Wie werden E-Books bei der VG Wort vergütet?

Eine häufig gestellte Frage. Doch völlig falsch gestellt. Die Antwort lautet nämlich: Überhaupt nicht!

Für die VG Bild-Kunst gilt dasselbe: Auch hier gibt es nichts für E-Books.

Hat man dort die Zeichen der Zeit verschlafen?

Nein, dass es für E-Books keine Vergütungen gibt, gar keine geben kann, liegt in der Natur der Sache: Autoren, die sich bei der VG Wort bzw. (als Fotograf oder eigene Fotos und Grafiken zu Artikeln zuliefernder Textautor) bei der VG Bild-Kunst registriert haben, bekommen von diesen ja nicht etwa Ausschüttungen, weil sie so nette Menschen sind oder ihre Texte bzw. Bilder so einzigartig sind.

Die Aufgabe der Verwertungsgesellschaften ist es vielmehr, für die Autoren die Zweitverwertungsrechte aus Kopien einzutreiben. Es ist also zunächst nicht der erneute Druck eines Werkes gemeint oder der Verkauf an weitere Medien, sondern die Zweitverwertung eines Artikels als Fotokopie, abgespeicherte Website etc., für die ein Autor ja normalerweise nichts erhält – im Gegensatz zur Erstverwertung (hoffentlich), der Lieferung an den Verlag, oder seiner eigenen Zweitverwertung erfolgreicher Beiträge.

Wenn es keine Kopien gibt, kann es auch keine Kopierabgabe geben

Damit hier überhaupt zu verteilende Einnahmen entstehen, gibt es die Abgaben auf Fotokopierer, CD-Rohlinge oder Drucker, über die auch viele Kollegen nichtsahnend schimpfen.

Doch nicht nur zu verteilende Einnahmen sind Voraussetzung für die Möglichkeit der Verwertungsgesellschaften, etwas an die Autoren auszuschütten. Ebenso zwingend notwendig ist es, dass Kopien der Werke überhaupt möglich sind.

Während dies bei Druckwerken und Websites unvermeidlich ist, verhält es sich bei E-Books anders: Diese haben in der professionell verkauften Variante (Kindle, Epub etc.) heute üblicherweise einen Kopierschutz, ein Digital Rights Management (DRM).

Und wo es keine Kopie für nichtzahlende Dritte gibt, kann natürlich auch keine Kopierabgabe an die Autoren verteilt werden!

Zwar gibt es auch E-Books ohne DRM, doch landen diese sehr schnell auf russischen Tauschbörsen und werden seitens der Verlage daher normalerweise nicht angeboten.
Sollten sich doch noch E-Book-Formate ohne DRM am Markt durchsetzen, würden die Verwertungsgesellschaften auch eine Vergütung einführen. Aktuell ist dies jedoch nicht zu erwarten.

Heft-CDs sind ein weiteres, unabhängig vergütungsfähiges Medium

Doch es gibt ein anderes, im Gegensatz zur Website meist übersehenes elektronisches Medium, das tatsächlich sowohl bei VG Wort als auch VG Bild-Kunst zusätzlich gemeldet werden kann: Die „Heft-CD“. Texte oder Bilder, die ein Autor zu dieser zuliefert, sind selbstverständlich meldefähig. Und dies gilt für eine CD-ROM mit eigenständigen Inhalten oder Ergänzungen zu den gedruckten Beiträgen ebenso wie für eine „Jahrgangs-CD“, die ein 1:1-Archiv aller Beiträge des Printmediums aufweist.

Es spielt dabei für die Vergütungsfähigkeit keine Rolle, ob diese CD-ROM dem Heft kostenlos beiliegt, als „Plus-Abo“ Aufpreis kostet, prinzipiell nur Abonnenten als „Jahresgabe“ zugeschickt wird oder auch ganz unabhängig vom Heft verkauft wird.

About Wolf-Dieter Roth

Buchautor
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4 Responses to Wie werden E-Books bei der VG Wort vergütet?

  1. Pingback: Aktuelles 11. November 2011

  2. Wieder was gelernt. Wie ist das aber, wenn andere das e-Book dann gedruckt verwerten wollen? Oder als Braille- oder Audio-Ausgabe. Ich sehe da dennoch Raum für Zweitverwertungsrechte, die vergütet werden könnten, über eine CD hinaus?!

  3. Wolfgang Ksoll says:

    Moin,
    das deckt sich nicht mit den Verlautbarungen der VG Wort:
    http://www.vgwort.de/verguetungen/auszahlungen/texte-im-internet.html

    “Texte im Internet

    Diese Tantieme berücksichtigt Texte und Textdokumente (PDF-Dateien), die im Internet erscheinen. Bezugsberechtigt sind Verlage, Autoren und Übersetzer.

    Der Abschluss eines vollständigen Wahrnehmungsvertrags ist nicht erforderlich. Vergütet werden urheberrechtlich geschützte Texte mit einem Mindestumfang von 1.800 Anschlägen. Lyrik kann unabhängig vom Umfang gemeldet werden. “

  4. Gemeint ist eine Buchtantieme, die für gedruckte Bücher etwa 200 Euro betragen kann, während die “Texte im Internet” unabhängig von der Länge zwischen 3 und 15 Euro erhalten.

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