Geodaten-Wettlauf: Crowdsourcing versus automatisierte Ansätze

Digitale Kartografie hat die Erstellung und Nutzung von Karten erheblich erleichtert. Gut gemachte Karten benötigen aber ausreichend Daten. Doch gerade Geodaten der öffentlichen Hand sind selten frei verfügbar und kosten oftmals viel Geld, weil diese eine extra Einnahmequelle für klamme Kommunen bieten. Wie kann man also Geodaten als Gemeingut schaffen? Crowdsourcing-Ansätze bilden hier eine Alternative sowie neue Methoden zur automatisierten Erfassung von Geodaten.

Crowdsourcing ist ein vielversprechender Ansatz kollektiv Geodaten zu sammeln. Erfolgreiches Beispiel ist das Projekt Openstreetmap, das in Deutschland eine der detailliertesten Karten weltweit anbietet. Plattformen wie Ushahidi verdeutlichen welches Potenzial darin liegt, wenn ein Gruppe von Bürgern per Mobiltelefon von jedem Ort aus Informationen beitragen können. Der Guardian nutzt die Plattform um die viele Haushaltskürzungen exemplarisch in der Stadt Leeds zu mappen.

Es gibt aber auch andere Wege an Geodaten zu kommen. Dank digitaler Erkennungssoftware können zum Beispiel Luftaufnahmen viel genauer nach unterschiedlichen Merkmalen ausgewertet werden. Jüngstes Beispiel sind 3D-Bäume in Google Earth. Google hat Satelliten-Aufnahmen von Parks in 50 Städten weltweit untersucht und eine virtuelle Kopie mit den unterschiedlichen Baumarten geschaffen.

“With 3D trees in Google Earth, we’ve brought characteristic trees to life, from the palm trees that dot San Francisco’s bayfront Embarcadero Street, to the olive trees that cling to the Acropolis in Athens, to the flowering dogwoods found in Tokyo’s parks. All told, there are around 50 different tree species to explore in Google Earth and counting!”

Vor ein paar Monaten hatte ich in meinem Blog das Projekt Urban Forest Map vorgestellt, welches ein ähnliches Ziel verfolgt, aber mit einem “aufwendigen” Crowdsourcing-Ansatz. Nun hat Google das gleiche Ziel mit einer Software erreicht. Tausende Mitglieder der Openstreetmap-Gemeinde nutzen Satelliten-Aufnahmen von Yahoo, um die Umrisse der Gebäude in deren offene Karte einzuzeichnen. Sind solche Arbeiten in naher Zukunft noch notwendig? Wahrscheinlich schon, weil erstens die digitale Erkennungssoftware oftmals nicht als freie Software zur Verfügung steht und zweitens dieser Teil der Geodaten-Sammlung nur ein Teil der Erfassung ist.

Zum Beispiel für Echtzeit-Informationen sind Crowdsourcing-Ansätze nach wie vor hilfreich. Das zeigt das Beispiel live-map.de zum Castor-Transport oder das “live tactical mapping for protest swarming” vor kurzem bei einer Londoner Demonstration. Doch auch hier nutzt ein anderer Akteur bereits eine neuere Technologie: Drohnen. Die deutsche Polizei setzte bei dem jüngsten Castor-Transport erstmals Drohnen zur Luftüberwachung ein. Gepaart mit der richtigen Software können solche Instrumente große Menge an Daten sammeln und in naher Zukunft jedwedes Objekt automatisch identifizieren.

Hier zeigt sich wieder ein mal das Dilemma solcher Innovationen: Mit der automatisierten Baumerkennung lässt sich die weltweite Abholzung von Wäldern genauer beobachteten. Crowdsourcing-Ansätze bergen ein großes Potenzial Geodaten frei verfügbar für Bürger anzubieten wie zum Beispiel Wheelmap.

Durch die verbesserten Luftaufnahmen wie zum Beispiel die Vogelperspektive von Bing oder Google Street View wird über kurz oder lang unserer Umwelt immer detaillierter erfasst werden. Gerade die Fortschritte bei der Software der Personenerkennung, sogar in Echtzeit, zeigen aber auch die verheerenden Folgen für die Privatsphäre.



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About Christian Kreutz

Politologe und Berater. Er arbeitet seit 2004 in der internationalen Zusammenarbeit, berät Organisationen zu Wissensmanagement und Netzwerke für sozialen Wandel. Er bloggt unter crisscrossed.net und ist Initiator von frankfurt-gestalten.de.
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