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	<title>KoopTech &#187; Zivilgesellschaft</title>
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		<title>Buen Vivir und Commons – zwei Konzepte, eine Richtung</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 07:57:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Silke Helfrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Buen Vivir]]></category>
		<category><![CDATA[Commons]]></category>
		<category><![CDATA[Kooperation]]></category>

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		<description><![CDATA[ Gutes Leben. Buen Vivir. Sumak Kwasay. Wer wollte das nicht? Gut leben! In Lateinamerika wird das Konzept des Buen Vivir gerade intensiv diskutiert.  Insbesondere in den Andenl&#228;ndern Bolivien und Ecuador, wo es weniger darum geht, in der Sonne zu ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://commonsblog.files.wordpress.com/2011/09/pointealmadies.jpg" target="_blank"><img class="alignleft" title="PointeAlmadies" src="http://commonsblog.files.wordpress.com/2011/09/pointealmadies.jpg?w=393&amp;h=295" alt="" width="393" height="295" /></a> <strong>Gutes Leben. Buen Vivir. <a href="http://commonsblog.wordpress.com/2010/02/01/bien-vivir-gemeinguter-fur-ein-gutes-leben/" target="_blank">Sumak Kwasay</a>.</strong> Wer wollte das nicht? Gut leben! In Lateinamerika wird das Konzept des Buen Vivir gerade intensiv diskutiert.  Insbesondere in den Andenl&#228;ndern Bolivien und Ecuador, wo es weniger darum geht, in der Sonne zu liegen und sich den Bauch zu kratzen.</p>
<p><em>Wie intensiv die Idee des Buen Vivir  gelebt wird oder gelebt werden kann, ist mir noch nicht wirklich klar. Die<a href="http://www.ila-web.de/lateinamerika/home.htm" target="_blank"> ILA</a> hatte mich gebeten, einen Artikel zum <a href="http://www.ila-web.de/archiv/2011/348inhalt.htm" target="_blank">aktuellen Schwerpunkt</a> beizusteuern, denn die Redaktion fand: Da g&#228;be es„zwei sich erg&#228;nzende Konzepte jenseits der Verwertungslogik“. <strong>Commons und Buen Vivir</strong>. Stimmt. Ich habe also zugesagt, und teile hier das Ergebnis:</em><br />
<span id="more-4705"></span><br />
<strong>Gemeing&#252;ter und <em>buen vivir</em></strong><br />
<strong>Zwei sich erg&#228;nzende Konzepte jenseits der Verwertungslogik</strong></p>
<p><strong> </strong>Etwas vorwitzig schiebt sich die <em>Pointe des Almadies</em> in Richtung Karibik. Die Spitze auf der afrikanischen Landkarte liegt weit weg vom turbulenten Dakar. Selbst wenn dieser Ort den Charme eines Parkplatzes h&#228;tte, er w&#228;re schon wegen der au&#223;ergew&#246;hnlichen Lage eine Reise wert. Schlie&#223;lich ist die <em>Pointe des Almadies</em> der westlichste Zipfel Afrikas. Und dennoch ist kaum jemand dort, denn auch dieses St&#252;ckchen Erde ist eingez&#228;unt. Rote Ziegelmauern umgeben das Areal des ehemaligen Club Mediterranée, sie versperren den geldlosen Zugang. Gustavo und ich haben gezahlt, wir sitzen innerhalb der Mauern des heute von Senegalesen gef&#252;hrten <em>Hotel des Almadies</em>; gemeinsam mit der vorwiegend brasilianischen Delegation, die hier f&#252;r das 10. Weltsozialforum (WSF) ihr Lager aufgeschlagen hatte.</p>
<p>Gustavo Soto Santiestéban, vom Zentrum f&#252;r Wirtschaftliche, Soziale, Kulturelle und Umweltrechte CEADESCA in Cocha­bamba/Bolivien, ist ein b&#228;rtig-bissiger Intellektueller, ein Aktivist der sozialen Bewegungen, der der Regierung von Evo Morales kritisch auf die Finger schaut. Soto legt seinen Finger in die Wunde. Megaverkehrsprojekte f&#252;r G&#252;ter statt f&#252;r Menschen, neue Bergbauprojekte und Staud&#228;mme bis weit hinein in die Amazonasregion – verbunden mit zweifelhaften Fortschrittsversprechen, die altbekannte Breschen in die Lebenswelten der Bev&#246;lkerung schlagen. Zugleich wurde das <em>buen vivir</em> in die bolivianische Verfassung geschrieben. “Wie isst man das?”, pflegt man in Lateinamerika zu fragen. Wie geht das zusammen? Sollte ein „Gutes Leben“ tats&#228;chlich nur in Verbindung mit und finanziert durch einen “Neuen Extraktivismus” denkbar sein? Sollte er die H&#252;lle strukturkonservativer Industrie- und Wirtschaftspolitik brauchen? K&#246;nnten und m&#252;ssten nicht umgekehrt die Idee und die Praxis des <em>buen vivir</em> die Art, wie Politik geschieht, grunds&#228;tzlich wandeln?</p>
<p>Ich war Gustavo bereits am Morgen dieses sonnigen Februartages begegnet. Wir hatten uns eines der klapprigen Taxis zur Universit&#228;t Cheikh Anta Diop geteilt, dem Veranstaltungsort des WSF. Sp&#228;ter teilten wir das Podium auf dem Strategieseminar der GRAP, jener Gruppe, die den Weltsozialforumsprozess strategisch begleitet. Ein Dutzend ReferentInnen trugen dort im Schnelldurchlauf die je eigenen Thesen vor. Zeit sie zu verbinden blieb nicht, daher trafen wir uns am Abend in der westlichsten Hotelbar Afrikas. Das Gespr&#228;ch kreiste um die Frage: Was hat das Konzept der Gemeing&#252;ter mit jenem des <em>buen vivir</em> gemein?</p>
<p>Ich hatte f&#252;r meinen WSF-Vortrag einige Stichpunkte vorbereitet, um in den Commonsbegriff einzuf&#252;hren und die Logik der<em>commons</em>/Gemeing&#252;ter von der Logik der Verwertung abzugrenzen. Man kann es nicht oft genug wiederholen: <em>commons</em> sind nicht, sie werden gemacht<strong>.</strong> Erk&#228;mpft, durchgesetzt, erstritten, vereinbart, gepflegt und immer wieder reproduziert (oder auch nicht). Nicht der Code Freier Software (den alle nutzen d&#252;rfen) ist ein Gemeingut, sondern mit ihm auch die <em>community</em>, die ihn pflegt, und die Regeln, die daf&#252;r sorgen, dass Software auf Dauer frei bleibt und nicht re-privatisiert werden kann. So wie das Gemeingut nicht das gemeinschaftlich genutzte Mietshaus als Objekt ist, sondern immer auch die Menschen, die es bewohnen, der Tr&#228;gerverein und Organisationen wie das Mietsh&#228;usersyndikat, die mit ihren Vereinbarungen, Satzungen und Regeln daf&#252;r sorgen, dass das Haus &#252;ber Generationen hinweg der Immobilienspekulation entzogen bleibt. Nicht das Wasser selbst ist ein Gemeingut, sondern als Gemeingut wird es erst denkbar in Verbindung mit den <em>comunidades</em> und ihren Regeln und Normen im Umgang mit dem Wasser.</p>
<p><em>Commons</em> sind also vielgestaltige, selbstbestimmte Formen, mit Ressourcen, die niemandem allein das Recht geben, so kreativ und produktiv umzugehen, dass daraus immer wieder Dinge entstehen, die der Allgemeinheit zur Verf&#252;gung stehen. In den Worten des US-amerikanischen Historikers Peter Linebaugh: <em>There is no commons without commoning</em>. Es gibt kein Gemeingut ohne gemeinsames Tun.</p>
<p>Das Ergebnis meiner (notwendig grob verk&#252;rzten) Darstellung zum ,Betriebsmodus‘ dieses <em>commoning</em> sah etwa so aus:</p>
<p><a rel="attachment wp-att-4718" href="http://blog.kooptech.de/2011/09/buen-vivir-und-commons-zwei-konzepte-eine-richtung/buenvivir/"><img class="alignleft size-full wp-image-4718" title="BuenVivir" src="http://blog.kooptech.de/wp-content/uploads/2011/09/BuenVivir.png" alt="" width="745" height="724" /></a></p>
<ul></ul>
<p>Gustavo Soto sah sich das an. Daraufhin bestellte er ein Bier. So ein gro&#223;es, das man sich teilen muss.</p>
<p>Rasch wurde klar: Am Horizont beider Entw&#252;rfe steht ein anderer Gesellschaftsvertrag. Einer, in dem die Verwertungslogik im Wortsinn an Boden verliert und der Staat einer anderen Rationalit&#228;t verpflichtet bleibt. Der bolivianische Philosoph Javier Medina sagt: „Wir Bolivianer wollen Staat und <em>ayllu</em> zugleich, obwohl sich beide antagonistisch zueinander verhalten.“ Zumindest derzeit. Das westliche Denken basiere auf der „Bevorzugung des einen“ und, erg&#228;nze ich, es basiert auf der Bevorzugung des Entweder-Oder. Wo dies aufgegeben wird, „hat der Westen ausgespielt“, glaubt Medina. Und das geschieht im System des <em>buen vivir</em> im<em>ayllu.</em> Ein <em>ayllu</em> ist kein Ort, kein Dorf, kein Platz des Austauschs. Wie ein <em>commons</em><em>ist</em> es nicht, sondern es wird gemacht. Es erh&#228;lt sich „durch Reziprozit&#228;t und nicht durch den Markt, durch kulturelle Identit&#228;t, nicht Homogenisierung, durch gemeinschaftliche Entscheidungen in der <em>asamblea </em>eher als in Wahlen“. Es gr&#252;ndet „in einer de-facto Autonomie im Territo­rium, das nicht einfach nur Land und Produktionsfaktor ist, sondern ein komplexes Beziehungsgef&#252;ge beschreibt“, wie Gustavo mir erkl&#228;rt.</p>
<p>Gleiches gilt f&#252;r die Gemeing&#252;ter: Sie gr&#252;nden in komplexen Beziehungsgef&#252;gen. Und mehr noch, es geht nicht nur um spezifische Formen des Ressourcenmanagements einerseits oder eine besondere (indigene) Spiritualit&#228;t andererseits, es geht nicht einmal nur um gemeinschaftliches produktives Handeln f&#252;r das Leben, statt f&#252;r den Markt. Die Gemeinsamkeit beider Perspektiven liegt vielmehr darin, zu betonen, dass produktive gemeinschaftliche Systeme Gemeinschaft zugleich hervorbringen.</p>
<p>Beide, <em>commons </em>und <em>buen vivir</em>, reproduzieren sich im offenen Dialog, gewisserma&#223;en im <em>trial&amp;error-</em>Verfahren; in Freiheitsr&#228;umen, die Staat und Markt bestehenlassen m&#252;ssten, aber oft zertrampeln – mit IIRSA zum Beispiel. Sie schlagen Schneisen hindurch, die unter anderem die Weitergabe von Wissen unterbrechen, dabei setzen gemeinschaftliche Reproduktionsprozesse die F&#228;higkeit und M&#246;glichkeit voraus, Wissen als <em>homo mayeuticus</em> fortzuentwickeln, schreibt Medina. Er beschreibt das Leben im Dialog mit den Anderen und mit der Natur als Essenz der Idee des <em>buen vivir</em>; wobei die Natur nicht als Sache begriffen wird, mit der man andere Sachen produziert, vielmehr wird sie stets in ihrer Beziehung zu den Menschen reflektiert und reinterpretiert. Das sich dadurch kondensierende Wissen wird oft m&#252;ndlich oder codiert weitergegeben, im Alltag, in den Textilien, Keramiken Musikinstrumenten und Ritualen. Das Wesentliche ist f&#252;r westliche Rationalit&#228;ten oft unsichtbar.</p>
<p>In den beiden Debatten wird um Alternativen gerungen, die sich, so der franz&#246;sische Gewerkschafter und WSF-Aktivist Christophe Aguiton, „wesentlich von den neokeynesianischen und neofordistischen Antworten unterscheiden, welche in den sozialen Bewegungen und in den linken Parteien die Oberhand haben, indem die Fragestellung gewechselt wird“. So ginge es nicht darum, unseren Konsum generell und in abstrakter Art zu vermindern, sondern darum, gegen die Konsumideologie zu k&#228;mpfen, indem prinzipiell von der Lebensqualit&#228;t ausgegangen wird. F&#252;r Aguiton ist das <em>buen vivir</em> eine „universelle Perspektive“, die „auf der Verteidigung der Gemeing&#252;ter aufgrund der Erfahrungen mit vorhergehenden Autorit&#228;ten beruht.” Damit verk&#252;rzt er die<em>commons</em> auf Dinge (der Natur, der Kultur und des sozialen Lebens). Wer aber, wie auch der „deprofessionalisierte“ mexikanische Intellektuelle Gustavo Esteva (vgl. Interview in der ila 323 mit dem Schwerpunkt Gemeing&#252;ter), die <em>commons</em> als soziale Beziehung versteht, kommt zu einem anderen Schluss. Eine Gesellschaft, die die Idee der Gemeing&#252;ter in all ihre Regeln und Institutionen einschreibt, ist eine Gesellschaft, die unterschiedliche Realisierungsformen des Guten Lebens zum Zweck hat.</p>
<p>Das<strong> </strong>stark auf lokale (indigene) Gemeinschaften und auf den kulturellen Kontext des andinen Hochlandes bezogene Konzept des<em>buen vivir</em> erf&#228;hrt, so glaube ich, im Konzept der Gemeing&#252;ter seine notwendige Verallgemeinerung. Nicht umgekehrt. Denn die Gemeinschaften, von denen bei den <em>commons</em> die Rede ist, sind so bunt und vielgestaltig wie das Leben selbst. Bei der freien Software ist es die globale Freie Software-Community (meist st&#228;dtisch und m&#228;nnlich), beim Saatgut sind es oft die Frauen einer Region (meist arm und farbig), beim Klima ist es eben die gesamte Weltgemeinschaft, die noch keine Form des <em>commoning</em>gefunden hat, sich dabei aber auch nicht auf Markt und Staat verlassen kann. Aber <em>commoning</em> ist &#228;lter als Kapitalismus, es ist so alt wie die Menschheit und so neu wie das Internet. So wenig wie es zu Steinzeiten m&#246;glich war, ein Mammut alleine zu jagen (und zu essen), so wenig ist es heute m&#246;glich, alleine eine Freie Enzyklop&#228;die zu schreiben.</p>
<p><strong>Man kann es auch so ausdr&#252;cken: Das <em>buen vivir</em> ist die spezifisch andin-indigene Form des <em>commoning</em>.</strong> Und dort geh&#246;rt es hin.</p>
<p>Bei diesem Gedanken geht das zweite geteilte Bier zur Neige. Seit dem Barabend an der westlichsten Spitze Afrikas sind einige Monate vergangen. Wir haben seither etliche Mails ausgetauscht, um dem Gemeinsamen und dem Anderen zwischen <em>commons</em>und <em>buen vivir</em> intensiver auf den Grund zu gehen. Denn eines ist klar: die Zielperspektive ist die gleiche.</p>
<p>Das Ganze gibt es auch <a href="http://commonsblog.files.wordpress.com/2011/09/ila348-commons.pdf" target="_blank">als pdf</a>. Die <a href="http://www.ila-web.de/archiv/2009/323inhalt.htm" target="_blank">ila 323</a> brachte &#252;brigens einen <em>commons</em>/Gemeing&#252;ter Schwerpunkt. Und zur Ila-Bestellung (empfehlenswert!) geht’s <a href="http://www.ila-web.de/verschiedenes/bestellzettel.htm" target="_blank">hier.</a></p>
<p><a href="http://www.ila-web.de/verschiedenes/bestellzettel.htm" target="_blank"></a><span style="color: #222222; font-family: 'Courier 10 Pitch', Courier, monospace; font-size: 15px; line-height: 21px; white-space: pre; background-color: #f7f7f7;">Foto: Pointe des Almadies depuis le Phare des Mamelles. by Ji-Elle, Domaine Publique</span></p>
<p><a href="http://commonsblog.wordpress.com/2011/09/13/buen-vivir-und-commons-zwei-konzepte-eine-richtung/"><em>Crosspost</em></a></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4705&amp;md5=5a7a52bbb863afcabc545721a1f312dc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Commons als „pluralistischer Angebotskapitalismus“?</title>
		<link>http://blog.kooptech.de/2011/09/commons-als-pluralistischer-angebotskapitalismus/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 08:13:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Silke Helfrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Allmende]]></category>
		<category><![CDATA[Commons]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstorganisation]]></category>

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		<description><![CDATA[EINE REPLIK AUF: „DIE COMMONARDEN.* TEILEN UND GEWINNEN. KANN MAN DIE RETTUNG DER WELT WIRKLICH ALS PRIVATSACHE BETRACHTEN?“ VON TILL BRIEBLEB, S&#220;DDEUTSCHE, FEUILLETON Nr. 191, S.13

Lieber Herr Briegleb,

Sie und ich haben Einiges gemeinsam. Wir befassen uns mit Politik, waren letzte ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>EINE REPLIK AUF: „<a href="http://commonsblog.wordpress.com/2011/08/20/die-commonarden-in-der-suddeutschen-zeitung/" target="_blank">DIE COMMONARDEN.*</a> TEILEN UND GEWINNEN. KANN MAN DIE RETTUNG DER WELT WIRKLICH ALS PRIVATSACHE BETRACHTEN?“ VON <a href="http://www.art-magazin.de/blog/author/autor_01/" target="_blank">TILL BRIEBLEB</a>, S&#220;DDEUTSCHE, FEUILLETON Nr. 191, S.13</p>
<p>Lieber Herr Briegleb,</p>
<p>Sie und ich haben Einiges gemeinsam. Wir befassen uns mit Politik, waren letzte Woche auf dem<a href="http://kampnagel.de/sommerfestival/?page=festival&amp;subpage=editorial" target="_blank"> Kampnagel-Festival</a> in Hamburg und finden den Begriff der ‘Gemeing&#252;ter’ ungl&#252;cklich. In diesem Punkt haben Sie mich ganz auf Ihrer Seite. Ich hatte schon einmal angeregt, einen Preis f&#252;r die eleganteste &#220;bertragung des engl. &gt;commons&lt; auszuschreiben. Wollen Sie mitmachen?</p>
<p>Entsprechend angetan war ich von Ihrer Initiative, die Commons und die Commonarden** im Feuilleton zu besprechen. Was ich dann jedoch las, hat wenig mit den Commons zu tun, aber es erlaubt mir zu verstehen, wie man ins Feuilleton kommt: nicht nachfragen, Stichworte musterlos zusammenstricken und – dies vor allem – als Pointe ein zitierf&#228;higer Gedanke. Ganz am Schlu&#223;!  Ihr letzter Gedanke, Herr Briegleb, ist ein Paukenschlag.</p>
<p>Commons seien „sch&#246;ne politische Hobbies“ und die Betreiber der Commonsdebatte w&#252;rden sich</p>
<blockquote><p><em>„in den Glauben verirren, sie t&#228;ten etwas anderes als der pluralistische Angebotskapitalismus auch“.</em></p></blockquote>
<p>Bumm! Respekt. Gleich ab damit auf <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,781357,00.html" target="_blank">Spiegel Online</a> und <a href="http://www.perlentaucher.de/feuilletons/2011-08-20.html" target="_blank">in den Perlentaucher,</a> damit die geneigte Leserschaft wei&#223;, womit sie es zu tun hat.*** Mit „<em>der Privatsache</em>“ von  Projekthuberln, mit einer  „<em>dezentralen Partisanenbewegung</em>„, die an die „<em>Ausstiegsversprechen der Hippiebewegung erinnern</em>„. Bauchladentheater f&#252;r eine bessere Welt, die sie aber nicht (hin-)kriegen werden, weil die</p>
<blockquote><p><em>„Idee der Commons keine klar erkennbare Strategie hat“,</em> sondern eine<em> „gro&#223;e Ansammlung von Ausnahmen ist</em>„.</p></blockquote>
<p>Es ist schon richtig, Ideen haben keine Strategien. Schlie&#223;lich …sind es Ideen und keine Menschen. Die Frage ist demnach wie durchdacht und durchsetzungsstark sie sind. Armeegener&#228;le haben Strategien, manchmal auch Wissenschaftler, feurige Liebhaber oder politische Aktivisten. Nehmen wir an, Sie meinen Letztere. Mit wem haben Sie &#252;ber die Strategiefrage geredet?</p>
<p>Wer immer sich die M&#252;he macht, diese „<em>gro&#223;e Ansammlung von Ausnahmen</em>“ einmal genauer anszusehen, wer auch nur ein paar Stunden in den Datenbanken der Commonsforschung surft, wer aufmerksam die Zeitung liest, der wird feststellen, dass das Wichtigste an Ihrem Satz das W&#246;rtchen „gro&#223;“ ist.</p>
<p>Ja, Commons sind &#252;berall; vor allem aber sind sie &#252;berall m&#246;glich. Eine andere Frage ist, ob sie &#252;berall eine Chance kriegen oder als solche benannt werden und wieder eine andere Frage ist, ob sich der Gedanke der Commons in der gegenw&#228;rtigen Krise fast aller Denktraditionen durchsetzt, ob es also gelingt, Wirtschaft und Gesellschaft mehr und mehr nach Allmendeprinzipien zu organisieren. Da es diese Krise der Denktraditionen gibt – insbesondere jene der Konservativen <a href="http://www.faz.net/artikel/C30351/buergerliche-werte-ich-beginne-zu-glauben-dass-die-linke-recht-hat-30484461.html" target="_blank">wirbelt geh&#246;rig Staub au</a>f – stehen die Chancen nicht schlecht.</p>
<p>Um diese Fragen zu beantworten braucht es viel Theorie, viel Debatte, einen langen Atem und – dies vor allem – Respekt vor der Praxis der Leute, die etwas ver&#228;ndern. Egal wie gro&#223; oder klein diese Projekte sind. Mit Herablassung, welche die Autoren vom Perlentaucher bei Ihnen wittern, hat noch niemand einen kulturellen Wandel herbei gef&#252;hrt. Und um nichts Geringeres geht es. Um das Verschieben der gesellschaftlichen Debatte, weg vom <em>homo oeconomicu</em>s und den B&#246;rsennachrichten hin zu den Nachrichten &#252;ber <em>best practices der commoners</em> und zum Sichtbarmachen des <em>homo cooperans</em> in uns. &#220;berall liegen Diamanten rum, aber sie funkeln nicht. Deshalb &#252;bersieht sie die institutionalisierte Gesellschaft gern. (Von der Tatsache, dass politische, rechtliche und &#246;kononomische Strukturen solche Diamanten geradezu &#252;berrollen einmal ganz abgesehen.)</p>
<p>Sie aber, Ihr handwerkliches Geschick in Ehren, beginnen Ihre Auseinandersetzung mit den Commons mit einem Paukenschlag und diagnostizieren gleich mal einen frustrierten Abschied vom „Einfluss auf Strukturen“.  Ich vermute, Sie schauen dabei <em>auf</em> diese Strukturen. Also irgendwie von oben nach unten. Zitat:</p>
<blockquote><p><em>„Die Foodcoop &#228;ndert nichts an der Massentierhaltung. Das Wohnprojekt hat keinen Einfluss auf die Gier des Immobilienmarktes…“</em></p></blockquote>
<p>So plausibel das klingt, Herr Briegleb: You miss the point! Ich erinnere mich immer gern an ein Kinderbuch namens „<a href="http://www.amazon.de/product-reviews/3522414004/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&amp;showViewpoints=1" target="_blank">Schalmei und Kr&#252;glein</a>„. Dort erlebt man mit Genia, dass man von unten schauen muss, wenn man sein Kr&#252;glein mit k&#246;stlichen Walderdbeeren f&#252;llen will. Ach ja, und man muss ziemlich viel arbeiten.</p>
<p>Vielleicht ist es ja so, dass die Commonsbewegung, der Sie unterstellen keine Strategie zu haben, EINS (Marktversagen) und ZWEI (strukturelle Abh&#228;ngigkeit des Staates vom Markt) zusammenz&#228;hlt und sich Folgendes denkt: Wenn David gegen Goliath (den Krieger der Philister) antritt, dann muss es nicht immer ausgehen wie in der Bibel.</p>
<p>Vielleicht wollen sich diese Davids zun&#228;chst das Recht auf Autonomie erk&#228;mpfen, ein paar R&#228;ume, in denen sie sich und immer mehr Lebensbereiche „der Gier des Marktes“ entziehen. Vielleicht geht es ihnen zun&#228;chst nicht darum, den Marktmechanismus zu ver&#228;ndern, sondern das eigene Leben. (Scheint Ihnen das wenig?) Und vielleicht gelingt es den unz&#228;hligen Projekten und Initiativen weltweit, dabei so kreativ zu sein, dass sie Institutionen denken, schaffen und leben, die in der Summe eine fairere Welt ausmachen. Nicht nur im S&#252;den auch hier. Vielleicht kann man sich diese Vielfalt der Institutionen einmal genau anschauen (bedenken Sie – soziale Innovation war schon seit jeher wichtiger als technologische). Das ist wie das Waldbeerenpfl&#252;cken. Viel Arbeit. Dennoch, man kann hinsehen und fragen, was diese Regeln und Institutionen erm&#246;glichte, was die Projekte zusammenh&#228;lt, was sie bedroht, woran sie scheitern und man kann schlie&#223;lich „filtern“ nach welchen Prinzipien und „Strickmustern“ <em>commoning</em> denkbar ist. Eben genau, um diese Prinzipien &#252;bertragbar zu machen (<em>upscaling</em>) – nicht in der Form, aber im Grundgedanken. Vielleicht kann man all das Strategie nennen.</p>
<p>Sie sind sehr herzlich eingeladen daran mitzudenken, denn auch verhaltene Sympathie scheint durch Ihren Feuilletonbeitrag. Das ist mir nicht entgangen.</p>
<p>Eines noch, Sie verzeihen die Ausf&#252;hrlichkeit, die Sie gewisserma&#223;en erzwungen haben: Sie schrieben die Erkenntnis auf, dass die Suche nach „neuen Regeln“ allen Projekten gemeinsam sei, und weiter konstatieren Sie:</p>
<blockquote><p>„<em>Da mit voller Absicht, die Formulierung dieser Regeln den einzelnen Inititativen &#252;berlassen ist, und zwar gem&#228;&#223; ihren nationalen, lokalen und inhaltlichen Umst&#228;nden, wirkt der Wahlkampf f&#252;r die Commons leicht so verzweifelt.</em>„</p></blockquote>
<p>Ich weiss nicht, ob Sie bemerkten, dass sich in der Commonsdebatte niemand ein Rezept ausdenkt und selbiges zum Gesetz macht (wie etwa jenes, dass das Wirtschaftsleben von Angebot und Nachfrage bestimmt sei). Das sch&#252;tzt die Commons vor Ideologisierung. Die Forschung geht streng empirisch vor, was eine St&#228;rke ist, sie aber sperrig macht. Der h&#246;chste akzeptierte Abstraktionsgrad sind die Designprinzipien f&#252;r gelingendes kollektives Ressourcenmanagement, wie Elinor Ostrom sie in ihrer <a href="http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/2009/ostrom-lecture.html" target="_blank">Nobelpreisrede 2009 </a> res&#252;miert hat. Die politischen Aktivisten wiederum versuchen zu zeigen, was die sehr unterschiedlichen Commonsprojekte bei aller Vielfalt verbindet und welcher Horizont sich auftut f&#252;r ein Leben, das Freiheit und Fairness verbindet. Jenseits des Kapitalismus und dennoch aus ihm heraus.</p>
<p>Wie sollte denn Selbstorganisation und Selbstbestimmung damit zusammen gehen, dass die Leute ihre Regeln NICHT selbstbestimmen? Wie kann man Commons denken, wenn man an den entscheidenden Stellen <em>nur</em> an staatliche Lenkung denken kann? Und wenn der eigene Staat entm&#252;ndigt ist vielleicht an die EU und wenn diese entm&#252;ndigt ist an die WTO und wenn die dann…</p>
<p>Sie werfen diesem Ansatz den Abschied von „<em>gesellschaftlich organisierter Politik</em>“ vor. Wissen Sie: Etwas „gesellschaftlicheres“ als die Commons kann ich mir nicht vorstellen. Etwas demokratischeres &#252;brigens auch nicht.</p>
<p>Und wie um alles in der Welt, kommen Sie auf die Idee, dass die Commoners sich „im Wahlkampf“ bef&#228;nden? Wenn ich die Debatte richtig beobachte, befinden sie sich entweder auf den Barrikaden oder in ihren Projekten oder in Selbstfindungs- und Strategieprozessen.</p>
<p>Zum Schlu&#223;: Elinor Ostrom hat nicht geforscht, um irgendwann einmal mit dem Nobelpreis geehrt zu werden. Sie hatte keine Strategie, um dahin zu kommen. Gekriegt hat sie ihn trotzdem. So ist es auch mit gro&#223;en Umbr&#252;chen in der Geschichte. Sie lassen sich nicht vorhersagen. Am Ende sind sie einfach da. Aber im R&#252;ckblick ist immer klar, dass „viele kleine Menschen, die viele kleine Schritte tun“, diesen Umbr&#252;chen den Weg bereiteten. Ich verweise Sie auf die aktuelle Tagespresse. Und es ist auch klar, dass eine andere Gesellschaft nur dann m&#246;glich ist, wenn Politiker und Feuillletonisten und Marktteilnehmer und wer auch immer diesen Menschen endlich auf Augenh&#246;he begegnen.</p>
<p>Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en<br />
Ihre</p>
<p>Silke Helfrich</p>
<p>* Der Link f&#252;hrt auf Jakobs Blogbeitrag und von dort weiter zu einer Schranke der S&#252;ddeutschen.</p>
<p>** Commonarden ist ein h&#252;bscher Neologismus, der aber dem weniger ahistorischen Begriff der ‘commoners’ den Rang gewiss nicht ablaufen wird.</p>
<p>*** Ich habe gleich einmal versucht, etwas zu lernen und den Paukenschlaggedanken im Titel dieses Beitrags untergebracht. Das ist gut f&#252;r die Statistik.</p>
<p>PS: Dass Sie mich als „<em>Sprachrohr von Elinor Ostrom</em>“ ((die &#252;brigens Politikwissenschaftlerin ist) bezeichnet haben befremdet enorm.</p>
<p><em><a href="http://commonsblog.wordpress.com/2011/08/25/commons-als-pluralistischer-angebotskapitalismus/">Crosspost</a></em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4670&amp;md5=c838ad9212e166d01c21ed35921eec15" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Killing Roads &#8211; Verkehrsmeldungen mal anders</title>
		<link>http://blog.kooptech.de/2011/08/killing-roads-verkehrsmeldungen-mal-anders/</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Aug 2011 23:32:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Roesch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Datenjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>

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		<description><![CDATA[T&#246;dliche Routine

Norwegens Stra&#223;en sind t&#252;ckisch. Auf den ersten Blick erscheinen sie harmlos, so malerisch, wie sie sich zwischen Fjorden und Bergen hindurchschl&#228;ngeln. Das t&#228;uscht. Viele Autofahrer untersch&#228;tzen den kurvigen Stra&#223;enverlauf, fahren zu schnell oder verlieren die Konzentration, wenn ihnen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>T&#246;dliche Routine</strong></p>
<p>Norwegens Stra&#223;en sind t&#252;ckisch. Auf den ersten Blick erscheinen sie harmlos, so malerisch, wie sie sich zwischen Fjorden und Bergen hindurchschl&#228;ngeln. Das t&#228;uscht. Viele Autofahrer untersch&#228;tzen den kurvigen Stra&#223;enverlauf, fahren zu schnell oder verlieren die Konzentration, wenn ihnen kilometerlang kein Verkehr entgegenkommt. Meldungen &#252;ber Unf&#228;lle, bei denen Menschen schwer verletzt oder gar get&#246;tet wurden, sind an der Tagesordnung.</p>
<p>Auch die norwegische Tageszeitung „Bergens Tidende“, die vor allem in Norwegens zweitgr&#246;&#223;ter Stadt Bergen gelesen wird, ver&#246;ffentlichte t&#228;glich diese Hiobsbotschaften. Die Auflage betr&#228;gt 83.086 St&#252;ck, die Klickzahlen waren m&#228;&#223;ig. F&#252;r viele Leser geh&#246;rten die Unfallmeldungen zum Fr&#252;hst&#252;ck. Man dachte nicht weiter dar&#252;ber nach.</p>
<p><strong>Lokaljournalismus auf neuem Level</strong></p>
<p>Das brachte die Berger Journalisten auf eine Idee. Kann man, fragten sie sich, die Geschichte von Verkehrsunf&#228;llen neu erz&#228;hlen und den Lokaljournalismus auf ein neues Level heben? Sie starteten ein Projekt, gaben ihm den rei&#223;erischen Namen <a href="http://images.bt.no/iframes/veiene/fullskjermInt.html?null">„Killing roads“</a>, stellten es 2010 online. Pl&#246;tzlich stieg die Anzahl der Webbesucher dramatisch: 500 000 Unique Users verzeichnet <a href="http://www.bt.no">http://www.bt.no</a> mittlerweile. Eine beachtliche Zahl f&#252;r eine Stadt mit 260 000 Einwohnern.</p>
<p><a href="http://blog.kooptech.de/2011/08/killing-roads-verkehrsmeldungen-mal-anders/killing-roads/" rel="attachment wp-att-4621"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/uploads/2011/08/Killing-Roads.png" alt="" title="Killing-Roads" width="650" height="357" class="alignleft size-full wp-image-4621" /></a></p>
<p>Mit „Killing roads“ stiegen die Journalisten vom „Bergens Tidende“ tiefer in das Thema Verkehrsunf&#228;lle ein. Sie wollten zeigen, wie es auf den schmalen und verwinkelten Stra&#223;en zu Unf&#228;llen kommt. Das Problem war nur: Woher konnten sie die Daten beschaffen?</p>
<p>Sie wandten sich an das norwegische Verkehrsamt und bestanden auf das Informationsfreiheitsgesetz, das vergleichbar b&#252;rokratische Hindernisse aufweist wie das deutsche. Den Unterschied beschreibt der in Norwegen lebende Walter Heise, der gegen Deutschland wegen fehlender Informationsfreiheit bei den Vereinten Nationen klagt: „Wenn in Norwegen eine Beh&#246;rde eine Einsicht verweigert, muss sie die Klage entgegennehmen. Meistens gibt derjenige Beamte schon im Vorfeld nach &#8211; denn eine Verweigerung muss er begr&#252;nden, mit Einsicht ist die Sache erledigt. Das Entscheidende ist: In Norwegen gibt es ein kostenloses Klagesystem, das funktioniert. Im Falle einer Verweigerung k&#246;nnen B&#252;rger auch den B&#252;rgerbeauftragten beziehungsweise Ombudsmann anrufen. Er kontaktiert dann den betreffenden Beamten. Oft nimmt dieser dann die Weigerung zur&#252;ck und man erh&#228;lt die Einsicht.“</p>
<p><strong>Zusammenarbeit mit Programmierern</strong></p>
<p>Das Verkehrsamt gew&#228;hrte den Journalisten Einsicht in eine Datenbank mit allen Verkehrsunf&#228;llen im Land von 2000 bis 2010. Sie stellte sich als Goldmine heraus: 11400 Unf&#228;lle waren in einer Excel-Tabelle verpackt, inklusive exakter Position des Unfalls und Informationen &#252;ber Anzahl der Get&#246;teten, Verletzten, Schwere der Verletzungen, Fahrbahnbeschaffung, Autotyp oder Geschwindigkeitsbegrenzung.</p>
<p>Nun begann der eigentliche Datenjournalismus mit der Frage, wie man diese Informationen am sinnvollsten darstellt. Die Journalisten holten Programmierer ins Boot und ordneten in einem ersten Schritt die Unf&#228;lle auf einer gro&#223;en Google Map an.</p>
<p>Guter Journalismus dreht sich um Menschen. Deswegen suchten die Redakteure Verwandte der Opfer, baten um Fotos und interviewten sie &#252;ber ihre Erfahrungen auf den Stra&#223;en. Daraus entwickelte sich eine gro&#223;e Karte mit individuellen Geschichten, die ohne erhobenen Zeigefinger aufzeigt, wie gef&#228;hrlich Norwegens Stra&#223;en sein k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Ich bin der norwegischen Sprache nicht m&#228;chtig und musste mich auf mehr oder weniger exakte &#220;bersetzungen verlassen. Das erschwerte f&#252;r mich die Navigation, f&#228;llt aber weniger ins Gewicht: Ich geh&#246;re schlie&#223;lich als Nicht-Norwegerin nicht zur Zielgruppe.</p>
<p>F&#252;r Bewohner des Landes allerdings ist „Killing Roads“ eindringlicher als alle Zahlen &#252;ber Unfallopfer es je sein k&#246;nnen. Sie k&#246;nnen ihren Arbeitsweg betrachten, die Strecke zum Supermarkt, zu Freunden, die vermeintlich bekannte Urlaubsroute – und anhand von gr&#252;nen und roten Ballons sofort sehen, wer schwer verletzt wurde oder t&#246;dlich verungl&#252;ckte. Das wirkt.</p>
<p>Besonders hilfreich ist die Karte mit den Leserkommentaren. Hier k&#246;nnen User selbst vor un&#252;bersichtlichen oder schwierigen Stellen warnen, an denen sie einen Unfall oder eine brenzlige Situation erlebt haben.</p>
<p>Bedenken habe ich jedoch, was die Fotos der Opfer angeht. Ich habe diese Information aus einem Artikel &#252;ber das Projekt; selbst habe ich noch keine gefunden, mir aber auch nicht alle 11400 Eintr&#228;ge angesehen. Prinzipiell halte ich das jedoch f&#252;r problematisch. Muss man Fotos ver&#246;ffentlichen, um auf Gefahren hinzuweisen? Ich denke, dass auch ein anonymer 18-J&#228;hriger, der auf dem Nachhauseweg sein Leben gelassen hat, schlimm genug ist.</p>
<p>Es bleibt zu hoffen, dass „Killing Roads“ nicht nur f&#252;r mehr Klickzahlen beim „Bergens Tidende“ gesorgt hat, sondern auch der norwegischen Polizei einen Ansto&#223; gab, mehr Kontrollen durchzuf&#252;hren.</p>
<p><em>Der Artikel entstand im Rahmen eines Seminars zu Daten-Journalimus an der Hochschule Darmstadt. Dozent <a href="http://blog.kooptech.de/author/christian-kreutz/">Christian Kreutz</a>.</em></p>
<p><iframe width="560" height="345" src="http://www.youtube.com/embed/L2ME3M4ciLs" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4619&amp;md5=b853f9e56e1594d89bcdab091185134b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#220;ber die Bedeutung von Daten</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 12:29:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane Schulzki-Haddouti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Hier eine kleine Pr&#228;sentation f&#252;r die UNICEF, die die Bedeutung von Daten f&#252;r soziale Beziehungen (und Umw&#228;lzungen aller Art) erkl&#228;rt. Alexander Chung setzt damit die Daten dem Mehl gleich, den jeder Kuchen braucht. Daten sind das Mehl "digitaler Erfahrungen":

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<br>Beitr�ge zu verwandten Themen:<ol>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2010/02/grosses-open-data-kino/' rel='bookmark' title='Gro&#223;es Open-Data-Kino'>Gro&#223;es Open-Data-Kino</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier eine kleine Pr&#228;sentation f&#252;r die UNICEF, die die Bedeutung von Daten f&#252;r soziale Beziehungen (und Umw&#228;lzungen aller Art) erkl&#228;rt. Alexander Chung setzt damit die Daten dem Mehl gleich, den jeder Kuchen braucht. Daten sind das Mehl &#8220;digitaler Erfahrungen&#8221;:</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/25696144?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0" width="600" height="450" frameborder="0"></iframe>
<p><a href="http://vimeo.com/25696144">The data food-chain</a> from <a href="http://vimeo.com/alexanderchung">Alexander Chung</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
<p><br>Beitr�ge zu verwandten Themen:<ol>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2010/02/grosses-open-data-kino/' rel='bookmark' title='Gro&#223;es Open-Data-Kino'>Gro&#223;es Open-Data-Kino</a></li>
</ol></p><p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4548&amp;md5=70b076bd99bb92440caf0907a7a492b4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Filter Bubble vs. Evoked Set</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jun 2011 07:17:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Gisiger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmerksamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Engagement]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsflut]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur politischen Meinungsbildung ist das Internet speziell bei Jugendlichen ein effektives Medium. Nicht zuletzt die Protestbewegung in den arabischen L&#228;ndern hat diese bedeutende Rolle aufgezeigt. Aber anders als angenommen kann das Internet offenbar nicht nur kurzfristig (unzufriedene) Massen mobilisieren, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur politischen Meinungsbildung ist das Internet speziell bei Jugendlichen ein effektives Medium. Nicht zuletzt die Protestbewegung in den arabischen L&#228;ndern hat diese bedeutende Rolle aufgezeigt. Aber anders als angenommen kann das Internet offenbar nicht nur kurzfristig (unzufriedene) Massen mobilisieren, sondern schafft gerade bei Jungen echtes und tiefgreifendes Engagement in gesellschaftlich und politisch relevanten Fragen. Vertr&#228;gt sich das mit der aktuell gehypten vorgeblichen <em>Filter Bubble</em>?</p>
<h4><strong>Engagierte Jugendliche</strong></h4>
<p>Ein Grossteil des &#246;ffentlichen und politischen Lebens geschieht mittlerweile online. Der Aktivismus der Jugendlichen ist dabei keineswegs seicht, sondern geht in die Tiefe. H&#228;ufig distanzieren sich die User zwar von traditionellen Wegen. Ihr Engagement findet hingegen in den neuen Medienkan&#228;len der sozialen Medien seinen Raum und reicht von der politisch motivierten Online-Teilnahme &#252;ber die Entdeckung vielf&#228;ltiger Perspektiven im Web bis hin zum interessengesteuerten Internet-Aktivismus.</p>
<p>Zu diesem Schluss jedenfalls kommt eine Langzeitstudie des <a title="UCHRI" href="http://www.uchri.org/">Humanities Research Institute an der University of California</a> und r&#228;umt mit dem Vorurteil auf, dass sich die Nutzer nur mit jenen politischen Perspektiven auseinandersetzen, mit denen sie &#252;bereinstimmen. Stattdessen besch&#228;ftigen sie sich im Internet mit verschiedenen politischen Standpunkten. Zwar sind viele Teenager etwa an Politik generell nicht interessiert. Bei politisch oder gesellschaftlich motivierten Usern sorgen das Web und seine sozialen Netze aber f&#252;r Diversit&#228;t.</p>
<h4><strong>Und die Filter Bubble?</strong></h4>
<p>Diese Resultate widerlegen  <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Eli%20Pariser">Eli Parisers</a> in letzter Zeit durch <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1594203008/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=worgefecdas-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1594203008">sein Buch</a> und seinen <a title="TED Talk: The Filter Bubble" href="http://www.thefilterbubble.com/ted-talk">TED-Talk</a> gehypte Theorie der so genannten Filter Bubble (cf. dazu auch <a title="ZEIT: Automatisch vorsortiert" href="http://www.zeit.de/2011/26/Internet-Surfverhalten-Filter">die aktuelle <em>ZEIT</em></a>) nicht bzw. nur teilweise. Pariser postuliert, dass algorithmisch personalisierte Suchergebnisse bei Google und automatisierte Auswahlverfahren der bei Facebook auftauchenden Statusmeldungen den User in seinem eigenen &#8220;Interessens-Universum&#8221; gefangen nehmen und alles nicht seiner Meinung entsprechende ausblenden.</p>
<p>Nun ist es also offenbar so, dass rein technisch gesehen, diese Gefahr der einseitigen Information sehr wohl besteht (cf. dazu auch  <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/David%20Gelernter">David Gelernters</a> bereits 1991 <a href="http://www.amazon.de/gp/product/019507906X/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=worgefecdas-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=019507906X">postulierte &#8220;Spiegelrealit&#228;t&#8221;</a>), auf der anderen Seite aber viele User gewillt sind, sich breit zu informieren. Sind aber die Algorithmen Kern des Problems? Oder liegt es nicht vielmehr daran, dass die Mehrheit zu faul ist, um aktiv Voreinstellungen und &#228;hnliches zu &#228;ndern (wie <a title="Golem: Nur knapp 50 Prozent &#228;ndern die Einstellungen" href="http://www.golem.de/1106/84017-2.html">diese Studie hier postuliert</a>) und sich darum freiwillig in dieser Filter Bubble einschliessen? Und ist es nicht auch so, dass dies bei allen (Massen-)Medien schon immer so war? Wir konstruieren uns ja die Wirklichkeit anhand des eigenen medialen Horizonts, der im Internet auch schon vor Facebook und Co. <a title="Vielfalt am Leser vorbei" href="http://www.wortgefecht.net/social-media/vielfalt-am-leser-vorbei/">bei den meisten aus nur acht Webseiten</a> besteht ( <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Evoked%20set">Evoked Set</a>).</p>
<p>Es ist also &#8211; wie so oft &#8211; alles <a title="Eine neue Medien-Kompetenz" href="http://www.wortgefecht.net/gedankensplitter/eine-neue-medien-kompetenz/">eine Frage der Medienkompetenz</a>.</p>
<h4>+++ NACHTRAG vom 28.06.2011</h4>
<p>Leser MP hat mich in den Kommentaren zum Wortgefecht-Original-Beitrag zu Recht darauf hingewiesen, dass ich keine Resultate der erw&#228;hnten Langzweitstudie verlinkt habe. Hier nun ein paar weiterf&#252;hrende Links zum Thema, direkt publizierte Ergebnisse konnte ich ebenfalls keine finden:</p>
<ul>
<li><a title="Press Release UCHRI" href="http://www.macfound.org/site/apps/nlnet/content3.aspx?b=4294243&amp;c=lkLXJ8MQKrH&amp;ct=9139903">Medienmitteilung des UCHRI</a></li>
<li> <a href="http://ypp.dmlcentral.net/sites/all/files/publications/YouthOnlineActivityDiverseExposure.WORKINGPAPERS.pdf">Working Paper: Youth Online Activity and Exposure to Diverse Perspectives</a> (PDF)</li>
<li><a title="Youth and Participatory Politics (YPP)" href="http://ypp.dmlcentral.net/">Webseite des Programms/der Studie</a></li>
</ul>
<p><em><a href="http://www.wortgefecht.net/netzkultur/filter-bubble-vs-evoked-set">Crosspost</a></em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4531&amp;md5=421af4be35c95b836d8aaffe680ba2df" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Schwarze L&#246;cher im Haushalt</title>
		<link>http://blog.kooptech.de/2011/05/schwarze-locher-im-haushalt/</link>
		<comments>http://blog.kooptech.de/2011/05/schwarze-locher-im-haushalt/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 03 May 2011 10:07:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane Schulzki-Haddouti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Haushalt]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
		<category><![CDATA[Open Government]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Open-Data-Projekte wie der "Offene Haushalt" oder "Open Spending" suggerieren, man k&#246;nnte s&#228;mtliche Budgetzahlen aufarbeiten, grafisch darstellen und so vollkommene Transparenz dar&#252;ber herstellen, wie die Regierung mit Steuergeldern umgeht. Der B&#252;rger w&#228;re dann besser in der Lage, die Informationen auszuwerten ...
<br>Beitr�ge zu verwandten Themen:<ol>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2010/11/wie-anschaulich-ist-der-eu-haushalt/' rel='bookmark' title='Wie anschaulich ist der EU-Haushalt?'>Wie anschaulich ist der EU-Haushalt?</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/cda74fd969b148bca4f8794ae90204" alt="" width="1" height="1" />Open-Data-Projekte wie der &#8220;<a href="http://bund.offenerhaushalt.de/">Offene Haushalt</a>&#8221; oder &#8220;<a href="http://data.wheredoesmymoneygo.org/">Open Spending</a>&#8221; suggerieren, man k&#246;nnte s&#228;mtliche Budgetzahlen aufarbeiten, grafisch darstellen und so vollkommene Transparenz dar&#252;ber herstellen, wie die Regierung mit Steuergeldern umgeht. Der B&#252;rger w&#228;re dann besser in der Lage, die Informationen auszuwerten und zu bewerten.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-4485" href="http://blog.kooptech.de/2011/05/schwarze-locher-im-haushalt/bilancio_partecipativo_in_icapui_brasile/"><img class="size-full wp-image-4485 alignnone" title="Bilancio_partecipativo_in_Icapui'_(Brasile)" src="http://blog.kooptech.de/wp-content/uploads/2011/05/Bilancio_partecipativo_in_Icapui_Brasile.jpg" alt="" width="720" height="464" /></a></p>
<p><em>Partizipativer Haushalt in Icapui, Brazil. Bild via <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bilancio_partecipativo_in_Icapui%27_(Brasile).jpg" target="_blank">Wikimedia Commons</a>, Fotograf: <a href="http://www.flickr.com/photos/35034348187@N01">Paolo Massa</a>, Italien</em>.</p>
<p>Dies ist grunds&#228;tzlich durchaus der Fall, doch die Qualit&#228;t der Daten ist nicht immer &#252;berzeugend &#8211; und systematische Verst&#246;&#223;e gegen den Kontroll- und Transparenzgedanken sind allein anhand des Zahlenmaterials nicht sichtbar.</p>
<p><strong>Der Open Budget Index</strong></p>
<p>Dass die Budgets weltweit sehr unterschiedliche Transparenzqualit&#228;t aufweisen, zeigt regelm&#228;&#223;ig der &#8220;<a href="http://www.internationalbudget.org/library/">Open Budget Index</a>&#8221; der NGO &#8220;International Budget Partnership&#8221;. Aus dem aktuellen Bericht f&#252;r 2010, dem <em>Open Budget Survey 2010</em>, in den Umfrageergebnisse aus 94 L&#228;ndern einflossen sind, geht hervor, dass Deutschland mit 67 Punkten von 100 noch im &#8220;guten&#8221; Bereich anzusiedeln ist:</p>
<p><a rel="attachment wp-att-4469" href="http://blog.kooptech.de/2011/05/schwarze-locher-im-haushalt/global-budget-survey2010/"><img class="alignleft size-full wp-image-4469" title="Global-Budget-Survey2010" src="http://blog.kooptech.de/wp-content/uploads/2011/05/Global-Budget-Survey2010.png" alt="" width="647" height="893" /></a></p>
<p>Hierzu gibt es ein kleines Erkl&#228;rvideo, das die Motivation und die Ziele des Survey erl&#228;utert:</p>
<p><object width="640" height="390"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/7d-mSv0eSOE&amp;hl=en_US&amp;feature=player_embedded&amp;version=3" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="640" height="390" src="http://www.youtube.com/v/7d-mSv0eSOE&amp;hl=en_US&amp;feature=player_embedded&amp;version=3" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><strong>Schwarze L&#246;cher</strong></p>
<p>Methodisch erl&#228;utern Harika Masud und Jason Lakin in ihrem Artikel <a href="http://yalejournal.org/wp-content/uploads/2011/03/116110masud-lakin.pdf">&#8220;Documents You Can Use: What the Open Budget Survey 2010 Tells Us about the Global State of Transparency&#8221;</a> (PDF) im <em>Yale Journal of International Affairs</em> nicht nur das Vorgehen bei der Erstellung des Surveys, sondern auch die Grenzen der Transparenz: Sie thematisieren unter anderem die &#8220;schwarzen L&#246;cher&#8221;, die Haushaltszahlen korrumpieren k&#246;nnen. Es gibt drei verschiedene Arten von &#8220;schwarzen L&#246;chern&#8221;:</p>
<blockquote>
<ul>
<li>Perhaps the most prominent black hole that the 2010 Survey tries to assess is that around “<strong>off-budget</strong>” or extra-budgetary resources. […]</li>
<li>Another black hole in budgeting arises around tax expenditures. <strong>Tax expenditures</strong> are exemptions from tax for specified entities, individuals, or activities (e.g. tax breaks for some business sectors). […]</li>
<li>Expenditure arrears represent another budgeting black hole. <strong>Expenditure arrears</strong> are essentially a kind of debt that governments accrue as a result of their failure to make payments to suppliers in a given year. (Masud/Lakin 2011: 71-72)</li>
</ul>
</blockquote>
<p><strong>Off-Budget</strong></p>
<p>In Deutschland besteht im Moment der gr&#246;&#223;te &#8220;Off-Budget&#8221;-Bereich im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzmarktstabilisierungsfonds">Finanzmarktstabilisierungsfonds</a> SoFFin, auf den Harald Schumann <a href="http://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Demokratiekongress/Harald_Schumann__Wirtschaftliche_Macht_und_Demokratie_Mainz_13_3_2011.pdf">hingewiesen</a> hat. &#220;ber diesen wurden bislang rund 70 Mrd. Euro abgerufen. In seiner Rede auf dem Demokratiekongress der Gr&#252;nen sagte er:</p>
<blockquote><p>Daf&#252;r wurde das Haushalts-Recht des Parlaments, die Ur-Idee der Demokratie in allen au&#223;er Krisenstaaten Kraft gesetzt. Die  Ausgabe von Steuergeldern im Multi-Milliarden-Ma&#223;stab erfolgt ohne parlamentarische Kontrolle, und was noch wichtiger ist, ohne &#246;ffentliche Debatte, d.h. B&#252;rger k&#246;nnen bis heute nicht &#252;berpr&#252;fen, warum und f&#252;r wen sie zahlen  In D fing es schon damit an, dass die Konditionen in Geheimverhandlungen von zwei Regierungsbeamten mit Vertretern der Banken festgelegt wurden, im wesentlichen Josef Ackermann.. Der brachte auch gleich seine Anw&#228;lte mit, die kamen von der weltweite t&#228;tigen Gro&#223;kanzlei Freshfields, Bruckhaus, Deringer,  die dann praktischerweise gleich auch die Gesetzentw&#252;rfe schrieben Das hat bis heute gravierende Folgen, Parlamentarier haben keine Kontrolle &#252;ber den SoFFin. Es gibt lediglich Informationsgremium aus 9 Abgeordneten. Die d&#252;rfen aber nur fragen, keine Dokumente, keine Vorladungen, und d&#252;rfen nicht mal dar&#252;ber reden, weder mit ihren W&#228;hlern noch mit ihren Kollegen.</p></blockquote>
<p>Im Fall der Commerzbank kostete dies 18 Mrd. Euro &#8211; bei einem B&#246;rsenwert unter 3 Mrd. Euro. Schumann hat hier auch gleich einen passenden Zahlenvergleich &#8211; siehe transparenter Haushalt:</p>
<blockquote><p>Das war fast so viel, wie alle deutschen Universit&#228;ten im Jahr kosten. Daf&#252;r haben wir aber einen 25 prozentigen Anteil an der Bank bekommen. Der Rest floss als stille Einlage. Die soll zwar verzinst werden, aber nur, wenn die Bank auch entsprechend Gewinn erwirtschaftet. Nur der steht auf Jahre nicht in Aussicht.</p></blockquote>
<p>Schumann stellt das Ganze noch in einen weiteren Kontext, n&#228;mlich in den der Eigent&#252;merverantwortlichkeit:</p>
<blockquote><p>Und das Ganze geschah nur, um der Commerzbank die &#220;bernahme der maroden Dresdner Bank zu finanzieren und damit dem vorherigen Besitzer, der Allianz AG, die Kosten der Sanierung zu ersparen. Zu keinem Zeitpunkt wurde auch nur erwogen, die Allianz f&#252;r die Kosten der Sanierung der Dresdner Bank heranzuziehen, obwohl ausschlie&#223;lich dieser gr&#246;&#223;te Finanzkonzern Europas f&#252;r die Misere verantwortlich war. Die Vertr&#228;ge zwischen der Commerzbank und der Allianz sind bis heute strikt geheim. Auch die angeblichen Kontrolleure des Soffin in dem schon erw&#228;hnte machtlosen Gremium haben den Vertrag nie zu sehen bekommen. Das Ergebnis der Operation war dann im Jahr 2010 in den Bilanzberichten nachzulesen: Die Commerzbank machte 4 Milliarden Euro Verlust, die Allianz berichtet 4 Milliarden Euro Gewinn.</p></blockquote>
<p>Und er wirft am Schluss noch einen Blick auf das gro&#223;e Ganze:</p>
<blockquote><p>Von der &#214;ffentlichkeit kaum bemerkt, hat der Bundestag vergangenen Dezember  die Bankenrettung jetzt institutionell verewigt. Nun gibt eine Bundesanstalt f&#252;r Finanzmarktstabilisierung und diese darf nach Gutd&#252;nken der Exekutive auch k&#252;nftig bis zu 100 Milliarden Euro zur Rettung von Banken und ihren Gl&#228;ubigern ausgeben, ohne dass der Haushaltsausschuss des Bundestages auch nur gefragt werden muss.</p></blockquote>
<p>Als Schumann sich dar&#252;ber wunderte, dass das Parlament freiwillig die Kontrolle &#252;ber einen Gro&#223;teil des Budgets aufgab und dazu Abgeordnete aus dem Haushaltsausschuss befragte, erntete er Unverst&#228;ndnis. Ein Abgeordneter sagte ihm zufolge: <em>&#8220;Wir k&#246;nnen doch nicht jede Ausgabe pr&#252;fen.&#8221;</em> F&#252;r Schumann steht damit fest: Die Regierung bewertet &#8220;das  private Interesse einzelner Unternehmen und Kapitaleigner systematisch h&#246;her, als die Rechte des Parlaments und der B&#252;rger.&#8221;</p>
<p><strong>Steuererleichterungen</strong></p>
<p>Das zweite &#8220;schwarze Loch&#8221; sind Steuererleichterungen. Hier liegt das Beispiel f&#252;r Deutschland auf der Hand: Die Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent f&#252;r bestimmte Wirtschaftszweige.</p>
<p><strong>R&#252;ckst&#228;nde bei der Schuldenzur&#252;ckzahlung</strong></p>
<p>Das dritte &#8220;schwarze Loch&#8221; sind R&#252;ckst&#228;nde bei der Schuldenzur&#252;ckzahlung. Soweit ich informiert sind, gibt es diese R&#252;ckst&#228;nde noch nicht. Wenn die Neuverschuldung jedoch am Zuge der Eurorettung st&#228;rker anwachsen sollte, sind auch diese nicht ausgeschlossen.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Transparenz aller Haushalts-relevanten Zahlen ist die erste Voraussetzung, um Haushaltszahlen bewerten zu k&#246;nnen. Relevant f&#252;r das Gesamtbild sind auch die Zahlen, die au&#223;erhalb der parlamentarischen Kontrolle verhandelt werden. Hier muss das System eines &#8220;Offenen Haushalts&#8221; M&#246;glichkeiten schaffen, diese &#8220;schwarzen L&#246;cher&#8221; zu bewerten und darzustellen. Nur so wird die wirkliche Bedeutung des Haushalts klar. Man m&#252;sste also &#8220;Open Spending&#8221; und andere &#8220;Offene Haushalte&#8221; mit dem &#8220;Open Budget Index&#8221; verbinden, um die G&#252;te der Zahlen deutlicher zu  machen. Datencrunching kann hier also nur der Anfang sein.</p>
<p><br>Beitr�ge zu verwandten Themen:<ol>
<li><a href='http://blog.kooptech.de/2010/11/wie-anschaulich-ist-der-eu-haushalt/' rel='bookmark' title='Wie anschaulich ist der EU-Haushalt?'>Wie anschaulich ist der EU-Haushalt?</a></li>
</ol></p><p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4468&amp;md5=5e6093130d5a679f8bdf39b485d93468" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Studie zu Open Government listet Kriterien f&#252;r &#214;ffentlichkeit auf</title>
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		<pubDate>Sun, 01 May 2011 12:11:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane Schulzki-Haddouti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Open Government]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie kann man die Offenheit einer Regierung bemessen? Welche Kriterien kommen zum Anschlag, um feststellen zu k&#246;nnen, ob ein Land eine offenere Regierung hat wie ein anderes? Das britische Partzipations-ThinkTank Involve hat f&#252;r die OECD 2009 eine Studie dazu ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie kann man die Offenheit einer Regierung bemessen? Welche Kriterien kommen zum Anschlag, um feststellen zu k&#246;nnen, ob ein Land eine offenere Regierung hat wie ein anderes? Das britische Partzipations-ThinkTank <a href="http://www.involve.org.uk/">Involve</a> hat f&#252;r die OECD 2009 eine Studie dazu verfasst, die jetzt erst frei gegeben wurde:<a href="http://www.oecd.org/dataoecd/31/53/46560184.pdf"> Open Government &#8211; beyond static measures</a> (PDF).</p>
<p>Die in der Studien vorgeschlagenen Indikatoren werden von der OECD hinsichtlich einer &#220;bernahme in seine &#8220;Government at a Glance&#8221;-Ver&#246;ffentlichungsreihe &#252;berpr&#252;ft. Ich denke aber, dass sie f&#252;r jeden hilfreich sind, der &#252;ber eine St&#228;rkung demokratischer Strukturen nachdenkt. Ich hatte ja f&#252;r die Gr&#252;nen bereits <a href="http://blog.kooptech.de/2011/03/8-vorschlage-zur-starkung-der-offentlichkeit/">8 Vorschl&#228;ge zur St&#228;rkung der &#214;ffentlichkeit</a> erarbeitet. Diese Studie geht &#252;ber diese Punkte noch einmal hinaus, indem sie auch die Mechanismen betrachtet, die Institutionen &#246;ffentlicher werden lassen.</p>
<p>Zu den Schl&#252;sselma&#223;nahmen f&#252;r &#8220;Open Government&#8221; z&#228;hlt die Studie folgende:</p>
<ul>
<li>Gesetz f&#252;r Informationszugang (in Deutschland in f&#252;nf Bundesl&#228;ndern noch immer nicht vorhanden)</li>
<li>Ombudsmann bzw. Beauftragter f&#252;r Informationsfreiheit (s.o.)</li>
<li>Eine h&#246;here Auditinstitution (in Deutschland gleichbedeutend mit den Beauftragten f&#252;r Informationsfreiheit)</li>
<li>Gesetz &#252;ber Verwaltungsvorg&#228;nge (vorhanden)</li>
<li>Datenschutzgesetz (multipel vorhanden)</li>
<li>E-Government-Policy (vorhanden)</li>
<li>Whistleblowing-Schutz-Policy (fehlt)</li>
<li>Policy zur Offenlegung von Informationen im &#246;ffentlichen Interesse (Abw&#228;gung des Schutzes von Betriebsgeheimnissen gegen&#252;ber &#246;ffentlichem Interesse ist im Informationsfreiheitsgesetz nicht vorgesehen)</li>
<li>Konsultations-Policy (Institutionen m&#252;ssen B&#252;rger und Stakeholder in Entscheidungsprozesse einbeziehen &#8211; meinem Eindruck nach wird die &#8220;Zivilgesellschaft&#8221; nach Gutd&#252;nken einbezogen)</li>
<li>Gesetze, die das Recht einr&#228;umen, von Beh&#246;rden veranstaltete Treffen zu beobachten (fehlt)</li>
</ul>
<p>Zu den von der Studie ausgew&#228;hlten Indikatoren geh&#246;ren dann nur zum Teil die oben gelisteten Ma&#223;nahmen, da sie teilweise bereits &#252;ber andere Berichte abgedeckt werden:</p>
<blockquote><p>Indicators relating to law on access to information and documents:</p>
<ul>
<li>The law presumes proactive publication of information.</li>
<li>The implementation of the law meets citizens’ demand for information.</li>
<li>The law ensures equal access to information and documents for all citizens.</li>
<li>Complaints/appeals mechanisms available meet the needs of citizens,</li>
</ul>
<p>Indicators relating to Ombudsman/Information Commissioner Institutions:</p>
<ul>
<li>The Ombudsman/Information Commissioner is independent of the Executive.</li>
<li>The Ombudsman/Information Commissioner’s’ findings are acted upon.</li>
<li>The Ombudsman/Information Commissioner provides equal access to its reports and services for all citizens.</li>
</ul>
<p>Indicators relating to Supreme Audit Institutions:</p>
<ul>
<li>The Supreme Audit Institution is independent of the Executive.</li>
<li>The Supreme Audit Institution’s findings are acted upon.</li>
</ul>
<p>Indicators relating to consultation policies:</p>
<ul>
<li>Public bodies are required to consult with citizens or other stakeholders in decisionmaking.</li>
</ul>
</blockquote>
<p>Auffallend ist in Bezug auf Deutschland au&#223;erdem, dass die Beh&#246;rden f&#252;r Datenschutz und Informationsfreiheit bis auf eine Einzige nicht unabh&#228;ngig von der Exekutive sind (weswegen die Kommission jetzt auch mit einem Verfahren droht).</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4460&amp;md5=8067d00eae4a1f178bc6fe4e17ee2c35" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Interessanter Relaunch von Surprising Europe</title>
		<link>http://blog.kooptech.de/2011/04/interessanter-relaunch-von-surprising-europe/</link>
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		<pubDate>Sun, 24 Apr 2011 13:21:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane Schulzki-Haddouti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>

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		<description><![CDATA[Per Zufall entdeckt, dass die Website "Surprising Europe" einen wichtigen, und sehr logischen Relaunch erlebt hat. Vor allem Journalisten hatten in der alten Version &#252;ber die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Migranten in Europa berichtet - was dem ganzen Projekt ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Per Zufall entdeckt, dass die Website &#8220;Surprising Europe&#8221; einen wichtigen, und sehr logischen Relaunch erlebt hat. Vor allem Journalisten hatten in der alten Version &#252;ber die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Migranten in Europa berichtet &#8211; was dem ganzen Projekt mitunter einen etwas merkw&#252;rdigen Zungenschlag verlieh &#8211; als m&#252;ssten Migranten unbedingt davor gewarnt werden, hierher zu kommen. Entsprechend gab es auch einen Kommentar zu der kurzen <a href="http://blog.kooptech.de/2008/11/surprising-europe/">Notiz</a>, die ich 2008 &#252;ber das Projekt verfasst hatte. Hier ein Screenshot der alten Version:</p>
<p><img class="size-full wp-image-4429 alignnone" title="SurprisingEurope-450" src="http://blog.kooptech.de/wp-content/uploads/2011/04/SurprisingEurope-4501.png" alt="" width="456" height="358" /></p>
<p>Seit etwa einem Monat nun das neue<a href="http://www.surprisingeurope.com/"> Surprising Europe</a>, das sich direkt an die Migranten richtet, die unmittelbar selbst zu Wort kommen sollen. Sie k&#246;nnen sich nun ihr eigenes Blog &#252;ber die Plattform einrichten. Eine Karte zeigt, aus welchen Orten die Beitr&#228;ge in Europa stammen bzw. wo es Initiativen gibt, die f&#252;r afrikanische Migranten interessant sind.</p>
<p>Ein <a href="http://surprisingeurope.com/topics/surviving-europe/racism-in-europe-one-of-them-started-to-hit-me-with-a-baseball-bat.html">Beitrag aus K&#246;ln </a>beschreibt eine wohl rassistisch motivierte Schl&#228;gerei. Dazu gibt es einen Video-Beitrag &#252;ber rassistische Vorf&#228;lle in Deutschland. Ein anderer <a href="http://surprisingeurope.com/topics/work/getting-married-in-europe-the-struggle-for-papers.html">Beitrag aus Berlin</a>, ebenfalls mit Video, erz&#228;hlt, dass es gar nicht so einfach ist, die notwendigen Papiere zu beschaffen, wenn man heiraten m&#246;chte.</p>
<p>Der qualitative Sprung besteht darin, dass ein redaktioneller Filter nicht mehr sichtbar ist. Dass es einen gibt, davon gehe ich angesichts der h&#252;bsch formatierten und geschriebenen Beitr&#228;ge aus. Die Filmbeitr&#228;ge machen ebenfalls einen sehr professionellen Eintrag.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-4430" href="http://blog.kooptech.de/2011/04/interessanter-relaunch-von-surprising-europe/surprising-europe-2/"><img class="alignleft size-full wp-image-4430" title="Surprising-Europe" src="http://blog.kooptech.de/wp-content/uploads/2011/04/Surprising-Europe.png" alt="" width="450" height="357" /></a></p>
<p>Hinter dem Relaunch steckt wohl  der ugandische Fotojournalist Ssuuna Golooba. Ihn r&#252;ttelte der Tod von elf &#8220;illegalen&#8221; Migranten auf &#8211; dar&#252;ber musste berichtet werden. In <a href="http://sestaging.kaminski.nl/community/Ssuuna/inspired-by-friends-to-migrate.html">seinem Blog</a> auf Surprising Europe berichtet er &#252;ber seine Erlebnisse.</p>
<p>&#220;ber den Wandel  der Website zeigt sich das Projekt leider<a href="http://surprisingeurope.com/about/colofon.html"> etwas wortkarg</a>. Es sieht so aus, als ob der Verein, der die alte Version ins Leben gerufen hatte, nun einfach auch die neue unterst&#252;tzt &#8211; sich aber lediglich als Plattform-Dienstleister begreift. Finanziell unterst&#252;tzt wird das Projekt &#252;brigens vom niederl&#228;ndischen <a href="http://www.mediafonds.nl/">Medienfonds</a>. Eine derartige Unterst&#252;tzung zivilgesellschaftlicher Medienprojekte gibt es in Deutschland meines Wissens nach nicht, das der Staat sich aus der Medienf&#246;rderung hier bewusst raush&#228;lt (ausgenommen nat&#252;rlich ist die GEZ).</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4427&amp;md5=af584e72e8b579824254a3a952e8be95" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Gemeing&#252;ter auf dem WSF: Easy to copy</title>
		<link>http://blog.kooptech.de/2011/03/gemeinguter-auf-dem-wsf-easy-to-copy/</link>
		<comments>http://blog.kooptech.de/2011/03/gemeinguter-auf-dem-wsf-easy-to-copy/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 10:55:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Silke Helfrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Allmende]]></category>
		<category><![CDATA[Commons]]></category>
		<category><![CDATA[Copyleft]]></category>
		<category><![CDATA[Energie]]></category>
		<category><![CDATA[Freie Software]]></category>
		<category><![CDATA[Open Source]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Was Transition Town Movement und Freie Software Bewegung gemeinsam haben ...

Wir befinden uns auf dem gr&#246;&#223;ten Universit&#228;tsgel&#228;nde Westafrikas, der Universit&#228;t Cheikh Anta Diop. Es ist trockenzeitstaubig, inmitten des Staubs wimmeln Menschen. Wir schauen ihnen auf die Brust, um herauszufinden wer hier ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://commonsblog.files.wordpress.com/2011/03/silkes-panel-wsf.jpg" target="_blank"><img class="alignleft" style="margin: 10px;" title="Silke's Panel- WSF" src="http://commonsblog.files.wordpress.com/2011/03/silkes-panel-wsf.jpg?w=349&amp;h=260" alt="" width="349" height="260" /></a>Was Transition Town Movement und Freie Software Bewegung gemeinsam haben &#8230;</strong></p>
<p>Wir befinden uns auf dem gr&#246;&#223;ten Universit&#228;tsgel&#228;nde Westafrikas, der <a href="http://www.ucad.sn/" target="_blank">Universit&#228;t Cheikh Anta Diop</a>. Es ist trockenzeitstaubig, inmitten des Staubs wimmeln Menschen. Wir schauen ihnen auf die Brust, um herauszufinden wer hier studiert und wer zum Weltsozialforum geh&#246;rt. Immerhin sind etwa 90.000 Teilnehmer_innen gemeldet. Doch nur ein ern&#252;chternd kleiner Teil tr&#228;gt die WSF-B&#228;nder um den Hals, denn, so stellt sich heraus, der Unibetrieb l&#228;uft wider Erwarten weiter.</p>
<p>Die Organisation des <a href="http://fsm2011.org/" target="_blank">10. Weltsozialforums</a> Anfang Februar 2011 <a href="http://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/chaos-auf-dem-wsf/" target="_blank">tr&#228;gt daher abenteuerliche Z&#252;ge</a>. Alle Veranstalter stehen Kopf. Wir rechnen zur Pr&#228;sentation der franz&#246;sischen Fassung des Gemeing&#252;terreports &#8220;<a href="http://www.boell.de/downloads/20101101_Report_Biens_Communs.pdf" target="_blank">Biens Communs Prospérité par le Partage</a>&#8220; (dt. Gemeing&#252;ter Wohlstand durch Teilen) mit einer Handvoll Leute. Und selbst das erscheint optimistisch, denn der im letzten Moment zugewiesene Raum befindet sich gar nicht auf dem Universit&#228;tsgel&#228;nde; sondern in der FESTAF. Was das bedeutet, wissen auch die Taxifahrer nicht. Die Mitteilung erreicht das hbs-Team am Tag vor der Veranstaltung. So bleibt nur noch, die Information per Hand auf die l&#228;ngst gedruckten Flyer zu kleben. Sch&#246;n geduldig. Als wir am 07.02.2011 zun&#228;chst die FESTAF und dann “unseren” Raum ausfindig machen, ist dieser von Studenten belegt. Ich schlage ganz ernsthaft vor, mit dem Professor zu reden; vielleicht k&#246;nnten wir … die Studenten zum Publikum machen. Referenten aus Deutschland, Frankreich und Mali hat man auch im Senegal nicht alle Tage. Die Idee wird verworfen und nach Kr&#228;ften umdisponiert. Der Multimediaraum der FESTAF st&#252;nde zur Verf&#252;gung. Dolmetscher, Sprecher und die ersten G&#228;ste (ja doch) packen an. Um sich anschlie&#223;ende weiter in Geduld zu &#252;ben. Im Multimediaraum wird gerade ein Film gezeigt. Er sei “in ein paar Minuten” zu Ende. Unschwer zu erraten, dass in Westafrika ‘ein paar Minuten’ recht lang sein k&#246;nnen.</p>
<p>Doch das Warten hat sich gelohnt. Inzwischen treffen immer mehr Neugierige ein, darunter Abgeordnete des Europarlaments. Am Ende ist der erk&#228;mpfte Raum der FESTAF mit ca 50 Personen gut gef&#252;llt. Als Ko-Autorin des Berichts gebe ich eine Einf&#252;hrung in die aktuelle Commons-Diskussion, bei der es nicht um das Wasser, den Wald, das Saatgut oder die Software an sich geht. Gemeing&#252;ter sind vielmehr als soziale Organisationsform zu verstehen, die Probleml&#246;sungen “jenseits von Markt und Staat” aufzeigt. Die Leiterin des Berliner B&#252;ros des Instituts f&#252;r Wirtschaft, Karin Horn, hatte es k&#252;rzlich <a href="http://www.google.com/url?sa=t&amp;source=news&amp;cd=3&amp;ved=0CDwQqQIwAg&amp;url=http://www.faz.net/s/RubB8DFB31915A443D98590B0D538FC0BEC/Doc%7EED48DB868A04F452C85E53A19F6D2CF95%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html&amp;rct=j&amp;q=%20Allmende&amp;ei=mc1sTfr1IpH6sgaitcnKBQ&amp;usg=AFQjCNEQcYDJIewSmQr7eI0H7e7oH7c30g&amp;cad=rja" target="_blank">in der FAZ auf den Punkt gebracht</a>:</p>
<blockquote><p><em>“Warum ist die Allmende wichtig? Weil sie Probleme l&#246;st.”</em></p></blockquote>
<p>Zwei Beispiele sollten das illustrieren: Die <a href="http://www.freitag.de/alltag/1105-blo-nicht-zu-streng-sein" target="_blank">Transition Town Bewegung</a> einerseits, die von unten versucht, ein fossilienergiearmes Leben in unseren St&#228;dten umzusetzen, und das <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CB0QFjAA&amp;url=http://de.wikipedia.org/wiki/Copyleft&amp;ei=hSdtTeC4MMjBtAbX7byxBQ&amp;usg=AFQjCNHQVccomx988Qt1R2NdCAeZyu_F-Q" target="_blank">Copyleft</a> andererseits. Letzteres ist ein Rechtsinstrument zur Sicherung von Software als Gemeingut. Was beide gemeinsam haben und zum Commons macht?</p>
<ul>
<li>Es sind selbstorganisierte L&#246;sungen. Die Gesellschaft ist die treibende Kraft, der “<em>change agent</em>”, manchmal auch nur Einzelne; Menschen, die die Reputation und das Geschick haben, Ver&#228;nderungsprozesse zu katalysieren, wie etwa <a href="http://transitionculture.org/about/" target="_blank">Rob Hopkins</a> von Transition Town und <a href="http://stallman.org/" target="_blank">Richard Matthew Stallman</a>, der Gr&#252;nder der Freien Software Bewegung. Markt und Staat treten in den Hintergrund.</li>
<li>Die Protagonisten gehen davon aus, dass es Dinge gibt, die wir teilen m&#252;ssen – dazu geh&#246;rt die Atmosph&#228;re genauso wie der Softwarecode.</li>
<li>Sie operieren nicht mit der Idee der “Knappheit” und produzieren nicht f&#252;r den Markt, sondern sie reproduzieren Nutzungsm&#246;glichkeiten f&#252;r alle und sch&#246;pfen dabei aus dem, was vorhanden ist oder kollektiv weiterentwickelt wird.</li>
<li>Sie sind “easy to copy!” Auch in der Transition Town Bewegung ist “voneinander abgucken” nicht nur erlaubt, sondern explizit gew&#252;nscht. Nachmachen ist m&#246;glich, man muss sich “nur” daf&#252;r entscheiden. Diese Entscheidung ist nicht in erster Linie eine Frage der Ressourcen, sondern sie findet im Kopf statt.</li>
<li>Sie gehen von der &#220;berzeugung aus, dass vertikale Kontrolle sowie von au&#223;en oder von oben verordnete Regeln tendenziell zum Scheitern verurteilt sind.</li>
<li>Sie begegnen den gegebenen Machtverh&#228;ltnissen nicht, indem sie den Kampf David gegen Goliath antreten, sondern indem sie aktiv die anderen m&#246;glichen Welten gestalten. Getreu dem Motto des Weltsozialforums:<strong> Eine andere Welt ist m&#246;glich!</strong></li>
</ul>
<p><a href="http://herve.cfeditions.org/" target="_blank">Hervé Le Crosnier</a> erg&#228;nzt diese Gemeinsamkeiten um den von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Linebaugh" target="_blank">Peter Linebaugh</a> gepr&#228;gten Satz:</p>
<blockquote><p>“<em>There is no commons without commoning”. (</em>Es gibt keine Gemeing&#252;ter ohne gemeinsames Tun.)</p></blockquote>
<p>Le Crosnier ist Verleger und Wissenschaftler aus Frankreich, er schl&#228;gt als zweiter Referent eine Br&#252;cke zur historischen Dimension der Gemeing&#252;terdebatte und bezieht sich dabei auf die <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CB0QFjAA&amp;url=http://de.wikipedia.org/wiki/Magna_Carta&amp;ei=5M1sTarWNobHsgbqzanHBQ&amp;usg=AFQjCNEA6N2Ah8btMcgT0mjuxxf2dX0dfA" target="_blank">Magna Carta</a> vom Beginn des 13. Jahrhunderts, deren Grundelemente noch heute die westlichen Verfassungen pr&#228;gen. Nur die damit eng verbundene <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Charter_of_the_Forest" target="_blank">Charter of the Forests</a> sei in Vergessenheit geraten. Dabei waren gerade dort die Nutzungsrechte der “<em>commoners</em>” geregelt, der Allmendenutzer. Der Zugang zum Holz bedeutete f&#252;r die Menschen jener Zeit soviel wie f&#252;r uns heute das &#214;l. Der Honig aus den W&#228;ldern war die wichtigste existierende Zuckerquelle. Diese Trennung zwischen <em>Magna Carta</em> und <em>Charter of the Forests</em> (obwohl sie zusammen geh&#246;ren) reproduziere sich noch heute, etwa in der Spaltung der Menschenrechte in b&#252;rgerlich-politische Rechte und die so genannten <a href="http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/de/themen/wsk-rechte.html" target="_blank">WSKU Rechte</a>.</p>
<p>Selbstredend, so Hervé le Crosnier, k&#246;nne man mit Commonstheorie nicht alle Probleme l&#246;sen. Selbstredend funktionierten sie im lokalen, &#252;berschaubaren Kontext besser als im globalen. Selbstredend sei es nicht der einzige Weg aus den politischen Krisen der Gegenwart, aber die Gemeing&#252;terdebatte r&#252;cke L&#246;sungen in den Blick, die, wie einst die <em>Charter of the Forest</em>, zu Unrecht in Vergessenheit gerieten. Und sie erm&#246;gliche uns die vielf&#228;ltigen Organisationsformen neu zu verhandeln, auf einem Kontinuum zwischem dem &gt;&gt;Nicht Handelbaremn – Gemeing&#252;tern – Globalen &#214;ffentlichen G&#252;tern – Marktf&#246;rmigem&lt;&lt;.</p>
<p>Dass diese Allmende, die Idee des Teilens und gemeinschaftlichen Reproduzierens aber ein ganz moderne Angelegenheit ist, berichtet anschlie&#223;end Adama Dembélé. Er ist Freier-Software-Aktivist und Unternehmer aus dem Mali. (<a href="http://www.dailymotion.com/video/xa77o7_interview-du-president-de-l-amull-a_tech" target="_blank">Hier</a> ein Interview mit ihm in franz&#246;sischer Sprache.) Dembélé beschreibt, in welcher konkreten Form die Kontrolle &#252;ber Software – mit der heute mehr produziert werde als mit Industriemaschinen – und damit &#252;ber die eigene Entwicklung m&#246;glich ist. Worum es gehe sei Autonomie, so der westafrikanische Computerexperte.</p>
<blockquote><p><em>“Sie m&#252;ssen sich das so vorstellen: Wir programmieren Freie Software, aber wir w&#252;rden nie jemandem den Zugang zum Quellcode verwehren, so dass jeder Mensch diese Software f&#252;r sich nutzen und weiterentwickeln kann. Zugleich bieten wir Dienstleistungen rund um diese Software an. Und davon leben wir. </em><em>Man kann den Umgang mit Softwarecode und den Softwareprogrammen mit einer Quelle und der Nutzung des Quellwassers vergleichen. </em><em>Man kann also dem Flu&#223; Wasser entnehmen, um damit die eigenen Felder zu bew&#228;ssern. Das bedeutet aber nicht, dass man das Recht hat, die Quelle zu privatisieren.”</em></p></blockquote>
<p>Es bedeutet vielmehr, dass wir angemessene Regeln f&#252;r kollektive Nutzungsrechte an Ressourcen brauchen, die allen zustehen, und dass diese Ressourcen zu verteidigen sind. Denn was alle Gemeing&#252;ter gemeinsam haben, ist Folgendes:</p>
<blockquote><p>“<em>Sie sind anf&#228;llig f&#252;r <a href="http://www.ila-web.de/artikel/ila323/gemeingueter_enclosure.htm" target="_blank">Einhegungen</a>”, </em>betont Hervé Le Crosnier.</p></blockquote>
<p>Dabei seien es gerade die Gemeing&#252;ter, die die Welt am Leben und die Gesellschaften zusammen halten. Es sind die Gemeing&#252;ter (das Commoning), die es auch v&#246;llig von Markt und Staat ausgeschlossenen Menschen erm&#246;glichen in W&#252;rde zu leben. Es sind die Gemeing&#252;ter, die uns durch die Krisen tragen.<br />
Es ist daher nicht in erster Linie ein Bereitstellungsproblem, wie &#214;konomon sagen w&#252;rden, sondern Gemeing&#252;ter m&#252;ssen st&#228;ndig gepflegt werden, sonst verschwinden oder erodieren sie – wie das noch vor 15 Jahren recht gut funktionierende &#214;ffentliche Nahverkehrssystem aus dem Ged&#228;chtnis der Senegalesen verschwand. Noch einmal Dembelé:</p>
<blockquote><p><em>“Wir haben die Pflicht zum Schutz der Gemeing&#252;ter, so wie wir etwa Freie Software mit der GPL sch&#252;tzen. Die GPL verhindert, dass Freie Software reprivatisiert wird. Dieser Schutz ist von einer Gemeinschaft getragen und er n&#252;tzt der Allgemeinheit.”</em>(Anm. GPL beruht auf dem Copyleft-Prinzip, s.o.)<em><br />
</em></p></blockquote>
<p>F&#252;r die Commons streiten hie&#223;e daher “das Leben verteidigen”, beendet Dembelé seinen Vortrag und eine lebhafte Debatte beginnt. So lebhaft, dass sie von den Veranstaltern unterbrochen werden muss. Wir m&#252;ssen den Raum verlassen, Studenten r&#252;cken nach.</p>
<p>In der Debatte gibt es zahlreiche Fragen zu Begriffen, Eigentumsrechten und Konflikten in den Commons. Die Politiker_innen im Raum wollen den Ansatz auf ihr Fachgebiet beziehen. Wir erleben eine aufgeschlossene und hochkonzentrierte Reaktion von einem top-informierten Publikum. Die Frageliste ist lang, die Antworten mitunter l&#228;nger. Ein Afrikaner, ich glaube aus Guinea, wird ungeduldig; zu ungeduldig schlie&#223;lich, um abzuwarten bis die Moderation das Wort erteilt. Er ergreift es und sagt (Ged&#228;chtniszitat):</p>
<blockquote><p><em>“Was Ihr da erz&#228;hlt, ist f&#252;r uns nichts Neues. Die Praxis des Commoning ist das, was die Menschen in Afrika tun. Sich um die eigenen Dinge k&#252;mmern, Regeln aushandeln, Ressourcen teilen. Das ist also nichts Neues. Aber es ist das erste Mal, dass ich einen Vorschlag und ein Konzept h&#246;re, das mir nicht erst Soziologen oder Entwicklungsexperten &#252;bersetzen m&#252;ssen. Wir verstehen es einfach, weil es unsere Praxis ist.”</em></p></blockquote>
<p>Ich arbeite seit gut 15 Jahren in der Entwicklungspolitik oder zu entwicklungspolitischen Fragen. Es war das sch&#246;nste Feedback ever.</p>
<address>Foto: Hervé Le Crosnier, Adama Dembélé, Silke Helfrich, by <a href="http://www.boell.org/web/149-277.html" target="_blank">Nancy Alexander</a></address>
<address><a href="http://commonsblog.wordpress.com/2011/03/01/gemeinguter-auf-dem-wsf-easy-to-copy/">Crosspost</a></address>
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		<title>OpenSpending schl&#252;sselt L&#228;nder-Budgets auf</title>
		<link>http://blog.kooptech.de/2011/03/openspending-schlusselt-lander-budgets-auf/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Mar 2011 14:46:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane Schulzki-Haddouti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Haushalt]]></category>
		<category><![CDATA[Infografik]]></category>
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		<description><![CDATA[﻿OpenSpending ist vom Anspruch ein recht ambitioniertes Projekt: Eine Weltkarte zeigtalle L&#228;nder - und farbig markiert diejenigen, deren Budgets OpenSpending maschinell bereits zu &#252;bersichtlichen, durchforstbaren Grafiken verarbeitet hat. Die Mission von Open Spending ist deutlich:
Our aim is to track ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://openspending.org/">﻿OpenSpending</a> ist vom Anspruch ein recht ambitioniertes Projekt: Eine Weltkarte zeigtalle L&#228;nder &#8211; und farbig markiert diejenigen, deren Budgets OpenSpending maschinell bereits zu &#252;bersichtlichen, durchforstbaren Grafiken verarbeitet hat. Die Mission von Open Spending ist deutlich:</p>
<blockquote><p>Our aim is to track every (public) government and corporate financial transaction across the world and present it in useful and engaging forms for everyone from a school-child to a data geek.</p></blockquote>
<p><a rel="attachment wp-att-4319" href="http://blog.kooptech.de/2011/03/openspending-schlusselt-lander-budgets-auf/open-spending/"><img class="alignnone size-full wp-image-4319" title="Open-Spending" src="http://blog.kooptech.de/wp-content/uploads/2011/03/Open-Spending.png" alt="" width="1039" height="807" /></a></p>
<p>Dahinter steckt unter anderem <a href="http://pudo.org/">Friedrich Lindenberg</a>, der bereits den<a href="http://bund.offenerhaushalt.de/"> Offenen Haushalt</a> programmiert hat. Die Optik des Offenen Haushalts findet sich denn auch hier wieder. Hier die beeindruckenden Gr&#246;&#223;enordnungen des EU-Haushalts, dessen Daten aber erst zu einem Drittel eingearbeitet sind:</p>
<p><a rel="attachment wp-att-4320" href="http://blog.kooptech.de/2011/03/openspending-schlusselt-lander-budgets-auf/open-spending-eu/"><img class="alignnone size-full wp-image-4320" title="Open-Spending-EU" src="http://blog.kooptech.de/wp-content/uploads/2011/03/Open-Spending-EU.png" alt="" width="970" height="527" /></a></p>
<p>So richtig spannend d&#252;rfte es werden, wenn man die einzelnen L&#228;nder-Budgets miteinander vergleicht. Die Vorarbeiten daf&#252;r scheinen bereits geleistet zu sein. Interessant sind auch die Quellen f&#252;r die Zahlen. So stammen die das<a href="http://openspending.org/dataset/uganda"> ugandischen Haushalts</a> von der NGO <a href="http://www.publishwhatyoufund.org/">PublishWhatYouFound</a>, die wohl auf geleakte Dokumente zur&#252;ckgreift. F&#252;r den <a href="http://openspending.org/dataset/israel">israelischen Haushalt</a> fehlt noch die &#220;bersetzung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://blog.kooptech.de/?flattrss_redirect&amp;id=4318&amp;md5=6f83749e37e7aa99ce89a7cea538a514" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.kooptech.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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