Wo sind die Metadaten in grauer Literatur?

Ich muss hier kurz einmal meiner Irritation Luft verschaffen:

Ich habe in den letzten zwei Monaten rund 200 Titel in das Literaturverwaltungsprogramm Citavi eingepflegt. Und bei allen Dokumenten aus dem Netz (n=54) – bis auf ein einziges (von einer Frau!) – mangelhafte Metadaten eingelesen. Das betrifft im Netz veröffentlichte Gutachten, Berichte, Dissertationen, Diplomarbeiten: Hier sind die Metadaten in den Dokumenten so schlecht eingepflegt, dass sie schlicht unbrauchbar sind. Eben gerade wieder eine Studie eines renommierten Universitätsinstituts über den Citavi-Picker automatisch eingelesen, das als “Autor” ganz offensichtlich die Kontokennung des PC-Nutzers angibt und als Titel unleserliche Zeichen. Dabei handelt es sich um Dokumente von Leuten, die sich professionell mit Internetthemen befassen.

Liebe Akademiker: Verwendet doch endlich mal die “Eigenschaften” eines Dokuments, um dort Metadaten wie “Autor”, “Titel”, “Untertitel” und “Institution” ordentlich einzutragen. Danke!

Und liebe Bibliothekare: Bei Sammelwerken werden oftmals die Herausgeberschaft bzw. die weiteren Co-Herausgeber nicht oder unvollständig angezeigt. Auch das erfordert wieder Nacharbeit. Ist für mich auch unverständlich.

 

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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9 Responses to Wo sind die Metadaten in grauer Literatur?

  1. Bernd Weiss says:

    Habe ich bislang auch nicht gemacht, weil mir schlicht nicht bewusst war, dass Literaturverwaltungsprogramme (ich verwende Endnote und Zotero) daraus Nutzen ziehen können. Auf welche Dokumentenformate beziehst Du Dich dabei? Ich gelobe aber Besserung…

  2. gis says:

    Ah, Metadaten. A never ending story. Wo doch der Citavi Picker in der Tat gute Dienste leisten könnte. Auch im nicht-wissenschaftlichen Teil des Wissensmanagement kämpft man an allen Ecken und Enden mit dem Problem, dass die Leute ihre Dokumente nicht mit Metadaten versehen – schlicht, weil sie es nicht wissen. Anders als bei MP3-Dateien fehlt der Allgemeinheit halt immer noch der konkrete Anwendungsfall, um ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Bei MP3 ist es halt so, dass alle, die sich schon mal intensiv mit ihrer Musikbibliothek auseinandergesetzt haben, wissen, wie mühsam es ist, wenn die Tags falsch oder unvollständig sind.

    Ich sehe das Hauptproblem darin, dass man bei elektronischen Dokumenten leider immer noch in Ordnern und Dateinamen denkt. Ich warte weiterhin auf das Betriebssystem/Programm, welches sich von der Ordnerstruktur löst und Dateien analog zu MP3-Playern anhand der Metadaten sortiert und darstellt. Ich hoffe, dies noch erleben zu dürfen!

  3. @Bernd: Es waren keine Texte von Dir :) – aber es sind eben PDFs und ganz selten Word-Dateien. Die PDFs ziehen die Metadaten von der Originaldatei
    @gis Ich bilde mir ein, dass die Suche auf dem Desktop schneller und eventuell besser geht, wenn die Metadaten drin sind. Ich habe mir die Eingabe angewöhnt, weil ich dann z.B. in die Kopfzeile die Metadaten einspielen kann und dem Ausdruck dann gleich alles notwendige zu entnehmen ist (Autraggeber, Zeitschrift, Titel, Zeichenzahl usw.)

  4. gis says:

    @Christiane Ja, das stimmt. Nur, welcher Durchschnittsnutzer benutzt die Desktop-Suche? Lieber klickt man sich ewig durch Ordner.

    Was mir vorschwebt, ist sowas wie ein iTunes für Dokumente: Ich sehe zu jedem Dokument ein Preview, daneben dann der/die Verfasser, Titel, Schlagworte u.a. Durch diese Sammlung kann ich mich dann durchscrollen. Ablageseitig existieren keine Ordner mehr, das System legt die Dateien beliebig ab.

    Die neue Startseite von Google Text & Tabellen macht sowas ähnliches – mit dem Problem, dass man halt nicht gezwungen wird, eine Beschreibung usw. anzugeben.

  5. Ja, aber auch weil die Suche darin gut ist.
    Mit Windows 7 ist jedenfalls die Desktopsuche rasant und bequem – war bei Windows XP quälend.
    Aber die fehlenden Stichwörter sind nicht das Problem, sondern der fehlende Autor, Titel ….

  6. Pingback: Linkdump vom Mi, 11. Mai 2011 bis Fr, 13. Mai 2011 Links synapsenschnappsen

  7. nemissimo says:

    Was die fehlenden Herausgeber in Bibliothekskatalogen betrifft, habe ich immerhin eine mögliche Erklärung: Es ist ein Relikt aus der Vergangenheit der Zettelkataloge, wo für jeden Herausgeber eine eigene Karte geschrieben werden mußte und diese Karte im alphabetischen Katalog einsortiert werden mußte. Daher galt die Regel, daß die Anzahl der Personen, unter denen ein Werk eingetragen wurde, strikt beschränkt war. Bei Werken von bis zu drei Verfassern wurden eine Haupteintragung und bis zu zwei Nebeneintragungen gemacht, Werke von mehr als drei Verfassern als anonyme Werke behandelt. Von den Herausgebern (in der Sprache des Regelwerks RAK – vgl. http://www.allegro-c.de/regeln/ – sog. eine Sorte der vielen möglichen “Sonstigen beteiligten Personen”) erhielt unter bestimmten Bedingungen der zuerst genannte eine Nebeneintragung – alle anderen fielen unter den Tisch.

    Beim Umstieg auf die EDV-Katalogisierung wurden diese Regeln zunächst übernommen (und da Speicherplatz teuer war, Vornamen eine ganze Zeit in bestimmten Systemen abgekürzt). Die Diskussion über Aktualisierung der Regelwerke zur Katalogisierung im Hinblick auf Anforderungen von Nutzern und Möglichkeiten der EDV ist in vollem Gange, tatsächlich werden aber aktuell großenteils noch die Regeln für Zettelkataloge angewandt. Mich trifft das bei bibliographischer Arbeit außer bei Herausgebern immer bei Orts- und Verlagsangaben, die ähnlich restriktiv abgekürzt werden, obwohl damit keine zusätzlichen Eintragungen in Zettelkatalogen verbunden waren (wohl aber Tipparbeit bei Verlagen wie Peter Lang mit seinen zahlreichen Verlagsorten; die würde ich auch in einer Bibliographie nicht alle angeben wollen, aber bis zu drei Orte anzugeben, bei mehr als drei Orten jedoch nur einen und “u.a.” scheint mir etwas widersinnig).

    Da Katalogisierung nicht mein Spezialgebiet ist, bitte eventuelle Ungenauigkeiten nachzusehen; die Tendenz stimmt jedenfalls.

  8. Danke für die Erklärung, das ist nachvollziehbar :)

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