Guardian wertet Cablegate-Depeschen am fleißigsten aus

Der Guardian veröffentlicht in einer fortlaufend aktualisierten Übersicht, welche Redaktion in ihren Artikeln sich auf die US-Depeschen bezieht, die auf Wikileaks veröffentlicht werden. Dabei verlinkt er, soweit möglich, die Kurzzusammenfassung mit den entsprechenden Geschichten auf den Websites der “Fantastischen Fünf”, die exklusiv über das Gesamtkonvolut der rund 251.000 Depeschen verfügen dürfen. Die New York Times erhielt ihren Datensatz übrigens direkt vom Guardian, da Wikileaks wohl aufgrund eines kritischen Portraits von Julian Assange auf eine Kooperation keinen Wert gelegt hatte.

Eine Auswertung dieser Übersicht ergibt, dass der Guardian im Vergleich zu den anderen Redaktionen die Depeschen bisher am fleißigsten ausgewertet hat.áDie summarische Auswertung für die Veröffentlichungstage 1 bis 18 zeigt, dass der Guardian bislang 135 Artikel veröffentlicht hat, das sind pro Tag durchschnittlich etwa 7,5 Artikel. Während der Guardian seit dem 29. November täglich mehrere Beiträge veröffentlicht hat, haben sich die anderen Redaktionen hin und wieder eine Auszeit gegönnt.

Etwa auf einer Augenhöhe befinden sich Der Spiegel mit 29 Beiträgen, die New York Times mit 28 Beiträgen und El Pais mit 27 Beiträgen – und etwa 1,5 Artikeln pro Tag im Schnitt. Allerdings scheinen die Artikel des Sonderheft des Spiegels nicht vollständig berücksichtigt worden zu sein. Deutliches Schlusslicht ist Le Monde mit 21 Beiträgen – mit gerundet etwa 1,2 Beiträgen täglich.

Aus der Auswertung wird die Führungsrolle des Guardian bei der redaktionellen Auswertung der US-Depeschen deutlich. Dies zeigt sich nicht nur an der Menge der bearbeiteten Informationen, sondern auch an der Art, wie diese präsentiert werden: Nämlich möglichst übersichtlich für die Leser.

In diesem Zusammenhang ist es auch erwähnenswert, dass der Guardian die Metadaten der Wikileaks-Cables in einer offenen Datenbank zur Auswertung frei gegeben hat – während etwa der Spiegel die Depeschen lediglich in einer von außen unzugänglichen Flash-Grafik aufbereitet hat. Auf diese Weise entstanden auf Grundlage der Guardian-Daten einige interessante Auswertungen, unter anderem folgende, die die Prioritäten großer Themenbereiche für die Jahre 2001 bis 2003 visualisiert:

Nachtrag:
Zum Thema Wikileaks: Chance oder Alptraum für Journalisten. Ein Kommentar von mir für DRadio Wissen am 18.12.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts f├╝hrt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie f├╝hrt ein pers├Ânliches Blog auf ihrer Homepage.
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3 Responses to Guardian wertet Cablegate-Depeschen am fleißigsten aus

  1. Torsten says:

    Die Frage ist: wird damit nicht auch eine Schwelle überschritten, in der die Dokumente so schnell am Auge des Lesers vorbeirauschen, dass er kein Wissen daraus aufbauen kann?

    Ich beobachte das zum Beispiel bei Netzpolitik.org, wo in den letzten Monaten die Posting-Frequenz stark erhöht ist. Ergebnis: Wo ich früher jede Debatte verfolgen konnte, streife ich heute nur kursorisch drüber.

  2. Pingback: Lesetipps für den 20. Dezember | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0

  3. Pingback: MR036 Der Spiegel und Wikileaks | Medienradio.org

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