KoopTech empfiehlt – Security-Schizophrenien, Netlog-Spam, Whistleblower

Gehackte Langeweile
Peter Glaser über die gegenwärtige, etwas schizophrene Entwicklung.
Während Gruppen wie Anonymous und Lulzsec weitgehend symbolische Aktionen oder Aufmerksamkeits-Stunts durchführen, sind staatliche Hacker eine bedeutend ernsthaftere Gefahr. Experten gehen davon aus, dass derzeit etwa 30 Staaten auf der Welt über solche digitalen Truppenteile verfügen. Und es geht längst nicht mehr nur um Defensivmaßnahmen, wie Bezeichnungen a la “Cyber-Abwehrzentrum” sie suggerieren sollen. Das Netz – und alles was mit ihm verbunden ist – ist ein Gebiet für Angriffskriege.
In: Hyperland ZDF, Jun 18, 2011

Warum das neue Cyber-Abwehrzentrum der Bundesregierung so nicht funktioniert
Lesenswerter Rant über den Cybersecurity-Hype von Hadmut Danisch mit vielen richtigen Punkten
IT-Sicherheit ist in Deutschland ein trauriges Kapitel. Jahrelang wurde das auch an den Universitäten nur als x-beliebiger Vorwand für das Beantragen von Forschungsgeldern und das Aufblasen von Lehrstühlen und Professoren verwendet, weil es sich wichtig anhört. Tatsächlich geleistet wurde aber nie etwas. Deutschland ist in diesem Bereich, auch was Internet und so weiter angeht, ein reines Abnehmer- und Konsumentenland. Der ganze Kram wird – im Guten wie im Schlechten – vor allem in den USA entwickelt, mit allen Vor- und vor allem Nachteilen von deren Mentalität, Rechtssystem, Selbstverständnis und Schlampigkeit.
In: danisch.de, Jun 18, 2011

Netlog: Datensammler und Mail-Schleuder
Nicht nur Facebook pflegt einen lässigen Umgang mit den Daten seiner Mitglieder, das soziale Netzwerk Netlog treibt es noch viel bunter. Es saugt aus anderen Konten Adressen ab und nutzt sie zur viralen Verbreitung von Einladungen. Wer hier einmal in die Falle tappt, hat große Probleme, die Mailmaschine wieder abzustellen – und riskiert einen immensen Imageschaden.
Die belgische Plattform Netlog erfreut sich besonders unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen großer Beliebtheit. Sie ist auf radikale Öffentlichkeit getrimmt und gibt den Mitgliedern kaum Möglichkeiten, ihre Privatsphäre zu schützen.
In: c’t, Jun 16, 2011

The Whistle-Blowers of 1777
Wie das Whistleblowing in den USA in den Jahren 1777-79 gegen den Widerstand eines Unterzeichners der Unabhängigkeitserklärung Fuß fassen konnte, erzählt Stephen M. Kohn in der NYT. Es ging um Folter von Kriegsgefangenen – und darum, Unrecht ohne Angst vor Repressionen benennen zu dürfen.
(In 1779) Congress did not hide behind government secrecy edicts, even though the nation was at war. Instead, it authorized the full release of all records related to the removal of Hopkins. No “state secret” privilege was invoked. The whistle-blowers did not need to use a Freedom of Information Act to obtain documents to vindicate themselves. There was no attempt to hide the fact that whistle-blowers had accused a Navy commander of mistreating prisoners.
(….)
A 1989 law was supposed to protect federal employees who expose fraud and misconduct from retaliation. But over the years, these protections have been completely undermined. One loophole gives the government the absolute right to strip employees of their security clearances and fire them, without judicial review.

In: New York Times, Jun 12, 2011

Facebook als Sicherheitsrisiko
Günter Hack erklärt, warum das Soziale Netzwerk an sich ein Risikofaktor ist:
Laut Pichlmayr kommt eine „gute Attacke“ auf Facebook auf bis zu 600.000 Kontakte. „Und das innerhalb weniger Stunden“, so der Sicherheitsexperte, „das ist ein irres Potenzial.“ Vor allem eigne sich das Soziale Netzwerk dazu, einzelne User über Betrugsversuche zu „knacken“ und Informationen aus ihnen herauszulocken, die beim Eindringen in Firmennetze behilflich sein könnten.
In: ORF.at, Jun 15, 2011

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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