Klarnamen befördern den gepflegten Diskurs

Ich wurde von der taz gebeten, meine Meinung zur Klarnamenpflicht zu äußern. Das habe ich gerne getan. Nach drei Kürzungsprozessen wurde am Freitag ein Teasertext für den “Streit der Woche” in der sonntäglichen taz veröffentlicht, der nicht meiner Meinung entspricht. Er behauptet, ich würde die Klarnamenpflicht unterstützen. Das tue ich nicht. (Die taz hat inzwischen korrigiert. Danke!) Ich möchte deshalb den ursprünglichen taz-Text hier veröffentlichen, der schon kurz genug war - der gekürzte wird am Sonntag erscheinen.

Klarnamen befördern nachweislich den gepflegten Diskurs. Jeder, der die Diskussionen des neuen Dienstes Google+ verfolgt, kann das erleben. Google erlaubt keine offensichtlichen Pseudonyme – und das Diskussionsverhalten ist bislang auf hohem Niveau. Zum Vergleich genügt ein Blick in Internetforen, in denen Pseudonyme üblich sind: Trolle fühlen sich dort besonders wohl. Daraus zu folgern, der Staat müsse diese durch ein Verbot von Pseudonymen belohnen, wäre aber falsch. Es wäre ein schwerer Eingriff in die Meinungsfreiheit. In Demokratien muss es immer einen Raum geben, in dem Minderheiten sich austauschen können. Dagegen muss der gepflegte Diskurs gefördert werden. Private Anbieter im Netz können die Verwendung von Klarnamen fördern. Alternativ können sie Mechanismen nutzen wie die Bewertung von Kommentaren. Schlecht bewertete Beiträge könnten in den Diskussionssträngen ausgeblendet bzw. nicht direkt einsehbar sein. Moderatoren könnten aktiver eingreifen. In einem solchen Forum würden Bürger ermutigt, sich stärker unter ihrem Klarnamen zu engagieren. Foren, in denen etwa regelmäßig über Minderheiten gehetzt wird, sollten hingegen stärker geächtet werden. Vielleicht könnte eine Art Ehrenkodex für Moderatoren hilfreicher sein als jedes Verbot.

Zum Hintergrund meiner Überlegungen:

Ich bin überzeugt, dass die Verwendung von Klarnamen Zivilcourage erfordert. Immer dann, wenn die Verwendung von Pseudonymen notwendig ist, ist etwas im Argen. Das heißt, bestehende Regeln oder Verhältnisse verhindern die Meinungsfreiheit. Die Sanktionen oder der Preis einer Klarnamenverwendung ist so hoch, dass besser darauf verzichtet werden sollte. Weil das immer nur der Betroffene abwägen kann, darf es nie eine Klarnamenpflicht geben. Es muss also immer die Freiheit für das Pseudonym geben – und die Verwendung von Pseudonymen soll auch nicht unter Verdacht gestellt werden. Gleichwohl sollte immer auch die Verwendung von Klarnamen gefördert werden, da sie, so bin ich nach vielen Jahren im Netz überzeugt, unseren gesellschaftlichen Diskurs positiv verändern wird. Mein Text zielt also im Wesentlich auf eine sanfte, nicht brachiale Veränderung des Diskussionsklimas ab.

 

 

About Christiane Schulzki-Haddouti

Freie IT- und Medienjournalistin. Hat dieses Blog 2007 im Rahmen der KoopTech-Analyse eingerichtet. Seit Beendigung des Projekts führt sie es als Multi-Autorenblog weiter. Sie führt ein persönliches Blog auf ihrer Homepage.
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23 Responses to Klarnamen befördern den gepflegten Diskurs

  1. Sehr schön geschrieben.

  2. vera says:

    Nein, ich bin nicht deiner Meinung, da ist mir schon zu viel Reglementierung drin. Mir ist aber beim Lesen aufgefallen, daß deine Meinung unter Journalisten verbreitet ist. Ich glaube, sie haben ein anderes Verhältnis zu Klarnamen, weil sie gewöhnt sind, ihren eigenen zu veröffentlichen und ihn als Marke zu betrachten.

    Pöbeln geht nicht. Aber das findet, wie im richtigen Leben, ja auch nicht an jeder Straßenecke statt. Ich muss bestimmte Foren ja nicht unbedingt besuchen, genau so, wie ich nicht in bestimmte Lokale gehe. Und manche lernen’s eben nie, die kann man aber wunderbar ignorieren …

  3. Irene says:

    Ich bin überzeugt, dass die Verwendung von Klarnamen Zivilcourage erfordert. Immer dann, wenn die Verwendung von Pseudonymen notwendig ist, ist etwas im Argen.

    Ja – zum Beispiel die Gesundheit. Wer sich unter vollem Namen im Migräne-Forum anmeldet, outet sich damit als Newbie.

    (Das Internet besteht nicht nur aus Selbstmarketing.)

  4. Christiane says:

    Vera, da stimme ich dir zu. Es ist die Erfahrung, die man als Journalistin macht: Ja, man kann mit Klarnamen seine Meinung vertreten. Es ist nicht schlimm. Und es ist eine Frage der Zivilcourage.

    Ich hatte früher eine ähnliche Meinung wie du, aber inzwischen meine ich, dass man in einer demokratischen Gesellschaft, in der man nicht alltäglich mit dem Leben bedroht wird, durchaus offen seine Meinung vertreten kann. Es gibt nur wenige gute Gründe, warum man das nicht tun sollte. Aber die Regel ist, dass man ein Pseudonym im Netz wählt. Warum eigentlich? Man könnte ja nur den Vornamen nehmen, aber warum einen ganz anderen Namen? Datenschutz?

    Ich habe in vielen Foren, in denen dann über meine Artikel diskutiert wurde, gesehen, dass wenn die Foren nicht gepflegt werden, die Diskussionen auch mal über die Stränge schlagen können. Ich habe gesehen, wie anonyme Leser Autoren gemobbt haben und die Redaktion hat nicht eingegriffen. Das prägt ein Diskussionsklima enorm. Hätten diese Leser mit ihren Namen zu dem gestanden, was sie geschrieben haben, hätte das ganz anders ausgesehen.

    Was meinst du, warum der CCC und andere von der Berliner Polizei eine Ent-Anonymisierung fordern? Damit die Polizeieinsätze auf Demonstrationen nicht so schnell entgleisen. Es ist ein Verantwortlichkeitsprinzip, das du überall finden kannst. Pseudonyme, wenn sie notwendig sind: gerne. Wenn sie als Netzidentität gewählt werden: gerne. Aber nicht zum Schutz, um gegen Minderheiten zu hetzen und andere Menschen zu diffamieren.

  5. @Irene Genau: Gesundheit ist ein gutes Beispiel. Hier sind Pseudonyme absolut vertretbar.

  6. sumosu says:

    @Christiane Schulzki-Haddouti

    Nachweislich, so schreibst du, sollen Klarnamen den gepflegten Diskurs befördern. Wo ist denn der Nachweis bitte? Du findest es in Google+ höflicher als anderswo? Das ist kein Nachweis sondern eine rein subjektive Einschätzung.

    Zu Foren mit Pseudonymen schreibst du: “Trolle fühlen sich dort besonders wohl. Daraus zu folgern, der Staat müsse diese durch ein Verbot von Pseudonymen belohnen, wäre aber falsch.” — Der Staat belohnt Trolle durch ein Verbot von Pseudonymen? Oder die Foren? Beides ergibt keinen Sinn.

    “Foren, in denen etwa regelmäßig über Minderheiten gehetzt wird, sollten hingegen stärker geächtet werden.” Hallo, wir reden eigentlich von Sozialen Netzwerken, diese sind die neuen “Foren”. Auf Facebook wird häufig über Minderheiten gehetzt (OK eigentlich hetzt man “gegen” Minderheiten), wie soll ich mir die Ächtung von Facebook genau vorstellen?
    Und denken wir mal eine Sekunde nach: Klarnamenzwang (der auf G+ alles so schön sauber und gepflegt erscheinen lässt) gilt auch für Angehörige von Minderheiten. Der stockschwule Kemal Öztürk und Abtreibungsbefürworterin Sarah Rebecca Goldenstein sollen gefälligst jeden sarkastischen Kommentar den sie online äußern mit ihrem vollen Namen unterschreiben damit jeder mit 2 Klicks ihr Haus auf Streetview nachschlagen kann?

    Neu schreiben bitte. Oder wenigstens neu nachdenken, danke.

  7. Das ist mir ein wenig zu aufgeregt (und wieder ein wenig typisch für Nutzer, die unter Pseudonym schreiben). Ja, auch Minderheiten sollten Klarnamen freiwillig verwenden. Ich lehne Zwang ab. Damit sollte sich die Aufregung erübrigen.
    Wie gesagt: Es geht mir im Kern um die Beförderung einer freiwilligen Namensnennung, da ich glaube, dass das für den gesellschaftlichen Diskurs insgesamt gut wäre. Und es geht mir um Moderationen in Foren etwa bei heise online, dem Telepolis Forum, ZEIT online, besonders aber in Blogs wie PI, wo regelmäßig vom Leder gerissen wird, ohne dass das irgendwelche Konsequenzen hätte. Social Networks hatte ich jetzt weniger im Blick, da die Firmen ihre Policy ständig verändern.

  8. Christian says:

    Die Diskussionskultur auf Google+ wird sich auch noch verändern, wenn es öffentlich ist, bei den Early Adoptern sind offenbar weniger Trolle dabei (dafür jede Menge Marketing-Fuzzies, aber das ist eine andere Geschichte).

    Wobei man Google+ oder Facebook ja mit Foren nicht so einfach vergleichen kann. Es macht schon einen Unterschied ob nur “Freunde” die ich mir aus diversen Gründen ausgesucht habe meine Beiträge sehen, oder jeder dem gerade langweilig ist.

    Und nicht zu vergessen: viele Foren verlangen nach einem eindeutigen Benutzernamen, da suche ich mir dann natürlich meinen Nicknamen aus und nehme nicht einen Vorschlag wie “Chris7281″.

  9. sumosu says:

    @Christiane Schulzki-Haddouti

    Du hast in deinem obigen Antwortpost niemanden angesprochen. Aufgeregt? Ich fühlte mich angesprochen, also hier die Antwort:

    Ich sehe keine Aufregung in meiner Äußerung, aber das sollen die Leser entscheiden.

    Du plädierst für eine _freiwillige_ Namensnennung und eine “förderung” dieser. Das bedeutet in logischer Konsequenz die explizite Erlaubnis von Pseudonymen. Verstehen wir uns da richtig?

  10. Einen schönen guten Abend, oder soll ich eine schöne Nacht sagen?

    Sehr geehrte Frau Schulzki-Haddouti,
    leider ist dies nicht “zu aufgeregt” sondern ein Teil der Realität. Jeder Mensch hat durch seinen individuellen Lebensweg und Erfahrungen auch andere Sichtweisen. Ich respektiere die Meinung und Einstellung anderer Menschen, jedoch hörte es bei mir auf wenn Unterstellungen mitschwingen und wenn kein gegenseitiger Respekt vorhanden ist. Denn Respekt ist doch was Sie wollen, oder? Respekt nur vor Klarnamen oder vor und mit Menschen die zwar ein Autonym tragen aber sich im Netz vortrefflich zu bewegen wissen?

    Jedem Menschen sei es freigestellt seinen oder ihren Klarnamen zu verwenden, auf Businesseiten ist dies sogar von großem Vorteil. Jedoch fühlen sich Menschen die auf ein Autonym (sic!) angewiesen sind nicht gerade wohl wenn jemand vom hohen Ross herab die Freuden des Klarnamenprivilegs lobt. Nicht jeder kann das mitmachen oder will das mitmachen. Klarnamenspflichten oder Verpflichtungen gehen gegen die Bedürfnisse bereits marginalisierter Menschen. Ist die Befriedigung ein paar Trolle und deftige Worte (sic! es sind *nur* Worte) los zu werden so wichtig gegenüber der Sicherheit und Teilhabe von Menschen die sich einen Klarnamen im Netz wie auch immer nicht leisten können?

    Hochachtungsvoll,

    E. Nerdinger

  11. Hallo,

    ich habe eine Frage zu den privaten Anbietern die Sie nennen und der Bewertungsstrategie. Reicht das nicht vollkommen aus, um eine angemessene Diskussionskultur zu fördern? Dann können Menschen unter Klanamen oder nach Bedarf under Pseudonym sich an Gesprächen und Diskursen beteiligen und der Ton wird weiterhin die Musik machen, sprich die Beiträge belohnen oder unter den Tisch fallen lassen quasi?

    Grüße

    Elle Nerdinger

  12. Wolf am Rhein says:

    Die Verwendung von Klarnamen unter gleichzeitiger Bewertung der Kommentare schützt nicht davor, dass Minderheitsbeiträge nicht negativ bewertet werden können. Die Kommentarfunktion einiger Tageszeitungen sind ein gutes Beispiel dafür. Wer das z. B. bei der Rheinischen Post beobachtet, kann feststellen, das viele “positive” und das meint sachlich-kritische Kommentare regelrecht von den Meinungsgegnern gedisst werden. Würde solche Kommentare automatisch ausgeblendet, wäre das eine unerträgliche Form der Zensur. Ich glaube, das eine gute Diskussion harte sachlich-kritische Beiträge aushalten muss. Das schliesst beleidigende, diskriminierende oder sonstige strafrechtlich relevante Beiträge aus.
    Manchmal hat das Pseudonym natürlich auch eine Art öffentlicher “Whistleblower-Funktion”. Wer Beiträge verfolgt, kann feststellen, das gelegentlich interne Informationen öffentlich werden, die sonst so nicht genannt werden. Den Wahrheitsgehalt muß der Leser natürlich immer kritisch einschätzen. Aber ich wundere mich, was ich gelegentlich zu lesen bekomme, was nur ein Insider geschrieben haben kann. Die Masse der Möglichkeiten zu kommentieren schützt offensichtlich die Schreiber vor Repressalien – vielleicht sind sie auch klug genug, nicht in Foren zu schreiben, die regelmässig durch die betroffenen Entscheider gelesen werden. Die Ventilfunktion ist also auch nicht zu unterschätzen.
    Im übrigen glaube ich, das gerade Deutschland auf Grund seiner Geschichte keine Kultur einer offenen Diskussion im Sinne der griechischen Polis und ihrer Ideale entwickelt hat. Viele Menschen stehen schlicht und einfach nicht zu ihrer Meinung. Das glaube ich z. B. daran zu erkennen, das viele Menschen sehr oft in Gesprächen den Terminus: “jetzt aber mal ehrlich” benutzen oder in öffentlichen Diskussionen eine Meinung vertreten, die sie im Gespräch im kleineren Kreis relativieren. Der Opportunismus ist manchmal eklatant. Besonders unsere Politiker sind darin geübt. Anstatt in der Diskussion zu ihrer Meinung zu stehen und sie vertreten um die Entscheidung zu beeinflussen, “karten” sie nach, wenn die Entscheidung gefallen ist. Vertreten sie aber ihre Meinung, werden sie in einer oft unerträglichen Form angegriffen. Das ist aber in einem Gremium, das mehrheitlich Beschlüsse fassen und dann gemeinschaftlich vertreten muss, tödlich. Meist wird in vertraulichen Gesprächen auch noch das Beratungsgeheimnis gebrochen. Das führt dazu, das auch in diesen Entscheidungsprozessen nicht mehr offen diskutiert wird.
    Wer das verfolgt, wird feststellen, das z. B. uns “Angela” die Kunst wunderbar beherrscht, keine klare Stellungnahme mehr abzugeben. Die Meinung wird am Ziel ausgerichtet, nicht an der Sache. Wäre ich aktiver Moderator würde ich solche Politikerbeiträge liebend gerne ausblenden. Letzlich hören wir als Wahlvolk nur noch “Grand Bla-Bla, avec non resultat”. Das behindert eine offene Diskussion noch bevor sie überhaupt begonnen hat. Natürlich sind manche Meinungen unbequem, aber nur an solchen Meinungen kann eine Diskussion wachsen und eine Entscheidung abgewogen fallen. Nur freundliche Abnicker nutzen uns Allen wenig.

  13. Bastian says:

    Mich erinnert das alles daran, als vor einigen Monaten in den Foren von World of Warcraft die Realnamespflicht eingeführt werden sollte. Ein riesiger Aufstand der SpielerInnen verhinderte das – u.a. weil auch ein öffentlicher RSS-Aktivitätsstream (gibt es jetzt) und eine Facebook-Connection (gibt es noch nicht) geplant waren. Das erste Argument war aber immer: Was ich privat tue, geht niemand etwas an.
    An der Stelle habe ich mich immer für die Realnamen in den Foren ausgesprochen, denn der Umgangston war trotz intensiver Moderation manchmal sehr krass und manchmal wurden z.B. auch Spiel-Guides kopiert/plagiiert. Dort wo ich mit anderen Menschen interagiere, ist das Private halt doch nicht so privat – wie im echten Leben. Ohne die ganze Diskussion hier aufzumachen: Etwas mehr soziale Kontrolle, die u.a. Zivilcourage fördern könnte, hätte ich hier unterm Strich schön gefunden.
    Mein Fazit: Klarnamen sind toll und sie sollten öfter eingesetzt werden, da sie Positives bewirken können – je nach Plattform, Forum, Blog,… Aber eine generelle Pflicht: Nö.

  14. @Sumoso Meine Antwort war doch direkt unter deinem Beitrag. Nein, ich denke nicht an technische Maßnahmen, um Pseudonyme zu gängeln. Ich denke an (politische) Diskussionskultur. Das, was Wolf am Rhein sagt, ist das, was mich stört.

    @ Elle Nerdinger Ja, es sollte ja auf jeden Fall freiwillig sein. Eine gute Bewertungsstrategie, die nicht nur im Verteilen von Punkten besteht, sondern auch Sanktionierunerungen wie Beiträge einklappen kennt, wäre aus meiner Sicht das beste Instrument. Die Moderation in solchen Foren könnten dann Nutzer übernehmen, die sich in der Vergangenheit gemäß Bewertungssystem verdient gemacht haben (entspricht dem Slashdot-Verfahren, das viel zu unbekannt ist).

    @ Wolfgang am Rhein Genau das ist diese Art mit einander umzugehen, die hinter dem großen Bedürfnis nach Pseudonymen steht. Man meint, dass man besonders offen sein könnte, wenn man nicht seinen Namen verwendet. Aber auch als Klarname kann ich doch argumentieren – und etwas lernen – und meine Meinung ändern. Das Problem ist einfach eine Diskussionsschwäche in unserer Gesellschaft. Vielleicht sind die autoritären Erfahrungen (NS, Stasi) immer noch prägend. Ganz klar gibt es Situationen, in denen Pseudonyme wirklich sinnvoll sind (Gesundheitsfragen können dazu zählen, nicht jeder ist Jeff Jarvis). Aber warum in der politischen Diskussion?
    Der Befürchtung, dass auch gute Beiträge über das Bewertungssystem gedisst werden, müsste man einfach nachgehen. Im Heise-Forum werden tatsächlich die guten Beiträge gut bewertet – und nicht umgekehrt. In Foren wie PI könnte ich mir aber schon vorstellen, dass das nicht klappt. Daher sollten auch die Moderatoren auf irgendeine Weise angesprochen werden können. Hier die Idee des Ehrenkodizes (der sicherlich manche nicht sonderlich beeindrucken wird). Mehr, was nicht zu zwanghaft wäre, ist mir an dieser Stelle nicht eingefallen.

    @ Bastian Interessant, an die Spielwelt hatte ich gar nicht gedacht, da dies ja eh eine Parallelwelt ist. Das kann ich nicht beurteilen. Aber man sollte experimentieren und Erfahrungen sammeln können.

  15. Benny says:

    Von Kommentarbewertungssysttemen halte ich nicht viel. Bei Technikthemen sind sie vielleicht denkbar, aber man schaue sich mal bitte die Bewertungen bei Websites wie RP-online, Shortnews und diepeesse.com an, wen es um politische Themen geht. Insbesondere, wenn es um die verschiedenen Minderheiten geht. Man kann daran sehr gut erkennen, dass durch solche Bewertungssysteme nicht die qualitativ höherwertige Kommentare upgevotet werden, sondern ausschließlich inhaltliche Zustimmung oder Ablehnung signalisiert wird. Und es sind mitunter die Trolle selbst, die upgevotet werden. Der Sinn des Bewertungssystems verkehrt sich meist in sein Gegenteil.

  16. Reizzentrum says:

    Ich habe in meinem Blog mal eine deutlich weitergehende Betrachtung zu dieser Namensproblematik hinterlegt. Auch mein Standpunkt kann in 1200 Zeichen nur schwach bis falsch wiedergegeben werden.

    http://rz.koepke.net/2011/08/12/anonym-pseudonym-reale-und-statische-namen-taz/

    Der alte Hambuger :)

  17. allo says:

    Naja, ich denke es sollte ein Grundrecht sein sich nicht ausweisen zu müssen zur Diskussion. Und damit sind wir schon am Ende der Klarnamen angelangt, da ohne Ausweispflicht jeder Klarname genausogut ein Pseudonym sein könnte.
    Also werden die Trolle eventuell noch aufschlagen, dann mit Pseudonymen die wie Klarnamen aussehen. Aber was sie eher daran hindert ist, dass man ja seit einiger Zeit einen Googleaccount nur noch bekommt wenn man Google seine Mobilfunknummer für eine Bestätigungs-SMS mitteilt. DAS dürfte viele am trollen hindern.

    Zur Pflicht Frage stehe ich klar dagegen. Jeder sollte im Netz mit so vielen Identitäten auftreten können wie er möchte. Da sich eine einzelne Identität im Netz wesentlich leichter als im “realen Leben” zusammenführen lässt sollte es ein Grundrecht sein mehrere Identäten zu verwenden um sich zu schützen. Dahingestellt bleibt, dass die meisten User nicht in der Lage sind mehrere Identitäten so zu verwalten, dass sie nicht zusammenführbar werden, entweder technisch über Cookies und ähnliches, oder einfach sozial darüber was die Identitäten von sich erzählen.

  18. allo says:

    @Christiane Schulzki-Haddouti
    Gutes Beispiel. Auf Heise wird getrollt wie sonst was. Aber hast du mal versucht einen Account anzulegen? Ohne Klarname geht das nicht. Der Klarname wird zwar nicht angezeigt, ist dem Betreiber aber wohl bekannt.

  19. vera says:

    @Christiane (zu http://blog.kooptech.de/2011/08/klarnamen-befordern-den-gepflegten-diskurs/comment-page-1/#comment-5134)
    Wenn du es so ausdrückst – ja. Es hängt von der Plattform und der Intention ab. Allerdings zerfällt die Netzbevölkerung anscheinend ohnehin in zwei Arten: Trolle und Nicht-Trolle. Letztere können mit sprachlichen Mitteln durchaus auch trollen, nur auf einer intellektuelleren Ebene.

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  21. A. says:

    Die (halb-)anonymen Kommentierer wollen eben keine googlebare Netzidentität schaffen. Was ist daran verwerflich? Das Netz wird viel zu sehr überbewertet, die Meinung mancher, die unter Klarnamen schreiben, auch.
    „Immer dann, wenn die Verwendung von Pseudonymen notwendig ist, ist etwas im Argen.“ Blödsinn. Es geht rein um den Schutz der Privatsphäre. Um Meinungsvielfalt – in welcher Form auch immer.

  22. Jan Dark says:

    Die frommen Wünsche sind empirisch nicht haltbar. Ich habe 10 Jahre in einem winzigen Board mit Klarnamen diskutiert als Lanzeitexperiment. Alle kannten sich persönlich bis auf einen. Der Diskurs war intensiv, aber nicht gepflegt. Der eine knallte dann final durch und fing an, andere Diskutanden bei ihren Arbeitgebern linkisch zu mobben. Er wurde rausgeworfen und nach einer zeit wieder reingelassen, bis er wieder durchknallte. Dann wurde das Board zugemacht. Trotz Klarnamen. Die Klarnamenpflicht ist romantisch und unempirisch. (Wie alte Usenetter mit Flamewarerfahrung auch empirisch gemessen haben).

    Die Polizisten sind Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Auch Lehrer müssen es erdulden als Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes mit Namen geratet zu werden (so wie sie mit Klarnamen auch Kinder lebenslänglich brandmarken (ohne Peer-Review). Aus vielen Veranstaltungen wissen wir, dass Polizisten in der Vermummung wie die anderes Seite auch zu übermäßiger physicher Gewalt neigen. Im Internet gibt es keien physische Gewalt: Da werden keine Augen ausgeschossen, Menschen in putativer Notwehr erschossen, im Hamburger Kessel rechtswidrig festgesetzt, im Duisburger Tunnel von drei Seiten eingekeilt bis zum Tode.

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