Interessanter Relaunch von Surprising Europe

Per Zufall entdeckt, dass die Website “Surprising Europe” einen wichtigen, und sehr logischen Relaunch erlebt hat. Vor allem Journalisten hatten in der alten Version über die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Migranten in Europa berichtet – was dem ganzen Projekt mitunter einen etwas merkwürdigen Zungenschlag verlieh – als müssten Migranten unbedingt davor gewarnt werden, hierher zu kommen. Entsprechend gab es auch einen Kommentar zu der kurzen Notiz, die ich 2008 über das Projekt verfasst hatte. Hier ein Screenshot der alten Version:

Seit etwa einem Monat nun das neue Surprising Europe, das sich direkt an die Migranten richtet, die unmittelbar selbst zu Wort kommen sollen. Sie können sich nun ihr eigenes Blog über die Plattform einrichten. Eine Karte zeigt, aus welchen Orten die Beiträge in Europa stammen bzw. wo es Initiativen gibt, die für afrikanische Migranten interessant sind.

Ein Beitrag aus Köln beschreibt eine wohl rassistisch motivierte Schlägerei. Dazu gibt es einen Video-Beitrag über rassistische Vorfälle in Deutschland. Ein anderer Beitrag aus Berlin, ebenfalls mit Video, erzählt, dass es gar nicht so einfach ist, die notwendigen Papiere zu beschaffen, wenn man heiraten möchte.

Der qualitative Sprung besteht darin, dass ein redaktioneller Filter nicht mehr sichtbar ist. Dass es einen gibt, davon gehe ich angesichts der hübsch formatierten und geschriebenen Beiträge aus. Die Filmbeiträge machen ebenfalls einen sehr professionellen Eintrag.

Hinter dem Relaunch steckt wohl  der ugandische Fotojournalist Ssuuna Golooba. Ihn rüttelte der Tod von elf “illegalen” Migranten auf – darüber musste berichtet werden. In seinem Blog auf Surprising Europe berichtet er über seine Erlebnisse.

Über den Wandel  der Website zeigt sich das Projekt leider etwas wortkarg. Es sieht so aus, als ob der Verein, der die alte Version ins Leben gerufen hatte, nun einfach auch die neue unterstützt – sich aber lediglich als Plattform-Dienstleister begreift. Finanziell unterstützt wird das Projekt übrigens vom niederländischen Medienfonds. Eine derartige Unterstützung zivilgesellschaftlicher Medienprojekte gibt es in Deutschland meines Wissens nach nicht, das der Staat sich aus der Medienförderung hier bewusst raushält (ausgenommen natürlich ist die GEZ).

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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