammenhänge;
  3. Trends erkennen und kontextualisieren;
  4. Diskurs und Moderation: Einen Diskurs, einen Dialog zwischen verschiedenen Interessensgruppen anregen und moderieren;
  5. Aufmerksamkeit generieren, Publizität herstellen, Veröffentlichungsprozesse beherrschen.

Diese Kompetenzen sind bei jeder Journalistin unterschiedlich stark ausgeprägt. In der journalistischen Ausbildung spielen sie übrigens ebenfalls eine unterschiedlich große Rolle. Bei einer Untersuchung der Studienmodule der einschlägigen Master-Studiengänge im deutschsprachigen Raum konnte ich feststellen, dass die meisten Ausbildungsgänge die Darstellungsfähigkeiten sowie das Beherrschen von Veröffentlichungsprozessen stark betonen. Wenige haben für die Recherche eigene Module eingerichtet. Nur zwei, drei Angebote kümmern sich dediziert um die anderen Kompetenzen.

Beherrschen wir diese Kernkompetenzen, können wir sie ohne erheblichen Aufwand auf beliebig viele Bereiche ausdehnen. Denken wir beispielsweise an den Online-Journalismus.

Hier bedeutet Recherche und Monitoring, dass man neben der üblichen Recherche-Methode auch die entsprechenden Web-Werkzeuge wie Suchmaschinen, Social Networks und RSS-Feeds beherrscht. Im Bereich Open Data kommen weitere Tools zum Einsatz.

Die Erschließung komplexer Zusammenhänge bedeutet online beispielsweise, dass man Quellen zusammenstellt und kommentiert. Das kann auch in Zusammenarbeit mit anderen erfolgen, etwa indem man in einem Wiki das vorhandene Wissen zusammenfasst sowie kommentieren und ergänzen lässt.

Trends erkennen und kontextualisieren bedeutet im Netz, dass man eine Geschichte nicht als Produkt, sondern als Prozess begreift. Dass man Updates und Korrekturen sichtbar macht, dass man über Links auf die vorhergehenden Berichte sowie auf exzellente konkurrierende Berichte verweist.

Diskurs und Moderation bedeutet, dass man im Netz verstreute Diskussionen über ein Thema begleitet und sich an vielen Orten mit den Akteuren vernetzt.

Aufmerksamkeit generieren bedeutet im Internet vor allem, Links auf verschiedenen Wegen – etwa über eine Website, über Twitter, über Facebook, bereitzustellen und Diskussionen an verschiedenen Orten zu begleiten.

Es geht im Fall des Online-Journalismus also darum, die medienspezifischen Werkzeuge kontextgerecht zu beherrschen. Wichtig ist, dass man bereit ist, zu lernen. Dafür muss man nicht unbedingt Schulungen besuchen. Informelles Lernen hat sich in diesem Bereich nämlich als effektiver erwiesen: Etwas Neugier und Aufgeschlossenheit, regelmäßiger Austausch mit Kollegen, eine spielerische Haltung und ein Blick über den berufsspezifischen Tellerrand genügen daher.

Es ist gleichwohl nicht einfach, sich neue Themenbereiche, neue Tätigkeitsfelder im laufenden Geschäft zu erschließen.

Der Erwartungsdruck wird zudem höher, je länger man bereits für etwas Bestimmtes, einen Themenbereich, ein Medium oder eine bestimmte Kompetenz steht. Daher scheint es, als hätte man weniger Optionen, je älter man wird.

Ständige Themenwechsel sind außerhalb des Feuilletons schwierig: Wie glaubwürdig bleibt man, wenn man einmal über Gentechnik, wenig später über die alternde Gesellschaft, über den Kapitalismus und wieder kurze Zeit später über Erkenntnisprobleme der Informationsgesellschaft veröffentlicht? Enzyklopädistische Ambitionen sind heute nur noch schwer zu verwirklichen.

Die wesentliche Frage, die man sich bei der Wahl der eigenen Themen stellen muss, ist daher wohl: Was interessiert mich wirklich? Ich sollte über nichts schreiben müssen, was mich gleichgültig lässt. Im Gegenteil: Ich sollte nur dem Zeit widmen, was mich wirklich interessiert.

Leichter ist es da schon sich crossmedial zu diversifizieren. Ein Spezialthema auf verschiedenen Medien lässt sich kompetenter vermitteln. Aber auch hier sollte man nur die Mediengattungen wählen, die einem gefallen bzw. persönlich liegen.

Auch schließen sich bestimmte Tätigkeiten aus: Man kann beispielsweise nicht journalistisch über etwas berichten, für das man in eigener Person gleichzeitig an anderer Stelle wirbt. Das beschädigt die Glaubwürdigkeit.

Ich möchte damit aber nicht sagen, dass PR und Journalismus grundsätzlich nicht zu vereinen sind. Das wäre von der alltäglichen Arbeitspraxis zu weit entfernt. Matthias Spielkamp stellte kürzlich treffend fest, dass ohne die Quersubventionierung großer Konzerne durch PR-Aufträge zahlreiche gute Artikel in Tageszeitungen gar nicht erscheinen könnten, weil die freien Autoren sich ihr Engagement angesichts der Mindesthonorare nicht mehr leisten könnten. Man muss daher pragmatisch überlegen, unter welchen Bedingungen man beides machen könnte.

Interessanterweise zeigt ein einfacher Vergleich von journalistischer und auf Public Relations ausgerichteter Arbeit, dass beide auf die fünf Kernkompetenzen gleichermaßen zurückgreifen. Es besteht überhaupt kein Unterschied. Vielleicht ist dass der Grund, warum viele Journalisten so leicht in die PR wechseln – und wieder zurück. Gleichwohl müssen sich beide Bereiche voneinander abgrenzen. Denn sonst geht das Vertrauen der Rezipienten verloren. Was macht also den Unterschied zwischen PR und Journalismus aus? Aus meiner Sicht:

Die „Haltung”.

Die Glaubwürdigkeit ist das wertvollste Gut einer Journalistin. Sie basiert auf Kompetenz – und Haltung.

Rezipienten vertrauen darauf, dass Journalistinnen ihre Informationen nicht interessensgeleitet veröffentlichen. Sie erwarten eine gewisse Unabhängigkeit der Journalistinnen. Eine “gewisse Unabhängigkeit” heißt, sie erkennen meist an, dass Journalistinnen nicht völlig losgelöst von ihrer Umwelt Gegebenheiten und Zusammenhänge reflektieren. Dass Eigentümer von Verlagen oder Sender Einfluss nehmen können und dürfen, wird in der Regel anerkannt (wenn auch nicht immer akzeptiert). Nicht anerkannt wird hingegen, wenn Inhalte so zurechtgestutzt und manipuliert werden, dass sie etwa den Interessen von Anzeigenkunden entsprechen. Dies ist jedoch ein offensichtlicherer Zusammenhang als das Verschweigen und Vertuschen, um wertvolle Informanten oder Tippgeber bei Laune zu halten. Für diese Gratwanderungen hilft nur eines: Haltung.

Kann man Haltung lernen? Haltung hat etwas mit “aufrechtem Gang” zu tun, den die Bürger im 19. Jahrhundert gegenüber den staatlichen Autoritäten mühsam einübten. Was darunter zu verstehen ist, erklärt der Politikjournalist Jürgen Leinemann in seiner Autobiografie:

Wer sich als Journalist den aufrechten Gang erhalten will, der braucht ein reflektiertes Verhältnis zu sich selbst und seinem Beruf, einen bewussten Umgang mit der eigenen Subjektivität. Das ist die wichtigste Erfahrung meines beruflichen Lebens: Für jeden Journalisten sollte es selbstauferlegte Pflicht sein, sich durch reflektierte Erinnerung eine Haltung zu erwerben, eine für ihn ganz persönlich charakteristische, bewegliche Beharrlichkeit im Umgang mit dem Leben. In seiner Haltung hat die Freiheit des Journalisten ihren Rückhalt. Wie er auf Ereignisse und auf Menschen reagiert, wie er sich zur Macht und gegenüber Mächtigen verhält, das ist nicht nur individuell relevant, sondern das hat auch politische Folgen. Für mich sind zwei Sätze als Leitlinien bestimmend geworden. Der erste heißt: Wirklichkeit ist alles, wo man durch muss. Der zweite ist eine Gedichtzeile von Peter Rühmkorf: ‘Bleib erschütterbar und widersteh.’”

Ich komme zum Schluss:

Es ist wichtig sich Freiräume, das heißt vor allem: sich strukturell und persönlich Zeit zu verschaffen. Was sich bei vielen Zuhörerinnen vielleicht angesichts der momentanen Arbeitsüberlastung zunächst als unmöglich anhört, kann ein Gewinn für die Redaktion sein, vor allem aber kann es ein persönlicher Gewinn sein. Denn Ideenlosigkeit, Entmutigung, Erschöpfung oder gar Burnout können nur so vermieden werden – bei einem Zuwachs an gedanklicher Freiheit, Inspiration und Lebensqualität.

In Kooperationen können wir gezielt das verwirklichen, was wir alleine aus eigener Kraft nicht stemmen können. Wichtig ist es, das eigene Standbein nicht zu verlieren, jedoch ein frei bewegliches Spielbein zu bewahren, das uns Experimente erlaubt und Inspiration ermöglicht. Nur mit einem Spielbein können wir uns im Wandel immer wieder selbst neu erfinden. Damit wir hier nicht ins Stolpern kommen zählt vor allem eins: Haltung bewahren.

Manuskript des Impulsreferats, das ich anlässlich der Jahrestagung des Journalistinnenbunds am 4.9.2010 in Recklinghausen gehalten habe.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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11 Responses to Wie wir uns im Wandel neu erfinden

  1. Marcus says:

    Danke für den langen, guten und richtigen Text. Ich hoffe er wirkt – hier und da, im Kleinen und ganz persönlich. Denn hier kann man sofort ansetzen mit dem Innovationsmanagement. Viel schneller, unmittelbarer und befruchtender als in jeglichem redaktionellen oder verlegerischen Kontext.

    Neben Open Data und Augmented Reality bieten sich meiner Meinung nach noch zahlreiche Möglichkeiten im wachsenden Markt “Games”.

    Dazu nur kurz empfohlen:

    1) http://leanderwattig.de/index.php/2010/09/05/47-beispiele-fur-das-thema-game-mechanics-das-in-sachen-hype-das-thema-social-ablosen-konnte/ (….Er sagt, dass die 2000er Jahre dem Thema “Social” gewidmet waren und dass die 2010er Jahre die Dekade des Themas Games sein werden. )

    und eine Leseempfehlung: http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-08/tom-bissell (…Der Autor gibt uns keine endgültige Antwort. Er macht aber ziemlich früh klar: Wir befinden uns im goldenen Zeitalter des Videospielens)

    Beste Grüße,
    MB

  2. Eine sehr anregende Rede, die ich mir später nochmal ganz in Ruhe zu Gemüte führen werde. Natürlich freue ich mich auch, dass Du meine Augmented Reality Idee erwähnst :-) Was ich allerdings irritierend finde: dass hier nur von Journalistinnen die Rede ist, als ob die Probleme und Lösungsvorschläge nicht auch gleichermaßen für Journalisten gelten würden. Ja, ich weiß, die Rede galt dem Journalistinnenbund, aber hier hätte ich das geschlechtsneutral umformuliert.

  3. Danke! Das mit den Spielen finde ich auch sehr faszinierend, vor allem seit Jane McGonigals TED-Vortrag (http://blog.kooptech.de/2010/03/game-design-als-realitaetsreparatur/). Ich sehe nur noch keinen direkten journalistischen Ansatz (außer natürlich dass man hier mindestens zwei Kompetenzen zum Anschlag bringen könnte: Recherche, einfache Darstellung von komplexen Inhalten). Welche Idee schwebt dir hier vor?

  4. Marcus says:

    Der Begriff Newsgames umreisst es ganz grob. Das Feld ist in Deutschland noch relativ unbesetzt, aber das kann sich ja ändern :-)

    Habe hier ein paar Zeilen zum Thema “Newsgames. Journalismus zum Spielen” gepostet –> http://training.dw-world.de/ausbildung/blogs/lab/?p=1403

    Warte derweil auf das aktuelle Buch “Newsgames” von Ian Bogost –> http://www.bogost.com/books/newsgamesbook.shtml

    Gerade und vor allem im Bereich Konzept, Storytelling oder auch der Dialoggestaltung könnten Content-Hersteller in Zusammenarbeit mit Programmierern und Designern im kleinen Team einiges umsetzen. Finanziert zum Beispiel vom DAAD –> http://www.daad.de/deutschland/deutschland/ueberblick/13313.de.html

  5. Pingback: Sperrobjekt Weblog

  6. Liebe Christiane,

    puh und ich dachte, ich schreibe lange Texte :-)

    Gut und richtig formuliert.

    Gerade an der Haltung scheitern die deutschen Verlage seit langem selbst. Hinzu kommt die Arroganz von vielen Journalisten. Beides verhindert Innovationsmanagement.

    Und: Der Job macht vielen keinen Spaß mehr. Wer keinen Spaß an seiner Arbeit macht, macht auch keine gute Arbeit. Viele der Gründe hast Du genannt.

    Man sollte manche Verlagsleiter in Klausur schicken und erst wieder rauslassen, wenn diese Deinen Text einigermaßen inhaltlich wiedergeben können.

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

  7. Pingback: Glanzlichter 32 « … Kaffee bei mir?

  8. Christiane says:

    @Ulrike Stimmt, das mit den Journalistinnen liest sich hier merkwürdig. Aber es gibt keine geschlechtsneutralen Begriffe, streng genommen :) Also habe ich es gelassen im Sinne des Gendering (betreibe ich sonst eh viel zu selten). Außerdem ist das ein Tribut an die einladende Organisation, ohne die ich das wohl so schnell nicht so aufgeschrieben hätte.

  9. Detlef Borchers says:

    Schöner, anregender Text, auch wenn ich die sehr giftigen Querschüsse zum Informationsfreiheitsgesetz nicht verstehe. Außerdem halte ich Augmented Reality für ganz großen Käse, der mit Journalismus nichts zu tun hat. Mit der “Haltung” habe ich auch große Probleme und dann ist da noch die Moritat vom Fressen und der Moral. Ich muss als freier Journalist Pi mal Daumen rund 5000 € im Monat einfahren und habe große Zweifel, dass bei diesem Etmal Carta, Magda etcetera überhaupt ein tragfähiges Konzept sind. Bei den Kernko0mpetenzen vermisse ich die Kompetenz, am Ball zu bleiben, ein Thema zu verfolgen, auch wenn alle Welt erzählt, dass die Sache gefrühstückt ist. Aber hey, ein schöner Text für Sonntagsreden. –Detlef

  10. Hey, danke für die Blumen :)
    - “sehr giftig”? Du kriegst hier einfach nicht so viele Daten wie in UK oder USA. Die Barrieren sind einfach höher und das ist der Grund, warum Open Data hier nicht richtig losgeht. Das ist eine IST-Beschreibung. Siehst du das anders?
    - Haltung – keine Ahnung, welche Probleme meinst du?
    - Ich schreibe nicht, dass du mit Autorenblogs was direkt verdienen kannst, aber du kannst definitiv ein paar Spielbeine hinzugewinnen. Es gibt etliche KollegInnen, die das getan haben. Auch bei CARTA schreiben die Autoren ja nicht aus reinster Nächstenliebe, sondern um sich und ihre Themen zu präsentieren oder neue Themen auszuprobieren.
    - Die Hartnäckigkeit als Kompetenz – ist das nicht eine Haltung?
    - P.S. Detlef – was würdest du denn zu einem vorgegebenen Thema “Wie wir uns im Wandel immer neu erfinden” schreiben?

  11. Pingback: Unsere Zeitung ist so mies – Warum nur? | vtaktuell

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