Journalisten der Finsternis

Endlich eine Studie über die Qualität der Afrikaberichterstattung. Lutz Mükke hat die Ergebnisse seiner Untersuchung jetzt in dem Band “Journalisten der Finsternis” vorgelegt, der im r:k:m-Journal von Andrea Czepek in einer lesenswerten Rezension besprochen wird. Journalisten der Finsternis sind Journalisten, die über die K-Themen berichten: Krisen, Kriege, Krankheiten, Korruption, Kriminalität und Katastrophen. Mükke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Leipzig und konnte die Studie mit Hilfe des DAAD und der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig umsetzen.

Die Ausgangsbeobachtung ist, dass viele Zeitungen ihr Korrespondentennetz seit 1990 massiv abgebaut haben. Im Schnitt betreut heute ein Korrespondent 33 afrikanische Länder. Mükke führt eine Inhaltsanalyse von Texten aus der FAZ, der SZ und der dpa in den Jahren 2002 bis 2004 sowie eine Befragung von 23 der insgesamt 26 Afrikakorrespondenten im Jahr 2006 durch. Theoretisch bezieht er sich auf die Gatekeeperforschung, die Nachrichtenwerttheorie und ökonomische Überlegungen.

Die Befragung erweist sich als wichtiges Korrektiv der Inhaltsanalyse. Andrea Chepek schreibt:

So wird daran deutlich, dass in den Berichten zwar häufig Regierungsvertreter als Quellen genannt werden, die Korrespondenten jedoch selten tatsächlich mit diesen sprechen, sondern häufig aus Pressemitteilungen zitieren. Die tatsächliche Bedeutung von afrikanischen Quellen werde dagegen unterschätzt, weil sie in den kurzen Meldungen nicht mehr genannt werden.

Auch Mükkes Feststellung des Selbstverständnisses der Korrespondenten  ist interessant. Czepek:

Die meisten deutschen Afrikakorrespondenten sehen sich nicht als investigative Reporter. Eine kritische Kontrolle der afrikanischen Regierungen oder der deutschen Aktivitäten in Afrika hielten die meisten nicht für ihre zentrale Aufgabe – und das, obwohl sich die Berichterstattung ansonsten sehr stark auf Deutschland bezieht und viele Aspekte der Entwicklungszusammenarbeit und der Aktivitäten von Hilfsorganisationen durchaus kontrovers diskutiert werden könnten.

Aber offenbar verhindern enge Beziehungen zu Mitarbeitern der Hilfsorganisationen eine kritische Berichterstattung. Unter anderem bezahlen diese den finanziell knapp ausgestatteten Korrespondenten auch die Reisekosten.

Eine weitere Beobachtung ist sehr interessant: Die Verfügbarkeit von Berichten im Internet führt verstärkt dazu von Berichten anderer abzuschreiben. Die Augenzeugenschaft nimmt ab. Interessant auch der Hinweis, dass AFP und Reuters vergleichsweise stärker mit afrikanischen Mitarbeitern zusammenarbeiten, was zu authentischeren, weniger mit Stereotypen belasteten Berichten führt.

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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