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	<title>KoopTech &#187; Innovation</title>
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		<title>Thrive &#8211; Magazin zu globalen Fragestellungen</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Sep 2011 05:25:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane Schulzki-Haddouti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Panel]]></category>

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		<description><![CDATA[Ulrike Reinhard bat mich vor wenigen Wochen, an ihrem neuen Magazin "Thrive" mitzuwirken, das sie f&#252;r das Global Economic Symposium (GES) gemacht hat, das von der Bertelsmann-Stiftung organisiert wurde. Sie verfolgte dabei ein interessantes redaktionelles Konzept: Zu einzelnen Fragestellungen wie ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ulrike Reinhard bat mich vor wenigen Wochen, an <a href="http://www.ulrikereinhard.com/2011/09/21/a-new-magazine-is-born-thrive/">ihrem</a> neuen Magazin &#8220;Thrive&#8221; mitzuwirken, das sie f&#252;r das <a href="http://www.global-economic-symposium.org/">Global Economic Symposium</a> (GES) gemacht hat, das von der Bertelsmann-Stiftung organisiert wurde. Sie verfolgte dabei ein interessantes redaktionelles Konzept: Zu einzelnen Fragestellungen wie &#8220;Open Innovation&#8221; forderte sie Experten aus verschiedenen Weltecken auf, Stellung zu nehmen. Die Antworten oder Kommentaren zu ihren Fragen bzw. Thesen notierten diese auf diversen Etherpad-Seiten, die ich dann f&#252;r drei Themenkomplexe zu einem lesbaren Text zusammenfassen sollte.</p>
<p>Ich war erstaunt, wie gut das klappte &#8211; inhaltlich fand ich es h&#246;chst spannend, weil Denkweisen aus Europa und Asien aufeinanderprallten, insbesondere bei den Themen Patente, Piraterie und Open Innovation. Besonders kontrovers wurde es, als ausgehend von einem Essay von Peter Glaser dar&#252;ber nachgedacht werden sollte, ob die Menschen &#252;ber das Netz jemals zu einem gemeinsamen Regelkodex finden k&#246;nnen. Hier das wirklich lesenswerte Ergebnis &#8211; das auch als Druckwerk erscheint:</p>
<div>
<p><object id="f80f996a-60e7-6a25-7a66-c0293f675dd6" style="width: 420px; height: 229px;" classid="clsid:D27CDB6E-AE6D-11cf-96B8-444553540000"><param name="movie" value="http://static.issuu.com/webembed/viewers/style1/v2/IssuuReader.swf?mode=mini&amp;backgroundColor=%23222222&amp;documentId=110921111531-81b952c1366d4c91be4984c187843117" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="menu" value="false" /><param name="wmode" value="transparent" /><embed style="width: 420px; height: 229px;" type="application/x-shockwave-flash" src="http://static.issuu.com/webembed/viewers/style1/v2/IssuuReader.swf" allowfullscreen="true" menu="false" wmode="transparent" flashvars="mode=mini&amp;backgroundColor=%23222222&amp;documentId=110921111531-81b952c1366d4c91be4984c187843117"></embed></object></p>
<div style="width: 420px; text-align: left;"><a href="http://issuu.com/we-magazine/docs/thrive?mode=window&amp;backgroundColor=%23222222" target="_blank">Open publication</a> – Free <a href="http://issuu.com" target="_blank">publishing</a> – <a href="http://issuu.com/search?q=global%20citizen" target="_blank">More global citizen</a></div>
</div>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4715&amp;md5=675c71a53fab6159a12c3093c6890901" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Umfrage zu Crowdsourcing</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 06:36:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Crowdsourcing]]></category>
		<category><![CDATA[Umfrage]]></category>

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		<description><![CDATA[Crowdsourcing ist ein zunehmendes Ph&#228;nomen in den vergangenen Jahren. “Die Intelligenz derMenge nutzen” hei&#223;t es einerseits, “arbeitsrechtlich umstrittene Arbeitsverh&#228;ltnisse” andererseits. Crowdsourcing ist eine Strategie des Auslagerns von urspr&#252;nglich im Unternehmen ausgef&#252;hrten Aufgaben an externe Akteure. Der Aufruf zur Teilnahme an ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Crowdsourcing ist ein zunehmendes Ph&#228;nomen in den vergangenen Jahren. “Die Intelligenz derMenge nutzen” hei&#223;t es einerseits, “arbeitsrechtlich umstrittene Arbeitsverh&#228;ltnisse” andererseits. Crowdsourcing ist eine Strategie des Auslagerns von urspr&#252;nglich im Unternehmen ausgef&#252;hrten Aufgaben an externe Akteure. Der Aufruf zur Teilnahme an einem Crowdsourcing-Projekt erfolgt typischerweise auf speziellen Online-Plattformen und richtet sich an alle interessierten Internetnutzer.</p>
<p>Teilnehmer reichen L&#246;sungsvorschl&#228;ge ein, die dann von anderen Plattformbesuchern oder vom Initiator selbst bewertet und ausgew&#228;hlt werden. H&#228;ufig wird der beste Vorschlag mit einer Geldpr&#228;mie belohnt. Beispiele?! L&#246;sung von Problemen oder Designaufgaben sowie die Entwicklung neuer Ideen.</p>
<p>Umso interessanter, dass inzwischen auch zu diesem Thema geforscht wird. Am Lehrstuhl f&#252;r Direct Marketing der Universit&#228;t Bayreuth f&#252;hren Michael Liberda und Felicitas Sternke f&#252;r ihre Masterarbeit eine empirische Untersuchung zum Thema “Crowdsourcing” durch. Sie f&#252;hren dazu &#252;brigens auch ein <a href="http://crowdsource-me.blog.de">Blog</a>. Wer Interesse an diesem Thema hat, sollte sich an dieser Befragung beteiligen: <a href="http://meineumfrage.com/crowdsourcing/index.php" target="_blank">http://meineumfrage.com/crowdsourcing/index.php</a>.</p>
<p>(Die Teilnahme an der Befragung dauert nach Aussagen der Forscher ca. 10 Minuten.)</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4688&amp;md5=9a80eaf895d769606be959118424e288" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Was wird sein, wenn die ganze Welt vernetzt ist?</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 19:41:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Bovenschulte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Innovationsmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[Kooperation]]></category>
		<category><![CDATA[Kooperative Technologien]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Patente]]></category>
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		<category><![CDATA[Vernetzung]]></category>
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		<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensmanagement]]></category>

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		<description><![CDATA[Keine Frage: Netzwerke und Cluster der verschiedensten Couleur haben Hochkonjunktur. Der heterogenen Entwicklungsgeschichte der zahllosen Netzwerkstrukturen und der fast ebenso gro&#223;en Anzahl der damit verbundenen politischen W&#252;nsche, Zielsetzungen und Bedingungen ist es geschuldet, dass die Vorstellungen von dem, um ...
<br>Beitr�ge zu verwandten Themen:<ol>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2008/04/studien-bewerten-vernetzung-fuer-innovationsfaehigkeit-von-unternehmen/' rel='bookmark' title='Studien bewerten Vernetzung f&#252;r Innovationsf&#228;higkeit von Unternehmen'>Studien bewerten Vernetzung f&#252;r Innovationsf&#228;higkeit von Unternehmen</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Keine Frage: Netzwerke und Cluster der verschiedensten Couleur haben Hochkonjunktur. Der heterogenen Entwicklungsgeschichte der zahllosen Netzwerkstrukturen und der fast ebenso gro&#223;en Anzahl der damit verbundenen politischen W&#252;nsche, Zielsetzungen und Bedingungen ist es geschuldet, dass die Vorstellungen von dem, um was es sich bei Netzwerken und Clustern denn nun genau handelt, vergleichsweise vage bleiben. Nat&#252;rlich hat sich die Wissenschaft fr&#252;hzeitig darum bem&#252;ht, eine feingliedrige Skalierung von industriellen Distrikten bis hin zu unterschiedlichen Netzwerken anzubieten, doch an Sch&#228;rfe hat das „Konzept Cluster“ in der Praxis dadurch kaum gewonnen. Und so wird heute ein breites Spektrum an unterschiedlichen Ans&#228;tzen unter dem Schlagwort „Netzwerke und Cluster“ gefasst, was dazu f&#252;hrt, dass es kaum eine verbindliche und vor allem in der (politischen) Praxis akzeptierte Fassung der Termini gibt; im Zweifelsfall bestimmt eben der jeweilige politische Kontext, was ein Netzwerk/Cluster ist. Der damit verbundene sprunghafte Anstieg von in irgendeiner Form verfassten Netzwerkstrukturen hat dazu gef&#252;hrt, dass es inzwischen fast schwerer f&#228;llt, Cluster-freie Flecken auf der Wettbewerbslandkarte zu finden, als einen Mangel an eben jenen Strukturen zu attestieren. </strong></p>
<p><strong>Doch was ist, wenn gro&#223;e Teile der Wirtschaft oder auch nur einzelne Sektoren in Clustern strukturiert sind? Was ist die logische Stufe nach dieser Entwicklung entsprechend der Erwartung, dass sich die gro&#223;en Innovationszyklen nicht nur in bahnbrechenden Technologien selbst manifestieren (technologische Zeitalter), sondern auch in den Systemen, die diese hervorbringen?</strong><br />
<span id="more-4672"></span><br />
Die inflation&#228;re Entstehung von Netzwerkstrukturen hat vor allem eins gezeigt: Der Glaube an die Wettbewerbs- und Zukunftsf&#228;higkeit klassischer Produktions- und Wertsch&#246;pfungsstrukturen gilt nur noch in Teilen, seitdem sich die zum Allgemeinplatz verkommene Erkenntnis durchgesetzt hat, dass in einer globalisierten Welt die alten Regeln des industriellen Kapitalismus oder wenigstens seines tradierten Herrschaftssystems nicht mehr uneingeschr&#228;nkt gelten k&#246;nnten. Symbolisch f&#228;llt die Herausbildung der Globalisierung als vermeintlich neues Ph&#228;nomen mit dem Aufstieg Chinas zu einer der f&#252;hrenden Industrienationen einerseits und dem Herausbilden der Wissens&#246;konomie andererseits zusammen: In einer globalisierten Welt wird Wissen die zentrale Ressource zur Sicherung und Erh&#246;hung der Wettbewerbsf&#228;higkeit. Und bezeichnenderweise scheint China den beeindruckenden Beweis f&#252;r die Richtigkeit dieser These gleich mitzuliefern. Parallel zur politischen &#214;ffnung seit den 1980er Jahren hat sich die Rolle Chinas als Produzent f&#252;r den Weltmarkt stark ge&#228;ndert. Weg vom gesichtslosen Massenproduzenten von in jeder Hinsicht billigen Plastikerzeugnissen hin zu einem Hersteller von Hightech. Diese Parallelit&#228;t liefert einen weiteren Hinweis darauf, dass Innovation von offenen, pluralen oder doch zumindest entdogmatisierten Rahmenbedingungen profitiert – die politische &#214;ffnung d&#252;rfte sich unmittelbar auf die Leistungsf&#228;higkeit des Innovationssystems ausgewirkt haben und mehr sein, als eine blo&#223;e Koinzidenz. Inzwischen bieten allein die schiere Anzahl von Hochschulabsolventen im Reich der Mitte, der Trend zur R&#252;ckkehr hervorragend ausgebildeter chinesischer Wissensarbeiter in ihre Heimat, die im Rahmen des TORCH-Programms errichteten und f&#252;r europ&#228;ische Dimensionen oftmals atemberaubenden Hightech-Parks etc. Anhaltspunkte genug daf&#252;r, dass China – wenn auch bei weitem nicht in der Gesamtheit seiner Fl&#228;che – l&#228;ngst in der ersten Liga der Technologienationen angekommen ist. Chinesische Firmen wie etwa der Telekommausstattungs-Riese Huawei Technologies haben sich dabei zu ebenb&#252;rtigen Wettbewerbern von Flaggschiffen wie Alcatel-Lucent, Ericsson oder Nokia-Siemens-Networks entwickelt. Just der einstige Vorstandsvorsitzende von Siemens, Heinrich von Pierer, propagierte Ende des vergangenen Jahrtausends, dass nicht mehr die Gro&#223;en die Kleinen fressen, sondern die Schnellen die Langsamen. Gro&#223; ist China allemal – ist es nun auch noch schneller als der Rest der Welt? Und handelt es sich um eine echte Wettbewerbsf&#228;higkeit der Firmen oder um eine staatlich und von den immensen W&#228;hrungsreserven gest&#252;tzte Marktst&#228;rke im Sinne einer zentral orchestrierten „China Cooperation“?</p>
<p>Unabh&#228;ngig von den tats&#228;chlichen internen Wettbewerbs- und Steuerungsmechanismen ergeben sich f&#252;r die klassischen Industrienationen erhebliche Herausforderungen angesichts der St&#228;rker „neuer Wettbewerber“. Das gilt insbesondere f&#252;r L&#228;nder wie Deutschland, die eine ausgepr&#228;gte produzierende Basis haben und die nach allgemeiner, unter dem Eindruck der in der j&#252;ngsten Finanz- und Wirtschaftskrise gewonnenen Einsch&#228;tzung gerade daraus ihre Leistungs- und Wettbewerbsf&#228;higkeit beziehen. Nicht das wechselseitige Haareschneiden und Verkaufen von Versicherungen also, sondern das Biegen von Eisen als Grundlage des Wirtschaftens befeuert die gegenw&#228;rtige Diskussion um die Re-Industrialisierung Deutschlands.</p>
<p>Kann die geschilderte und nicht im Ansatz vollst&#228;ndige weltwirtschaftliche Gemengelage Hinweise auf die Zukunft von Netzwerkstrukturen liefern? Und bieten Netzwerkstrukturen bestehender oder neuartiger Auspr&#228;gung tats&#228;chlich Optionen, die Wettbewerbsf&#228;higkeit auch gegen&#252;ber st&#228;rker, gr&#246;&#223;er und wohl auch schneller werdenden Kompetitoren zu behaupten? Drei Referenzen aus ganz unterschiedlichen Bereichen sollen an dieser Stelle kursorisch betrachtet werden, um Hinweise auf m&#246;gliche Trends und Optionen im Hinblick auf die Entwicklung von Clustern und Netzwerken zu erhalten.</p>
<p><strong>Neues Spiel, neue Spielregeln: Soziale Netze</strong></p>
<p>Wenn der Terminus Netze au&#223;erhalb des Wettbewerbskontextes heute Verwendung findet, dann oftmals im Kontext sozialer Netze und dem Web 2.0 als umfassende Mitmach-Plattformen. Egal, ob es sich um Flash-Mobs, den kollektiven Nachweis von Plagiatsf&#228;llen oder die Organisation von Aufst&#228;nden und Revolutionen im Nahen Osten handelt – stets hat das Internet und eine seiner zahlreichen Spielarten – Twitter, Facebook etc. – einen nicht unerheblichen Anteil daran. Gemeinsam ist den Aktivit&#228;ten oft, dass es keine zentrale Struktur zu geben scheint, sondern dass sich gro&#223;e Gruppen gleichsam einer gemeinsamen Eingebung folgend und ohne einzelne F&#252;hrungsanspr&#252;che zusammenfinden, um zu definierten Anl&#228;ssen erstaunlich gut abgestimmte Aktionen durchzuf&#252;hren. Dies gilt f&#252;r das Zusammentragen von Informationen nach dem Prinzip der Schwarmintelligenz ebenso wie f&#252;r das physische Zusammentreffen und Handeln der bis zu diesem Punkt nur virtuell und vage existierenden Gruppierung (oder gem&#228;&#223; der Facebook-Nomenklatur „Freunde von Freunden“). Alle Aufmerksamkeit und Energie wird dabei gewisserma&#223;en auf einen Anlass (im Regelfall ist dieser zeitlich und kontextuell vergleichsweise scharf eingrenzbar) konzentriert. In der Funktion also kaum mehr als eine Fu&#223;ballmannschaft, die &#252;ber 90 Minuten gemeinsam versucht, das entscheidende Tor zu schie&#223;en? Nicht ganz. Denn im Gegensatz zu einer bunt zusammengew&#252;rfelten und nicht im Ansatz „eingestellten“ Mannschaft, die kaum ein halbwegs ansehnliches und erfolgreiches Spiel zustande bringen d&#252;rfte, sind die sich spontan gruppierenden sozialen Netze und Web 2.0-Communities erstaunlich effektiv, obwohl oftmals nicht einmal die Spielregeln f&#252;r die wechselnden Aktionen bekannt sind. Hier scheint die gr&#246;&#223;te St&#228;rke der besagten Netze zu liegen: Aus einer diffusen Situation heraus eine enorm reaktionsschnelle und schlagkr&#228;ftige Aktion auf die Beine zu stellen, die klassische Mechanismen und Strukturen gesellschaftlicher Organisation wenn schon nicht &#252;ber den Haufen werfen so doch erweitern und neu interpretieren. Hat die Aktion ihr Ziel erreicht, l&#246;st sich das sie tragende soziale Netz wieder auf ohne den Anspruch darauf, auch nur ansatzweise nachhaltige Strukturen zu schaffen (das Gesch&#228;ftsmodell von Facebook und Co. muss aus dieser Betrachtung freilich ausgenommen werden).</p>
<p>Als vorl&#228;ufiges Fazit zeichnen sich aktionsorientierte soziale Netze, die sich nicht auf den Austausch von Nichtigkeiten beschr&#228;nken, dadurch aus, dass sie aus einer diffusen Situation und „gef&#252;hlten“ Notwendigkeit heraus sehr kurzfristig auch gro&#223;e Gruppen organisieren und mit einer klar erkennbaren Richtung versehen k&#246;nnen. Dabei b&#252;ndeln sie das mikroskopische Potenzial des Individuums zu einer mitunter beeindruckenden Kraft, die sich auf meist sehr konkrete und eingrenzbare Anl&#228;sse bezieht. Das soziale Netz formiert mangels existierender Strukturen ein eigenes Regelwerk, das weitgehend ohne dezidierte Steuerung auskommt. Diese F&#228;higkeiten machen die Besonderheit sozialer Netze aus: Selbstorganisation gem&#228;&#223; einer gemeinsamen Zielsetzung (inkl. dem Treffen von Entscheidungen), Geschwindigkeit und das Zusammenf&#252;hren gro&#223;fl&#228;chig verteilter Potenziale.</p>
<p><strong>Lernen von Al-Kaida?</strong></p>
<p>Ein anderer Typus von Netzwerken hat ebenfalls seine Schlagkraft unter Beweis gestellt und sp&#228;testens am 11. September 2001 der Welt vor Augen gef&#252;hrt, wie kleine verteilte Zellen auch Riesen ins Wanken bringen k&#246;nnen. Nun stellt sich nat&#252;rlich die Frage, ob es &#252;berhaupt vertretbar ist, ein Terrornetzwerk wie Al-Kaida („Die Basis“) im Kontext &#246;konomischer Netzwerkstrukturen zu betrachten? Tats&#228;chlich bietet es aber erstaunliche Hinweise daf&#252;r, wie eine vergleichsweise kleine und verteilte Organisation eine echte Bedrohung f&#252;r etablierte Wirtschaftsteilnehmer werden kann. Dabei ist ein derartiges Netzwerk nat&#252;rlich kein wirtschaftlicher Akteur, da ja nichts hergestellt oder aufgebaut werden soll, sondern im Gegenteil Destruktion das Ziel ist (wenngleich grunds&#228;tzlich ein vereinigter Gottesstaat errichtet werden soll). „Die Basis“ gilt sp&#228;testens aufgrund der j&#252;ngeren Ereignisse als nicht (mehr) zentral gef&#252;hrte Terrororganisation, sondern als Sammelstruktur &#228;hnlich ausgerichteter und operierender aber weitgehend autonomer Zellen; emotionslos betrachtet k&#246;nnte nahezu von einem „ideologisch-operativen Franchise-Konzept“ gesprochen werden. Interessant ist Al-Kaida vor dem Hintergrund seiner F&#228;higkeit, weltweit existierende Strukturen f&#252;r sich zu nutzen. Es bedient sich somit gleichsam viraler Strategien, um neuralgische Punkte seiner Gegner zu treffen. &#196;hnlich einem Virus, der eine Wirtszelle bef&#228;llt, infiltriert Al-Kaida geeignete Strukturen und l&#228;sst diese weitgehend unentdeckt f&#252;r sich arbeiten, bis eine ausreichende Schlagkraft bereit steht und sich ein g&#252;nstiger Moment zum offenen Angriff ergibt. Selbstverst&#228;ndlich nutzt Al-Kaida – wie auch das organisierte Verbrechen mafi&#246;ser Auspr&#228;gung – die bestehenden Infrastrukturen wie Kommunikation (Nutzung von Mobilfunkstrukturen zur Vorbereitung und Durchf&#252;hrung von Bombenanschl&#228;gen) und Transport aber auch das Finanzwesen mittels geeigneter „Tarnkappen“ zur Vorbereitung. Lange „informelle“ Phasen bereiten kurzfristige aber in ihrer Wucht be&#228;ngstigende Aktionen vor.</p>
<p>Mit einer angemessenen Abstraktion ist es also insbesondere die unerkannte Nutzung von existierenden und im Grunde genommen konkurrierenden Strukturen, um Aktionen unter dem Dach eines gemeinsamen und &#252;bergeordneten Ziels durchzuf&#252;hren. Durch seine Funktionsweise und Struktur (etwa die weitgehende territoriale Ungebundenheit) ist dem Netzwerk mit herk&#246;mmlichen Mitteln nur schwer beizukommen. Im Grunde reagiert es &#252;ber die langen „informellen“ Phasen defensiv-ausweichend, bietet kaum Angriffsfl&#228;chen und organisiert sich nur im Vorfeld von konkreten Aktionen zu einer festen Struktur. Dies erkl&#228;rt auch, weshalb die einzig verbliebene Supermacht nur m&#252;hsam dazu in der Lage ist, Al-Kaida zu bek&#228;mpfen und zur&#252;ckzudr&#228;ngen: Das Netzwerk ist zwar „da“, aber gleichzeitig nicht (an-) greifbar; die gesamte Struktur ist – sicher auch aufgrund der basalen „shared values“ – zu einem Gro&#223;teil resilient. Mit Resilenz wird in der Psychologie eine Form der mentalen Widerstandsf&#228;higkeit und Elastizit&#228;t beschrieben, die es einer Person erm&#246;glicht, im Falle von Krisen auf pers&#246;nliche und soziale Ressourcen zur&#252;ckzugreifen, um diese zu meistern; es ist somit im Grunde genommen das Gegenteil von Vulnerabilit&#228;t.</p>
<p><strong>Die dynamische Stabilisierung in verteilten Systemen</strong></p>
<p>Das Konzept der Resilenz hat inzwischen Eingang in die Welt technischer Systeme gefunden und hier im Besonderen im Bereich des Organic Computing. Die Resilenz ist dabei eine dynamische Stabilisierung des Systems, mit dem seine grunds&#228;tzliche Funktionalit&#228;t aufrechterhalten wird. Fallen einzelne Strukturen des Systems aus, werden deren Funktionen von anderen mit &#252;bernommen – der Schaden wird gleichsam „umflossen“. Eine solche F&#228;higkeit ist f&#252;r bestehende Netzwerksysteme typisch und deutet sich auch f&#252;r jene Konzepte an, die unter den Schlagworten „Ubiquitous Computing“, Ambient Intelligence“, „Internet der Dinge“ oder ganz neu „Cyber-Physical Systems“ Karriere machen. Der den genannten Konzepten zugrunde liegende Ansatz ist, dass jeder Gegenstand in irgendeiner Form Anschluss an die digitale Welt findet (durch das Anbringen von RFID-tags ebenso wie durch die Integration von Mikroprozessoren inkl. Schnittstellen etc.) und somit Teil des Systems wird. Die dezentralen Strukturen erh&#246;hen die Ausfallsicherheit und Resilenz. Und mit ihrer Hilfe l&#228;sst sich die Definition des Ubiquitous Computings („Alles, immer, &#252;berall“) von Mark Weiser, ehemaliger Cheftechnologe von Xerox, erweitern zu „Alles ist immer und &#252;berall ein Computer“.</p>
<p>Es ist die dritte Epoche der Computer, die sich in einer ersten N&#228;herung mit dem Wandel von Wertsch&#246;pfungsstrukturen in Beziehung setzen l&#228;sst: W&#228;hrend die anf&#228;nglichen Gro&#223;rechner und Mainframes gleichsam marktbeherrschende Gro&#223;konzerne symbolisieren, repr&#228;sentiert der Personal Computer schon eher ein verteiltes Wirtschaften, das aber noch immer nach sehr klar strukturierten Regeln funktioniert. Es ist in gewisser Weise der Emanzipation von KMU zu globalen Akteuren gleichzusetzen und umfasst auch deren Kooperation in Netzwerkstrukturen. Die v&#246;llig verteilten Systeme mit ihren in weiten Teilen autonom agierenden Komponenten markieren nun folgerichtig den &#220;bergang in eine weitergehende Projektwirtschaft. In ihr werden Kooperationsbeziehungen weiter, flexibler aber im jeweiligen Einzelfall keineswegs unverbindlicher gefasst. Das im spezifischen Kontext ben&#246;tigte, konvergierende Wissen ist ebenfalls verteilt, situativ rekombinierbar und existiert unabh&#228;ngig von Ort und Systemteil in einer Wolke – der „Cloud“. Durch die fallweise Mobilisierung von „sinnverwandten“ Akteuren und deren F&#228;higkeiten wird es ihnen m&#246;glich, auch gro&#223;e qualitative Schritte zu vollziehen. Da einzelne Akteure dabei keine &#252;berm&#228;&#223;igen Vorteile gegen&#252;ber anderen erreichen d&#252;rfen (es gilt eben nicht das Prinzip der Musketiere „Alle f&#252;r einen“, sondern vielmehr „Alle f&#252;r alle“), d&#252;rften derartige Schritte in der Regel dem Fortschritt verschiedener Branchen oder auch Technologien zugutekommen. Zudem beinhaltet ein derartiges Vorgehen auch, dass aufgrund der gro&#223;en Anzahl der Akteure der Ausfall einzelner vergleichsweise einfach kompensiert werden kann. Zumindest sollte die fokussierte Wettbewerbsf&#228;higkeit eine solchen tempor&#228;ren Kooperation eine deutliche Steigerung gegen&#252;ber herk&#246;mmlichen Mechanismen bieten, so dass beispielsweise KMU auch quantitativ mit Gro&#223;unternehmen konkurrieren k&#246;nnten. Der dynamische Zusammenschluss w&#228;re somit ein Katalysator f&#252;r inhaltliche oder strukturelle Entwicklungen, der f&#252;r eine begrenzte Zeit zur Verf&#252;gung steht. Da sich die Kooperation mit hoher Wahrscheinlichkeit zeitlich und thematisch nur fallweise bilden wird, ist es n&#246;tig, dass sich unter den Akteuren ein rasches Einvernehmen &#252;ber Ziel und Prozess herausbildet. Dies legt nahe, dass die jeweiligen Netzwerkakteure – &#228;hnlich einem verteilten System mitsamt seiner Cloud – in mehreren Kooperations- und Netzwerkkontexten zuhause sind. Zwar verf&#252;gen die Akteure (einzelne Unternehmen) dabei &#252;ber ein „Heimatnetz“ als thematischem und territorialem Ankerpunkt, doch tats&#228;chlich bewegen sie sich zeitgleich dazu in anderen, verwandten Kontexten. Vergleichbar einer Elektronenwolke, in der sich mehrere Atomkerne die zugeh&#246;rigen Elektronen teilen, umkreisen die einzelnen Netzwerkakteure mehrere (thematische bzw. territoriale) Netzwerkkerne – immer bereit, sich an der Formierung der n&#228;chsten Kooperation zu beteiligen, um so von potenzierten Summeneffekten zu profitieren.</p>
<p><strong>Strukturierter Austausch ohne Austauschstrukturen</strong></p>
<p>Durch die weitgehende strukturelle „Entmaterialisierung“ tempor&#228;rer Netzwerke kommt dem auch in sozialen Netzwerken zu beobachtenden gemeinsamen Verst&#228;ndnis von Inhalt und Form der Zusammenarbeit eine viel gr&#246;&#223;ere Bedeutung zu, als der realen Plattform, auf der diese Kooperation umgesetzt wird. Eine im Gegensatz zu starren Kooperationsabkommen dynamische Stabilisierung auf Grundlage einer permanenten Selbstvergewisserung und &#220;berpr&#252;fung der zielorientierten Koordinaten bietet die Aussicht auf hochgradig effektive Kooperationen und erh&#246;ht die Sicherheit vor viralen Strategien. Derartige Kooperationen basieren folglich auf grundlegenden Mechanismen sozialer Interaktion und nicht auf formalisierten Austauschbeziehungen. Im Mittelpunkt der Kooperation steht die Internalisierung des Verst&#228;ndnisses von Funktionen und Rollen und nicht eine explizit verfasste Struktur: Entsprechend kann das angestrebte Ergebnis auf unterschiedlichen Wegen und unter &#220;bernahme unterschiedlicher Verantwortlichkeiten der beteiligten Akteure erzielt werden.</p>
<p>Diese Form der Zusammenarbeit als autonome verteilte Systeme ist extrem voraussetzungsvoll und bildet gleichsam „die hohe Schule“ der Kooperation, da thematisch und strukturell flexible Geometrien in unterschiedlichen Situationen zur Deckung gebracht werden m&#252;ssen. Entsprechend m&#252;ssen die Akteure einen hohen Erfahrungsschatz im Hinblick auf heterogene Arbeitsbeziehungen, die Selbstorganisation von Prozessen, die Identifikation von Chancen und das Vertrauen in oftmals unbekannte Akteure haben. Insbesondere der letztgenannte Punkt bedeutet ein nicht unerhebliches Risiko, das in weiten Teilen aber mittels der Interaktionsregeln sozialer Netze entsch&#228;rft werden kann. Es basiert auf dem „Freunde meiner Freunde“-Prinzip und stellt eine abstrakte &#220;bertragung von Vertrauen dar, die nicht auf eigenen und unmittelbaren Erfahrung basiert; ein Prinzip, das im Grundsatz auch mit Pr&#252;fsiegeln etc. verfolgt wird. Die permanente &#220;berpr&#252;fung dieser auf impliziten oder expliziten Empfehlungen beruhenden Vertrauensw&#252;rdigkeit ist Teil der Funktionslogik der Kooperation und nicht Ausdruck von Misstrauen. Auf diese Weise wird der Kredit eines stets benennbaren Akteurs vergr&#246;&#223;ert (kooperatives Verhalten) oder verringert (egoistisches Verhalten). Vertrauen muss damit best&#228;ndig gewonnen und gerechtfertigt werden – mit weitreichenden Folgen f&#252;r den jeweiligen Akteur in sp&#228;teren Kooperationskontexten.</p>
<p><strong>Herausforderungen f&#252;r Cluster und Netzwerke</strong></p>
<p>Wenngleich Vertrauen in dynamischen Kooperationsbeziehungen kaum in Form eines Zertifikats dauerhaft attestiert werden kann (oder etwa doch?), darf naheliegender Weise vermutet werden, dass sich Akteure, die einem anerkannten Kooperationskontext – etwa einem verfassten Netzwerk oder Cluster – entstammen, untereinander eher vertrauen als solche, die isoliert voneinander agieren. Mit anderen Worten: Existierende, wenngleich bisweilen starr und zentral organisierte, Interaktionsstrukturen bieten eine gr&#246;&#223;ere Chance auf sich situativ organisierende Kooperationen, als das Zusammenbringen von Einzelakteuren, da eine gewisse Erfahrung im Kooperieren und dem Umgang mit Vertrauen vorausgesetzt werden kann. F&#252;r die Praxis der Netzwerk- und Clusterpolitik bedeutet dies, dass technologische und branchenorientierte Strukturen mit Blick auf eine sich immer weiter ausdifferenzierende Projektwirtschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit an Bedeutung verlieren und durchl&#228;ssige, tempor&#228;re und chancenorientierte Netze an Bedeutung gewinnen. Da Arbeit und Wertsch&#246;pfung gerade in einer Wissens&#246;konomie zunehmend au&#223;erhalb lokal und sektorial eindeutig bestimmbarer Kontexte stattfindet, ergibt sich ein gleichsam nat&#252;rlicher Zwang zur Aufl&#246;sung der damit verbundenen Strukturen. Dabei stellt das Nebeneinander von „Heimat-“ und tempor&#228;rem Netz keinen Gegensatz dar, sondern bedingt sich geradezu. Es ist zu erwarten, dass die Kooperation in situativen Netzen zur Realisierung jener „globalen“ Innovations- und Wettbewerbssch&#252;be notwendig ist, die in den technologie- oder branchenorientierten Strukturen nicht erreicht werden k&#246;nnen. In der Konsequenz bedeutet dies, dass verfasste Netzwerke, die sich nicht wandeln und &#246;ffnen, von diesen (de)zentralen Prozessen abgeh&#228;ngt und damit mittelfristig zweitklassig werden. Die erforderliche Durchl&#228;ssigkeit von Netzwerkstrukturen und die Adaptivit&#228;t ihrer Akteure vollzieht dabei die in technischen Systemen stattfindende Konvergenz organisatorisch beziehungsweise funktional nach, Produkt und Produktionssystem n&#228;hern sich strukturell an: Neue Produktklassen erfordern zwangsl&#228;ufig neue Formen Ihrer Entwicklung und Herstellung. F&#252;r bestehende sektoriale Kooperationsstrukturen bedeutet dies eine weitgehende Neuinterpretation von Begriffen wie Netzwerk-Management und Cluster-Exzellenz. Der oftmals m&#252;hevolle Weg zu einer funktionierenden Kooperationsstruktur, deren Regeln in Vereinbarungen und Satzungen verfasst sind, war kaum mehr ein notwendiger aber keinesfalls hinreichender Schritt in Richtung offener Systeme, deren Akteure besagte Regeln so internalisiert haben, dass sie sich flexibel in wechselnde Kontexte ohne vorangehende Ann&#228;herung und Formalisierung einf&#252;gen k&#246;nnen. Mit den offenen Systemen besteht nicht nur die M&#246;glichkeit, durch das Zusammenf&#252;hren vielf&#228;ltiger und zahlreicher Akteure wahrhaft „chinesische“ Dimensionen zu erlangen. Vielmehr erm&#246;glicht die &#220;bertragung und Internalisierung von Management- und Exzellenz-Kompetenzen auf die Akteure einen enormen Geschwindigkeitszuwachs bei der L&#246;sung neuer Aufgaben. Noch ist nicht final absehbar, wie die mit derartigen Prozessen verbundene Parallelit&#228;t von Wissenserzeugung und Wissensverteilung zielgerichtet genutzt werden kann und inwieweit sich die Reformalisierung des Wissensvorsprungs (beispielsweise in Form von Patenten) gegen&#252;ber unkontrollierten spill-over Effekten durchsetzen l&#228;sst. Einerseits ist hier denkbar, dass sich neuartige Modelle der Finanzierung und Refinanzierung herausbilden, andererseits k&#246;nnten die tempor&#228;ren Super-Netze aber vor allem dem gemeinschaftlichen Erreichen neuer Entwicklungsstufen dienen.</p>
<p>Es ist nicht zu erwarten, dass die beschriebene Entwicklung in einem ersten Schritt sofort auf globaler Ebene stattfinden wird. Vielmehr darf davon ausgegangen werden, dass zun&#228;chst in lokalen/regionalen Kontexten mit ansatzweise bekannten Akteuren die sektorial getrennten Netzwerkstrukturen durchl&#228;ssiger werden und sich so geografisch begrenzte, tempor&#228;re Netze bilden. In einem derart quervernetzten und durchl&#228;ssigen regionalen Innovationssystem kann sich in der Folge eine gemeinsame „Kooperations-DNA“ entwickeln, die die Grundlage f&#252;r zuk&#252;nftige Super-Netze bildet. Es ist eine der gro&#223;en kommenden innovationspolitischen Aufgaben, hierf&#252;r geeignete Unterst&#252;tzungsmechanismen zu schaffen.</p>
<p><a href="http://www.iit-berlin.de/veroeffentlichungen/iit_perspektive-5"><em>Aus: iit perspektive Nr. 05, Working Paper des Instituts f&#252;r Innovation und Technik in der VDI/VDE-IT GmbH</em></a></p>
<p><br>Beitr�ge zu verwandten Themen:<ol>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2008/04/studien-bewerten-vernetzung-fuer-innovationsfaehigkeit-von-unternehmen/' rel='bookmark' title='Studien bewerten Vernetzung f&#252;r Innovationsf&#228;higkeit von Unternehmen'>Studien bewerten Vernetzung f&#252;r Innovationsf&#228;higkeit von Unternehmen</a></li>
</ol></p><p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4672&amp;md5=2eccd36ff865c8a0ad9e9b4b06e268f6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>E-Government, quo vadis?</title>
		<link>http://blog.kooptech.de/2011/09/e-government-quo-vadis/</link>
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		<pubDate>Fri, 02 Sep 2011 06:56:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Ksoll</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vom E-Business zum E-Government

 

 

1999 beobachtete der damalige CEO von General Electric Jack Welsh seine Kinder, wie sie im Internet surften. Er kannte das alles nicht. Kurz darauf drehte er den Konzern auf das E-Business, in dem er ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vom E-Business zum E-Government<a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/07/Rathaus-Bad-Iburg.jpg"><img class="size-medium wp-image-68 alignright" title="Rathaus Bad Iburg" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/07/Rathaus-Bad-Iburg-279x300.jpg" alt="" width="237" height="255" /></a></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>1999 beobachtete der damalige CEO von General Electric Jack Welsh seine Kinder, wie sie im Internet surften. Er kannte das alles nicht. Kurz darauf drehte er den Konzern auf das <strong>E-Business</strong>, in dem er eine umfassende Initiative startete. Alle Business Leader bekamen Ziele, an deren Erreichung ihr Gehalt gekn&#252;pft war. Eine Mail ging an alle Mitarbeiter: “We are late!” Aber dann verk&#252;ndete er, dass das E-Business bei GE ausbrechen w&#252;rde und die Top f&#252;nf Priorit&#228;ten seien: E-Business, E-Business, E-Business, E-Business und Six-Sigma. Und so geschah es.</p>
<p>Kurz darauf brach auch in Deutschland das <strong>E-Government</strong> aus. Salopp formuliert: die Nutzung des Internets auch durch den Staat. 1998 hatten wir uns ein Signaturgesetz geg&#246;nnt mit qualifizierten Signaturen – kurz Qual-Signatur – (mittels Signaturkarte statt fortgeschrittener Signaturen mit Software oder gar einfacher Signatur mittels Zeichenkette oder eingescannter Unterschrift, wie es <a href="http://www.out-law.com/page-6839">in England rechtskr&#228;ftig</a> der Usus ist). Schon 2002 kamen dann &#196;nderungen im Privatrecht (insbesondere <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__126a.html">§126a BGB</a>) und danach im &#214;ffentlichen Recht (insbesondere <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/vwvfg/__3a.html">§3a VwVfG</a> mit Absatz 1: “Die &#220;bermittlung elektronischer Dokumente ist zul&#228;ssig, soweit der Empf&#228;nger hierf&#252;r einen Zugang er&#246;ffnet.”). Yeah!</p>
<p>Anders als im Rest Europas (z.B. UK), <a href="http://www.out-law.com/page-6839">wo man nur seinen Namen unter die E-Mail</a> schreiben braucht, damit es gilt, verlagerten wir das Problem der eigenh&#228;ndigen Unterschrift aus dem Rechtssystem in ein technisches System hinein (Chip-Karte, Zertifikat, Trustcenter, G&#252;ltigkeitspr&#252;fung des Zertifikats usw.). Und schon ging es los und die Republik wurde mit Leuchtt&#252;rmen zugepflastert:</p>
<ul>
<li>Signaturb&#252;ndnis,</li>
<li>JobCard (sp&#228;ter ELENA, Zur Sammlung von Arbeitgeberentgeltbescheinigungen),</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elektronische_Gesundheitskarte">Gesundheitskarte</a> (war zum 1.1.2006 an alle gesetzlich Krankenversicherten geplant),</li>
<li>zentrales, bundesweites Melderegister f&#252;r die Finanzbeh&#246;rden f&#252;r Finanzzwecke, dezentrale, &#246;rtliche Melderegister f&#252;r die Meldebeh&#246;rden, B&#252;rger und Wirtschaft,</li>
<li>f&#252;r die Kommunikation unter Maschinen wurde <a href="http://www.osci.de">OSCI</a> (Online Services Computer Interface definiert) analog zum HBCI (Homebanking Computer Interface) entwickelt und erfolgreich eingef&#252;hrt.</li>
</ul>
<p>Und es wurde gemacht und getan und alle waren begeistert. Das Bundeswirtschaftsministerium nahm 45 Mio. DM in die Hand, um in drei St&#228;dten (Bremen, Esslingen, Erlangen) b&#252;rgernahe Anwendungen f&#252;r Signaturkarten im Projekt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Media@Komm">MEDIA@komm</a> zu entwickeln. Es fanden j&#228;hrliche <a href="http://www.egovernment-wettbewerb.de/">E-Governmentwettbewerbe</a> statt. <a href="http://www.isprat.net/">ISPRAT</a> (Interdisziplin&#228;re Studien zu Politik, Recht, Administration und Technologie) wurde als gemeinn&#252;tziger Verein gegr&#252;ndet. <a href="http://www.egovernment-computing.de/">Zeitungen</a> wurden gegr&#252;ndet.</p>
<p><strong>Leuchturmprojekte</strong></p>
<p>Viele Leuchtt&#252;rme wurden errichtet, die uns Licht geben:<strong><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/07/Wasserturm-Langeoog1.jpg"><img class="size-medium wp-image-65 alignright" title="Wasserturm Langeoog" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/07/Wasserturm-Langeoog1-230x300.jpg" alt="" width="224" height="293" /></a></strong><strong> </strong><strong> </strong></p>
<ul>
<li>Mit <a href="http://www.vemags.de/">VEMAGS</a> ist es ein Kinderspiel geworden, Genehmigungen f&#252;<strong> </strong>r ei<strong> </strong>nen Gro&#223;raum- oder Schwertransport bundesweit zu bekommen.</li>
<li>Mit <a href="http://www.d115.de/">115 </a>kann man wie mit der Telefonnummer 110 (Polizei) oder 112 (Feuerwehr) (fast) &#252;berall in der Republik einen Anschluss finden (“Hier werden Sie geholfen!”). Aber auch f&#252;r Flatrate-Kunden kostet es <strong></strong>nun Geld, was fr&#252;her bei direktem Anruf im Rathaus kostenlos war. Wenigstens sind jetzt viele Kommunen einheitlich erreichbar.</li>
<li>Ein gelungenes Beispiel ist auch <a href="https://www.elster.de/">ELSTER</a> von der Finanzverwaltung. Man kann ohne Signatur seine Steuern anmelden, sei es aus einem elektronischen Formular der Finanzbeh&#246;rden oder aus der Steueroptimierungssoftware von ALDI (or equivalent). Elster war in der Einkommenssteuer so erfolgreich, dass es auch f&#252;r die Umsatzsteuervoranmeldung f&#252;r Unternehmen Pflicht werden konnte.</li>
</ul>
<p>Bei der Einf&#252;hrung des §126a BGB zur Elektronischen Form hatte man einen Fehler gemacht: wurde ein Dokument oder eine E-Mail qualifiziert signiert, entfaltete es Rechtskraft, ohne dass der Empf&#228;nger in der Lage sein musste, diese nicht standardisierte Form verarbeiten zu k&#246;nnen. Bei der Einf&#252;hrung des §3a VwVfG f&#252;hrte man daher ein, dass der Empf&#228;nger den “<strong>Zugang er&#246;ffnen</strong>” muss und die Formate bekannt gibt, die er verstehen kann. Die Verwaltungen fanden alle diesen Paragrafen und schon hie&#223; es fl&#228;chendeckend in der Republik in den Impressi:</p>
<blockquote><p>Die  Stadtverwaltung XYZ weist hiermit explizit darauf hin, dass sie zur  Zeit noch keinen elektronischen Zugang gem. § 3a, Absatz 1 VwVfG er&#246;ffnet hat.</p></blockquote>
<p>In Klartext hei&#223;t das: Wir wollen keine rechtsverbindliche Kommunikation &#252;ber das Internet. Schreib uns auf Papier oder komm vorbei. Bis zum Ende 2009, als die EU-Dienstleistungsrichtlinie kam, h&#228;tte man sagen k&#246;nnen: “Schade, Chance verpasst!”</p>
<p style="text-align: left;">Aber Leuchtturmprojekte alleine reichen nich<a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/07/HafenHamburg.jpg"><img class="size-medium wp-image-83 alignright" title="Hafen Hamburg" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/07/HafenHamburg-300x161.jpg" alt="" width="194" height="104" /></a>t aus. F&#252;r bl&#252;hende Landschaften zur See braucht man auch Schiffe, H&#228;fen, Seeleute, Fracht und Passagiere (siehe Hamburg <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/St._Pauli-Landungsbr%C3%BCcken">St.-Pauli-Landungsbr&#252;cken</a>).</p>
<p><strong>EU-Dienstleistungsrichtlinie</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p>Mit dem 28.12.2009 waren die Kommunen mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/EU-Dienstleistungsrichtlinie">EU-Dienstleistungsrichtlinie </a>dann <strong>verpflichtet</strong>, EU-Ausl&#228;ndern Informationen &#252;ber Pflichten bei unternehmerischer T&#228;tigkeit im Inland online anzubieten (auch &#252;ber einen einheitlichen Ansprechpartner, der die Verwaltungen entsetzte, weil sie pl&#246;tzlich einem Bewerber an einer Stelle sagen mussten, was dieser alles zu tun hat, wo man fr&#252;her sich in der tayloristischen Zerfaserung jeder Verantwortung entziehen konnte) und rechtsverbindlich &#252;ber das Internet zu kommunizieren (Antr&#228;ge, Bescheide). Besonders bedrohlich schien den Beh&#246;rden, dass ein Antrag als genehmigt gilt, wenn in gesetzter Zeit kein Bescheid erfolgt (Genehmigungsfiktion, Art. 13 EU-DLR).</p>
<p>Man machte wieder gro&#223;e Leuchtt&#252;rme, gab Millionen aus f&#252;r Vorgangsbearbeitung und Wissensmanagement (vorher musste der Unternehmer alleine herausbekommen, was er alles machen muss). Der Kommunikation &#252;ber das Internet entzog man sich aber perfide: man machte wieder die qualifizierte Signatur und den §3a VwVfG verbindlich und hatte Ruhe. Der weltber&#252;hmte und seid Homer besungene <strong>Friseur in Lissabon</strong> hat in Portugal keine M&#246;glichkeit, Signaturkarten und Leseger&#228;te nach dem preu&#223;ischen Ritus zu bekommen. Er kommt also vorbei oder schreibt auf Papier oder geht gleich nach England, wo ein einfacher Namenszug unter der Mail als Signatur reicht. So wie die Polen nach England gingen, als wir ihnen als Arbeitnehmer in der ersten Zeit nach dem EU-Beitritt die Freiz&#252;gigkeit versagten. Noch perfider war, dass viele Kommunen die EU-Dienstleistungsrichtlinie in diesem Teil &#252;berhaupt nicht implementierten.</p>
<p>Der <a href="http://www.it-planungsrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/Projekte/Abgeschlossene_Projekte/Abschlussbericht_DLR.pdf?__blob=publicationFile">Abschlussbericht</a> von Deutschland-Online (jetzt <a href="http://www.it-planungsrat.de">IT-Planungsrat</a>) zur Einf&#252;hrung der EU-Dienstleistungsrichtlinie beschreibt zu Recht viele tolle, grosse Ergebnisse: XEUDLR-Standard, Prozessregister, F&#246;deratives Informationsmanagement usw. Aber das wesentliche Ergebnis, dass der portugiesische Friseur und alle anderen ausl&#228;ndischen Dienstleister (wegen der Qualsignatur) nicht von zu Hause aus ihr Gewerbe in Deutschland anmelden k&#246;nnen, umschifft er elegant mit Verweis auf andere Ebenen. Bei den Hippies, und Alt-68ern, den Morgenlandfahrern und Hermann-Hesse-Lesern war der Begriff  <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nirwana">Nirwana</a> stets positiv besetzt. Bei den n&#252;chternen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hanse">Hanseaten</a> aus L&#252;beck sollte man das nicht ohne weiteres immer voraussetzen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wo viel Licht ist, ist starker Schatten</strong></p>
<p>(<a href="http://de.wikisource.org/wiki/G%C3%B6tz_von_Berlichingen_mit_der_eisernen_Hand">Goethe, G&#246;tz von Berlichingen, 1. Akt</a>)</p>
<p>Es tummeln sich in dem Schatten der kreisenden Leuchtturmlichtkegel einige merkw&#252;rdigen Schattengespenster:</p>
<ul>
<li>2011 war f&#252;r das E-Government in Deutschland kein gutes Jahr. <a href="http://www.personalausweisportal.de">Der neue Personalausweis (nPA)</a> hat nach Monaten immer noch keinen Anbieter f&#252;r Qual-Signaturen und es  gibt keine zertifizierten Leseger&#228;te. Apple-User und Linux-User bleiben weiterhin  ausgeschlossen, Windows-User mussten anfangs warten, bis die unsichere  Software repariert wurde.</li>
<li>Der Sonder-E-Mail-Dienst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/De-Mail">DE-Mail</a> soll f&#252;r die zuverl&#228;ssige &#220;bermittlung von staatstragenden Dokumenten  sein wie Steuerbescheiden oder Arztgutachten. Aber anders als normale  Mail wird nur die &#220;bertragung verschl&#252;sselt, nicht aber die Mail selbst.</li>
<li>Bei der <strong>Melderegisterauskunft</strong> hatten wir auch sch&#246;ne Leuchtt&#252;rme. Au&#223;er bei der Finanzverwaltung: die hat sich abgekoppelt von der &#196;sthetik dezentraler Melderegister mit wundersch&#246;nen Ratespielen (brauche ich Qual-Signatur, Kreditkarte, User/Passwort, Vorkasse zur Auskunft?) und hat sich einfach ein bundesweites Register mit Meldedaten wie in &#214;sterreich gebaut hat. Bei der <strong>Online</strong>-Melderegisterauskunft in Berlin heisst es: “Die Beantwortung Ihrer Anfrage erfolgt per Post und <strong>dauert derzeit ca. 4 Wochen</strong> ab Geb&#252;hreneingang (Vorkasse per &#220;berweisung).” Yeah, E-Government wie der Blitz! Im B&#252;rgeramt dauert das mit k&#246;rperlicher Pr&#228;senz eine Stunde statt vier Wochen online. Gemessen.</li>
<li>Auskunft aus der <strong>Verkehrss&#252;nderkartei</strong> (so steht es als Keyword im Homepagequelltext) beim <a href="http://www.kba.de">Kraftfahrtbundesamt</a> in Flensburg gibt es mit dem nPA (neuer Personalausweis) online. Dazu hei&#223;t es dort: “Derzeit erfolgt die Auskunft <strong>ausschlie&#223;lich schriftlich per Post</strong>.”  Um auch ganz klar zum Ausdruck zu bringen, dass E-Government nicht gew&#252;nscht ist hei&#223;t es weiter: “Wer mit seinem g&#252;ltigen Ausweisdokument bei unserem <a title="Service vor Ort" href="http://www.kba.de/cln_032/nn_125476/DE/Punktsystem/ServiceVorOrt/service__vor__ort__inhalt.html" target="_self">“Service vor Ort”</a> die Auskunft beantragt, bekommt sie direkt ausgeh&#228;ndigt.”</li>
<li>Die GDI (<a href="http://www.gdi-de.org/">Geodateninitiative</a>) der Landvermesser qu&#228;lt sich bottom up und versucht einheitliche Geodaten f&#252;r das ganze Land zur Verf&#252;gung zu stellen. Aber die Anwendungen sind langsam, die Preise f&#252;r die Geodaten teuer und man ist weit davon entfernt, Anwendungen mit Geodaten schnell, einfach und preiswert zu erstellen, wie es top down m&#246;glich ist mit Google Maps oder Microsoft Bing Maps und au&#223;erhalb des Staates g&#228;ngige Praxis ist. Selbst begeisternde <a href="http://www.egovernment-computing.de/projekte/articles/325048">Fahrrad-Wanderkarten</a> in Bayern mit gpx-Format, GSM und spezieller  Hardware machen den Mangel f&#252;r tumbe Smartphone-User nicht wett.</li>
<li>Das elektronische Entgeltnachweis-Verfahren <strong><a href="http://www.das-elena-verfahren.de/">ELENA</a> </strong>(fr&#252;her Jobcard, angeblich wegen datenschutzrechtlicher Probleme, die in den 10 Jahren Entwicklungszeit so wohl nicht nicht gefunden worden waren.</li>
<li>Die <a href="http://www.bundesfinanzministerium.de/DE/Wirtschaft__und__Verwaltung/Steuern/Veroeffentlichungen__zu__Steuerarten/Umsatzsteuer/003.html">elektronische &#220;bermittlung von Rechnungen</a>, die nach dem Umsatzsteuergesetz zum Vorsteuerabzug berechtigen, soll nach dem Steuervereinfachungsgesetz 2011, das erst mal aus anderen Gr&#252;nden im Bundesrat gescheitert ist, nun doch auch ohne Qual-Signatur g&#252;ltig sein.</li>
</ul>
<p><strong>Cloud-Computing</strong></p>
<p>Schon schwappt aus den USA die n&#228;chste Welle: Cloud-Computing. W&#228;hrend wir uns Gedanken machen, das aus Datenschutz- und Sicherheitsgr&#252;nden die Nutzung von Cloud-Computing eigentlich unm&#246;glich ist, nutzt die Bundesregierung in den USA um Geld zu sparen, massiv Cloud-Computing. Unter <a href="http://www.apps.gov">apps.go</a>v bietet die General Service Administration (GSA) einen Online-Shop an, auf dem Beh&#246;rden die Nutzung von “Business Apps”, “Productivity Apps”, “Cloud IT Services” und “Social Media Apps” an. F&#252;r ein paar Dollar per User und Monat kann sich eine Beh&#246;rde die Nutzung der “Productivity Apps” von Microsoft (Exchange), IBM Lotus oder Google Apps mieten. In den USA sagt man, dass Cloud-Computing hilft, <a href="http://www.egovernment-computing.de/systems/articles/324013/">800 von den 2.000 US-Bundesrechenzentren zu schlie&#223;e</a>n weil Ressourcen effizienter genutzt werden.</p>
<p>Geburtsurkunden, Sterbeurkunden, Heiratsurkunden sowie Scheidungsurkunden kann man z.B. in den USA online bestellen und mit Kreditkarte bezahlen.  Die private Firma <a href="http://www.vitalchek.com/">VitalCheck</a> bietet diesen Service zentral f&#252;r alle Bundesstaaten an. Eine Geburtsurkunde aus Manhattan, New York City kostet 15 $ f&#252;r die Beh&#246;rde zuz&#252;glich 8,30 $ f&#252;r VitalCheck und wird in 24 h bearbeitet. &#196;hnliche Gesch&#228;ftsmodelle f&#252;r privat erbrachte Beh&#246;rdenservices gibt es zahlreich in den USA (Insider erinnern sich, wie lange wir <a href="http://www.texas.gov">Texas-Online</a> besungen haben, um auch in Deutschland voran zu kommen). Und bei uns? Vier Wochen elektronisch!</p>
<p><strong>Wie gehts nun weiter ?</strong></p>
<p>So richtig kommen wir nicht weiter. Der Staat hat bei weitem nicht das  Nutzungsniveau des Internets erreicht wie die Wirtschaft. Unternehmen wie Amazon oder  eBay verarbeiten Milliardenums&#228;tze im Internet, ohne sich wie der  deutsche Staat im &#220;berma&#223; gesch&#228;ftsverhindernd abzusichern.</p>
<p>Es ist ja auch nicht alles schlecht. Die &#246;ffentlichen Rechenzentren oder IT-Dienstleister sind in ihrer Technik auf der H&#246;he der Zeit, sie konsolidieren sich, konzentrieren sich. Machen Aufgabenteilung (“Einer f&#252;r alle”). Doch in der Einfachheit der Anwendung sind wir Jahre hinter den USA zur&#252;ck. Die Qual-Signatur hat uns Jahre zur&#252;ckgeworfen und letztlich versagt.</p>
<p>Doch man kann den Staat nicht (durch gut gemeinte Ratschl&#228;ge) von au&#223;en steuern.  Man kann ihn h&#246;chstens irritieren, wie die systemische Organisationsberatung seit Jahren wei&#223; (siehe <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann">Niklas Luhmann</a>, der Jurist und Soziologe war). Der amerikanische Wissenschaftler Francis Fukuyama ist mit seinem unterkomplexen Command-and-Control-Ansatz empirisch im Irak 2003 gescheitert, als er leichtfertig als politischer Rechtsau&#223;en meinte, man k&#246;nnen einen “failed state” von au&#223;en einfach aufrichten. Er hat es mittlerweile eingesehen.</p>
<p>Irritiert ist schon jetzt der B&#252;rger. Mutet man ihm weiter zu, dass er von seinem Staat gegen&#252;ber B&#252;rgern anderer Staaten weiterhin benachteiligt wird, dann wird er vielleicht zum entt&#228;uschten Wutb&#252;rger, wie wir schon in den Verwaltungsverfahren zu Stuttgart21, dem Berliner Flughafen oder gar dem Zugangserschwerungsgesetz sehen konnten. Oder er wendet sich entsetzt von seinem Staat ab. Bei dem Zugangserschwerungsgesetz sagten &#252;ber 150.000 B&#252;rger in einer <a href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php">Online-Petition</a>, dass sie nicht damit einverstanden seien, dass Kinderpornografie nur leicht umgehbar gesperrt werde (wozu das gesamte deutsche Internet h&#228;tte st&#228;ndig &#252;berwachte werden m&#252;ssen) statt den Dreck einfach vollst&#228;ndig von der Servern zu l&#246;schen (ohne st&#228;ndige, verdachtsunabh&#228;ngige &#220;berwachung aller Internetbenutzer).</p>
<p>Nun muss der Staat selber handeln. Er muss sich in Ruhe &#252;berlegen, was gut gelaufen ist, was nicht. Er wird sich bei Nachbarn und Freunden umsehen m&#252;ssen. Er wird sich erreichbare Zeile setzen m&#252;ssen. Oder er muss kapitulieren und sagen. ich kann nicht als deutscher Staat so sein wie die Wirtschaft weltweit und andere Staaten wie USA. Dann soll er aber den B&#252;rgern nicht weiter Hoffnung machen. Experimentiert wurde genug. Jetzt muss geliefert werden.</p>
<p>Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen St&#228;dte- und Gemeindebunds meint in seinem <a href="http://www.egovernment-computing.de/inhalte/webcasts/downloads/14999/">Webcast vom 24.11.2010</a>, in dem er als Mitglied des <a href="http://www.it-planungsrat.de">IT Planungsrates</a> die nationale E-Government-Strategie erl&#228;utert, dass wir schneller werden m&#252;ssen. Wenn gute Projekte wie 115 (das als 311 in den 200er Jahren erfolgreich in New York City eingef&#252;hrt wurde und nun als erfolgreiche Werbeplattform f&#252;r &#246;ffentliche Projekte eingesetzt wird) oder der <a href="http://maerker.brandenburg.de/">Maerker in Brandenburg</a> (den es seit Jahren in Gro&#223;britannien gibt) Jahre brauchen, um vom angloamerikanischen E-Government zu uns &#252;bertragen werden, dann sind wir zu langsam.</p>
<p>Man kann erg&#228;nzen, dass wir zwar ein (auch notwendiges) <a href="http://www.it-planungsrat.de/DE/Projekte/Steuerungsprojekte/NationalesWaffenregister/nationalesWaffenregister.html ">Nationales Waffenregister</a> gebaut bekommen, aber bei der Errichtung einer zentralen Online-Bewerbung und -Verteilung f&#252;r Studienpl&#228;tze (in Jahren, wo wir erheblichen Ansturm durch die Umstellung der G8-Jahrg&#228;nge und Wegfall der Wehrpflicht f&#252;r M&#228;nner haben!) oder bei der Verteilung der F&#246;rdermittel f&#252;r Hartz4-Schulkinder versagen (siehe hierzu auch Br&#252;ggemeier 2010: <a title="Permanent Link to B&#252;rokratie-Gau beim Bildungspaket – Verwaltungsvollzug als E-Government-freie Zone" rel="bookmark" href="http://www.government2020.de/blog/?p=871">B&#252;rokratie-Gau beim Bildungspaket – Verwaltungsvollzug als E-Government-freie Zone</a>. Hier fragt man sich, wo der Punkt ist, ab dem man sich f&#252;r seine Landsleute sch&#228;men muss.</p>
<p>Ein letztes Beispiel: die Online-Abfrage des Melderegisters mit vierw&#246;chiger Bearbeitungsdauer ist eine Frechheit. Warum schafft es die Verwaltung nicht (wie die Wirtschaft seit Jahrzehnten es handhabt) Bezahlung auch &#252;ber Kreditkarte zu implementieren? Wer eine Kreditkarte hat, muss ein Bankkonto haben. Wer ein Bankkonto hat, muss seinen Personalausweis vorlegen. Wenn wir im Melderegister Vorkasse mit &#220;berweisung implementieren, dann haben wir ein <strong>gesetzgeberisches Problem, kein IT-Problem</strong>. Im Haushaltsrecht aber muss der Abzug f&#252;r den Kreditkartenoperateur bei Geb&#252;hren erm&#246;glicht werden (das wissen wir seit Jahrzehnten, aber nicht &#252;berall wurde es gemacht). Im Melderecht muss jemand eine Rechtspr&#252;fung machen und sehen, dass bei der Bankkontoer&#246;ffnung ein Personalausweis vorgelegen hat. Statt nicht funktionsf&#228;hige, wenig verbreitete L&#246;sungen in nationalem Alleingang an der internationalen Entwicklung vorbei zu fordern, um der Reform des Rechts zu fl&#252;chten.</p>
<p>Was wir nun brauchen, sind <strong>Massenanwendungen</strong> wie bei Deutschen Bahn AG, Google, eBay und Amazon, damit der deutsche B&#252;rger mit seinem Staat so gl&#252;cklich ist wie mit seiner Wirtschaft.  Damit das E-Government genauso wird wie das E-Business. “We are late!” als Anfang einer vorw&#228;rts gerichteten Entwicklung. Der fr&#252;here Bundespr&#228;sident Johannes Rau &#252;berschrieb seine Regierungserkl&#228;rung als nordrheinwestf&#228;lischer Ministerpr&#228;sident 1980 richtungsweisend: <strong>Mut zur Zukunft</strong>!</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/07/Strandkorb-Langeoog.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-89" title="Strandkorb Langeoog" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/07/Strandkorb-Langeoog.jpg" alt="" width="618" height="408" /></a></p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/2011/08/02/e-government-quo-vadis/">Crosspost</a></p>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/d173c1d0b346434c923402eb544ae010" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Mit mehr Haushaltstransparenz aus der Krise</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 06:02:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Ksoll</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/15197b784d4942b3b780fa97d8d2fefb" alt="" width="1" height="1" />Doppik  (Doppelte Buchf&#252;hrung in Konten) nennt man es im &#246;ffentlichen Dienst, wenn man von kaufm&#228;nnischer Buchf&#252;hrung spricht. F&#252;r Insider im &#246;ffentlichen Dienst ist das seit Jahren ein hei&#223; diskutiertes Thema. Outsider kennen das Problem meist nicht. Wie kam es dazu? Was ist das Problem? Wie konnte das passieren?</p>
<p><em>Sehen wir es uns die historische Entwicklung an. Sehen wir uns an, wie der Staat pr&#228;zise f&#252;r Unternehmen aller Gr&#246;&#223;e bundeseinheitlich Vorgaben der Rechnungslegung machen kann. Wundern wir uns gemeinsam, welch grauenhaftes Schuhwerk der Schuster tr&#228;gt. Schauen wir uns an, wie man es auch besser machen kann. Und machen wir einen Vorschlag, um voranzukommen bei der Transparenz, die wir brauchen, um unsere Schulden endlich in den Griff zu bekommen.</em></p>
<h3><strong>Historische Entwicklung</strong></h3>
<p>Man geht heute davon aus, dass die Urspr&#252;nge der globalisierten Weltwirtschaft im fruchtbaren Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris in Mesopotamien liegen in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Obed-Zeit">Obed-Zeit</a> von 5500-3500 vor Chr. Es gelang den fruchtbaren Boden so effizient zu bewirtschaften, dass man nicht mehr kleinagrarisch von der Hand in den Mund lebte (wie zur gleichen Zeit die germanischen St&#228;mmen, die in den W&#228;ldern auf den B&#228;umen hockten und von Wotan und seiner Vielweiberei tr&#228;umten), sondern &#220;berschuss erwirtschaftete. Der &#220;berschuss, dass man mehr Menschen ern&#228;hren konnte, als man zur Erzeugung der Ern&#228;hrung brauchte, f&#252;hrte zur funktionalen Differenzierung. Man schuf sich einen von der Feldarbeit befreiten K&#246;nig, Soldaten (die das durchsetzten) und Beamte, die das verwalteten. Auf Tontafeln hielt man fest, wie viel Ernteertrag der Bauer erwirtschaftete, um daraus die Steuern zu berechnen. Viel hat sich daran nicht ge&#228;ndert.<a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Ratings-wikipedia.jpg"><br />
</a></p>
<p>Die fruchtbaren Getreidesorten verbreiteten sich &#252;berall im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fruchtbarer_Halbmond">fruchtbaren Halbmond</a> von Mesopotamien (heute Irak), Syrien, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%B6nizien">Ph&#246;nizien</a>, Pal&#228;stina bis hin nach &#196;gypten. Also deckungsgleich mit dem Gebiet der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Israels">Nomadenst&#228;mmen aus Ur</a>, die ihre Wander-Erlebnisse (Ur, Babylon, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Garten_Eden">Garten Eden</a>, Berg <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ararat">Ararat</a>,  Sinai, &#196;gypten) im Alten Testament zusammenfassten und heute in Pal&#228;stina siedeln.</p>
<p>Hier im Morgenland finden wir die Wurzeln der abendl&#228;ndischen Kultur. In &#196;gypten finden wir dann auch folgerichtig die Tontafeln durch Papyrus abgel&#246;st. Alexandria in &#196;gypten mit der weltber&#252;hmten antiken Bibliothek wie auch Ph&#246;nizien, deren weltber&#252;hmten H&#228;ndler Karthago gr&#252;ndeten, waren auch deshalb so wichtig, weil hier die <a href="http://www.amazon.com/Splendid-Exchange-Trade-Shaped-World/dp/0871139790">Handelsrouten der Kamelkarawanen</a> endeten, die westlich und &#246;stlich an der arabischen Halbinsel entlang gingen und das Mittelmeer mit dem fernen Osten (Indien und China) verband, wenn man nicht &#252;ber Land die Seidenstra&#223;e nach China nutzen wollte.</p>
<p>Griechenland und Rom seien hier f&#252;r unsere Zwecke &#252;bersprungen und gleich zu Venedig gegangen. Im Hochmittelalter buhlten Genua und Venedig um die Vorherrschaft im Mittelmeer. Als die Kreuzritter im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vierter_Kreuzzug">vierten Kreuzzug</a> ihre Schulden f&#252;r die &#220;berfahrt nach &#196;gypten nicht zahlen konnten, lenkten die Venezianer sie von &#196;gypten weg und brachten sie &#252;ber Byzanz ins gelobte Land. Allerdings mussten sie f&#252;r die &#220;berfahrt milit&#228;rische Dienstleistungen erbringen, so dass Venedig das &#246;stliche Mittelmeer beherrschte.</p>
<p>Der Venezianer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marco_Polo">Marco Polo</a> (1254-1324) geh&#246;rte <a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Marco_Polo_traveling.jpg"><img class="alignleft" title="Marco_Polo_traveling" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Marco_Polo_traveling.jpg" alt="" width="384" height="240" /></a>noch zu den klassischen Kaufleuten, die mit Ware von Marktflecken zu Marktflecken wanderten und dort tauschten. Allerdings  brachten seine Nachrichten als Fernh&#228;ndler aus China, in das er &#252;ber die Seidenstrasse hinkam und &#252;ber Indien und Arabien wieder zur&#252;ck, die H&#228;ndler in Venedig in Verz&#252;ckung. Der Trieb (heute w&#252;rde man sagen Gier) waren so gro&#223;, dass noch der Genuese Columbus auf der Suche nach dem direkten Seeweg nach China in Marco Polos Beschreibung Rat suchte.</p>
<p>Oberitalien mit Genua, Florenz und insbesondere Venedig hatten immense Bedeutung f&#252;r die Entwicklung des globalen Handels: Einerseits beherrschte man (bis zur Entdeckung Amerikas) die Seewege im Mittelmeer (und &#252;ber Arabien bis nach China), andererseits fand das oberitalienische Tuch (bis zum verst&#228;rkten Markteintritt der Engl&#228;nder) Absatz n&#246;rdlich der Alpen, insbesondere &#252;ber das Handelszentrum in Br&#252;gge.</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Cosimodemedicitheolder.jpg"><img class="alignright" title="Cosimodemedicitheolder" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Cosimodemedicitheolder.jpg" alt="Cosimo de Medici" width="178" height="251" /></a>Die Gesch&#228;fte wurden so intensiv, dass die Kaufleute sesshaft wurden, f&#252;r den Fernhandel Kontore gr&#252;ndeten, wo ihre Mitarbeiter vor Ort t&#228;tig waren und sich ein globalisierter, bargeldloser Zahlungsverkehr entwickelte. Aus manchen Kaufleuten wurden dann Bankiers. So finden wir die &#228;ltesten doppelten Buchf&#252;hrung von Kaufleuten in Genua und Venedig im 13. Jahrhundert. Aus Florenz sind uns die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Medici">Medici</a> (siehe Bild mit Cosimo de’ Medici), Bardi und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peruzzi_%28Handelsgesellschaft%29">P</a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peruzzi_%28Handelsgesellschaft%29">eruzzi</a> bekannt. Die Peruzzi gingen 1343 bankrott als Eduard III. den ersten Staatsbankrott hinlegte, aber seine Kredite f&#252;r die Finanzierung des 100-j&#228;hrigen Kriegs nicht bedienen konnte. Die Medici dagegen hielten sich einige hundert Jahre als Kaufleute und Bankiers und schenkten der Nachwelt als M&#228;zene pr&#228;chtige Kunstwerke, die heute den Kern des Tourismusgesch&#228;ftes in Florenz ausmachen.</p>
<p>Die Gesch&#228;fte der Kaufleute w&#252;rden immer volumin&#246;ser und langwieriger. Finanzierungen von Handelsexpeditionen erstreckten sich &#252;ber mehrere Jahre (Perioden), das dass die daraus resultierenden Risiken auch in der Buchf&#252;hrung abgebildet werden mussten. Wie die Risiken aussahen, hat William Shakespeare sehr sch&#246;n in seiner Kom&#246;die “The Merchant of Venice” (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Kaufmann_von_Venedig">Der Kaufmann von Venedig</a>) im Konflikt Shylock versus Antonio beschrieben. Wie die kaufm&#228;nnische Buchf&#252;hrung dazu aussah, hat der Florentiner <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Luca_Pacioli">Luca Pacioli</a> (im Bild links), ein Freund Leonardo da Vincis, 1494 in seiner “<a href="http://www.amazon.de/Abhandlung-%C3%BCber-die-Buchhaltung-1494/dp/379101188X/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1313259838&amp;sr=1-1">Abhandlung &#252;ber die Buchhaltung</a>“ erkl&#228;rt.<a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Luca_Pacioli.jpeg"><img class="alignleft" title="Luca_Pacioli" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Luca_Pacioli.jpeg" alt="" width="289" height="240" /></a> Pacioli war nicht der Erfinder der venezianischen Buchf&#252;hrung, aber er bettete sie in ein mathematisches Lehrbuch, so dass sie noch mehr Verbreitung fand. Siehe wikipedia: “Das Buch enth&#228;lt die erste geschlossene Darstellung der „Venezianischen Methode“ (<a title="Doppelte Buchf&#252;hrung" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelte_Buchf%C3%BChrung">doppelte Buchf&#252;hrung</a>), wie sie zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich von den Venezianern und <a title="Medici" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Medici">Medici</a> verwendet wurde.”</p>
<p>Man sagt, dass der in Venedig ausgebildete Hauptbuchhalter des Augsburger <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fugger">Fuggerhauses</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Matth%C3%A4us_Schwarz">Matth&#228;us Schwarz,</a> die doppelte Buchf&#252;hrung nach Deutschland brachte, wo die Fugger 1511 die erste Bilanz vorlegten. Sie breitete sich auch in der deutschen Hanse aus. Preu&#223;en fand sie so gut, dass man sie 1794 ins Allgemeine Preu&#223;ische Landrecht &#252;bernahm und die zur Pflicht f&#252;r Kaufleute machte. Bei der Modernisierung des Aktienrechts 1884 sie wurde dann im Handelsgesetzbuch auch &#252;bernommen. 1891 wurde dann die doppelte Buchf&#252;hrung im Einkommenssteuergesetz die Steuererkl&#228;rung mit der Handelsbilanz gekoppelt. Und so sieht die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Buchf%C3%BChrung">Buchf&#252;hrung</a> im Wesentlichen noch heute aus.</p>
<h3><strong>Der Jahresabschluss nach dem Handelsgesetzbuch (HGB)</strong></h3>
<p>Das Grundprinzip der doppelten Buchf&#252;hrung ist nach der Erstellung der Er&#246;ffnungsbilanz jeden Buchungssatz zun&#228;chst im Journal zu erfassen und immer zwei Konten zu ber&#252;hren (Soll und Haben). Aus dem Journal geht es dann ggf. &#252;ber Nebenb&#252;cher (Material, Personal, Kasse, usw.) in das Hauptbuch, das am Ende der Periode abgeschlossen wird.</p>
<p>Die folgende Abbildung zeigt die harmonische &#196;sthetik, wie sie die venezianische Buchf&#252;hrung auch in das preu&#223;ische Handelsgesetzbuch eingef&#252;hrt hat. Im Jahresabschluss finden wir Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (kurz GuV oder G+V). In der Bilanz sehen wir rechts, wo das Kapital herkommt, links wie es verwendet wird. Von oben nach unten &#228;ndert sich die Fristigkeit oder Liquidit&#228;t: langfristiges steht oben (Immobilien oder Eigenkapital), kurzfristiges unten (Kassenbestand oder kurzfristige Kredite). Die Bilanz muss immer ausgeglichen sein<strong>, </strong>also links und rechts der gleiche Saldo sein.</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Jahresabschluss-HGB.jpg"><img title="Jahresabschluss-HGB" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Jahresabschluss-HGB.jpg" alt="" width="580" height="645" /></a></p>
<p>&#220;ber die Gewinn- und Verlustrechnung ver&#228;ndern wir die Bilanz in der laufenden Periode. Abwertungen des Anlageverm&#246;gens gehen als Abschreibungen in den Aufwand, der Gewinn (Verlust) vergr&#246;&#223;ert (verkleinert) das Eigenkapital. So sieht man auf einen Blick, wie von Periode zu Periode gewirtschaftet wurde. Hier findet der &#246;ffentliche Dienst tausend Ausfl&#252;chte, warum das bei ihm nicht geht, was bei Unternehmen geht:</p>
<p>Er sei nicht Gewinn orientiert. Am Gewinn oder Verlust sieht man, ob das Eigenkapital (vom &#246;ffentlich Dienst mit spitzen Fingern “Nettoposition” genannt) gr&#246;&#223;er oder kleiner wird.</p>
<p>Er k&#246;nne sein Verm&#246;gen nicht bewerten, da es auf dem Markt nicht liquidiert werden k&#246;nne und er habe kein Eigenkapital. Eigentlich auch kein Problem. Bei der Er&#246;ffnungsbilanz bewertet man das Verm&#246;gen (irgendwie), zieht davon ab die Verbindlichkeiten und hat das Eigenkapital. Wehe wenn es negativ ist. Mutige Politiker trauen sich das, wie Roland Koch in Hessen, der <a href="http://www.hessen.de/irj/HMdF_Internet?rid=HMdF_15/HMdF_Internet/nav/2ed/2ed407ff-da17-0c21-f012-f31e2389e481,,,,11111111-2222-3333-4444-100000005002%26_ic_seluCon=67a70eca-86dd-0521-79cd-aae2389e4818%26shownav=false.htm&amp;uid=2ed407ff-da17-0c21-f012-f31e2389e481&amp;shownav=false">2009 mit 58 Mrd € negativem Eigenkapital</a> er&#246;ffnete. Damit wird man leben m&#252;ssen.</p>
<p>Man sieht bei dem Fremdkapital auch Pensionsverpflichtungen, wenn man sie nicht an eine externe Pensionskasse ausgelagert hat. Haben Sie schon mal auf einen Blick die Verschuldung des Bundes inklusive seiner Pensionsverpflichtungen gesehen? Ich will ein weiteres Beispiel eine mutigen Mannes geben, das die Dimensionen der Pensionsproblematik zeigt. Arnold Schwarzenegger zeigte <a href="http://online.wsj.com/article/SB10001424052748703447004575449813071709510.html">in einem Artikel f&#252;r das Wall Street Journal</a>, dass die Pensionsverpflichtungen des Staates Kaliforniens mit den aktuellen Randbedingungen nicht bezahlbar sind.</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Schwarzenegger.jpg"><img title="Schwarzenegger" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Schwarzenegger.jpg" alt="" width="489" height="347" /></a></p>
<p>Das dramatische Anschwellen der Pensionslasten liegt in Kalifornien daran, dass bislang Pensionsversprechungen in fester H&#246;he gemacht werden unabh&#228;ngig von den Einzahlungen, w&#228;hrend in Deutschland die Umlagerentenversicherung (Pay-as-you-go) nur das auszahlt, was aktuell auch hereinkommt. Ein normaler Industriebetrieb weist solche Pensionsrisiken in den Pensionsr&#252;ckstellungen auch f&#252;r die n&#228;chsten 10 und 20 Jahre aus. W&#252;ssten Sie, in welchem Werk Sie nachsehen m&#252;ssten, wenn Sie wissen wollen, wie sich die Pensionslasten der Bundesbeamten in den n&#228;chsten 10 Jahren entwickeln? Haben Sie schon mal eine Bundeskanzlerin oder einen Ministerpr&#228;sidenten im Handelsblatt schreiben gesehen, dass es so mit den Pensionszusagen f&#252;r unsere Beamte nicht weiter gehen kann, weil das nicht finanzierbar ist und man das jetzt &#228;ndern wird?</p>
<p>Erstellt man eine Bilanz und eine GuV (und nach IFRS noch zus&#228;tzlich eine Cash-Flowrechnung), dann ist das das externe Rechnungswesen. In der Wirtschaft wird das von einem Wirtschaftspr&#252;fer mit &#246;ffentlichem Glauben testiert (oder nicht). Das ist seit dem Mittelalter so. Die Bilanzen sind dann einerseits Grundlage f&#252;r die Kreditw&#252;rdigkeit (Bonit&#228;t) bei Banken und anderen Gl&#228;ubigern. Entweder wird man extern gerated (wie zum Beispiel die Bundesverwaltung der USA 2011 in der Kreditw&#252;rdigkeit von Standrad &amp; Poors herabgestuft wurde) oder die Banken raten intern wegen Basel II (oder III), da von der Kreditw&#252;rdigkeit ihrer Kunden die Zinsen f&#252;r Kredit der Banken bei der Bundesbank abh&#228;ngen (also beim Buchgeld drucken oder Geldmengen erweitern). Zudem freuen sich die Aktion&#228;re oder Gesellschafter, wenn eine saubere Buchf&#252;hrung ihnen Gewinne zeigen, die dann ausgesch&#252;ttet werden k&#246;nnen oder investiert werden k&#246;nnen. Als Dritter verl&#228;sst sich auch der Staat auf die Bilanz. Mit ein paar kleinen &#196;nderungen wird der Jahresabschluss dann als Bemessensgrundlage f&#252;r die Kapitalertragssteuer und die Gewerbesteuer (f&#252;r die Kommunen ganz wichtig) genommen.</p>
<p>Nun ist das Aufstellen eines testierten Jahresabschlusses eine Menge Arbeit. F&#252;r die Ver&#246;ffentlichungspflicht aber hat der Gesetzgeber im Handelsgesetzbuch HGB klare Gr&#246;&#223;enklassen definiert, an denen sich die Berichtspflicht orientiert. Grunds&#228;tzlich gilt: ganz gro&#223;e m&#252;ssen viel erkl&#228;ren, um ihre Eigner und Gl&#228;ubiger zu sch&#252;tzen (in Deutschland legt man mehr Wert auf den Schutz der Gl&#228;ubiger, im anglomerikanischen Erlebnisraum mehr auf die Eigent&#252;mer, da dort das Aktienwesen viel verbreiteter ist als Finanzierungsquelle statt Krediten) . Bei kleineren Unternehmen muss man allerdings aufpassen, dass man nicht gegen den Datenschutz verst&#246;&#223;t, weil man personenbezogene Daten des Eigent&#252;mers ver&#246;ffentlicht. Deshalb m&#252;ssen diese weniger zeigen. Die Gr&#246;&#223;enklassen nach §267 HGB zeigt die folgende Abbildung:</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Groessenklassen.jpg"><img title="Groessenklassen" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Groessenklassen.jpg" alt="" width="480" height="184" /></a></p>
<p>Ganz kleine mit weniger als 500.000 € Jahresumsatz und weniger als 50.000 € &#220;berschuss l&#228;sst man au&#223;en vor und sagt zur Steuerfestsetzung reicht eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Einnahmen%C3%BCberschussrechnung">Einnahme-/&#220;berschussrechnung (E&#220;R)</a>. Man erfasst Einnahmen und Ausgaben einer Periode, holt sich aus einem Anlagespiegel noch Abschreibungen und schon liegt der &#220;berschuss fest.</p>
<p>Je kleiner also ein Unternehmen ist, desto weniger muss es der &#214;ffentlichkeit zeigen. Vor ein paar Jahren hat der Gesetzgeber nun etwas v&#246;llig faszinierendes gemacht, was man neudeutsch Open Data nennen w&#252;rde. Die Unternehmen sind nicht nur verpflichtet, ihre Jahresabschl&#252;sse im Registergericht zu hinterlegen. Sie m&#252;ssen sie elektronisch ver&#246;ffentlichen. Kleine Kapitalgesellschaften nur die Bilanz, gro&#223;e auch die GuV und den Lagebericht.  Und das sch&#246;nste ist: jedermann kann sie kostenlos im elektronischen Bundesanzeiger nachlesen, der vom Bundesjustizministerium herausgegeben wird:<a href="https://www.ebundesanzeiger.de/">Elektronischer Bundesanzeiger</a>. Hier kann sich jeder schlau machen und bedienen, wenn er z.B. Bilanzbenchmarks durchf&#252;hren will, um zusehen, wer effizienter und effektiver arbeitet. Ein Wunderwerk von Normenklarheit und Transparenz.</p>
<p>Hier ist als Beispiel ein Ausschnitt aus dem Jahresabschluss der Deutschen Telekom AG (entnommen aus dem <a href="https://www.ebundesanzeiger.de/">elektronischen Bundesanzeiger</a>). Die Aufstellung erfolgt nicht nach HGB sondern nach IFRS (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/IFRS">International Financial Reporting Standards</a>), also kurzfristige Positionen zuerst, langfristige sp&#228;ter.</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Telekom13.jpg"><img title="Telekom1" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Telekom13.jpg" alt="" width="650" /></a></p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Telekom1a1.jpg"><img title="Telekom1a" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Telekom1a1.jpg" alt="" width="650" /></a></p>
<p>In der GuV sieht man, dass 2010 bei 62 Mrd. € Umsatz fast 1 Mrd. € Ertragssteuern gezahlt wurden (bezogen auf den Bund als gro&#223;em Eigent&#252;mer ein In-Sich-Gesch&#228;ft <img src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif" alt=":-)" /> .</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Telekom22.jpg"><img title="Telekom2" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Telekom22.jpg" alt="" width="650" /></a><br />
Auch wird im Jahresabschluss 2010 der Deutschen Telekom AG eine Kapitalflussrechnung (Cashflow-Statement) gezeigt</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Telekom3.jpg"><img title="Telekom3" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Telekom3.jpg" alt="" width="650" /></a></p>
<p>Man sieht, dass man auch bei einem gro&#223;en Konzern mit 250.000 Mitarbeitern sein finanzielles Ergebnis in kaufm&#228;nnischer Buchf&#252;hrung ordentlich darstellen kann.</p>
<h3><strong>E-Bilanz</strong></h3>
<p>Und weil das so sch&#246;n funktioniert mit dem Abschluss nach dem HGB f&#252;r alle gleich und mit <a href="https://www.elster.de/">ELSTER</a> f&#252;r die Einkommensteuer und die Umsatzsteuervoranmeldung, hat der Staat gesagt, da setzt ich ich noch einen drauf: seid so nett und schickt mir Eure Bilanzen elektronisch: <a href="http://www.bundesfinanzministerium.de/DE/Wirtschaft__und__Verwaltung/Steuern/001-e-Bilanz.html">E-Bilanz</a>. Damit ich die Steuerfestsetzungen mit IT unterst&#252;tzen kann und alle Bilanzen in ein Datawarehouse packen kann, um auff&#228;llige Besonderheiten automatisch ermitteln zu lassen. Finde ich toll. B&#252;rokratieabbau und Chance zur Effizienzerh&#246;hung. Sogar ohne Qualsignatur.  Manche sagen, dass mit den Abweichungen vom HGB und dem elektronischen Anschluss an alle Finanzbuchhaltungen der Wirtschaft ein Milliardenaufwand entsteht (siehe heise: <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wirtschaft-wettert-gegen-Einfuehrung-der-E-Bilanz-1325333.html">Wirtschaft wettert gegen Einf&#252;hrung der E-Bilanz</a>). Wieder andere sagen, dass die zus&#228;tzliche Datenerhebung ein erheblicher B&#252;rokratieaufbau (<a href="http://www.muenchen.ihk.de/mike/WirUeberUns/Anhaenge/IHK-Position-E-Bilanz-Maerz-2011.pdf">178 Pflichtfelder statt 23</a>) darestelle und ein Totalr&#252;ckzug wie bei <a href="http://www.das-elena-verfahren.de/">ELENA</a> drohen k&#246;nnte. Aber der Ansatz, standardisierte Verfahren bundeseinheitlich elektronisch abzuwickeln, ist m.E. der richtige.</p>
<p>Nun k&#246;nnte man denken, der Staat wei&#223; als Gesetzgeber exakt, wie man ordentlich kaufm&#228;nnische Buchf&#252;hrung erbringt, Rechnung legt und Transparenz schafft. Man k&#246;nnte denken, dann schauen wird dort nach, was er mit unseren Steuern gemacht hat, wo wir Eigent&#252;mer und Kunde zugleich sind. Weit gefehlt. Sehr weit gefehlt.</p>
<h3><strong>Kameralistik</strong></h3>
<p>Der Begriff <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kameralistik">Kameralistik</a> leitet sich ab von der Kammer, in der die Schatztruhe steht. Auch der Schatzmeister (englisch Treasurer) und der K&#228;mmerer haben ihren Namen daher. Die kameralistische Buchf&#252;hrung wurde erst nach der kaufm&#228;nnischen entwickelt. Sie zeigte sich erstmals 1762 durch den &#246;sterreichischen Hofrat Puechberg.</p>
<p>Der Haushalt besteht aus einem Verwaltungshaushalt (Einnahmen und Ausgaben) und einem Verm&#246;genshaushalt (Verm&#246;gen und Schulden). Wesentlicher Unterschied zur kaufm&#228;nnischen Buchf&#252;hrung ist, dass Ein- und Auszahlungen nicht periodengerecht abgegrenzt werden (z.B. gehen bei der kaufm&#228;nnischen Buchf&#252;hrungen Auszahlungen f&#252;r eine Leistung, die in der n&#228;chsten Periode erbracht werden, als Aufwand in die n&#228;chste Periode nicht in die aktuelle). Auch wird der Ressourcenverbrauch  nicht periodengerecht abgebildet (z.B. werden Abschreibungen (Minderung des Verm&#246;genswertes)  nur im Verm&#246;genshaushalt abgebildet, w&#228;hrend der ordentliche Kaufmann sie auch Aufwendung in der GuV zeigt). Der Staat f&#252;hrt seine B&#252;cher also wie der Unternehmer, der wegen seiner geringen Ums&#228;tze nur eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Einnahmen%C3%BCberschussrechnung">Einnahme&#252;berschussrechnun (E&#220;R)</a> durchf&#252;hrt. Fr&#252;her gab es daf&#252;r die Bezeichnung Minderkaufmann im HGB:</p>
<blockquote><p>§ 4  Minderkaufmann</p>
<p>(1) Die Vorschriften &#252;ber die Firmen, die Handelsb&#252;cher und die Prokura finden keine Anwendung auf Personen, deren Gewerbebetrieb nach Art oder Umfang einen in kaufm&#228;nnischer Weise eingerichteten Gesch&#228;ftsbetrieb nicht erfordert.</p></blockquote>
<p>Der Minderkaufmann ist im HGB ersatzlos gestrichen worden, aber der Staat f&#252;hrt sein B&#252;cher noch wie selbiger.</p>
<p>W&#228;hrend der Kaufmann sein externes Rechnungswesen nur im Nachhinein offenbaren und je nach Gr&#246;&#223;e testieren muss und er zur Budgetierung nicht verpflichtet ist, steht bei der &#246;ffentlichen Hand der Haushaltsplan im Vordergrund. Lustvoll wird der Haushalt aufgestellt und &#252;ber die H&#246;he der Neuverschuldung im politischen Raum gestritten. In den USA ist es im Bundesbudget &#252;blich, dass nur 50% der Ausgaben durch Einnahmen gedeckt sind, der Rest wird durch neue Schulden bezahlt. Das f&#252;hrte nun zur Abwertung der Kreditw&#252;rdigkeit von AAA auf AA- (siehe <a href="http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:us-schuldendebakel-s-p-wird-usa-das-aaa-jahrelang-verweigern/60088694.html">Financial Times Deutschland</a> “S&amp;P wird USA das “AAA” jahrelang verweigern. Die Ratingagentur erwartet f&#252;r eine bessere Bonit&#228;tsbewertung eine sinkende Schuldenlast bis 2021″) und damit zur Verteuerung von Zinsen. In Deutschland ist die Kreditw&#252;rdigkeit noch hoch, die Zinsen niedrig, also wird noch lustig weiterverschuldet.</p>
<p>Der Haushaltsplan wird in Kapiteln und Titeln mit hoher Detailtiefe aufgestellt  und man verliert die &#220;bersicht, wie die Verschuldung steigt und welche Pensionslasten man sich durch die Auszahlungen einhandelt (in einem Land mit abnehmender Bev&#246;lkerung steigende Pensionslasten und Schulden aufzub&#252;rden ist katastrophal). Der Haushaltsvollzug ist dann weniger interessant, es sei denn, die neuen Schulden reichen immer noch nicht aus, um die Ausgaben zu decken, dann kommt es zu Nachtragshaushalten. Die Haushaltsrechnung wird nicht von allen Gebietsk&#246;rperschaften in ein zentrales Register gemeldet wie bei dem elektronischen Bundesanzeiger f&#252;r alle Unternehmen der Wirtschaft (ohne “Minderkaufleute”). Man muss sie verstreut &#252;ber die ganze Republik &#252;ber alle Ebenen (Bund, L&#228;nder, Kommunen) suchen. Dennoch findet man sie manchmal auch elektronsich wie hier am Beispiel des <a href="http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_28274/DE/Wirtschaft__und__Verwaltung/Finanz__und__Wirtschaftspolitik/Bundeshaushalt/Haushalts-und-Vermoegensrechnung/Haushaltsrechnung_202010,templateId=raw,property=publicationFile.pdf">Bundes f&#252;r 2010 (Seite2)</a> gezeigt wird:</p>
<h3><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Bund2010.jpg"><img title="Bund2010" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Bund2010.jpg" alt="" width="641" height="340" /></a></h3>
<p>Schnell ist zu erkennen, dass die Neuverschuldung 36 Mrd. € geringer ausgefallen ist als vom Finanzminister geplant, aber 10 Mrd. € mehr als 2009. Und f&#252;r 11,4% der Ausgaben hat der Bund keine Einnahmen sondern leiht sich Geld. Im Gegenteil. Ende 2009 beschloss er, leistungslos den Hoteleigent&#252;mern jedes Jahr eine Milliarde € zu schenken durch Herabsetzung der Mehrwertsteuer f&#252;r einen Teil des Umsatzes diese Betriebe.</p>
<p>Weiter unten erf&#228;hrt man dann, dass f&#252;r das Verteidigungsministerium 32 Mrd. € und f&#252;r die Bundesschuld 34 Mrd. € ausgegeben wurden. Man erf&#228;hrt nicht, wie das Verteidigungsministerium eine Umstrukturierung ohne Bedrohungsanalyse machen konnte, wie kritisch reflektiert wird, dass die Bundeswehr seit 10 Jahren sieglos in Afghanistan ist oder warum immer noch Panzer in der L&#252;neburger Heide fahren, obwohl die nur in Saudi-Arabien zur Bek&#228;mpfung von B&#252;rgern gebraucht werden. Man erf&#228;hrt nur, wie die Abweichung von Ist zu Soll sich entwickelt hat. Nicht ausgewiesen wird aber wie in der einfachen Bilanz des HGBs, wie sich Schulden und Pensionslasten entwickelt habenim Vergleich zu Vorperiode. Eine Konzernbilanz, in der auch alle Beteiligungen des Bundes konsolidiert w&#228;ren, gibt es auch nicht. Aber man erf&#228;hrt in gro&#223;er Detailtiefe auf fast 1.500 Seiten spannende Dinge wie z.B. dass die Pensionszahlungen an ehemalige Bedienstete der Deutschen Z&#252;ndwaren-Monopolgesellschaft 26.251,09 € weniger ausmachten als geplant.</p>
<p>Zusammenfassend kann man sagen, dass dieses Rechenwerk nicht geeignet ist, um dem Eigent&#252;mer (dem B&#252;rger) Rechenschaft &#252;ber wesentliche Ergebnisse der T&#228;tigkeit zu geben oder dem Gl&#228;ubiger Aussichten &#252;ber die Kreditw&#252;rdigkeit zu geben. Zum Steuern eignet sich das Rechenwerk auch nicht, da wesentliche Dinge fehlen (wie die Entwicklung der Verschuldung). Gerade noch erkennbar ist, dass es auch 2010 nicht gelungen ist, eine Trendumkehr in Richtung Schuldenbremse oder gar ausgeglichenen Haushalt zu erwirken, sondern im Gegenteil die Verschuldung beschleunigt stiegt.</p>
<h3><strong>Neues Steuerungsmodell (NSM) / New Public Management (NPM)</strong></h3>
<p>In den 1980er Jahren schwappten neoliberale Reformwellen durch den angloamerikanischen Raum. Reagan und Thatchter wollten die ausufernde Staatsverschuldung eind&#228;mmen und die Steuern (insbesondere f&#252;r die Reichen) senken. Dem Taylorismus und der Weber’schen B&#252;rokratisierung setzten sie eine Verschlankung des Staates, eine Privatisierung von Staatst&#228;tigkeiten (Bahnen und Busse, Post, Telekommunikation, Wasser, Strom, M&#252;ll<strong>, </strong>usw.) und eine &#196;nderung des Managementstils entgegen. Clinton und Blair setzten das fort, in einigen anderen L&#228;ndern setzte man darauf auf wie der Schweiz oder Neuseeland. Das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/New_Public_Management">New Public Management</a> in Neuseeland wurde auch Vorbild f&#252;r das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Neues_Steuerungsmodell">Neue Steuerungsmodell</a> (NSM) in Deutschland.</p>
<p>Bis auf die Umverteilung von unten nach oben scheiterten fast alle Reformbem&#252;hungen: die &#246;ffentliche Infrastruktur verrottet (Unf&#228;lle im Schienenverkehr um London, in New Orleans brechen die Deiche), die Gesundheitswesen sind weiter reformbed&#252;rftig, die &#246;ffentliche Verschuldung ist rasant gestiegen  (auch durch enthemmte Kriege von Reagan, Thatcher, Clinton, Blair). Allein beim Managementstil hat es leichte &#196;nderungen ergeben.</p>
<p>F&#246;rdert die Kameralistik einen Hang zum reinen Liquidit&#228;tsmanagement, so zeigt die Doppik besser den tats&#228;chlichen Ressourcenverbrauch. Aber anstatt einfach das Jahrhunderte lang bew&#228;hrte Rechnungswesen des HGBs auch anzuwenden und wie die Wirtschaft darauf basierend einen Budgetierungsprozess zu f&#252;hren, erbastelte man sich kunstvolle theoretische L&#246;sungen, die nirgends auf der Welt Evidenz gezeigt hatten (im Gesundsheitswesen ist es v&#246;llig undenkbar, unbewiesene Medizin ohne Evidenz einzusetzen und von den Versicherten bezahlen zu lassen, aber in der Politik geht das). So wurde das externe Rechnungswesen um ein internes Rechnungswesen erg&#228;nzt. Man baute eine nicht standardisierte KLR (Kosten- und Leistungsrechnung) und setzte daraus abgeleitete Produkte auf. Also zum Beispiel als Produkt: ein Kitaplatz f&#252;r einen Monat, 1 km Stra&#223;e oder die Betreuung eines Gefangenen im Knast f&#252;r ein Jahr. Dann glaubte man, dass kamerale Haushaltspolitiker, die vorher in den Mysterien der Kapitel und Titel der Ein- und Auszahlungen wie ein Minderkaufmann gepokert hatten, nun rational w&#252;rden und der Verwaltung vorgeben w&#252;rden, welche Produkte sie zu produzieren h&#228;tte und welche Ressourcen daf&#252;r insgesamt eingesetzt werden d&#252;rften. Das ging f&#252;rchterlich in die Hose.</p>
<p>Mittlerweile gibt es Gutachten oder Meinungen, die sagen, dass die Einf&#252;hrung des NSM/NPM keine Verbesserung gebracht hat, sondern eine Aufbl&#228;hung der B&#252;rokratie ohne die zugeh&#246;rigen Effizienzgewinne (<a href="http://www.sowi.rub.de/mam/content/regionalpolitik/evaluation_kommunaler_verwaltungsmodernisierung.pdf">Bogumil</a>, <a href="http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/joerg.bogumil/Downloads/Tagung/TagungSept04Hoerrmann.pdf">H&#246;rrmann</a>).</p>
<p>Manche Kritiker sagen, dass die Gr&#252;nde f&#252;r das Scheitern daran l&#228;gen, dass der Staat nun mal die Zielsetzung h&#228;tte, sich am Gemeinwohl zu orientieren statt am Gewinn wie die Wirtschaft. Das mag dem Zweck dienen, erkl&#228;rt aber nicht die Unf&#228;higkeit, bew&#228;hrte Werkzeuge zu benutzen. Der Staat nutzt auch die gleichen Fahrzeuge, Computer, Wasserversorgungen, Immobilien wie die Wirtschaft. Warum soll ein Rechnungsstil f&#252;r das Gemeinwohl anders aussehen? Kameralistik verhindert &#220;berschuldung nicht besser als Doppik. Selbst die neoliberalen, angloamerikanischen  Vorreiter mussten Abstufungen bei den Ratings von AAA auf AA- hinnehmen (z.B. USA oder Stadt Mailton in Neuseeland). Aber nicht wegen der Doppik, sondern wegen der Beteiligung an beutelosen Kriegen auf Schulden.</p>
<p>Die Governance-Struktur der gro&#223;en Entit&#228;ten ist nicht anders als die des Staates: Cer Aktion&#228;re-Hauptversammlung-Vorstand ist nicht weit entfernt von der B&#252;rger-Parlament-Regierung.</p>
<p>Die Ursachen f&#252;r die mangelhafte Umsetzungsf&#228;higkeit m&#252;ssen also woanders liegen.</p>
<h3><strong>Chaos in Bund, Land und Gemeinden<br />
</strong></h3>
<p>Erinnern wir uns daran, dass das HGB f&#252;r alle Kaufleute im gesamten Bundesgebiet gleich gilt. Nun k&#246;nnte man meinen, dass der selbe Gesetzgeber mit dessen f&#246;deralen Strukturen dieses HGB entstanden ist, auch f&#252;r sich selbst &#228;hnliche Strukturen aufsetzt, weil sie sich bew&#228;hrt haben. Wie aber sieht es aus?</p>
<p>Die Innenminister der L&#228;nder f&#252;hren in den Bundesl&#228;ndern die Kommunalaufsicht.  Am 21.11.2003 beschloss die Innenministerkonferenz, die Kameralistik um die Doppik zu erg&#228;nzen. Neben dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Haushaltsgrunds%C3%A4tzegesetz">Haushaltsgrunds&#228;tzegesetz</a> wurden die Gemeindeordnungen ge&#228;ndert, um f&#252;r die &#246;ffentlichen Verwaltungen mehr Kostentransparenz, Kostenvorteile und effizienteres Arbeiten zu erzielen. Bis sp&#228;testens 2012 sollte die Umstellung abgeschlossen sein. So hei&#223;t es im <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/hgrg/__1a.html">Haushaltsgrunds&#228;tzegesetz</a>:</p>
<blockquote><p>§ 1a Haushaltswirtschaft</p>
<p>(1) Die Haushaltswirtschaft kann in ihrem Rechnungswesen im Rahmen der folgenden Vorschriften kameral oder nach den Grunds&#228;tzen der staatlichen doppelten Buchf&#252;hrung nach § 7a (staatliche Doppik) gestaltet werden. Die Aufstellung, Bewirtschaftung und Rechnungslegung des Haushalts kann gegliedert nach Titeln, Konten oder Produktstrukturen (Produkthaushalt) erfolgen.</p></blockquote>
<p>Hier wurde der Grundstein f&#252;r das Chaos gelegt. Einige Bundesl&#228;nder f&#252;hrten ihre Kommunen stringent zur Doppik, z.B. NRW mit dem Neuen Kommunalen Finanzwesen. Andere gaben den Rechnungsstil f&#252;r ihre Kommunen frei (Bayern, Th&#252;ringen). Andere sagten, bis 2016 reicht auch (Baden-W&#252;rttemberg). Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen und solch ein Chaos in der Wirtschaft sich vorstellen: Daimler in Stuttgart legt kameral Rechnung, Evonik in Essen nach HGB und Otto in Hamburg vielleicht nur nach US-GAAP? Und es gibt keine zentrale Stelle, wo man alle Jahresabschl&#252;sse der Kommunen online nachlesen kann wie im E-Bundesanzeiger?</p>
<p>Auch auf L&#228;nderebene herrscht Chaos: Hamburg und Hessen legen kaufm&#228;nnisch Rechnung und hatten den Mut, ein erhebliches negatives Eigenkapital in der Er&#246;ffnungsbilanz auszuweisen. Dagegen sieht Berlin seit langem keinen Anlass, auf die Kameralistik zu verzichten (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thilo_Sarrazin">Sarrazin</a>), weder f&#252;r das Land, noch f&#252;r die kommunalen Bezirke. Schlimmer noch: in Berlin war man nach Angaben des Rechnungshofes nicht mal in der Lage, kameral richtig zu buchen, sondern griff in die unterliegende Datenbank der Haushaltsanwendung ein, um <a href="http://www.berlin.de/imperia/md/content/rechnungshof2/jahresbericht2002.pdf">Buchungen zu “korrigieren”</a> . NRW m&#252;ht sich ab und schleppt sich seit Jahren mit EPOS herum.</p>
<p>Beim Bund weigert man sich, eine Doppik einzuf&#252;hren. Das Projekt Modernisierung des Haushalts- und Rechnungswesens – <a href="http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_4314/DE/Wirtschaft__und__Verwaltung/Finanz__und__Wirtschaftspolitik/Projekt-MHR/node.html?__nnn=true">MHR</a> sieht keinen Nutzen, dass Staat und Wirtschaft gleich Rechnung legen. ” (Siehe auch: Volker Oerter: “<a href="http://www.government2020.de/blog/?p=219">Reformflaute im Bundestag? Stillstand beim Projekt „MHR“</a>“.) Die positiven Beispiele von Post, Telekom und Bahn, die von kameraler auf kaufm&#228;nnische Buchf&#252;hrung umgestellt haben, beeindrucken nicht.</p>
<p>So sah dann 2008 der chaotische Flickenteppich ungef&#228;hr so aus:</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Reformstand20081.jpg"><img title="Reformstand2008" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Reformstand20081.jpg" alt="" width="650" /></a>Detaillierter, aktueller  und nach L&#228;ndern und Kommunen differenzierter ist der Flickenteppich auf <a href="http://www.haushaltssteuerung.de/dokumente/auf-einen-blick-haushaltsreformen-in-deutschland.pdf">Haushaltssteuerung.de</a> dargestellt.</p>
<p>Zusammenfassend kann man feststellen, dass in Bund, L&#228;ndern und Gemeinden ein Wirrwarr vorn Rechnungsstilen herrscht. Anders als in der Wirtschaft entzieht man sich systematisch der Vergleichbarkeit, verhindert man aktiv Transparenz, in dem man es unterl&#228;sst, die Berichte des Wirtschaftens mit Steuergeldern zentral zu hinterlegen wie es die Wirtschaft im elektronischen Bundesanzeiger tut.</p>
<h3><strong>Wir k&#246;nnen auch anders</strong></h3>
<p>Die Freie und Hansestadt Hamburg zeigt, das es auch anders geht. Zum 1.1.2006 wurde eine <a href="http://www.hamburg.de/geschaeftsberichte/23796/start-eb-2006.html">Er&#246;ffnungsbilanz</a> vorgelegt und <a href="http://www.hamburg.de/geschaeftsberichte/23794/start.html">seither kaufm&#228;nnisch Rechnung</a> gelegt. Seit <a href="http://www.hamburg.de/860992/start.html">2007</a> wird auch eine Konzernbilanz ver&#246;ffentlicht. Werfen wir einen Blick in den <a href="http://www.hamburg.de/contentblob/2620718/data/geschaeftsbericht-2009.pdf">Gesch&#228;ftsbericht 2009</a>:</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Hamburg-GuV1.jpg"><img title="Hamburg-GuV1" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Hamburg-GuV1.jpg" alt="" width="520" height="508" /></a><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Hamburg-GuV2.jpg"><img title="Hamburg-GuV2" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Hamburg-GuV2.jpg" alt="" width="516" height="291" /></a></p>
<p>Was sagen uns die Zahlen aus der GuV? Zun&#228;chst einmal hat Hamburg 2009 ein Konzernbilanzergebnis von -3,376 Mrd. € bei 15,3 Mrd € Ertr&#228;gen.  F&#252;r die Abschreibungen von 1,5 Mrd € m&#252;sste eigentlich investiert werden, um den Wert der Anlagen zu erhalten, was nach Auskunft des Hamburger Rechnungshofes zu wenig geschieht (siehe: “<a href="http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article13529583/Rechnungshof-Stadt-droht-zu-verfallen.html">Rechnungshof: Stadt droht zu verfallen</a>“). Aber 1,2 Mrd. € werden f&#252;r Zinsen aufgewendet. Das ist grauenhaft. Aber es kommt in der Bilanz noch schlimmer.</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Hamburg-Passiv.jpg"><img title="Hamburg-Passiv" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Hamburg-Passiv.jpg" alt="" width="606" height="456" /></a></p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Hamburg-Passiv.jpg"></a>Das Eigenkapital, das bei der Er&#246;ffnungsbilanz im Januar 2006 des Kernunternehmens noch 35 Mrd. € betrug ist vollst&#228;ndig aufgezehrt (da keine Einlagen von “Aktion&#228;ren” oder “Gesellschaftern” geleistet wurde, wurde in der Er&#246;ffnungsbilanz das Eigenkapital als Saldo von Verm&#246;gen abz&#252;glich Sonderposten, R&#252;ckstellungen und Verbindlichkeiten mit 4 Mrd. € errechnet, bei der ersten Konzernbilanz 2007 betrug es 2,7 Mrd. €). Die Pensionsr&#252;ckstellungen betragen auch schon 20 Mrd. €.</p>
<p>Nun waren die Jahre 2008 und 2009 wegen der Weltfinanzkrise gerade f&#252;r Kommunen katastrophal. Dennoch sind die Strukturen der Bilanz und der GuV schrecklich und man sieht ohne viel Detailkenntnisse, dass hier was ge&#228;ndert werden muss. Es ist dem Hamburger Senat hoch anzurechnen, dass er in hanseatischer Kaufmannstradition die Zahlen klar und wahr auf den Tisch legt und nicht den B&#252;rger mit 1.500 Seiten Papier kameral den Blick vernebelt. In 2010 und 2011 hat sich die Situation wegen der guten Wirtschaftslage wieder etwas entspannt.</p>
<p>Die Hamburger sagen von sich, dass sie von der Gr&#246;&#223;e her wie ein mittlerer DAX-Konzern sind. Vergleicht man die Zahlen mit denen der Telekom AG oben sieht man, dass die Gr&#246;&#223;enordnungen stimmen.</p>
<h3><strong>Erbarmen, die Hessen kommen!</strong></h3>
<p>Zum 1.1.2009 hat das <a href="http://www.hessen.de/irj/HMdF_Internet?cid=6bc7b48a4eb023087732b0bd03627609">Bundesland Hessen eine Er&#246;ffnungsbilanz</a> vorgelegt. Roland Koch hatte den Mut, 58 Mrd. € negatives Eigenkapital auszuweisen. Begr&#252;ndet wird die hohe negative Differenz von Verm&#246;gen zu Kapital u.a. damit, dass sich die Investitionen in Bildung beim Land durch den Personalaufwand nicht aktivieren lassen (w&#228;hrend Kommunen ihre Schulen im Verm&#246;gen f&#252;hren). So sind denn auch die R&#252;ckstellungen f&#252;r Pensionen mit 40 Mrd. € in &#228;hnlicher Gr&#246;&#223;enordnung wie die Verbindlichkeiten mit 42 Mrd. €.<strong> </strong></p>
<p>Die <a href="http://www.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HMdF_15/HMdF_Internet/med/739/73970eca-86dd-0521-79cd-aae2389e4818,22222222-2222-2222-2222-222222222222,true">Einf&#252;hrung der Doppik</a> ist in Hessen sehr umfassend (was auch zu einem Einf&#252;hrungsaufwand von &#252;ber 250 Mio € gef&#252;hrt hat). Es wird nicht nur f&#252;r das gesamte Land eine Bilanz erstellt , sondern jedes Ressort macht einen eigenen Abschluss, was das Land dann konsolidiert. Bereinigt wurden bei der Einf&#252;hrung auch Unstimmigkeiten im kameralen Haushalt wie die Tatsache, dass die Ausweisungen in den IT-Titeln nur die H&#228;lfte des gesamten IT-Umsatzes des landeseigenen IT-Dienstleisters auswiesen und der Rest irgendwo im Haushalt versteckt war. Im dpooischen Konzernrechnunsgwesen geht diese Intransparenz nicht mehr.<strong> </strong></p>
<p>Die Zahlen zeigen, dass Hessen immer noch nicht aus der Verschuldungsfalle heraus ist, aber man hat nun das Instrumentarium, um Eigent&#252;mern (B&#252;rgern) und Gl&#228;ubigern die Verh&#228;ltnisse klar darzulegen. Im August 2011 hat Hessen erneut eine <a href="http://www.hmdf.hessen.de/irj/HMdF_Internet?rid=HMdF_15/HMdF_Internet/nav/836/8363e869-0668-a01a-3b21-7197ccf4e69f,da729731-6a1d-131f-012f-31e2389e4818,,,11111111-2222-3333-4444-100000005004%26_ic_uCon_zentral=da729731-6a1d-131f-012f-31e2389e4818.htm&amp;uid=8363e869-0668-a01a-3b21-7197ccf4e69f">Anleihe aufgelegt</a> und bekommt wegen des S&amp;P Ratings von AA ertr&#228;gliche Konditionen von 3% Zinsen durchgesetzt, anders als zum Beispiel Spanien.<strong><br />
</strong></p>
<h3><strong>Ein Wort zu Ratings</strong></h3>
<p>Hier soll noch kurz auf Ratings eingegangen werden. Die Bonit&#228;t von Schuldnern muss gemessen werden. Banken m&#252;ssen ihre Gl&#228;ubiger nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Basel_II">Basel II</a> raten, weil von der Bonit&#228;t der Schuldner die Kosten f&#252;r die Kredite bei der Refinanzierung der Banken bei den Zentralbanken (also der Gelddruckpresse) abh&#228;ngt. Dieses interne Rating der Banken kann auch extern erfolgen. Dazu gibt es private Ratingagenturen. Diese sind umstritten, zumal auch Ratinganpassungen Krisen versch&#228;rfen k&#246;nnen. Aber die internationalen Gesetzgeber haben nicht mal die Finanzkrise 2008 dazu genutzt, wenigstens f&#252;r die staatlichen Schuldner gesetzliche Ratingverfahren zu etablieren. Also muss man, so lange der Staat Nachtw&#228;chter spielt und keinen weckt, mit den M&#228;ngeln der privaten Ratingagenturen leben.</p>
<p>Die Ratings sind wie Schulnoten. Bei gute Noten zahlt man wenig Zinsen, bei schlechten, kann es passieren, dass einem keiner Geld leiht. Die gro&#223;en Agenturen haben unterschiedliche Noten, lassen sich aber ineinander &#252;berf&#252;hren, wie die Tabelle aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ratingagentur">Wikipedia</a> zeigt:</p>
<p><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Ratings-wikipedia1.jpg"><img title="Ratings-wikipedia" src="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/wp-content/uploads/2011/08/Ratings-wikipedia1.jpg" alt="" width="650" /></a></p>
<p>Nun sollte man die einzelnen Ratings nicht &#252;berbewerten. Schlimm aber ist der Trend. In den gro&#223;en L&#228;ndern des Westens bekommen wir demographische Probleme (abnehmende Bev&#246;lkerung) und wir schaffen es nicht, den Trend zu brechen, die Staatsverschuldung steigen zu lassen, die immer weniger Menschen mit haupts&#228;chlich Mehrwert- und Einkommenssteuer zu bezahlen haben. Dementsprechend wurde nach dem Haushaltszirkus, den Obama mit seinen beiden Kammern veranstaltet hat, das Rating von AAA auf AA- herabgesetzt. Japan ist schon auf Aa3 gesunken. Griechenland ist auf Junk-Level (Schrott). Bund und Berlin haben noch AAA, aber Hamburg (AA-) und Hessen (AA) haben Federn gelassen. Hier sieht der B&#252;rger in drei Buchstaben, wie mit seinem Geld gewirtschaftet wird. Und das ist keine lokale Besonderheit, sondern ein Trend in der westlichen Gesellschaft.</p>
<p>Manche Leute (z.B. der <a href="http://www.deweles.de/files/mathematik.pdf">Wirtschaftsmathematiker J&#252;rgen Kremer</a>) sagen, dass wir unser gesamtes Wachstum daf&#252;r verbrauchen, die steigende Zinslast f&#252;r unsere Staatsverschuldung zu tragen, sodass f&#252;r Reallohnsteigerungen keine Masse mehr bleibt. Die Verschuldung ist also aktive Umverteilungspolitik, die, wie man in den USA sieht, auch nicht funktioniert. Hier ist also Handlungsbedarf.</p>
<h3><strong>Ein Wort zur technischen Umsetzung</strong></h3>
<p>Ein Blick auf die technische Umsetzung wirft einen erhellenden Blick auf die Verschwendung von Steuergeldern. Steuerberater, die die Buchf&#252;hrung f&#252;r Mandaten &#252;bernehmen, stehen vor dem Problem, dass ein Teil der Mandatschaft eine kaufm&#228;nnische Buchf&#252;hrung braucht, w&#228;hrend ein anderer Teil mit der trivialeren Einnahme-&#220;berschussrechnung (E&#220;R) auskommt, also kameral bucht. Steuerberater l&#246;sen das dadurch, dass sie grunds&#228;tzlich kaufm&#228;nnisch buchen mit einem angemessenen Kontenrahmen (z.B. SKR03 oder SKR04 der <a href="http://www.datev.de/">DATEV</a>) und auf Knopfdruck zum Schluss die E&#220;R ausdrucken und die notwendigen Umsatzsteuervoranmeldungen elektronisch zu den Finanzbeh&#246;rden &#252;bermitteln. Die Software dazu ist preisg&#252;nstige Standardsoftware, die in tausenden von Unternehmen eingesetzt wird.</p>
<p>So sehen es auch die gro&#223;en Finanzbuchhaltungen f&#252;r die &#246;ffentliche Hand vor. SAP bucht unten im System immer kaufm&#228;nnisch (R/3-FI) und zeigt die Ergebnisse in einem Zusatzmodul bei Bedarf in einer Branchenl&#246;sung (<a href="http://www.sap.com/germany/industries/publicsector/featuresfunctions/key_rechnung.epx">IS-PS</a>) auch kameral &#8211; gegen kleinen Zusatzaufwand auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Bei der <a href="http://www.mach.de/tl_files/pdf/unternehmen/Produktfolder-Allgemein.pdf">MACH AG</a> hei&#223;t es: &#8220;Kameralistik und Doppik k&#246;nnen bei einmaliger Belegerfassung parallel und ohne technische oder funktionale Br&#252;che betrieben werden.” Ebenso ist es bei Unit4Agresso mit den Produkt <a href="http://www.unit4agresso.de/produkte/profiskal">ProFiskal </a>und <a href="http://www.unit4agresso.de/produkte/kirp">KIRP</a>.</p>
<p>H&#228;ufig wird erw&#228;hnt, dass nicht der R&#252;ckblick im Vordergrund st&#252;nde, sondern die Budgetierung. Offenbar nimmt man an, dass Siemens oder GE ihre Konzerne ohne Planung und Budgetierung fahren w&#252;rden.</p>
<h3><strong>Geht es noch (weiter)?</strong></h3>
<p>Eine Frage, die nun im Raum steht, ist, ob der Staat sich weiter die Bl&#246;&#223;e gibt, dass er einerseits einheitlich fl&#228;chendeckend f&#252;r Eigent&#252;mer, Gl&#228;ubiger, Steuerbeh&#246;rden und interessierte &#214;ffentlichkeit eine kaufm&#228;nnische Buchf&#252;hrung nach dem HGB durchsetzt und es nicht schafft, f&#252;r sich selbst ebenso klar und wahr zu handeln und sich hinter Scheindiskussionen versteckt. Volker Oerter nennt es die “<a href="http://www.government2020.de/blog/?p=827">Kraft des Aussitzens</a>“. M&#246;glicherweise aber steckt mehr dahinter, als einfach nur der b&#246;se Wille, sich nicht &#228;ndern zu wollen und unendliche Schulden intransparent bis zum Staatsbankrott wie Eduard III ohne R&#252;cksicht auf Verluste und ohne R&#252;cksicht auf die Nachfahren aufzut&#252;rmen. M&#246;glicherweise steckt auch systematische Reformunf&#228;higkeit dahinter.</p>
<p>Wir haben in mehreren Bereichen ein &#228;hnliches Muster: Der Leidensdruck ist hoch genug, wir wollen etwas neu machen, wir wollen es besonders gut, besonders deutsch machen und packen uns so voll, dass wir bei der Umsetzung zusammenbrechen. So war es im <a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/2011/08/02/e-government-quo-vadis/">E-Government</a>: wir wollten es anders als andere Staaten mit Hardware (Signaturkarten, neuem Personalausweis, usw.) besonders gut machen und scheiterten. Wir schaffen es nicht einmal, unserer Wirtschaft ein zentrales, bundesweites <a href="http://zmr.bmi.gv.at/">Melderegister wie in &#214;sterreich</a> zur Verf&#252;gung zu stellen, damit wir Post bei falscher Adresse nachschicken k&#246;nnen. In Berlin dauert die Auskunft offline im B&#252;rgerb&#252;ro eine Stunde, aber <a href="http://www.berlin.de/labo/einwohnerwesen/dienstleistungen/privatauskunft.php">online acht Woche</a>n (!). Und es gibt nicht mal ein schlechtes Gewissen, das &#246;ffentlich zu gestehen.</p>
<p>Bei E-Health sind wir &#228;hnlich grandios gescheitert. Wieder stand eine Chipkarte im Vordergrund (die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheitskarte">Gesundheitskarte</a>, die zum 1.1.2006 eingef&#252;hrt werden sollte). Und wieder ist nichts draus geworden. F&#252;nf Jahre nach dem Termin gibt es den Fl&#228;chen-Rollout der Karte noch nicht und selbst die nur denkbaren (nicht mal realisierten) Anwendungen sind auf Pipifax zusammengeschrumpft (Adresspflege f&#252;r die Krankenkassen durch einen Mediziner).</p>
<p>Es scheint eher, dass wir Probleme mit dem Projektmanagement haben. Vielleicht w&#228;re es ratsamer, kleinere, &#252;berschaubarere, lieferbare Schritte zu planen und dann erst den n&#228;chsten zu machen, wenn der vorige gelungen ist. Vielleicht w&#228;re es f&#252;r die Doppik sinnvoller, dass der Staat endlich auch wie die Wirtschaft in kaufm&#228;nnischer Buchf&#252;hrung darstellt und wenn wir dann in zehn Jahren sehen &#8211;  wenn das alle haben -, wie sich Pensionsverpflichtungen und Schulden bei sinkender Bev&#246;lkerung entwickeln, dann k&#246;nnen wir eine Kosten- und Leistungsrechnung andenken, vielleicht auch mal schauen, ob jemand bewiesen hat, dass man mit Produkten steuern kann. Aber andersherum, das Pferd von hinten aufz&#228;umen, geht mit unserer Verwaltung nicht. Und mit anderen normalen Menschen auch nicht. Oder k&#246;nnen Sie sich vorstellen, wir geben per Gesetz die Buchhaltungsstile f&#252;r die Wirtschaft frei und fordern nur eine KLR und der Unternehmer solle aufstellen, wie teuer seine Produkte seien?</p>
<h3><strong>Ausblick</strong></h3>
<p>Vielleicht w&#228;re es ein erster Schritt, wenn wir offen zugeben w&#252;rden, dass die Konzepte der Neoliberalen a la Reagan, Thatcher und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chicago_Boys">Chikago-Boys</a> gescheitert sind (mit den Ergebnissen: zu hohe Staatsverschuldung, zu geringes Wachstum, zu hohe Arbeitslosigkeit) und die bisher empirisch nicht gesicherten Steuerungsmodelle zu komplex sind, um gelebt werden zu k&#246;nnen und zu wenig Besserung bringen.</p>
<p>Es gibt ja einzelne Projekte, die versuchen Transparenz zu schaffen. Die Bertelsmann-Stiftung m&#252;ht sich mit dem <a href="http://www.doppikvergleich.de/">Doppikvergleich</a> wenigstens zu verstehen, was von Kommune zu Kommune anders ist und von Land zu Land. Andreas Burth hat auf seinem Server <a href="http://www.haushaltssteuerung.de/">Haushaltssteuerung.de</a> Links zu vielen <a href="http://www.haushaltssteuerung.de/jahresabschluesse-doppik.html">doppischen Jahresabschl&#252;ssen</a> von Gebietsk&#246;rperschaften gesammelt. Und die KGSt hat auch angefangen zu versuchen, mit <a href="http://www.kgst.de/themen/finanzmanagement/betriebswirtschaftliche-instrumente-und-methoden/benchmarking-und-interkommunale-vergleiche.dot">Benchmarks</a> Transparenz zu schaffen.</p>
<p>Aber was h&#228;lt uns denn davon ab, einfach mal wie die Wirtschaft alle Jahresabschl&#252;sse elektronisch auf einen Haufen werfen? Bund, L&#228;nder und Gemeinden, kameral oder doppisch? Jedes Jahr ab in den <a href="https://www.ebundesanzeiger.de/">elektronischen Bundesanzeiger</a> damit. Dann h&#228;tte man auch ein erstes, billige Projekt f&#252;r die <a href="http://blog.zeit.de/open-data/">Open-Data-Welle</a> (siehe z.B. <a href="http://www.government2020.de/blog/?p=698">Herbert Kubicek</a> oder <a href="http://www.gov20.de/raus-aus-der-betaphase-offenes-regieren-und-verwalten-in-deutschland/">Konstantin von Notz</a>), die gerade durch die Szene schwappt. Wir h&#228;tten mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Data">Open Data</a> einen ersten Schritt zu mehr Transparenz. Der B&#252;rger w&#252;sste, was mit seinen Steuern geschehen ist und kann es mit anderen vergleichen. Kleine Br&#246;tchen backen statt gro&#223;er Leuchtt&#252;rme mit Strohfeuer? Einfach so tun, als ob Geld ausgeben und Schulden machen in Staat und Wirtschaft &#228;hnlich seien?</p>
<p>Wie hie&#223; es bei der IBM unter T.J. Watson immer so sch&#246;n? “Think!”</p>
<p>Wer Ideen hat, kann sie einfach als Kommentar eingeben oder mir per Mail schicken: <a href="mailto:wk@wolfgang-ksoll.de">wk@wolfgang-ksoll.de</a>.</p>
<p><em><a href="http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/2011/08/29/doppik/">Crosspost</a></em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4641&amp;md5=22a39ade730b7687d60ebfd2263bf773" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Techno-Religion Apple: The best is yet to come?</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Aug 2011 09:55:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Bovenschulte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Apple]]></category>
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		<description><![CDATA[Der 25. August 2011 markierte – wenn man den diesbez&#252;glichen Schlagzeilen der Presse Glauben schenken will – eine Zeitenwende. Der vom US-Magazin „Fortune“ zum „CEO des Jahrzehnts“ gek&#252;rte Studienabbrecher Steven Paul Jobs verabschiedete sich aus dem Chefsessel des kurzzeitig ...
<br>Beitr�ge zu verwandten Themen:<ol>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2009/12/iphone-android/' rel='bookmark' title='iPhone oder Android: Welche Plattform ist innovativer?'>iPhone oder Android: Welche Plattform ist innovativer?</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der 25. August 2011 markierte – wenn man den diesbez&#252;glichen Schlagzeilen der Presse Glauben schenken will – eine Zeitenwende. Der vom US-Magazin „Fortune“ zum „CEO des Jahrzehnts“ gek&#252;rte Studienabbrecher Steven Paul Jobs verabschiedete sich aus dem Chefsessel des kurzzeitig wertvollsten Unternehmen der Welt – der Apple Inc. Jene Firma, die l&#228;ngst zum Ph&#228;nomen geworden ist und deren Klientel in nahezu jedem zweiten Bericht als „J&#252;nger“ bezeichnet werden, die ihrem Guru Jobs wohl &#252;berall hin folgen w&#252;rden. Und trotz kollektivem Gift-und-Galle-Speiens zeigen erstaunlicherweise auch die &#228;rgsten Konkurrenten von Apple ein gleichsam lemmighaftes Verhalten. Was auch immer der Konzern aus Cupertino anfasst – er markiert damit, wo vorne ist. Und der Markt folgt.</strong></p>
<p>Kein anderes Unternehmen – schon gar nicht eines von diesem Range – wurde (und wird) derart mit seinem Chef gleichgesetzt wie Apple mit Jobs. Nach Gr&#252;ndung, Entwicklung von Lisa &amp; Macintosh, Rauswurf, NEXT-Ausflug, R&#252;ckkehr zu Apple und Rettung der Firma (auch mit einer Finanzspritze des – ehemaligen? – Erzrivalen Microsoft) stieg der Nimbus von Jobs in himmlische Sph&#228;ren. Schon auf einer der ersten Halloween-Partys von Apple soll er sich als Jesus verkleidet haben – eine Assoziation, die durch Worte wie „Messias“ oder „Messe“ angesichts der von ihm unvergleichlich zelebrierten und im Vorfeld mit ganz und gar kostenlosem Medienget&#246;se angeheizten Produktvorstellungen stets weiter ausgebaut wurde.</p>
<p>Der erste gro&#223;e Schachzug war 1998 die Vorstellung des all-in-one Computers iMac. Das wirklich hervorzuhebende daran war eigentlich nicht das kompakte, formsch&#246;ne Design, sondern der fast schon arrogant wirkende Abschied von der Diskette – E-Mails und USB-Medien als alternative und viel leistungsf&#228;higere Austauschmedien etablierten sich rasch und lie&#223;en die „Floppy“ auf absehbare Zeit alt aussehen. Dennoch war der Aufschrei gro&#223; und der Rest der PC-Welt verbaute auch weiterhin stur das bekannte aber im Grunde genommen bereits hoffnungslos abgeh&#228;ngte Medium.</p>
<p>Dieser Schritt wiederholte sich im Jahr 2008, als das AirBook ausschlie&#223;lich ohne optisches Speichermedium auf den Markt kam – zumindest in urbanen Kontexten lassen HighSpeed-Internet und Clouds (nat&#252;rlich hat Apple mit der iCloud und seinem riesigen Rechenzentrum in North Carolina gleich das passende Angebot parat) auch DVDs ein wenig aus der Mode kommen. Und das AirBook war noch f&#252;r eine zweite Neuerung gut. Statt vergleichsweise langsamer Festplatten kommen hier seit dem Jahr 2010 ausschlie&#223;lich Flash-Speicher zum Einsatz, mit denen der Computer beim Einschalten einfach „da“ ist. Andere Hersteller haben derartige Laptops ebenfalls im Angebot und nat&#252;rlich nutzen auch alle Tablets diese Technologie.</p>
<p>Diese Beispiele machen deutlich, was das besondere an Apple ist. Es ist nicht die eigene Entwicklungsleistung von Technologien, sondern das fr&#252;hzeitige Erkennen von deren Potenzialen und ihre konsequente Anwendung. Anstatt eines z&#246;gerlichen „sowohl das Alte als auch das Neue“ setzt Apple konsequent auf das Neue und springt. In der j&#252;ngeren Vergangenheit hat sich dieses Verhalten enorm ausgezahlt und Apple ist wie eine Katze immer auf den F&#252;&#223;en gelandet.</p>
<p>Dies gilt auch f&#252;r die beiden gro&#223;en Umbr&#252;che, die folgerichtig daf&#252;r gesorgt haben, dass der Name von „Apple Computer Inc.“ in „Apple Inc.“ ge&#228;ndert wurde. Der erste weltweite Volltreffer nahm seinen Anfang im Jahre 2001 mit der Vorstellung des iPod. Im Grunde war es nur ein MP3-Player und gleichzeitig war es viel mehr als nur ein MP3-Player. Zum einen bot es mit neuartigen Mini-Festplatten Speicher, die ganze Tage oder gar Wochen mit musikalischer Dauerbeschallung versprachen. Zum anderen bot es, typisch Apple, ein Nutzer-Interface, mit denen die Liedbibliotheken trotz ihres gewaltigen Umfangs flink durchsucht und angesteuert werden konnten.</p>
<p>Im Paket mit dem Programm iTunes war ein System geboren, das im folgenden daf&#252;r sorgte, dass nach Napster &amp; Co. der Musik-Download zu einem Gesch&#228;ftsmodell wurde – allerdings zu den Bedingungen von Apple. Den gro&#223;en Musik-Labels wie Universal, Warner oder Sony blieb nichts anderes &#252;brig, als (widerwillig) mitzutun, da sie selbst nichts vergleichbares im Angebot hatten. Zeitweise erlangte Apple mit seinen iPod-Modellen geradezu monopolistische Marktanteile. Dabei gelang es dem Unternehmen, den Coolness-Faktor in einen Massenmarkt zu transferieren – die wei&#223;en Kopfh&#246;rer lie&#223;en die Mitglieder einer Gemeinde auf den ersten Blick erkennbar werden. Am Ende des Tages hatte eine Computerfirma als Marktneuling den Musikmarkt komplett umgekrempelt.</p>
<p>Die zweite, mindestens ebenso weit gehende Revolution, war die Vorstellung des iPhone im Jahre 2007 – die von Jobs gehaltene (und auf Youtube immer wieder gern gesehene) Keynote ist ein Paradebeispiel f&#252;r das Funktionieren von „Hohepriester“ und „Gemeinde“ und begr&#252;ndet seinen legend&#228;ren Ruf. Nat&#252;rlich gab es auch vor dem iPhone schon ansatzweise Smartphones mit halbherzigen Touchscreen-Funktionen, aber zur Sicherheit vertrauten die anderen Hersteller noch auf eine feste Tastatur oder die Eingabe mittels Touchpen. Erst Apple setzte bedingungslos auf den Touchscreen, unter dessen Oberfl&#228;che Telefon, Computer, Multimedia und mobiles Internet verschmolzen.</p>
<p>In Verbindung mit dem App-Store war ein technologisches &#214;kosystem am Start, das den Markt f&#252;r Mobiltelefone neu ordnete – zu Gunsten und zu den Bedingungen von Apple. Exklusive Vertr&#228;ge mit den TK-Carriern und f&#252;r die Branche unversch&#228;mte Umsatzanteile lie&#223;en die Macht der Kalifornier mehr als deutlich werden. Neben einer neuartigen Hardware bot Apple nun auch die vielf&#228;ltigen kleinen Software-Helferlein und begr&#252;ndete ein neuartiges Marktsegment f&#252;r Mini-Programme. Und mit ihm ganze Gesch&#228;ftsmodelle sowie ganz nebenbei die Durchsetzung eines Mikro-Payment-Systems f&#252;r Kreditkarten im App-Store. Am Ende des Tages hatte eine Computerfirma als Marktneuling den Mobilfunkmarkt komplett umgekrempelt.</p>
<p>Und l&#228;ngst rollt mit dem iPad die n&#228;chste Revolution &#252;ber den Globus. Dessen besonderer Reiz scheint darin zu liegen, dass das abstrakte Internet und seine virtuelle Welt mittels Touchscreen anfassbar und somit unmittelbar sinnlich erfahrbar geworden ist – die Rematerialisierung digitaler Inhalte. Obwohl das iPad eigentlich gar kein „richtiger“ Computer sondern eine interaktive Medien(konsum)maschine ist, dr&#252;ckt es arg auf die Verkaufszahlen von Note- und Netbooks (mit Ausnahme nat&#252;rlich der Apple-eigenen Laptops). Derzeit prominentestes Opfer ist Hewlett Packard, der bislang gr&#246;&#223;te PC-Hersteller der Welt. Dessen CEO Leo Apotheker hat seinem Konzern angesichts des unaufhaltsamen Aufstiegs der Tablets eine Rosskur verordnet, in deren Folge die PC- und Laptop-Sparte &#252;ber Bord gekippt wird. F&#252;r Apple bedeutete dies abermals, einen Markt wenn schon nicht neu zu erfinden so doch zu definieren und aggressiv auszubauen.</p>
<p>Nat&#252;rlich ziehen auch in Sachen Smartphones und Tablets andere Firmen wie Google (verst&#228;rkt durch den Zukauf von Motorola), Samsung, HTC oder LG l&#228;ngst nach, w&#228;hrend Nokia und RIM (Blackberry) noch den richtigen Weg suchen. Dem Personal Assistant Pionier Palm ging in diesem Rennen die Puste aus – er wurde im Jahr 2010 von HP gekauft und das Know-how in Form des hochgelobten Betriebssystems webOS im HP-Touchpad zum Schluss f&#252;r 99 Euro verramscht. All diese Firmen d&#252;rften Apple missg&#252;nstig bis feindselig be&#228;ugen, doch ebenso scheinen sie zu wissen, dass sie Apple brauchen, denn nur sie haben offenbar das Image, die Macht und eben auch den Mut hat, neue Ger&#228;teklassen erfolgreich in den Markt zu dr&#252;cken. Und diese Macht bekommen auch die Gesch&#228;ftspartner zu sp&#252;ren. Apple kauft regelm&#228;&#223;ig weite Teile der globalen Kapazit&#228;ten f&#252;r Touchscreens, Flash-Speicher oder Maschinenkapazit&#228;ten zum Fr&#228;sen von Aluminiumgeh&#228;usen auf und setzt dabei selbst Intel unter Druck: Entweder die n&#228;chste Generation der Sandy bzw. Ivy Bridge-Prozessoren wird energiesparender oder man &#252;berlege sich, bei mobilen Ger&#228;ten ganz auf ARM-Prozessoren umzustellen.</p>
<p>All diese Entwicklungen sind nicht spurlos an Apple vorbeigegangen. In den ersten Jahren des „Neubeginns“ hing den Produkten noch der in dem von Ridley Scott gedrehten „1984“ Superbowl-Spot beschworene Freigeist an. Apple, das sind „die Guten“ und Steve Jobs verk&#246;rperte dabei einen kalifornischen Liberalismus gegen&#252;ber dem vermeintlichen „evil empire“ Mircosoft.</p>
<p>Doch auch Apple entwickelte mit Ausbau seiner Marktmacht zunehmend Mechanismen, die so manche Stirn in legen Falten legen. Fragw&#252;rdige DRM-Regelungen, rigide geschlossene Systeme, Datensammelwut, eine Zensur von App-Store Inhalten, umst&#228;ndlicher Datenaustausch beim iPad, Ausschluss von Flash-Inhalten, Antenna-Gate beim iPhone 4, geg&#228;ngelte Verlage, Selbstmordserien beim Auftragshersteller Foxconn etc. Der „1984“ Spot wandte sich noch ganz unverhohlen gegen IBM, das damalige Alphatier der Computerindustrie, und seine Restriktionen. Heute hingegen steht Apple selbst am Pranger. Doch wenngleich die Apple-Nutzer bisweilen knurren, akzeptieren und kaufen sie die Produkte auch weiterhin. Einige Kritiker werfen den K&#228;ufern vor, dass sie gleichsam unter dem „Stockholm-Syndrom“ litten, da sie sich mit ihrem „Peiniger“ solidarisierten. Der angebissene Apfel als Symbol f&#252;r den S&#252;ndenfall?</p>
<p>Das Jahr 2012 wird in dieser Geschichte vielleicht eine Zeitenwende markieren – es wird das Jahr 1 nach Jobs sein und von Analysten rund um den Erdball mit Spannung erwartet. Doch vieles spricht daf&#252;r, dass Tim Cook, Phil Schiller, Jonathan Ive und die anderen „Gro&#223;meister“ Apple auch ohne Jobs auf Kurs halten. Zudem haben alle gro&#223;en Religionen gezeigt, dass ihre Bl&#252;te erst nach dem „Ausscheiden“ ihres Spiritus Rector begann. The best is yet to come?</p>
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		<title>Wenn Wissenschaft Wissen erodiert</title>
		<link>http://blog.kooptech.de/2011/03/wenn-wissenschaft-wissen-erodiert/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Mar 2011 07:59:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Silke Helfrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Commons]]></category>
		<category><![CDATA[Innovationspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Innovation]]></category>
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		<description><![CDATA[oder: Von Commons und der Wissenschaft, Bienen und der Wikipedia

Das 2. Weltforum f&#252;r Wissenschaft und Demokratie fand Anfang Februar 2011 in Dakar statt. 90 Organisationen und Universit&#228;ten waren beteiligt. Die Idee des Forum ist, einen Raum zu schaffen, der einen Dialog ...
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>oder: Von Commons und der Wissenschaft, Bienen und der Wikipedia</strong></p>
<p>Das <a href="http://fm-sciences.org/?lang=en" target="_blank">2. Weltforum f&#252;r Wissenschaft und Demokratie</a> fand Anfang Februar 2011 in Dakar statt. 90 Organisationen und Universit&#228;ten waren beteiligt. <a href="http://www.sdwf-fmsd.org/spip.php?article63" target="_blank">Die Idee </a>des Forum ist, einen Raum zu schaffen, der einen Dialog zwischen Wissenschaft und sozialen Bewegungen m&#246;glich macht. Deshalb findet das Forum auch im unmittelbaren Vorfeld <a href="http://fsm2011.org/en" target="_blank">zum Weltsozialforum</a> statt. Die Abschlu&#223;erk&#228;rung wird sicher bald folgen, aber ein paar Gedanken zum <strong>Verh&#228;ltnis von Commons und Wissenschaft</strong>, so wie sie auf dem Forum diskutiert wurden bzw. wie ich sie sehe, m&#246;chte ich gern hier festhalten. Dass es so viele Anregungen zum Thema gab, ist <a href="http://herve.cfeditions.org/smsi/" target="_blank">Hervé le Crosnier </a>und den Kollegen von <a href="http://vecam.org/" target="_blank">VECAM</a> zu verdanken. Sie haben daf&#252;r gesorgt, dass die Commons einen <a href="http://www.sdwf-fmsd.org/spip.php?article585" target="_blank">Ehrenplatz im Programm </a>einnahmen.</p>
<p>Wo liegt das Problem?</p>
<ul>
<li><strong>Wissenschaft ist zunehmend so organisiert, dass sie f&#252;r den Wissenschaftsmarkt statt f&#252;r die Wissensallmende produziert. </strong>Das findet in ganz <a href="http://www.academics.de/blog/index.php/aktuelle-themen/der-browne-review-wettbewerb-und-privatisierung/" target="_blank">geradlinienigen Privatisierungstendenzen* </a>seinen Niederschlag (was Auswirkungen auf die Wissensproduktion und das Selbstverst&#228;ndnis der Wissenschaftler_innen hat), in der Vernachl&#228;ssigung der Geisteswissenschaften, in der<a href="http://irights.info/blog/arbeit2.0/2009/12/16/digitalisierungen-fur-bibliotheken-lohnen-sich-nicht/" target="_blank"> Beschr&#228;nkung des Zugangs zu wissenschaftlichem Wissen</a> durch ein v&#246;llig &#252;berholtes Urheberrecht und daran gekoppelte Vertriebssysteme, die <a href="http://www.zugang-zum-wissen.de/journal/archives/68-Elsevier-und-das-share-holder-value-Primat.html" target="_blank">das Interesse von Wissenschaftsverlagen </a>statt das der Allgemeinheit voran stellen, in der <a href="http://www.google.com/url?sa=t&amp;source=news&amp;cd=1&amp;ved=0CCgQqQIwAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.scharf-links.de%2F43.0.html%3F%26tx_ttnews%255Btt_news%255D%3D14448%26tx_ttnews%255BbackPid%255D%3D8%26cHash%3Dcd5c41ce35&amp;rct=j&amp;q=Stiftungsprofessuren&amp;ei=WqBOTc2SJoTJhAeCx5j6Dg&amp;usg=AFQjCNH9XGCemOwPO1eBn4xxiT0Di5jkMQ&amp;cad=rja" target="_blank">Zunahme von Stiftungsprofessuren</a>, in der <a href="http://www.faz.net/s/Rub1A09F6EF89FE4FD19B3755342A3F509A/Doc~E271B5CCDFBDF417BB301CF522D51829B~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Wirtschaftsinteressen folgenden Vergabe von Stipendien</a> und vielem mehr.</li>
<li><strong>Wissenschaftler/innen sind h&#228;ufig auf der Suche nach L&#246;sungen, die die Leistungen der Commons ersetzen</strong> und <a href="http://www.iasc-commons.org/" target="_blank">nur wenige </a>machen die Leistungen der Commons und die L&#246;sungen der Commoners sichtbar. Damit ist in der Regel eine gewisse (technisch-adminstrative) Machbarkeitsfixierung verbunden. Vornehmstes Beispiel ist die kulturelle, genetische und institutionelle <a href="http://www.wurmdrin-hamburg.de/site/index.php/hintergruende/artenvielfalt/4-cat-artenvielfalt/5-art-die-arche-noah-hat-schlagseite.html" target="_blank">Erosion der Biodiversit&#228;t</a>. Sie h&#228;ngt eng mit der Entwicklung <a href="http://www.bantam-mais.de/mehr-ueber-mais/saat-gut0.html" target="_blank">von Hybridsaatgut</a> und gentechnisch manipuliertem Saatgut zusammen und das wiederum ist an die Durchsetzung so genannter <a href="http://www.google.com/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=24&amp;ved=0CDIQFjADOBQ&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.wupperinst.org%2Fglobalisierung%2Fpdf_global%2Fgeistige_eigentumsrechte.pdf&amp;rct=j&amp;q=Intellektuelle%20Eigentumsrechte%20Saatgut&amp;ei=voxjTerrCIXusgaJ7-C0CA&amp;usg=AFQjCNHyyJMQf45M3e_JXbWXMzPD5RF8ew&amp;cad=rja" target="_blank">Intellektueller Eigentumsrechte f&#252;r Kultursaatgut </a>gekoppelt. Dabei b&#246;te gerade die ungeheure Vielfalt an Kultursorten <a href="http://www.nachhaltigkeit.org/201005204799/natur-landwirtschaft/interviews/ohne-vielfalt-keine-zukunft" target="_blank">die beste M&#246;glichkeit, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen</a>. Was ist stattdessen der Vorschlag, an dem &#246;ffentlich wie privat flei&#223;ig geforscht wird? Saatgut gentechnisch so zu manipulieren, dass es <a href="http://www.commodityonline.com/news/Africa-needs-climate-ready-crops-urgently-36649-1-1.html" target="_blank">„klimafertig“ verkauft </a>werden kann. Das k&#246;nnen aber nur wenige gro&#223;e Firmen (kann man dem letzten Link entnehmen) und f&#252;r diese ist der Klimawandel ein neues Argument, um die Kontrolle &#252;ber unsere Lebensgrundlagen, dh. &#252;ber unsere Lebensmittelproduktion weiter zu monopolisieren.</li>
<li><strong>Wissenschaftliche Forschung hat sich in einer Weise ausdifferenziert, dass sie der Komplexit&#228;t der Gemeing&#252;ter kaum noch gerecht werden kann</strong>. Interdisziplin&#228;re Ans&#228;tze und die Kombination vieler (v.a. empirischer) Forschungsmethoden sind hier wichtig und die brauchen Mut und F&#246;rdermittel/-strukturen zum Experimentieren.</li>
</ul>
<p>Soviel zum Problem, nun zur produktiveren Seite des Verh&#228;ltnisses von Gemeing&#252;tern und Wissenschaft.</p>
<ul>
<li><strong>Wissenschaft ist unerl&#228;&#223;lich f&#252;r die Identifikation der schleichenden Erosions- und Einhegungsprozesse </strong>der Gemeing&#252;ter. (Es m&#252;sste &#252;brigens hei&#223;en „<a href="http://www.ohioswallow.com/book/Eroding+the+Commons" target="_blank">Eroding the Commons</a>“ statt „Erosion of the Commons“, denn diese Erosion ist ja ein aktiver Prozess.) Die Commonsforschung liefert <a href="http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/2009/ostrom-lecture.html" target="_blank">die Substanz f&#252;r die Argumentation gegen diese Einhegung</a>, vor allem aber die Belege daf&#252;r, dass und wie gemeinschaftlich L&#246;sungen f&#252;r kollektives Ressourcenmanagement gelingen. Und da brauchen die Forscher_innen eigentlich nur die Wissenschaftsgeschichte selbst anzuschauen, denn …</li>
<li><strong>Wissenschaft ist das Commons par excellence.</strong> Zumindest war das in der Vergangenheit so. Freiheit der Forschung, Peer-to-Peer Review, Selbststeuerung, das Aus-der-Wissensallmende-sch&#246;pfen, sie erweitern und bereichern … Wissenschaft war seit jeher als Commons organisiert. Dass nun eine eher <a href="http://www.bdwi.de/texte/94231.html" target="_blank">betriebswirtschaftliche Logik in die Universit&#228;ten Einzug</a> h&#228;lt sollte (hoffentlich) von kurzer Dauer sein, denn auf der Tagesordnung steht ganz dringend, sich gehen die „Verbetriebswirtschaftlichung“ (Demirovic) in der Wissenschaft zu wehren und Wissenschaft wieder als Commons zu organisieren. Das betrifft sowohl die Forschungsmethoden als auch die Forschungsinhalte. Teil dieser Forderung ist das „Recht auf Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“, wie in <a href="http://www.un.org/Depts/german/grunddok/ar217a3.html" target="_blank">Artikel 15/1 der Universellen Deklaration der Menschenrechte</a> beschrieben:</li>
</ul>
<blockquote><p><em>„Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den K&#252;nsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.“</em></p></blockquote>
<p>Und nun der Punkt, der mir am wichtigsten ist.<em><br />
</em></p>
<ul>
<li><strong>Wissenschaftliches Wissen hat andere Wissensformen oft an den Rand gedr&#228;ngt. </strong><strong>Die Wissensallmendebewegung hingegen ist nicht an eine spezifische Form des Wissensmanagements oder der Wissenskonzeption gebunden</strong>. Sie ist als Bewegung in ihrer konkreten Erscheinungsform sehr unterschiedlich. Aber was alle Projekte und Initiativen eint ist, dass sie sich gegen die Kommodifizierung des Wissen wehren. Dieser Gedanke verbindet die unglaublich vielf&#228;ltigen Ans&#228;tze. Von <a href="http://sciencecommons.org/projects/healthcommons/" target="_blank">Science Commons </a>bis zum <a href="http://aipsc2010.weebly.com/index.html" target="_blank">All India People’s Science Network</a>. In einer Wissensallmende sind verschiedene Wissens- und Wissenschaftskonzeptionen m&#246;glich. M&#228;nnliche – weibliche, nord – s&#252;d, schriftlich – m&#252;ndlich, ‘wissenschaftlich’ – traditionell. Die Frage ist, ob und wie sich unter Ber&#252;cksichtigung aller Beitr&#228;ge universalisierbare Aussagen bzw. Schlussfolgerungen filtern lassen, also solche, die &#252;berall G&#252;ltigkeit besitzen (etwa wie die <a href="http://commonsblog.wordpress.com/2008/09/16/prinzipien-des-commonsmanagements/" target="_blank">Ostromschen Design Principles f&#252;r Gemeing&#252;ter</a>). Wie kommen wir zu einem Universalismus, der nicht nur den Pr&#228;missen des westlichen Forschungskanons folgt?</li>
</ul>
<p>Insbesondere der letzte Punkt trieb die Gem&#252;ter um. Es wurde auf diesem 2. Weltforum f&#252;r Wissenschaft und Demokratie viel &#252;ber „<em>unspoken, stolen, mythic, oraly transmitted knowledge</em>“ geredet, &#252;ber Wissen, das in sozialen Praktiken aufgehoben ist. So sagen wir zum Beispiel weltweit: ‘<em>Lass die Bienen in Ruhe</em>.’ Doch keiner erinnert sich mehr recht, warum. Dabei ist das eine ganz einfache Naturschutzma&#223;nahme, die die Reproduktion des Lebens sichert. (Jedenfalls war das bis jetzt so. Inzwischen setzen subtilere Mechanismen <a href="http://www.newspoint.cc/artikel/Weltweit/Bienensterben_weiterhin_unerklaerlich_73079.html" target="_blank">den Bienen zu</a>, will hei&#223;en: Wir <em>wissen</em> gar nicht mehr, wie wir es anstellen sollen, die Bienen in Ruhe zu lassen.) An dieser Stelle musste ich an den <a href="http://commonsblog.wordpress.com/2009/01/24/wie-geister-gemeinguter-schutzen/" target="_blank">Curupira denken, diesen kleinen brasilianischen Waldgeist</a>, der verhindert, dass die Menschen zu bestimmten Zeiten den Wald betreten; um ihn ruhen zu lassen.</p>
<p>Die Wissenschaft muss sich mit diesen Wissensformen verbinden, sie aufgreifen, ihren “Geist” verstehen – oder sie wird sich den Menschen aufoktroyieren. Eine Kenianerin schrie es fast in den Saal. <strong>„Das menschliche Leben ist wissenschaftlich seit es uns gibt.” </strong>So kann man das auch sehen! Zumindest liegt eine Menge Weisheit in den sozialen Praktiken weltweit, und mir ist v&#246;llig egal, ob man das Wissenschaft nennt oder soziale Innovation – die klassische Wissenschaft jedenfalls wird sich damit verbinden m&#252;ssen, wenn sie als Gemeingut erhalten bleiben, also Wissen im Interesse der Allgemeinheit produzieren will. Oder wie <a href="http://www.countercurrents.org/sengupta040510.htm" target="_blank">Amit Sengupta</a>, dessen exzellente Moderation ich sehr sch&#228;tzen lernte, es ausgehend vom Wissensallmendebegriff ausdr&#252;ckte:</p>
<blockquote><p>„<em>the notion of knowledge commons must be able to embrace each kind of science and knowledge management we practice</em>.“</p></blockquote>
<p>Neben der Innovation in wissenschaftlichen Laboren (dann aber bitte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Access" target="_blank">Open Access</a>), tragen vier Innovationsformen zur Reproduktion der Gemeing&#252;ter bei, so der Debattenbeitrag einer Franz&#246;sin:</p>
<ul>
<li>Innovation durch Nutzung (wie in der konventionellen Saatgutentwicklung),</li>
<li>Innovation durch Funktionalit&#228;t (wie beim Ulmer <a href="http://www.car2go.com/ulm/de/" target="_blank">Car2Go Modell</a>),</li>
<li>Innovation durch partizipative, iterative Prozesse und</li>
<li>soziale Innovation (wie die<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Transition_Towns" target="_blank"> Transition Town Bewegung</a>)</li>
</ul>
<p>Im kulturellen Bereich sind solche Innovationen nur selten vom Staat oder vom Markt getragen, wurde konstatiert, vielmehr entstehen sie im Austausch.</p>
<p>Zwei konkrete Vorschl&#228;ge ergaben sich aus der Debatte:</p>
<ol>
<li><strong>eine kollaborative Zeitschrift</strong>, die es den Wissenschaftler_innen erlaubt, Wissen &#252;ber die Commons zu produzieren/publizieren (Hier ist ein anderes Profil angedacht, als das des<a href="http://www.thecommonsjournal.org/" target="_blank"> International Journal on the Commons</a>.)</li>
<li><strong>Eine Wikipedia des traditionellen Wissens</strong> zu der aktionsorientierte Netzwerke zwischen Zivilgesellschaft und kritischer, interdisziplin&#228;rer Wissenschaft beitragen.</li>
</ol>
<p>Den zweiten Vorschlag finde ich zwar charmant (insbesondere wegen <a href="http://www.gemeingueter.de/1539/den-groessenwahnsinnigen-humanisten-und-neurotikern-der-wikipedia-zum-geburtstag/#comments" target="_blank">dieser Diskussion</a>), aber noch viel besser f&#228;nde ich es, wenn die auf dem Forum vielfach vorgetragene Erkenntnis – “<strong>scientific knowledge has silenced other knowledges”</strong> – sich auch in den Regeln der existierenden Wikipedia niederschl&#252;ge und dort ganz explizit das Wissen von unten – gekennzeichnet freilich – Aufnahme f&#228;nde. Denn es w&#228;re schon fast ironisch, wenn ausgerechnet das erfolgreichste Wissens-Gemeingut der j&#252;ngeren Geschichte, die Erosion der vielf&#228;ltigen Wissensformen reproduziert.<strong><br />
</strong></p>
<p>—————————————</p>
<p>* PS: Eins noch zur Privatisierungsdebatte: Es geht ja – wie immer bei den Commons – nicht einfach um die Frage „&#246;ffentlich oder privat“. Es geht um Autonomie – jenseits von Markt und Staat. Oder wie es <a href="http://www.academics.de/blog/index.php/aktuelle-themen/der-browne-review-wettbewerb-und-privatisierung/" target="_blank">hier in einem Kommentar</a>von Tome sch&#246;n ausgedr&#252;ckt wird:</p>
<blockquote><p><em>„Die Frage ist auch nicht, ob die Hochschulen privat oder staatlich sind, sondern ob sie in Kernbereichen autonom sind (z.B. Zulassung der Zahl der Studierenden, angebotene F&#228;cher und Abschl&#252;sse, Bezahlung und Einstellung der (wissenschaftlichen)Mitarbeiter). Tats&#228;chlich wird es spannend sein zu sehen, ob eine rechtliche Privatisierung zu einer faktischen Einschr&#228;nkung der Autonomie der Hochschulen (z.B. Angebot der F&#228;cher) f&#252;hren wird.“</em></p></blockquote>
<p><em><a href="http://commonsblog.wordpress.com/2011/02/22/wenn-wissenschaft-wissen-erodiert/">Crosspost</a></em></p>
<p><br>Beitr�ge zu verwandten Themen:<ol>
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</ol></p><p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4342&amp;md5=9b9a93f570802973d868237373937f2a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Wie reformiert man ein tr&#228;ges Innovationssystem?</title>
		<link>http://blog.kooptech.de/2010/12/wie-reformiert-man-ein-traeges-innovationssystem-interview-mit-wolfgang-polt/</link>
		<comments>http://blog.kooptech.de/2010/12/wie-reformiert-man-ein-traeges-innovationssystem-interview-mit-wolfgang-polt/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 22 Dec 2010 12:27:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane Schulzki-Haddouti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.kooptech.de/?p=4109</guid>
		<description><![CDATA[Interview mit Wolfgang Polt  <a href="http://blog.kooptech.de/2010/12/wie-reformiert-man-ein-traeges-innovationssystem-interview-mit-wolfgang-polt/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/bf25419b806619ff072f95b074b666" alt="" width="1" height="1" /><strong>Interview mit Wolfgang Polt &#252;ber das tr&#228;ge, aber erfolgreiche deutsche </strong><strong>Innovationssystem</strong>, Ans&#228;tze f&#252;r Reformen und europ&#228;ische Perspektiven. Er ist Leiter der <a rel="external" href="http://www.e-fi.de/fileadmin/Studien/Studien_2010/11_2010_FuI_System.pdf" target="_blank">Studie zum deutschen Forschungs- und<strong>Innovationssystem</strong></a>, die im Auftrag der <a rel="external" href="http://www.e-fi.de/" target="_blank">Expertenkommission f&#252;r Forschung und Innovation</a> von &#246;sterreichischen, britischen und niederl&#228;ndischen Innovationsforschern im vergangenen Jahr erstellt wurde. Polt ist Direktor des Zentrums f&#252;r Wirtschafts- und Innovationsforschung (ZWI)  an der <a href="http://www.joanneum.at/">Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH Wien</a>. &#220;ber die Studie habe ich bereits f&#252;r heise online <a href="http://www.heise.de/ix/meldung/Innovationsforscher-Traege-Forschungs-und-Innovationspolitik-in-Deutschland-1135567.html">berichtet</a>.</p>
<p><em>Sie kritisieren in Ihrer Studie das deutsche <strong>Innovationssystem</strong> als tr&#228;ge. Setzt Deutschland bei der FuE-F&#246;rderung denn die richtigen Schwerpunkte?</em></p>
<div id="attachment_4110"><a rel="attachment wp-att-4110" href="http://blog.kooptech.de/2010/12/wie-reformiert-man-ein-traeges-innovationssystem-interview-mit-wolfgang-polt/polt/"><img class="alignleft" style="margin: 10px;" title="Wolfgang Polt, Joanneum Research" src="http://blog.kooptech.de/wp-content/uploads/2010/12/Polt.jpg" alt="Wolfgang Polt, Joanneum Research" width="219" height="275" /></a>Wolfgang Polt, Joanneum Research&nbsp;</p>
</div>
<p>Die M&#246;glichkeit der &#246;ffentlichen Hand, Technologieschwerpunkte zu setzen, wird allgemein stark &#252;bersch&#228;tzt, da jedes F&#246;rderungssystem f&#252;r Forschung und Innovation mehrere S&#228;ulen nebeneinander hat. Den L&#246;wenanteil nimmt in den meisten L&#228;ndern die technologie-unspezifische F&#246;rderung ein, die zum einen in einer antragsbasierten F&#246;rderung, zum anderen – in einer immer gr&#246;&#223;eren Zahl von L&#228;ndern – aus der steuerlicher F&#246;rdeurng von F&amp;E besteht. Technologiespezifische Programme sind da jeweils nur eine Schiene unter mehreren. Diese sind in verschiedenen L&#228;ndern unterschiedlich ausgestaltet, zeigen jedoch prinzipiell die Gleiche grobe Orientierung wie etwa Kommunikation- und Informationstechnologien, Biotechnologien, neue Energietechnologien und Materialien.</p>
<p>Je spezifischer einzelne Technologiebereiche in der F&#246;rderung benannt werden, desto h&#246;her ist auch das Risiko zu scheitern, das hei&#223;t falsch auszuw&#228;hlen. Weder private noch staatliche Akteure besitzen n&#228;mlich die Voraussicht, um sehr treffsicher den zuk&#252;nftigen technologischen Entwicklungspfad bestimmen zu k&#246;nnen. Aus diesem Grund ist es richtig, die Schwerpunkte so breit zu setzen, dass verschiedene technologische Optionen nebeneinander betrieben werden k&#246;nnen.</p>
<p><em>Ist es angemessen die Kernfusion &#228;hnlich stark zu f&#246;rdern wie erneuerbare Energien?</em></p>
<p>Das ist eine Frage der inhaltlichen Angemessenheit und kann nicht nur an den absoluten Betr&#228;gen gemessen werden. Wenn die Forschung in der Windenergie nur ein Zehntel der Fusion kostet und <strong>man</strong> beide technologischen Optionen weiter betreiben will, ist es angemessen in diesem Verh&#228;ltnis zu f&#246;rdern. Die blo&#223;e Relation der Forschungsausgaben zueinander erlaubt keinen Schluss &#252;ber ein ad&#228;quates Verh&#228;ltnis. Damit verbunden sind politische Entscheidungen. Die Politik muss entscheiden: Ja, ich will hier weitergehen.</p>
<p><em>Warum wurde die Kritik am deutschen Projekttr&#228;ger-System im <a href="http://www.e-fi.de/">EFI</a>-Gutachten au&#223;en vor gelassen?</em></p>
<p>Ich nehme an, weil die politische Chance zu gering eingesch&#228;tzt wurde, daran etwas zu ver&#228;ndern.</p>
<p><em>Hat dies etwas mit dem Neuaufleben der Forderungen Forschung und Entwicklung steuerlich zu f&#246;rdern zu tun?</em></p>
<p>Inhaltlich sollte hier kein unmittelbarer Zusammenhang bestehen, weil es ja andere L&#228;nder gibt, die andere Strukturen in der direkten F&#246;rderung haben oder ihre Systeme in diese Richtung reformieren und gleichzeitig auch steuerliche F&#246;rderung von F&amp;E haben. Ich denke, unabh&#228;ngig von der Diskussion um die steuerliche F&#246;rderung gibt es M&#246;glichkeiten der besseren Organisation der direkten F&#246;rderung.</p>
<p><em>Halten Sie das Projekttr&#228;ger-System f&#252;r reformierbar?</em></p>
<p>Es so schwer oder leicht zu reformieren wie jedes etablierte System, und es bringt  ja nicht nur schlechte Resultate. Wir meinen, dass es Unstimmigkeiten, vielleicht Unvereinbarkeiten innerhalb des Systems gibt.</p>
<p>Das finnische, schwedische oder &#246;sterreichische System besitzt die M&#246;glichkeit der Koh&#228;renzbildung innerhalb einer Organisation. Diese M&#246;glichkeit gibt es im deutschen System nicht oder nur unzureichend. Sie k&#246;nnte vorgelagert in und zwischen den Ministerien passieren, die ein dann abgestimmtes Portfolio haben und das auf die Projekttr&#228;ger verteilen, oder es k&#246;nnte die Koh&#228;renz auch durch bzw. auf der Ebene einer starken F&#246;rderorganisation hergestellt werden, die eine koordinierende Funktion zwischen den Ministerien &#252;bern&#228;hme. Hier sind sicher verschiedene institutionelle L&#246;sungsans&#228;tze denkbar.</p>
<p><em>Die Hightech-Strategie soll ja schon eine Verbesserung des Status Quo erreicht haben?</em></p>
<p>Bei der Hightech-Strategie ist die Frage, ob <strong>man</strong> mit ‚etwas Verbesserung‘ – die zweifellos erreicht wurde – zufrieden ist oder h&#246;here Ambitionen hat. Sie hat sich bisher als Instrument einer ‚schwachen Koordination‘ erwiesen und daher ist es fraglich, ob ihre Wirkung &#252;ber die nahe Zukunft hinausreicht. So lange es keine eingebaute Struktur gibt, die auf Koh&#228;renz abzielt, werden dann immer Ad-Hoc-Reparaturen am System notwendig sein.</p>
<p><em>Es gibt wie Sie schreiben ja schon etliche &#252;bergeordnete Gremien wie acatech, die Forschungsunion oder EFI, doch keine habe das Mandat f&#252;r den Durchgriff. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?</em></p>
<p>Es br&#228;uchte einen klaren Zug von Zust&#228;ndigkeiten, wer wen in welchen Materien ber&#228;t. Hier wird auch international um Good-Practice-Modelle gerungen. Es gibt nur wenige wie das immer wieder zitierte finnische Modell, die sehr gut funktionieren. Der finnische Forschungs- und Technologie-Rat steht unter der Leitung des Premierministers und setzt sich aus den Ministern f&#252;r Bildung, Industrie und Finanzen sowie Experten zusammen. Der Rat ist damit politisch entscheidungsf&#228;hig.</p>
<p><em>K&#246;nnte nicht auch ein starkes BMBF das Problem l&#246;sen?</em></p>
<p>Nein, nicht l&#246;sen, aber es w&#252;rde die Koordination erleichtern. In den meisten L&#228;ndern sind die wesentlichen Entscheidungsprozesse dual organisiert: sie haben meistens  ein Wissenschafts-, Erziehungs- oder Bildungsministerium, das f&#252;r Forschung und Technologie zust&#228;ndig ist und dann ein Handels-, Industrie- oder Innovationsministerium, das f&#252;r Technologie und Innovation zust&#228;ndig ist.</p>
<p>Forschung und Innovation ist also in jedem Land ein umk&#228;mpftes Territorium. Um Dopplungen und L&#252;cken zu vermeiden gibt es beispielsweise in Finnland und &#214;sterreich Koordinationsinstitutionen, an die die Ministerien mit F&#246;rderideen herantreten.  In Finnland beauftragt diese Einrichtung Technologie-Foresights und unterbreitet auf dieser Grundlage eigene Vorschl&#228;ge, die sie an die Ministerien weiterreicht. Das ist prozedural eine saubere L&#246;sung, aber ob damit auch inhaltlich die richtigen Entscheidungen getroffen werden, steht auf einem anderen Blatt.</p>
<p><em>Ist das Vorgehen in Deutschland nicht vergleichsweise unkoordiniert?</em></p>
<p>Das deutsche System der FTI-Politik ist sehr komplex und in seiner Komplexit&#228;t nicht immer stimmig organisiert. Gleichwohl sind zentrale Teile des Innovationsystems ganz tolle Assets: so haben wir gefunden, dass die au&#223;eruniversit&#228;re Forschung ist auch im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt ist. Es gibt eine sehr gute und klare Arbeitsteilung zwischen den Institutionen bei guter Interaktion und Kooperation mit den Universit&#228;ten und dem Unternehmenssektor, die in anderen L&#228;ndern so nicht existiert und als nachahmenswert empfunden wird.</p>
<p><em>Wie ist die Innovationspolitik in der EU aufgestellt?</em></p>
<p>Es gibt beim europ&#228;ischen <strong>Innovationssystem</strong> wesentlich mehr Kritikpunkte wie am deutschen System.  Wir haben vor kurzem eine Studie gemacht &#252;ber Innovationseffekte der Rahmenprogramme. Sie sind positiv, aber &#252;berschaubar. Die Art der Projektf&#246;rderung verl&#228;ngert n&#228;mlich lediglich T&#228;tigkeiten, die <strong>man</strong> sowieso macht. Durchbr&#252;che wird <strong>man</strong> aus vielen verschiedenen systematischen Gr&#252;nden nicht erwarten k&#246;nnen.</p>
<p>In den neuen Vorschl&#228;gen zur „Innovationsunion“ gibt es aber ein paar Ans&#228;tze, die erlauben w&#252;rden die sichtbaren Wirkungen der Forschungs- und Innovationspolitik auf europ&#228;ischer Ebene deutlich zu erh&#246;hen. So etwa die so genannten Grand Challenges, also gro&#223;e gesellschaftliche Herausforderungen, die als zentrale Orientierungspunkte f&#252;r die k&#252;nftige Forschungspolitik benannt werden und eine missionsorientierte Forschung auf EU-Ebene auf den Weg bringen sollen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4109&amp;md5=4e555761eaffdec03c9437d4f2154fa0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Informationsmonopole vs. offenes Netz</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Dec 2010 14:50:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Gisiger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Offenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Wikileaks]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Sperrung der WikiLeaks-Konten zeigt, dass die Infrastruktur des Netzes von privaten Firmen beherrscht wird, die am Ende &#252;ber unsere Meinungsfreiheit bestimmen. <a href="http://blog.kooptech.de/2010/12/informationsmonopole-vs-offenes-netz/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Sperrung der WikiLeaks-Konten zeigt, dass die Infrastruktur des Netzes von privaten Firmen beherrscht wird, die am Ende &#252;ber unsere Meinungsfreiheit bestimmen.</strong></p>
<p>In seinem Buch<a href="http://www.amazon.de/gp/product/0307269930?ie=UTF8&amp;tag=worgefecdas-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0307269930">&#8220;The Master Switch: The Rise and Fall of Information Empires&#8221;</a> (<a title="Leseprobe (engl.) zum Buch" href="http://knopf.knopfdoubleday.com/2010/11/02/the-master-switch-by-tim-wu/">Leseprobe hier</a>) erz&#228;hlt<a title="Webseite von Tim Wu" href="http://timwu.org/about.html">Tim Wu</a>, Professor an der Columbia Law School, die Geschichte der Informationsindustrie &#8211; Telefon, Radio, Filme, Fernsehen &#8211; als eine Geschichte, die jedesmal wieder von freien Systemen hin zu Monopolen f&#252;hrte. Dem Internet, f&#252;rchtet Wu, wird es nicht viel anders gehen.</p>
<p>Aktuell braucht es nicht viel Phantasie, um dieser These zustimmen zu k&#246;nnen. Der Backlash von Paid-Content, die zunehmende Appifizierung oder j&#252;ngst das Vorgehen von PayPal,<a id="HLSysAdLink1">Mastercard </a>und Visa gegen WikiLeaks scheinen sie zu belegen. Um so wichtiger ist es, dass eben nicht nur die Software (und bis zu einem gewissen Grad auch die Hardware im Sinne der Endger&#228;te) offen sind, sondern auch eine offene Infrastruktur geschaffen wird.</p>
<p>In seinem Buch<a title="Salon: " href="http://www.salon.com/books/what_to_read/index.html?story=/books/laura_miller/2010/12/12/master_switch">anerkennt Wu zwar</a>, dass Monopole nahtlosen Service, Effizienz, Qualit&#228;tsinhalt und manchmal sogar niedrige Preise bieten k&#246;nnen. Sein Herz schl&#228;gt aber eindeutig f&#252;r die wilde und wirre Natur des weit offenen Modells, wie es derzeit online ist. So stehen zum Beispiel die Inhalte seiner Webseite unter einer Public Domain-Lizenz.</p>
<p>Die Informationsmonopole m&#246;gen also stabil sein, f&#252;hrt Wu aus, und sie ermutigen die Entwicklung neuer Ideen, die in ihr bestehendes Gesch&#228;ftsmodell passen wie beispielsweise die firmengesponserte Brutst&#228;tte Bell Labs. Aber sie schalten auch reflexhaft alles aus, was die &#8220;sch&#246;pferische Zerst&#246;rung&#8221; (<a title="Joseph Schumpeter - Wikipedia DE" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schumpeter">Joseph Schumpeter</a>) umw&#228;lzender Erfindungen einzuleiten droht. Eine Art irrationale &#8220;Paranoia&#8221; (Zitat Wu) hat zum Beispiel Bell dazu getrieben, die Erfindung der Magnettonb&#228;nder durch einen ihrer Ingenieure in den 1930ern zu unterdr&#252;cken &#8211; sie dachten irgendwie, dies k&#246;nnte die &#214;ffentlichkeit dazu verleiten, nicht mehr zu<a id="HLSysAdLink2">telefonieren</a>.</p>
<h4>Infrastruktur bestimmt die Meinungsfreiheit</h4>
<p>Vor dem Hintergrund der Sperrung der WikiLeaks-Konten<a title="CNN: WikiLeaks, Amazon and the new threat to internet speech" href="http://edition.cnn.com/2010/OPINION/12/02/mackinnon.wikileaks.amazon/">warnte j&#252;ngst auch Rebecca MacKinnon</a>, unter anderem Mitgr&#252;nderin von<a title="Global Voices Online" href="http://globalvoicesonline.org/">Global Voices Online</a>, auf CNN davor, dass die Infrastruktur des Netzes von privaten Firmen beherrscht wird, die am Ende &#252;ber unsere Meinungsfreiheit bestimmen. In ihrem Beitrag res&#252;miert sie mehrere F&#228;lle seit 2008, in denen Politiker mehr oder weniger erfolgreich bei privaten Internet-Firmen intervenierten, um unliebsame Inhalte &#8211; und nein, keine KiPo &#8211; entfernen zu lassen. Auch wenn die<a id="HLSysAdLink3">Weste</a> alles andere als wei&#223; ist, scheint sich hier<a id="HLSysAdLink4">Google</a> als besonders resistent gegen&#252;ber solchen Zensur-Bem&#252;hungen zu erweisen.</p>
<p>Miguel Helft nimmt sich in dieser Angelegenheit<a title="NYT: Facebook Wrestles With Free Speech and Civility" href="http://www.nytimes.com/2010/12/13/technology/13facebook.html?_r=1&amp;ref=technology&amp;pagewanted=all">in der New York Times Facebook vor</a>:<a id="HLSysAdLink5">Facebook</a> hatte n&#228;mlich eine Seite gel&#246;scht, auf der WikiLeaks-Unterst&#252;tzer die Angriffe auf PayPal,<a id="HLSysAdLink6">Mastercard</a> etc. koordinierten. Schwerer Protest war die Folge. &#8220;<a id="HLSysAdLink7">Facebook</a> stellt selten jeden zufrieden&#8221;, stellt Helft fest. &#8220;Jeder Inhalt &#8211; eine Fotografie, ein Video oder eine Botschaft zwischen zwei Personen &#8211; kann jemanden beleidigen.&#8221; Was irritiert, seien die Entscheidungen der Firma, gewisse Inhalte &#8211; etwa Material von Holocaust-Leugnern, Kritikern des Islam oder anderer Religionen &#8211; nicht zu l&#246;schen (was manche Staaten veranlasste, den Zugang zu<a id="HLSysAdLink8">Facebook</a> zu sperren), w&#228;hrend anderes wie zum Beispiel Bilder von stillenden M&#252;ttern oder eben Seiten von WikiLeaks-Unterst&#252;tzern umgehend entfernt werden.</p>
<h4>Ausweg offene Infrastruktur?</h4>
<p>Ausgangspunkt f&#252;r eine interessante Initiative ist die L&#246;schung der DNS-Eintr&#228;ge von wikileaks.org durch den Provider (<a title="DNS - Wikipedia DE" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Domain_Name_System">Hintergrundinformationen zu DNS hier</a>). W&#228;hrend das Internet so konstruiert ist, dass es trotz Ausfall mehrerer Knoten weiter funktioniert, ist die klassische DNS zur Zuordnung von IP-Adressen zu Domian-Namen ein &#8220;ausreichend zentralisiertes System, so dass sich Sperren doch recht leicht implementieren lassen&#8221; (<a title="Netzpolitik: Mit p2p DNS gegen Netzsperren" href="http://www.netzpolitik.org/2010/mit-p2p-dns-gegen-netzsperren/">netzpolitik.org</a>).</p>
<p><a title="Pirate Bay - Wikipedia DE" href="http://de.wikipedia.org/wiki/The_Pirate_Bay">Pirate Bay-Gr&#252;nder Peter Sunde</a> arbeitet zusammen mit anderen an einem alternativen DNS auf<a title="Peer-to-Peer - Wikipedia DE" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peer-to-Peer">Peer-to-Peer-Basis</a> (<a title="P2P-DNS Wiki" href="http://dot-p2p.org/index.php?title=Main_Page">P2P-DNS</a>,<a title="p2p DNS Blog" href="http://p2pdns.baywords.com/">Blog dazu hier</a>). Damit soll sicher gestellt werden, dass Seiten eben nicht durch eine zentrale, von Staaten kontrollierte Instanz wie die ICANN zensiert werden k&#246;nnen. Es soll jeder, der ein kleines Programm auf seinem Computer installiert, Domains erreichen k&#246;nnen, die als Endung .p2p haben  zum Beispiel eben wortgefecht.p2p. Die Verwaltung der Adressen w&#252;rde also nicht mehr den weltweit 13 Root Nameservern obliegen.</p>
<p>Quellen: perlentaucher, golem, zeit.de u.a.</p>
<p><a href="http://www.wortgefecht.net/netzkultur/informationsmonopole-vs-offenes-netz/">Crosspost</a></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4070&amp;md5=0c4cf3bb1e7b2b3a871b2c7c2cf48a09" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wie &#8220;programmiert&#8221; man Forschung und Entwicklung?</title>
		<link>http://blog.kooptech.de/2010/11/wie-programmiert-man-forschung-und-entwicklung/</link>
		<comments>http://blog.kooptech.de/2010/11/wie-programmiert-man-forschung-und-entwicklung/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 07 Nov 2010 13:35:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane Schulzki-Haddouti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Expertentum]]></category>
		<category><![CDATA[Forecast]]></category>
		<category><![CDATA[Förderung]]></category>
		<category><![CDATA[Haushalt]]></category>
		<category><![CDATA[Innovationsmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
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		<category><![CDATA[Research]]></category>
		<category><![CDATA[Trend]]></category>

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		<description><![CDATA[In der EU l&#228;uft die "Programmierung" von Forschung und Entwicklung idealerweise nach folgendem Kreislauf ab ... <a href="http://blog.kooptech.de/2010/11/wie-programmiert-man-forschung-und-entwicklung/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
<br>Beitr�ge zu verwandten Themen:<ol>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2010/01/mit-rezession-beeintraechtigt-biotechnologie-forschung/' rel='bookmark' title='MIT: Rezession beeintr&#228;chtigt Biotechnologie-Forschung'>MIT: Rezession beeintr&#228;chtigt Biotechnologie-Forschung</a></li>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2010/03/forderung-eu-forschungsprojekte-einfacher-verwalten/' rel='bookmark' title='Forderung an EU-Rat: Vertraut Euren Forschern!'>Forderung an EU-Rat: Vertraut Euren Forschern!</a></li>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2010/11/energiepolitik-in-zahlen/' rel='bookmark' title='Zahlenr&#228;tsel zum Innovationsstandort Deutschland'>Zahlenr&#228;tsel zum Innovationsstandort Deutschland</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der EU l&#228;uft die &#8220;Programmierung&#8221; von Forschung und Entwicklung idealerweise nach folgendem Kreislauf ab:</p>
<p><a rel="attachment wp-att-3972" href="http://blog.kooptech.de/2010/11/wie-programmiert-man-forschung-und-entwicklung/fue-kreislauf/"><img class="alignnone size-full wp-image-3972" title="FuE-Kreislauf" src="http://blog.kooptech.de/wp-content/uploads/2010/11/FuE-Kreislauf.png" alt="" width="603" height="399" /></a></p>
<p>aus: Voluntary guidelines on framework conditions for joint programming in research, 5.11.2010 (<a href="http://register.consilium.europa.eu/pdf/en/10/st01/st01309.en10.pdf">PDF</a>)</p>
<p>Darin hei&#223;t es:</p>
<blockquote><p>Coordinating Forward Looking Activities (FLAs) at European level could be an efficient and cost effective tool for identifying the long term challenges and elaborating long term visions as well as assessing the impact that current trends and possible disruptive events could have on our society, exploring alternative scenarios and identifying possible solution and mitigating approaches. As the Council Conclusions on Joint Programming of 2 December 2008 recognised, there is<strong> increasing need for a new and more strategic approach, which should be based on the joint identification of societal challenges of common interest</strong>. FLAs could play an important role in supporting joint strategic discussions by providing information for policy-makers.</p></blockquote>
<p>Die Voraussetzung daf&#252;r, dass dieser Kreislauf funktioniert, ist nat&#252;rlich auch ein <a href="http://blog.kooptech.de/2010/11/energiepolitik-in-zahlen/">summarischer &#220;berblick &#252;ber das Geschehen</a> bzw. eine transparente, gr&#252;ndliche Evaluierung. Dass dies offenbar fehlt, stellt ein Papier zur &#8220;<a href="http://ec.europa.eu/research/innovation-union/pdf/innovation-union-communication_en.pdf">Innovationsunion</a>&#8221; fest:</p>
<blockquote><p>Too much fragmentation and costly duplication. We must spend our resources more efficiently and achieve critical mass. (&#8230;) <strong>Perhaps the biggest challenge for the EU and its Member States is to adopt a much more strategic approach to  innovation.  </strong></p></blockquote>
<p>Weiter im &#8220;Programmier&#8221;-Text, der vor allem Kommunikationsprobleme zwischen Politikern und Forschern ausmacht: </p>
<blockquote><p>Joint Programming is meant to tackle grand societal challenges and it is therefore crucial that its research results feed directly into the policy making process. There is a need for strengthening the dialogue between policy-makers and researchers in order to maximise the policy-making impact of research projects. Much more effort is needed to ensure that project results inform policy-making in a meaningful way.</p></blockquote>
<p>Aber es braucht noch mehr, wie folgend kurz und pr&#228;zise festgestellt wird:</p>
<blockquote><p>
In Europe, big obstacles to the rapid transformation of research findings into innovation isrepresented by the poor availability of seed finance, costly patent arrangements, marketfragmentation, outdated regulations and procedures. National and regional research and innovationsystems are still essentially disconnected and working along separate tracks with only a marginalEuropean dimension: this is inefficient due to costly duplications and overlaps.</p></blockquote>
<p><br>Beitr�ge zu verwandten Themen:<ol>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2010/01/mit-rezession-beeintraechtigt-biotechnologie-forschung/' rel='bookmark' title='MIT: Rezession beeintr&#228;chtigt Biotechnologie-Forschung'>MIT: Rezession beeintr&#228;chtigt Biotechnologie-Forschung</a></li>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2010/03/forderung-eu-forschungsprojekte-einfacher-verwalten/' rel='bookmark' title='Forderung an EU-Rat: Vertraut Euren Forschern!'>Forderung an EU-Rat: Vertraut Euren Forschern!</a></li>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2010/11/energiepolitik-in-zahlen/' rel='bookmark' title='Zahlenr&#228;tsel zum Innovationsstandort Deutschland'>Zahlenr&#228;tsel zum Innovationsstandort Deutschland</a></li>
</ol></p><p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=3971&amp;md5=60fb7749caf17cb0d1d26208663c4bc2" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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